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Doku-Donnerstag: Moderne Piraterie und sozialer Wandel in Hagen
Es wurde über moderne Piraterie im Golf von Aden und in Asien berichtet, inklusive der Straße von Malacca und der Gruppe Abu Sayyaf. Themen wie Waffenhandel und Schmuggel wurden behandelt. Zudem wurde der soziale Wandel in Hagen nach der Stahlkrise gezeigt, mit Integration, Gemeinschaft und kultureller Erneuerung. Die Reflexion betonte die Verbindung globaler und lokaler Herausforderungen.
Einleitung und Themenübersicht
00:02:5200:02:52 So, hallo, herzlich willkommen zum heutigen Doku-Donnerstag. Ich habe Bock auf Dokus mit euch und habe da was Schönes rausgesucht. Wir fangen an mit den modernen Piraten. Überfälle, Entführung, Schmuggel, die gefährlichsten Meere der Welt. Dazu, kleiner, warum ich das ausgewählt habe, liegt einfach daran.
Piraterie in Asien: Straße von Malacca und Sulu
00:03:1800:03:18 Ich habe ja damals auf der AIDA gearbeitet. Und hier, dieser Golf von Aden hier rum, ist eine der gefährlichsten Passagen, die es auf den Weltmeeren gibt. Also dieser Bereich hier.
00:03:39 ist einer der gefährlichsten Bereiche, weil hier super viel Piraten unterwegs sind. Weil die von Somalia mit kleinen Booten von der Küste aus, die einfach hier sind, rausfahren. Hier sind diese ganz kleinen Boote. Und ihr seht es auch, hier ist recht.
Abu Sayyaf: Strukturen und Motivationen
00:04:0400:04:04 Wie soll ich sagen, es ist recht flach. Das heißt, hier hast du wirklich den hohen Seegang, was auf jeden Fall schon ein bisschen weiter draußen ist. Und ich habe damals echt überlegt, das bei AIDA zu machen.
00:04:23 Guck mal, ob der ist aus war. Jetzt sieht der in der Philippinen aus. Malaysia oder sowas.
00:04:53 Auf Asiens boomenden Seewegen werden die wertvollsten Güter der Welt verschifft. Das bringt Reichtum und Wohlstand in die Region, aber nicht für alle. Die Industrialisierung einst beschaulicher Küstengemeinden, die Zerstörung von Ökosystemen und eine wachsende wirtschaftliche Kluft treiben viele traditionelle Seeleute in die Illegalität. Und nicht selten in die Arme von Asiens modernen Seeräuberbanden.
Waffenhandel und Schmuggel
00:05:1900:05:44 In der Straße von Malacca greifen die Piraten oft nachts an. Die Containerschiffe, die dieses lukrative Gewässer passieren, haben all die Dinge an Bord, die aus unserer modernen Welt nicht mehr wegzudenken sind. Im Schutz der Dunkelheit hält eine kleine Gruppe maskierter Männer Ausschau nach lohnender Beute.
00:06:09 In dieser Region Indonesiens operiert eine weitverzweigte Mafia, gestützt auf ein dichtes Netz von Informanten, die unablässig die Frachtströme ausspähen. Plötzlich taucht eine Patrouille der indonesischen Küstenwache neben dem Motorboot der Männer auf. Schnell ziehen sie sich zurück.
00:06:29 Nico, tachchen.
00:06:57 Unter Entführung ausländischer Staatsangehöriger Millionen. Immer wieder hat die Gruppe auch Europäer verschleppt. Im Jahr 2016 werden die Deutschen Jürgen Kantner und Sabine Merz überfallen, als sie vor der Küste der Philippinen und Malaysias segeln. Sabine Merz wird bei dem Angriff getötet, Jürgen Kantner als Geisel genommen. Als Lösegeld fordert die Gruppe eine halbe Million Euro.
00:07:23 Krass!
00:07:54 Ich erinnere mich gut daran. Ich bin auch auf dem Foto zu sehen. Ganz hinten. Das bin ich, versteckt hinter der Geise. Nach vier Monaten Gefangenschaft wird Jürgen Kantner ermordet.
00:08:16 Wir sind zwei Tage lang gelaufen. Dann wurde unser Anführer wütend, weil das Geld nicht kam. Unser Anführer hatte das Gefühl, dass man uns nicht ernst nahm. Und was ist dann passiert? Er wollte, dass das Geld sofort gezahlt wird.
Indonesische Piraterie: Kooperation mit Fischer
00:08:4500:08:45 Alex, danke dir für dein Resort. Es hieß, das Geld würde bis 8 Uhr eintreffen. Aber es kam nicht. Nach seiner Enthauptung ließen wir ihn einfach zurück.
00:09:06 Infolge der aufsehenerregenden Entführungen und Tötungen von Ausländern steigt der internationale Druck auf die philippinischen Streitkräfte Abu Sayyaf zu eliminieren. Heute gelten in der Provinz Hulu strenge Sicherheitsmaßnahmen. Patrouillen an Land und auf See mit Einheiten von bis zu 20 Soldaten sind rund um die vielen kleinen Inseln unterwegs.
00:09:33 In Indonesien liegt der geografische Schwerpunkt der modernen Piraterie in der schmalen Wasserstraße zwischen der Insel Sumatra und der malayschen Halbinsel. Ein indonesischer Pirat, der in dieser Meerenge operiert, erklärt sich unter der Bedingung der Anonymität zu einem Interview bereit.
00:10:02 Von den Schiffen, die wir ins Visier nehmen, kennen wir die Abfahrtszeiten von ihren Ladedocks. Sobald wir die Info bekommen, dass so ein Schiff ausläuft, schlagen wir zu.
00:10:27 Pro Jahr passieren rund 94.000 Hochseeschiffe die Straße von Malacca und nutzen dabei über 40 verschiedene Häfen. Die Piraten haben es vor allem auf langsam fahrende Schiffe abgesehen.
00:10:41 Die Straße von Malacca und Singapur, weltweit unter dem Kürzel Soms bekannt, ist ein sogenannter Choke Point. Ein Choke Point ist eine geografische Besonderheit, eine Meerenge, in der die Schiffe, sobald sie in diese einfahren, ihre Geschwindigkeit deutlich drosseln müssen.
00:11:08 Sie gehört zu den am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt. Das macht sie zu einem zentralen Punkt des globalen Warenverkehrs. Bei einem geschätzten Handelswert von 3,5 Billionen US-Dollar ist die Sicherung des konstanten Seeverkehrs durch diese Meerenge von entscheidender Bedeutung für die Weltwirtschaft.
00:11:32 Die Piratenbanden, die in der Region operieren, mischen sich geschickt und unauffällig unter die örtlichen Fischerflotten. Der 67-jährige Fischer Naman Rahman weiß um die Gefahr, die Piraten für die Schiffe in der Meerenge von Malacca darstellen. Er arbeitet jeden Tag an der Grenze zwischen Singapur und den Gewässern Indonesiens. Sieht aber nicht so aus.
00:12:00 Sieht aber nicht so aus. Wie heißt? 67? Erstmal schön das andere Seil in die Schraube bekommen. Dann hier auch.
00:12:34 Piraten gibt es hier immer noch. Aber für uns Fischer ist es sicher. Es sind die großen Schiffe, die in Gefahr sind. Manchmal kooperieren die Schiffskapitäne mit den Piraten.
00:12:54 Rahman muss sein kleines Boot durch hunderte von Schiffen navigieren, die täglich durch seine Fischgründe fahren. Permanent kommen Schiffe vorbei. Jeden Tag. Wenn sie uns zu nahe kommen und unsere Netze erwischen, können wir alles verlieren. Wir brauchen die Netze, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen.
00:13:14 Wir haben keine andere Wahl, als hier zu fischen. Aber wir können schon jetzt kaum noch davon leben. Ohne eine Zukunftsperspektive für ihr Gewerbe sehen vor allem die jüngeren Fischer oft nur einen Ausweg. Piraterie in der Straße von Malacca. Sie geben die traditionelle Fischerei auf und treten illegal Netzwerken bei, um schnelles Geld zu verdienen. Ich war früher Kleinfischer.
00:13:42 Zuerst hatte ich eine Angel, später dann eine Fischhäuse. Aber von Jahr zu Jahr wurde es schwieriger. Wir konnten wirtschaftlich nicht überleben. Arbeitslose Fischer sind eine der Hauptrekrutierungsquellen für die Piratenbanden, die in indonesischen Gewässern operieren. Wir fingen an, unser Leid zu klagen. Schon bald bot uns ein Freund einen Job an. Schiffe entführen.
Soziale Folgen und staatliche Maßnahmen
00:14:1200:14:12 Das war unser neuer Job. Es ließ sich gut an und brachte uns eine Menge Geld ein. Wir gingen auch in andere Länder. Zum Beispiel nach Thailand, die Philippinen und Singapur. Mit Jakarta als unserer Basis.
00:14:35 Auf dem abgelegenen Sulu-Archipel lebt die muslimische Minderheit der Philippinen. Marginalisiert und geprägt von jahrhundertelangem Widerstand gegen koloniale Fremdherrschaft. Sulu und Basilan sind die Inselprovinzen an der Südspitze der Philippinen. Es ist der südliche Teil der Halbinsel Samboanga.
00:15:01 Vor allem Sulu ist wegen der früheren Entführungsfälle sehr bekannt. Daran beteiligt waren die IS-Gruppe und Überreste von Al-Qaida getreu. Die in Sulu beheimatete Abu Sayyaf nutzt ihre Kenntnisse der örtlichen Seegebiete, um in den stark befahrenen Gewässern der Sulu und Celebessee in großem Stil Schiffe anzugreifen.
00:15:31 Die haben aber jetzt alle nicht viel Kohle. Die nehmen da alle in den Bretterbuden, egal welche Doku du dir anguckst, mit irgendwelchen Drogendealern und und und und.
00:15:49 Ich bin nur Paki. Der Abu Sayyaf bin ich beigetreten, weil ich arbeitslos war und meine Familie nicht ernähren konnte. Ich bekam Geld dafür, dass ich mich um die Geiseln kümmerte. Wenn das Lösegeld gezahlt wurde, erhielt ich einen Anteil. Ich war zehn Jahre lang bei Abu Sayyaf. Ich schloss mich ihnen im Alter von 35 Jahren an.
00:16:19 In der Zeit habe ich mich um die ausländischen Geiseln gekümmert und so mein Geld verdient. Für deutsche und amerikanische Geiseln bekamen wir zwischen 50.000 und 70.000 Pesos.
00:16:43 Militärpatrouillen überwachen die Küstengewässer der Umgebung. Ein permanenter Schutz der Inseln um Sulu ist jedoch ohne die Unterstützung der Einheimischen kaum möglich.
00:17:04 Piraterie ist vor allem in unserer Region am häufigsten in Gebieten anzutreffen, in denen die Macht und die Autorität moderner Staaten ihre Grenzen haben. Man kann dort keine physische Linie über das Wasser ziehen, um festzustellen, ob dieser Ort zu dem einen oder dem anderen Land gehört.
00:17:27 Und genau hier gedeiht die Piraterie. Sie agiert in den Grauzonen, dort wo Macht und Autorität über bestimmte Orte nicht eindeutig geklärt sind. Damit ein Staat seine Macht über einen Archipel ausüben kann, muss er in der Lage sein, diese Gebiete mit Sicherheitskräften und Seestreitkräften zu überwachen.
00:17:50 Das Problem ist, dass sowohl die Philippinen als auch Indonesien aus tausenden von Inseln bestehen. Das ist jenseits der Reichweite des Staates, jenseits der Möglichkeiten des Staates.
00:18:05 Die Mangrovenwälder der indonesischen Riau-Insel sind seit Jahrzehnten Rückzugsorte für Piratenbanden, die in der Straße von Malacca Handelsschiffe angreifen. Viele ehemalige Fischer haben sich der Piraterie zugewandt. Ihre Fähigkeiten und ihr Wissen über die Navigation dieses Meeresgebiets machen sie zu idealen Rekruten.
00:18:29 Ich hatte verschiedene Aufgaben. Manchmal war ich der Kapitän eines Bootes und manchmal war ich der Geiselbewacher. Wenn eine Piratengruppe keinen Kapitän in ihren Reihen hatte, dann heuerten sie mich an. Wenn es bereits einen Kapitän gab, kümmerte ich mich um die Geiseln.
00:19:00 Noch in den 90er Jahren sind Geiselnahmen durch Piraten in Asien im Vergleich zur Piraterie vor den Küsten Afrikas selten. Mit dem Aufstieg der Abu Sayyaf-Gruppe in den frühen 2000er Jahren ändert sich das schlagartig. Die Gruppe verschleppt Ausländer und Geschäftsleute, aber auch Fischer und sogar Soldaten. Ein weiteres Mitglied der Gruppe hatte die Aufgabe, Ausländer zu entführen und die Geiseln zu uns zu bringen.
00:19:29 Wir versteckten die Geiseln dann an verschiedenen Orten in Sulu. Also ich sage ja, ich habe die Philippinen jetzt nicht so krass gesehen. Nach ihrer Entführung wurden die Geiseln mit Booten zu unserem Versteck transportiert. Wir brachten sie dann in die Berge und versteckten sie dort.
Integration und Gemeinschaft in Hagen
00:19:5300:19:53 Solange die Geiseln in unserer Obhut waren, hielten wir sie an verschiedenen Orten in den Bargen gefangen. Der Dschungel von Indanan gilt seit langem als eine der wichtigsten Hochburgen der Abu Sayyaf-Gruppe in Sulu.
00:20:12 Die Einheimischen sind ständig auf der Hut, weil die Kämpfer versuchen in ihr Gebiet zurückzukehren. Deshalb helfen sie dem philippinischen Militär bei der Sicherung der bewaldeten Hügel und Dörfer. Krass. Und so ein englischer Sack Kampf.
00:20:29 Reste der Terrorgruppe sind zwar noch aktiv, doch ihr Einfluss zu Wasser und an Land ist weitgehend gebrochen. Entschlossene Militäreinsätze und lokale Verteidigungsgruppen, die das Terrain seither sichern, haben sie nachhaltig zurückgedrängt. Nur zu Ihrer Information, Sir. Wir führen ein Waffenverbot ein.
00:20:57 In und um Holo, der Hauptstadt der Provinz Sulu, werden routinemäßig militärische Kontrollpunkte eingerichtet und genutzt, um Zivilisten anzuhalten und zu durchsuchen. Vor sensiblen Kommunalwahlen verhängen die Behörden Waffenverbote. Die Philippinen zählen zu den asiatischen Ländern mit besonders liberalen Waffengesetzen. Schätzungen gehen davon aus, dass auf dem Archipel neben den knapp zwei Millionen legal registrierten mindestens genauso viele illegale Schusswaffen im Umlauf sind.
00:21:26 die Eindämmung des illegalen Waffenhandels bleibt ein zentrales Ziel des philippinischen Militärs im Kampf gegen die letzten Rückzugsräume von Abu Sayyaf. Ein Waffenhändler zeigt den Reportern bereitwillig sein Angebot und erklärt wie einfach es ist auf den Südphilippinen an illegale Waffen zu kommen. In den Bergen versteckt betreiben Waffenschmiede ihre Werkstätten. Zeigen sie mein Gesicht? Nein.
00:21:53 Woher haben Sie die? Ich habe sie in den Bergen gekauft. Für wie viel? 25.000 Pesos. 25.000. Das ist eine Kaliber 40.
00:22:23 Die meisten Pistolen hier kosten um die 12.000 Pesos. Zwischen 12.000 und 15.000 Pesos. Ist diese Waffe hier vor Ort hergestellt worden? Ich habe die Teile gekauft und sie dann hier zusammengebaut. Wenn Sie sehen wollen, wie sie hergestellt wird, ich kenne einen Waffenmacher. Ich kann sie zu ihm bringen.
00:22:55 Gekauft werden die Waffen von Abu Sayyaf-Leuten, aber auch von Privatarmeen und von Drogenhändlern. Was ist ja nix.
00:23:23 Piraten und Milizen herstellt und verkauft. Ich mache schon seit über 20 Jahren Waffen. Ich mache Pistolen.
00:23:52 Hier ist meine Werkstatt. Das hier ist eine 45er. Ich montiere sie nur. Wie lange brauchen Sie, um so eine Waffe herzustellen? Wie viele Tage oder Wochen? Drei Wochen.
00:24:21 Die Büchsenmacher fertigen ihre Produkte per Hand aus behelfsmäßigen Materialien. Ihre Werkstätten sind mobil und können bei Bedarf schnell verlegt werden. Patrista, danke dir für deinen Zapf. Vielen Dank. Was kostet so eine Waffe?
00:24:51 pro ohne lackierung 6000 pesos wenn sie lackiert ist kostet sie 11.000 pesos oder 200 US-Dollar und was verdienen sie daran? pro stück machen wir nur 1000 pesos gewinn das ist nicht viel für den aufwand
Sicherheitsgefühle und Kriminalität
00:25:1700:25:17 ah lohnt sich das für sie nein so ist das nun mal das reicht geradeaus um davon reis zu kaufen illegale waffenschmieden sind auf den südlichen philippinen weit verbreitet diese gefährliche schattenindustrie ermöglicht den verkauf und schmuggel von unregistrierten waffen an dankeschön hier kommt gerade hochgeladen
00:25:46 Wird gerade hochgeladen, 64%. Der Green-Fee-Verbund Münsterland. I show you the thumbnail. Also ja, so hier, das kriegt er nicht hin.
00:26:14 Aber ich sage trotzdem ganz ehrlich, ich würde das Thumbnail nie so gut hinkriegen. Der hat es ja gar nicht gesehen. Hier oben die Schrift. Das kriegt er nicht hin.
00:26:45 Privatleute, Piraten und Gangsterbanden. Revolver der Kaliber 38 und 357 Magnum gehören zu den Waffen, die in dieser kleinen Werkstatt hergestellt werden. Dieser 70-jährige Büchsenmacher, der sich Thulang nennt, ist ein Meister im Bau von Handfeuerwaffen. Er hat seine Fähigkeiten und sein Handwerk über 50 Jahre lang verfeinert. Thulang kann einen 38er Revolver in knapp einem Monat montieren.
00:27:27 Zum Schluss wird die Waffe in ein unauffälliges Stück Zeitungspapier eingewickelt und ist bereit für den Verkauf. Ich weiß, dass die Abu Sayyaf-Gruppe meine Waffen benutzt. Aber ich weiß auch, dass nicht alle von mir sind. Es gibt ja eine Menge Waffenmacher wie mich.
00:27:47 Abu Sayyaf kauft Waffen im Wert von Millionen von Dollar. Die Lösegeldzahlungen werden zur Ausweitung der Operationen und zum Kauf weiterer Waffen für Piraterie und Entführungen verwendet.
00:28:00 Wir kauften unsere Waffen von den Lösegeldern, die wir bekamen. Wir kauften Waffen und rekrutierten dann neue Mitglieder. Die meisten Waffen, die wir kauften, stammten von Politikern oder einfachen Leuten, die Waffen hatten und sich etwas dazu verdienen wollten.
00:28:27 Wir kauften die Waffen ebenso von wohlhabenden Geschäftsleuten wie von Bankenmitgliedern, die ihre Knarren für 50.000 Pesos hergaben. Wir bekamen die Waffen von Zivilisten, aber auch von Verbrecherbanden. In Indonesien zeigt die Piraterie ein anderes Gesicht. In der Straße von Malacca agieren die Angreifer weniger brutal.
00:28:56 Sie arbeiten mit lokalen Fischern und Schiffsbesatzungen zusammen, um Überfälle möglichst effizient und unblutig durchzuführen. Ein Pirat erklärt, wie das Zusammenspiel funktioniert. Die Häufigkeit hängt davon ab, ob und wann wir Informationen bekommen. Sobald wir Informationen haben, werden wir aktiv.
00:29:20 Es kann passieren, dass wir zwei oder drei Monate auf die nächste Aktion warten müssen. Wir haben mehr Erfolge als Misserfolge, weil wir wirklich nur zuschlagen, wenn wir gut vorbereitet sind. Im besten Fall hat jeder von uns um die 10.000 US-Dollar bekommen. Manchmal...
00:29:48 waren es aber auch nur 5000 Dollar. Wenn eine Aktion schief ging, lag es an den Patrouillen. Wenn wir nicht gut vorbereitet waren, hatten wir keinen Erfolg. Bei der Überwachung des Gebiets haben wir mit den Fischern zusammengearbeitet.
00:30:16 die fischer in der straße von malaka sind mit der navigation durch die engen passagen vertraut batam die größte stadt der indonesischen inselprovinz riau liegt nur 19 seemeilen von singapur entfernt die fischer nutzen die wasserstraße jeden tag
00:30:36 Jumari, ein 55-jähriger Fischer, hat die meiste Zeit seines Arbeitslebens auf dieser vielbefahrenen Schifahrtstraße verbracht. Seit langem ist sie ein Hotspot für Piraterie. Zwischenfälle mit Piraten gab es schon immer. Meistens ereignen sich die Überfälle in unserem Gebiet an der Grenze zu Singapur, manchmal auch im südchinesischen Meer. Und manchmal an der Einfahrt zur Straße von Malacca.
00:31:08 Die meisten Schiffe, die hier langkommen, drosseln bei der Durchfahrt ihre Geschwindigkeit. Die Schiffe sind also langsam. Nicht schneller, als wir uns gerade bewegen. In Sulu auf den südlichen Philippinen war Geld schon immer der Hauptantrieb der militanten Piratengruppe Abu Sayyaf.
00:31:38 Verständlich. Als wir damit begannen, diejenigen Einheimischen festzunehmen, die ihnen bei der Navigation halfen, war das ein wichtiger Erfolg in unserem Kampf gegen Abu Sayyaf.
00:31:58 Ohne diese fähigen Unterstützer hatten sie Probleme, ihre Aktivitäten fortzusetzen. Sie fingen an, die Einheimischen zu schikanieren, weil sie nicht mehr in der Lage waren, ausländische Geiseln von anderen Orten nach Sulu zu bringen. Das Yonogan Beach Hotel wird zu einem Hauptziel der Gruppe.
00:32:26 die bewaffneten männer kommen immer wieder mit boten und plündern die vorräte des hotels die 33 jährige hotelangestellte amelina mir hat diese überfälle miterlebt
00:32:38 Seit damals hat sich Sionogan verändert. Früher war es nicht so voll mit Menschen. Es gab viel weniger Touristen. Damals hieß Sionogan noch No Man's Island. Menschen aus anderen Orten kamen nicht hierher. Sie trauten sich nicht, weil damals noch keine Straßen herführten.
00:33:02 Wir sind damals selbst mit Booten übers Meer angereist und wussten nicht, ob wir die Provinz erreichen konnten. Ich bin nicht in Sionogan aufgewachsen. Das Dorf wird zu einem Symbol des Widerstands, weil seine Einwohner sich mutig gegen die Terrorgruppe wehren.
00:33:21 es fällt mir schön darüber zu sprechen wir konnten vor lauter sorge kaum schlaf nach die jungen leute noch die frauen noch die älteren menschen aber wir gehen mal weiter das ist jetzt hier gerade immer mal nach hagen ist ähnlich
00:33:46 Das ist mein Elternhaus. Unsere Familie hatte hier die allerbeste Zeit. Hier wurde gefeiert, gelacht, gelebt und meine Eltern waren sich sicher. Wenn ihr Kinder das Haus irgendwann mal verkaufen müsst, dann reißen sie es euch aus der Hand. Aber jetzt geht diese Rechnung nicht auf. Das Haus steht leer. Vielleicht, weil es in der falschen Stadt steht. Einer Stadt, deren Ruf ordentlich ramponiert ist.
00:34:19 Kriminalität, Armut, Schrottimmobilien. Hier sind Verschuldung, Migration, Arbeitslosigkeit besonders hoch. Hier tobte die Jahrhundertflut besonders wild. Denkst du an Hagen, denkst du schlimm. Wirklich? Für diesen Film bin ich zurückgekommen auf der Suche nach den Menschen, die an die Zukunft dieser Stadt glauben. Man muss sich den Herausforderungen vielleicht auch mal stellen, um dann Dinge zu verändern.
00:34:48 Und haben sie Angst? Nein. Steht der Tropfen durch den Stadler, warum muss hier dann bleiben? Hagen. Hagen ist... Erstmal, bevor wir gehen wir mal in die Recherche und sagen... Gemo-Scout... Und sagen, wir wollen jetzt...
00:35:24 Ich will mich nicht anmelden. Eigentumswohnung 92 Quadratmeter Balkon Hagen.
00:35:53 Also ich muss jetzt sagen, ich kriege für meine Eigentumswohnung, die ich habe, bei 90 Quadratmeter mit Balkon, wenn ich das jetzt hier in Meerbusch eingebe. 389.000. Die ist ein bisschen größer.
00:36:24 Aber hier, das ist in der Nähe, ungefähr 400.000, bisschen weniger. Sechteres Viertel, 275. 96 Quadratmeter, 395.
00:36:54 104 Quadratmeter, 97, 98 Quadratmeter, 4,85. Also 400.000 sind hier, das ist auch in der Nähe, aber die ist schlechter und die Lage ist ein bisschen schlechter, aber 400.000 ist auf jeden Fall realistisch. So, Hagen.
Wildschweinproblem und Medienöffentlichkeit
00:37:2500:37:25 Einfach nur die Hälfte wert. Geiler Balkon. Auf cooler Aussicht.
00:37:55 Eigentlich recht schön, ne? Also Holsteck und so, aber sehr alt. Mal mit Sauna. Gut, da muss ich die 200.000 komplett reinstecken lassen. Burische Villa. Kannst wahrscheinlich nichts ändern.
00:38:30 Die sieht schön aus.
00:38:51 Das ist hässlich, sagen die Leute. Das stimmt vielleicht und mit Gelsenkirchen, Duisburg, Oberhausen hält die Stadt zu viele Negativrekorde. Ich suche diejenigen, die trotzdem in Hagen bleiben, die versuchen, das Ruder rumzureißen und beginne mit meinem Streifzug im Auto des im vergangenen Herbst frisch gewählten Oberbürgermeisters Dennis Rehbein von der CDU. Als wir mit ihm sprechen, ist er noch keine 100 Tage im Amt.
00:39:18 Wenn Sie hier durch Hagen fahren und gucken aus dem Fenster, sehen Sie da nur Probleme oder was sehen Sie da eigentlich? Nein, in erster Linie sehe ich eine Stadt. Aufgaben. Eine lebende Stadt. Eine Stadt, die pulsiert. Eine Stadt, die Bock hat auf Veränderungen. Für die es sich lohnt, sich einzusetzen. Ich sehe viele, viele schöne Seiten dieser Stadt. Ich bin hier geboren, ich bin hier aufgewachsen. Wenn ich nur Probleme sehen würde, dann hätte ich mir vielleicht einen anderen Job gesucht oder vielleicht auch eine andere Stadt, in der ich wohne.
00:39:47 Und ich sehe hier auch schon den strukturellen Wandel und die damit verbundenen Herausforderungen. Wenn ich aus dem Fenster gucke, dann erinnere ich mich an den gelben Himmel, an Eisenhütten und Stahlwerke, die den Wohlstand brachten. Dann an die Stimmung der 70er.
00:40:08 Als die Stahlkrise den ganzen Pott ins Wanken brachte. Und vor allem erinnere ich die wilde Revolte, mit der das junge Hagen darauf reagierte. Mit Rock und Punk, Deutschlands Liverpool hieß es oder Popmetropole. Es gab Galerien und Museen und jede Menge Kneipen. Es ist krass, wie eine Stadt sich so wandelt. Das war der Rufang in den 80ern. Arm, aber sexy.
00:40:34 Und unvergessen Basketball. Darin war Hagen schon früher spitze und wir waren Fans. Wie Dennis Rehbein heute auch. Der feiert Phoenix Hagen. Der Verein ist nach zehn Jahren zurück in der Bundesliga. Die Oberstufe eines Gymnasiums hat... Also Hagen haben wir auch gegen gespielt.
00:40:56 Aber war nie, nie schön. ... den heute eingeladen. Was sie von ihm wollen, weiß er noch nicht. Vermutlich ihn fragen, ob es sich lohnt, in der Stadt zu bleiben, wenn sie ihr Abitur in der Tasche haben.
00:41:12 Hallo zusammen! Zu allererst will ich mich sehr bedanken und Sie in unserer Schule herzlich willkommen heißen. Anlass dafür ist leider, dass viele Jugendliche sich überhört fühlen und ich möchte mich schon mal bei Ihnen vorab bedanken, denn allein, dass Sie heute hier sind, ist ein klares Statement, dass das nicht der Fall ist.
00:41:33 Erstmal einen wunderschönen guten Morgen von meiner Seite. Vielen Dank für die Einladung. Und in der Tat sind junge Menschen mir in dieser Stadt sehr, sehr wichtig. Ich bin, glaube ich, der jüngste Oberbürgermeister, den Hagen je hatte. Ich bin Mitte 30.
00:41:56 Und in der Tat sind junge Menschen mir in dieser Stadt sehr, sehr wichtig. Ich bin auf ihn hier. Achtet mal auf ihn. Ich glaube, ich bin der jüngste Oberbürgermeister, den Hagen je hatte. Ich bin Mitte 30 und damit deutlich jünger als alle meine Vorgänger und damit auch ein bisschen näher noch an ihrer Generation als vielleicht an anderen Generationen. Ob das reicht? Die Schüler hier haben Fragen.
00:42:26 Ich habe eine Frage zur Sicherheit und Ordnung. Und zwar, wie geht Hagen um mit Spannungen und Parallelgesellschaften um? Und zwar, wie sieht es in der Zukunft aus? Im Wahlprogramm wird oft von Verantwortung auch für kommende Generationen gesprochen. Gibt es Pläne oder vielleicht schon Projekte, um die Infrastruktur in Hagen zu verbessern?
00:42:47 Wenn ich durch die Irrschenstadt laufe, finde ich den Leerstand sehr erschreckend. Ernsthaft konzentriert und gut vorbereitet konfrontieren Sie Ihren Oberbürgermeister. Sind wir doch mal ehrlich, ne? Sind wir doch mal ganz, ganz ehrlich. So ein Politiker lässt sich vielleicht von einem Schüler aus dem Konzept bringen und das nur ganz kurz.
00:43:14 Die haben so geile Rhetorik-Seminare. Guckt euch beste Beispiel, guckt euch eine Alice Weidel an. Ihr antwortet auf keine Frage klipp und klar, sondern redet nur um den heißen Brei und redet und redet und redet. Und wenn man der sagt, komm doch mal, ja, ich bin ja gerade dabei, dann labert die weiter, aber kommt trotzdem nicht auf den Punkt. Hat zehn Minuten geredet, aber nichts gesagt.
Kulturelle Erneuerung und Zukunftspotenzial
00:43:4100:43:41 Und du hast in der Zeit schon wieder deine Frage vergessen. Und das funktioniert. Und die würde mich auch komplett wegfixen. Rhetorisch. Der antwortet ausführlich und räumt auch Fehler ein. Wir als Politik haben sicherlich häufig nicht immer klug reagiert.
00:44:07 Kann man so sagen. Weil das Grundkonzept war irgendwie ganz lange, dass Menschen gesagt haben, ich fühle mich unsicher, ich fühle mich unwohl. Und die Antwort war, ja, aber statistisch gesehen ist Hagen eine sichere Großstadt. Wenn ich auf Gefühle mit Fakten antworte, dann komme ich nicht zueinander. Also muss ich die Menschen ernst nehmen und muss dafür sorgen, wenn Menschen sich in unserer Stadt unwohl und unsicher fühlen, dass sich das ändert. Es ist eine...
00:44:33 Viel gesagt, viel geredet, wenig gesagt. Wie soll sich das denn ändern? Was ist dein Ansatz? Wie? Schulstunde auch für mich, in der ich lerne, was den jungen Hagenern heute auf der Seele brennt. Ich denke, es hat sehr viele Probleme, die aber auch vor allem mit Armut zu tun haben. Ich denke, dass die Armut...
00:44:58 Auch vielleicht importierte Armut, dass Leute aus Südeuropa kommen, die wenig Geld haben, dann finden sie, Hagen ist eine gute Option, da es einfach sehr billig zum Leben ist. Ich muss auch sagen, dass ich mir sehr früh gesagt habe, ich will nicht in Hagen treiben. Aber genau diese Sicht von vielen Jugendlichen kann auch dazu werden, dass die Stadt immer im Negativ angesehen wird, weil wir halt keine Lösung mehr sehen. Ja, aber sind wir doch mal ehrlich.
00:45:27 Sind wir doch mal ehrlich, wer von euch möchte für eine Revolution arbeiten, wo man sich hinsetzen muss und sagen muss, eventuell könnte man es schaffen. Wer hat da Bock, sein Leben quasi zu versuchen? Die wenigsten.
00:45:49 Wenn du merkst, du wirst in einer Stadt groß, wo du dich unwohl fühlst, weil es aussieht wie Scheiße, wo es nichts gibt, was dich irgendwie hält, dann sagst du nicht, oh ja, ich bin jetzt aber der einzig Beste hier. Ich mache jetzt hier eine Diskothek auf für die Idioten, die hier sind. Ja, super. Oder was weiß ich, keine Ahnung. Das machst du ja nicht, weil das Risiko schon viel zu groß ist, damit zu scheitern.
00:46:20 Die Hoffnungen ruhen jetzt auf ihn. Er soll die Schubumkehr hinkriegen, so heißt es hier. 22,4 Prozent wählten in Hagen die AfD. Die sitzen ihm im Nacken. Handshake mit der Zukunft. Jeder Einzelne könnte eventuell die Stadt nach vorne bringen. Weggegangen sind viel zu viele. Da ist das Problem. Damit fängt es schon an.
00:46:48 Damit fängt es schon an. Wie wirkt das denn auf den Jugendlichen? Ja, der gibt dir einen Handshake und steigt dann hinten ins Auto ein und lässt sich schön wegfahren. Während deine Eltern sich hart darum einen Arsch aufreißen, was zu essen zu bekommen. Kommt er da ganz gemütlich mit seinem Fahrer an.
00:47:16 Schön auf dem Schulgelände, damit alle sehen, wie er wegfährt. Er kann ja seinen Fahrer haben. Aber dann sag doch Tschüss, wir gehen jetzt und dann gehst du halt in zwei Ecken um den Block und steigst da ein. Nee, aber wenn du direkt vor den Schülern so einsteigst, wie wirkt das denn? Und das ist auch etwas, was die CDU, die leben, ihren Reichtum, den sie haben.
00:47:46 Und die Handshakes denken, ha ha ha, am Arsch.
00:47:56 Ich war hier bloß weg. Erstmal muss man verstehen, wo die Stadt Hagen herkommt. Wenn Sie überlegen, vor vielen, vielen Jahren... Ja, war Hagen wirklich oben, was Stahl und so anging? Und war renommiert und dann ist das weggebrochen und weg. Alleine wie groß die Stadt Hagen war, im Sinne von wie viele Einwohner hatten wir. Wir hatten ja weit über 200.000 Einwohner.
00:48:19 Wir hatten ja 230.000, 240.000 Einwohner. Und wenn sie dann zurückgehen in der Bevölkerung, weil Arbeitsplätze weggehen, weil sich Strukturen ändern, weil der Strukturwandel eintritt und sie auf einmal nur noch 180.000 Einwohner haben, dann kommt da das Problem, dass sie eigentlich eine Infrastruktur haben, die zu groß ist. Wir haben zu viel Infrastruktur, die eigentlich für die Menschen nicht genutzt wird. Das fängt bei Immobilien an. Und die verfallen dann nach und nach, weil keiner sie mietet. Und das ist dann das Thema.
00:48:47 Was so eine Spirale in den Gang setzt. Eine Spirale nach unten. Damit meint er auch meinen Stadtteil, Weringhausen. Wo ich konfirmiert wurde und meine Mutter einkaufen ging. Ich muss nicht lange suchen, bis ich ihn finde, den Müll, der zuverlässig anzeigt, wo etwas kippt, wo Armut herrscht.
00:49:19 Das ist ja sehr viel Müll. Woher kommt der jetzt? Sammelt sich das aus der Straße oder was ist das? Woher kommt der jetzt? Das ist ein Kunde. Also der hat einen Termin gemacht. Tag, Tag. Das kam dabei raus. Das ist nicht alles Sperrmüll, sag ich. Kam wohl nicht ganz durch die Info, dass das hier nur Möbel eigentlich sein sollten. Der Kollege hat ja schon gefilmt. Ist nicht wenig, ne? Und dann sieht es nächsten Tag wieder genauso aus wahrscheinlich. Wir haben Tage gehabt, da kommen wir...
00:49:46 Wieder in dieselbe Straße und dann liegt wieder irgendwie was. Dieser Müll hat sich in einem Haus angesammelt, im Hinterhof und im Keller, wie ich hier erfahre. In den letzten drei Jahren kamen etliche Kamerateams, Journalisten nach Hagen, die wie ich gerade Armut und Elend zeigen wollten. Bilder von Razzien von Polizei und Ordnungsamt schockierten den Rest der Republik.
00:50:12 Armutsmigranten aus Südosteuropa eingefärcht in Schrottimmobilien, oft verstrickt in kriminelle Strukturen, die unsere Sozialsysteme ausbeuten. Aus der Ferne habe ich beobachtet, wie Hagen zu dieser traurigen Berühmtheit kam. Guten Morgen, Sir Ram. Auch er verfolgte eine Elendsreportage nach der anderen.
00:50:37 Hagens Image fiel auf einen historischen Tiefstand. Und Dennis Rehbein stand kurz vor der Stichwahl gegen den AfD-Kandidaten, als bei ihm das Telefon klingelte.
00:50:49 Ich weiß noch, wie heute der Anruf kam von unserem Geschäftsführer und gesagt, wir müssen morgen nach Hamburg. Da habe ich gesagt, nee, wir haben Stichwahlkampf, wir fahren bestimmt nicht nach Hamburg. Wir müssen hier Wahlkampf machen. Er sagt, doch, doch, Markus Lanz möchte, dass du kommst. Er sagt, glaube ich nicht. Was will der mit einem Kommunalpolitiker wie mir da? Am Ende war ich da und natürlich war mir schon klar, dass wir auch über Probleme reden müssen. Wir haben die Herausforderung, dass viele Menschen aus Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Sinti und Roma...
00:51:16 den Weg im Rahmen der Arbeitnehmerfreizügigkeit nach Hagen finden. Da laufe ich durch Stadtteile wie Weringhausen, die einen sehr hohen Migrationsanteil haben, und dann sagen die türkische Mitbürger, Herr Rehbein, wenn Sie Oberbürgermeister sind, müssen Sie was gegen die Ausländer tun. Und dann gehe ich mit denen ins Gespräch und sage, ja, wie meinen Sie das denn? Nach diesem Auftrittsbalance hat sich da irgendwas...
00:51:37 verändert für Sie? In der Realität war es so, dass am Rückweg das Handy nicht mehr still stand. Alle deutschen Medienhäuser und teilweise auch international haben angefragt. Ich hatte im Nachgang durchaus Anrufe von prominenten Politikern aus Berlin. Und wenn der Druck hoch genug ist, auch medial, sehe ich schon, dass man dann Dinge bewegen kann, die vielleicht vorher noch tabu waren.
00:51:59 Wer bewegt hier die Dinge? Zum Beispiel in Weringhausen. Hier entdeckte die Stadt Potenzial. Straßenzüge mit Gründerzeithäusern städtebaulich ein Juwel. Auch diese Straße, die einige vor Jahren noch Gazastreifen nannten, drohte komplett abzustürzen. Bis Patrick Bench auftauchte, ein Beamter der Stadt mit der Aufgabe, den Bezirk umzukrempeln.
00:52:25 Also das ist auch ein olles Ding hier. Genau, das haben wir auch erworben. Das haben Sie auch erworben. Das einzige denkmalgeschützte Gebäude hier haben wir auch erworben. Ja, da war der Eigentümer einfach froh, es loszuwerden. Ja, herzlichen Glückwunsch, dass das denkmalgeschützt ist. Das ist auch so etwas, womit wir uns richtig... So, herzlichen Glückwunsch. Aber was ist das für ein Denkmal? Da muss man mal drüber nachdenken, was das mal gewesen ist vielleicht. Aber...
00:52:55 Da jetzt irgendwie zu sagen, oh, da möchten wir aber hier an unsere Vorfahren nochmal uns daran erinnern, was die hier tolles gebaut haben. Ja, schön, kannst ein Foto machen, da hinhängende Gedenktafel ans Haus klatschen, aber bau da was Neues Schönes hin. Damit tust du der Stadt einen riesengroßen Gefallen. Jetzt hat die Scheiße das stehen zu lassen. ...Malschutz drauf ist, aber das Gebäude leider auch maximal desolat ist. Wie viele Gebäude haben Sie gekauft?
00:53:19 Mahlzeit insgesamt 16 Stück. 16 in der Straße. Also wir haben hier für 50 Euro zwischen 10 und 15 Millionen schon investiert.
00:53:31 Wir befinden uns jetzt quasi in einer Schrott-Immobilie, die sehr desolat war und die gerade mit Wohnraumfördermitteln saniert wird. Wir mussten das Gebäude statisch wiederherstellen. Das war wirklich Kernschrott. Die Hagener Entwicklungsgesellschaft erschließt und vermarktet Baugrundstücke. Seit rund sechs Jahren kauft sie mit Eigenkapital gezielt Schrott-Immobilien auf, saniert oder reißt ab.
00:53:59 und schafft mit Fördergeldern von Bund und Land neuen Wohnraum. Ich geb ne Prediction ab. Der Typ verkauft das hier so, ha, das ist so toll. Der geht hin, kauft die Dinger recht günstig, holt sich die Förderprämie ein, haut noch selber ein bisschen rein und verkauft die nachher für den 5-, 6-, 7-fachen Preis.
00:54:31 Und sagt Dankeschön. Und letztendlich, was haben wir da? Ein Ding, was in, was weiß ich, keine Ahnung, zehn Jahren auch wieder am Arsch ist, weil das einfach nur so grunddürftig renoviert wird. Wenn die Bausubstanz schon scheiße ist, hast du verschissen.
00:54:51 Also die bestehenden Mietverträge, die wir übernommen haben, die liefen zum Teil auf 3,50 Euro den Quadratmeter. Das ist unvorstellbar. Auch das erleben wir hier, dass die Eigentümer über zum Teil Jahrzehnte die Miete nicht angepasst haben. Und dadurch natürlich auch nicht viel Möglichkeiten haben zu investieren in das Gebäude. Aber dadurch, dass sie nicht investieren, arbeiten sie auch ein Stück weit mit an der Abwärtsspirale.
00:55:23 Das waren die ersten Immobilien, wo wir angefangen haben. Da hatten wir dann 300 Kubikmeter Hausmüll in einer Immobilie. Der Keller, der war randvoll. Ich kam gar nicht zu den Zählern durch, weil die von oben immer nachgeschoben haben. Für 6 Euro den Quadratmeter will er die Wohnungen vermieten. Sozialverträglich.
00:55:43 Die Stadt setzt nicht auf den schnellen Profit wie private Investoren, sondern hier geht es um Stadtentwicklung, um das ganze Bild. Diese Fassade, die beiden daneben die Fassaden und die, die haben wir alle gleichzeitig gemacht. Okay, das macht auf jeden Fall von außen schon mal was her. Das daneben gehört privaten. Ja, aber es bringt doch nichts, wenn du hier in einem einigermaßen schönen Haus bist, hier in einem einigermaßen schönen Haus und daneben die Bruchbude ist.
00:56:10 Als wir mit diesen Fassaden fertig waren, haben die auch angefangen zu sanieren. Das war schon mal ein kleines Erfolgserlebnis zu sehen, dass dort auch Privatleute wieder sich trauen, in ihr Eigentum zu investieren. Servus, Kempner, grüß dich. Bei mir ist alles super bei dir.
00:56:39 Wenn wir hier, ich sag jetzt mal, als Stadt Hagen insgesamt, mit unserer kleinen Gesellschaft, nicht in die Gebäude gehen würden, was wir die Alternative. Irgendwann werden die Gebäude für Unbewohner erklärt und das Problem wird sich ja noch weiter verschlimmern und verschleppen. Irgendwo muss man ansetzen. Wir haben angewiesen. So, schönen Feierabend. Genieß es. Hagen ist eine Art Vorreiter in NRW. Nur noch Gelsenkirchen macht es ähnlich.
00:57:04 Der OB hat kürzlich den sogenannten Hagen-Pakt unterzeichnet. Weitere 80 Millionen fließen vom Land NRW in diese Strategie. Heute ist ein guter Tag für Hagen. Wir wollen in den nächsten zehn Jahren rund 600 Wohneinheiten abreißen und rund 1000 Wohneinheiten renovieren, sodass wir attraktiven und guten Wohnraum in unserer Stadt schaffen. Denn der Wohnraum ist ein Schlüssel auch für gesellschaftliche Probleme in unserer Stadt.
00:57:32 Es wird Nacht in Hagen, in der einstigen Kneipenhochburg. Ich erinnere mich an eine Stadt voll von jungen Leuten, Männer und Frauen. Das ist anders heute. Die Straßen sind leerer und vor allem, sobald es dunkel wird, verschwinden die Frauen von der Bildfläche.
00:57:56 In der Einkaufsstraße ist es leer und Kriminalität ist ein großes Thema, vor allem unter den alteingesessenen Hagenern. Enver Uluda betreibt den kleinen Dönerladen seit vielen Jahren mitten in der City. So geht nicht. Leidend. Traurig. Surreal.
00:58:22 Alle Leute hier Deutschen sitzen und jetzt nichts. Eigene Landangst. So tief nicht. Mit meiner Frau, meinem Sohn, wir arbeiten hier. So viele Obdachlosen, die...
00:58:40 Und die Frauen haben Angst hier nachts und abends?
00:59:04 Ich hasse, wenn eine Frau da alleine sitzt und jemand kommt und sagt, etwas fragt oder ich weiß was. Alles vor meinen Augen. Wenn was, muss ich leider die Polizei haben. Das mache ich auch gerne. So geht nicht. Die sollen Frauen Ruhe lassen. Wie erleben Frauen heute ihre Stadt? Was erleben sie? Warum trauen sie sich nicht mehr raus? Ich fahre zum Selbstverteidigungskurs für Frauen in die Nihon Kai Akademie.
00:59:35 Ich würde mich nach 18 Uhr bei den Hagen überhaupt nirgends noch abhängen lassen.
00:59:48 Warum nicht? Was haben Sie für Erfahrungen gemacht, dass Sie das meiden? Erfahrungen zum Glück noch keine schlechten, aber trotzdem das Gefühl. Ja, Facebook, Instagram, die sind ja voll mit Horrorgeschichten. Am meisten sagt man natürlich Weringhausen, Altenhagen, Hasselhoff sind so die Hotspots, aber im Endeffekt überall. Also ohne meinen Hund habe ich mich teilweise überhaupt nicht rausgetraut. Also dass wir Frauen tatsächlich überlegen müssen.
01:00:14 Ob sie noch auf die Straße gehen? So ist es. Wir sind alle freie Menschen und wir dürfen uns zu jeder Uhrzeit eigentlich auf die Straße begeben. Aber aus Angst wird das hier kaum einer noch machen. Die Statistik sagt, Vergewaltigungen auf der Straße, wo sich Täter und Opfer nicht kennen, sind die Ausnahme. Von 40 angezeigten Vergewaltigungen im letzten Jahr in Hagen passierten 38 im Freundes- und Familienkreis. Drei weniger als in 24.
01:00:43 Auch die polizeilich registrierten sexuellen Belästigungen sind rückläufig. Von 64 auf 53 Fälle im letzten Jahr. Trotz dieser Zahlen, das Gefühl, bedroht zu sein, bleibt. Was genau ist das, was es auslöst, die Angst? Was genau ist es? Manchmal ist das so, dass einem dann so Gruppen entgegenkommen mit Jugendlichen, die dann schon von Weitem pöbeln oder so und da fühlt man sich einfach unwohl.
01:01:10 Dieses Getuscheln und dann das Gelache im Blick zu einem selber. Die Wörter zum Teil. Die möchte ich auch hier nicht aufgrund, weil hier auch Kinder sind, wiederholen. Danke, Bärbel. Aber es ist schon echt heftig manchmal. Es sind kleine Kinder, es sind Jugendliche, es sind junge Erwachsene, es sind auch ältere Erwachsene. Die einen dann blöd anmachen.
01:01:36 bestimmte Aussagen tätigen, die einen auch teilweise schubsen oder packen. Früher hieß es ja immer, wenn man das so sagen darf, böse Ausländer. Ich würde das überhaupt nicht so unterschreiben, weil es, wie gesagt, es ist jede Altersgruppe, jede ethnische und nationale, also es ist mittlerweile ist das egal. Richtig. Die Bärbel. Also es kann man auf jeden Fall nicht nur auf die Ausländer beziehen, aber wie gesagt, ich bin... Es ist ein Männerproblem. Ja, es ist einfach ein Männerproblem.
01:02:02 Wäre das in Ordnung, wenn ich den mal an den Linten fassen würde? Ja. Also ich möchte ganz klarstellen, das ist jetzt nur gestellt. So, geh ich mal hoch. So, Frauen kennen das wahrscheinlich. Jetzt hier an den Linten fassen. So. Wer das bei mir macht, hat ein Problem. Und bei ihr auch. Nämlich.
01:02:27 dreht ihr drehen und wegschlagen und aber auch nicht jetzt hier unten gucken sondern und dann bestimmt werden ist das bitte mal sein sondern was war auch lasst das war sein nicht schreien nicht hochschreien aber laugend werden das ist wichtig das ist mal sein und wenn er jetzt aber ankommt und würde jetzt so zugreifen
01:03:02 Frauen wollen sofort eine klatschen, sofort ein Ohr freigegeben. Frauen wissen manchmal gar nicht, wie wertfähig sie sind. Und das möchte ich den Frauen zeigen. Hier steht jetzt Bernd A. Kühnapfel von der Nihon-Kai-Akademie e.V. Hagen. Aber...
01:03:31 Das ist nur die halbe Wahrheit, Freunde. Die ganze Wahrheit ist, es ist ein Selbstschutzsystem und nicht von irgendwen, sondern vom Master, das seht ihr gerade, warte ich, Moment, muss ich die Subs hier wegmachen? Vom Master Chief Instructor Bernd A. Kühnapfel.
01:04:01 Der Master Chief Instructor. So ein Hase ist das. Dass sie in der Lage sind, sich zu wehren und dann würden manche von diesen Macho Typen dann, ich sag das einfach mal so, weil mir steht das bis hier, was ich da teilweise zu hören kriege und die würden sich wundern, was sie dann nämlich dann mal erleben würden.
01:04:30 Ich will das. Okay, auf! Ja.
01:04:38 Mit neuen Konzepten die Kriminalität zurückdrängen, das versucht die Hagener Polizeipräsidentin Ursula Tomahawk. Laut der offiziellen Polizeistatistik gehen die Straftaten zurück. Und Hagen liegt mittlerweile im oberen Mittelfeld, hinter Köln, Düsseldorf, Essen oder Dortmund. Wenn ich allerdings mit den Augen einer Privatperson durch die Straßen laufe, würde ich vielleicht zu einer anderen Bewertung kommen. Das ist natürlich...
01:05:05 Also die kriegt von mir den Spitznamen Baftee Schirmer. Ursula Baftee Schirmer. ... Straßenbereiche gibt, die schlecht ausgeleuchtet sind. Und insofern kann ich mir vorstellen, dass man sich an der einen oder anderen Straße, eck oder in einem anderen, in einer Straße unwohl fühlt. Also wir nennen das subjektives Sicherheitsgefühl.
01:05:34 Zum Beispiel sind wir seit sechs Jahren schwerpunktmäßig im Hauptbahnhof. Ständige Präsenz, zivil und uniformiert. Da ist hier nicht sesshafte Szene, da ist die Trinkerszene, da sind unsaubere Ecken. Und das sind alles keine polizeilichen Themen. Und gleichwohl wissen wir aber, dass das Menschen Angst macht.
01:05:56 Ich kann es in Teilen nachvollziehen. Ich bin oft als Privatperson dort und schaue mir die Situation vor Ort an. Undercover als Fahrradfahrerin. Und haben Sie Angst manchmal? Nein, ich habe überhaupt keine Angst. Das sind Personengruppen, die verhalten sich anders, aber die begehen keine Straftaten.
01:06:17 Aber ich hab ne Waffe. Zurück in Weringhausen. Auf dem Bodelschwingplatz, der vor kurzem noch eine Art No-Go-Area war. Mit Lärm und Schlägereien.
01:06:33 Hallo, Entschuldigung, wohnen Sie hier? Ja, seit 20 Jahren wohne ich hier. Seit 20 Jahren? Weil hier war... Lass mir die Kamera so ins Gesicht. Was war so schlimm? Alles. Alles war schlimm. Münch.
01:06:50 Es war die Ruhe bis Mittelnacht. Ich habe selber da sogar gewohnt und da bin ich weggegangen. Seit zwei Jahren.
01:07:06 Vielleicht auch, weil Nicole Schulz und Thomas Süß hier regelmäßig patrouillieren. Sie kennen auch die Leute der Trinker- und Drogenszene persönlich. Guten Abend. Hallo. Einen wunderschönen guten Abend.
01:07:30 Polizei mit Kamerantim. Hallo. Hallo, genau. Was ist das hier für eine Gegend? Das ist hier, was soll man sagen, Substitutionsstelle und hier sitzen die Konsumenten. Okay. Das ist einer unserer Tätigkeitsschwerpunkte. Das ist hier, was soll man sagen, Substitutionsstelle und hier sitzen die Konsumenten. Okay. Das ist einer unserer Tätigkeitsschwerpunkte, wo wir...
01:07:58 massiv kontrollieren, sowohl wie gesagt repressiv, mit massiven Kontrollen, als auch, dass wir versuchen zu der Szene und vor allem auch die Streetworker von der Stadt Hagen Kontakt aufzubauen, sodass das Ganze hier nicht entleitet. Und durch verschiedene Maßnahmen, wie zum Beispiel Beleuchtung, das ist ja auch immer ein wesentlicher Aspekt, dass man sich auch sicherer fühlt. Das sind sicherlich Eindrücke, wo andere Menschen sagen, oh Gott, oh Gott, wo sind wir hier gelandet? Das ist wieder dieses subjektive Sicherheitsgefühl. Eigentlich spricht man nur mit den Menschen und die machen gar nichts.
01:08:26 Ich spreche mit denen, die zufällig vorbeikommen. Bei uns musst du keine Kopfbedeckung aufhaben, oder? Ist das nicht so? Oder müsst ihr immer mit Kopfbedeckung rumrennen? Theoretisch ja. Auch bei uns?
01:09:24 Das Tragen der Dienstmütze ist für die Erkennbarkeit der Polizei im öffentlichen Raum von besonderer Bedeutung. Aber
01:09:46 Das ist eine dienstinterne Vorschrift zur Dienstleitung. Keine gesetzliche Voraussetzung dafür, dass die Person polizeilich handeln darf oder dass eine Maßnahme unwirksam wird. Schade.
01:10:05 Wie ist es in Hagen zu wohnen? Wie ist das für euch? Es ist gut. Die Mitte ist günstig. Wir sind Studenten. Ich studiere Chemie an der HAU Düsseldorf. Ich habe nur eine Strecke von einer Stunde pro Tag mit dem Zug und ich finde das ganz okay für mich. Dieser Weg, ich benutze das regelmäßig und hier finde ich schon mal viele Leute, die sich drogen und ich finde das nicht so cool. Aber okay, was kann man machen?
01:10:33 Aber es ist auch nichts so schlimm, es passiert so lange. Wir wohnen schon seit Jahren hier und das ist auch so passiert. Leute sitzen hier manchmal und rauchen, aber ansonsten macht man nichts. Ich laufe auch hier übernachts und mir ist nie was passiert. Aber ich finde, wenn zum Beispiel kleine Mädchen oder Frauen da hier rumlaufen wühlen, da würden sie Angst haben, wenn die Leute hier stehen und die ganze Zeit rauchen. Das kann beängstigt sein.
01:11:00 Die können auch was sagen. Ja, nachts ganz dunkel habe ich Angst, rauszugehen. Und dann gehst du nicht hier durch die Unterflurung? Nein, auf gar keinen Fall. Ist dir denn schon mal was passiert? Nein, doch, doch. So kleine Rumänen, die haben mal meinen Aschern gefasst. Ja, bei mir auch. Und meine Tippen auch hier. Das ist nicht gut. Ja.
01:11:26 Ein Mädchen ist das Ohoho. Das ist schlimm.
01:11:35 Die einzige Chance ist Integration. Und wenn wir da nicht daran arbeiten und da Angebote machen und das verbessern, dann werden wir da nichts erreichen. Steht der Tropfen, holt den Stein einfach. Man muss hier dranbleiben einfach. Man muss ständig präsent sein und Konflikte sofort entschärfen. Das heißt, man könnte diesen abgestürzten Bezirk vielleicht doch irgendwie wieder zurückholen. Man kann den wieder zurückholen, da bin ich mir sicher. Das ist klar, aber Zeit ist auch ein Faktor. Das machen sie nicht von heute auf morgen.
01:12:00 Diesen Bezirk zurückholen, ihn nach vorne bringen, ob das gelingt? Dieser Film ist eine Momentaufnahme. Und im Moment sehe ich Bilder des Niedergangs, aber auch viel Gutes. Immer mehr Künstler und Kreative siedeln sich an, schaffen ein Gegengewicht zu Drogen, Armut und Leerstand.
01:12:19 Ich weiß nicht, wenn jetzt da irgendwie heute sich da irgendwie so eine Sängergruppe macht, die jetzt irgendwie sagen, ja, wir haben jetzt hier ein Musikatelier gebaut oder irgendwie sowas. Das wird ja jetzt nicht in Umschwung bringen.
01:12:41 Genauso, ich sag's auch, ohne Witz hätte ich mir ein geistiges Bild malen müssen, würde genau so aussehen. Es werden viele solcher Räume hier geschaffen und für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht. Und während es in Köln, Düsseldorf oft auch einen kommerziellen...
01:13:55 Zweck verfolgt ist es hier tatsächlich einfach der Wunsch nach Netzwerken oder einer Gemeinschaft. Und das habe ich tatsächlich das Gefühl, das hatte ich noch nie in meinem Leben ein Gefühl, dass ich mich so in einem Stadtteil zu Hause fühle und gesehen fühle wie hier. Aktuell ist Hagens Image einfach total im Kettel.
01:14:23 Mit der Stimme habe ich jetzt nicht gerechnet. Und daher auch die Preise. Und ich glaube, das ist eine Chance natürlich. So, danke dir für dein WeSub. Das ist schon so eine Zeitreise, die wir hier gemacht haben, jetzt gerade innerhalb von einer Sekunde. Einfach nochmal so 50 Jahre zurück.
01:14:49 Hätte ich vielleicht vor zehn Jahren noch nicht so gesagt, aber ich merke das schon in den letzten Jahren, dass es wirklich hier eine Zukunft hat, glaube ich. Ich merke schon, dass das hier eine Zukunft hat, glaube ich. Vor zehn Jahren noch nicht so gesagt, aber ich merke das schon in den letzten Jahren, dass es wirklich hier eine Zukunft hat, glaube ich.
01:15:16 Kimberly Hart ist Event- und Kulturmanagerin. Sie glaubte an die Zukunft des Hagener Undergrounds. Gemeinsam arbeiten sie an der Sichtbarkeit des Viertels und zeigen, was sie hier erleben. Dazu gehören auch Kriminalität, Dreck oder Drogen.
01:15:38 Wenn man hier lebt, muss man sich dem auch bewusst sein, dass solche Probleme auch da sind. Das ist einfach die Realität. Also wir übersehen es nicht, wir sprechen es an und arbeiten damit. Man hat so diesen Geigenhumor in Hagen. Weil ich meine, das ist auch eine Art von Humor.
01:16:00 Es geht jetzt nicht über Glitzer drüber zu streuen. Das ist natürlich dann ein härteres Pflaster, aber dafür halt dann auch eine gewisse Ehrlichkeit, die das mit sich bringt. Und ich glaube, entweder man mag diese Ehrlichkeit und kann dann... Ich schichere da, nein, diese abgeschnittene Schnee. Ich muss mir eben ganz kurz zuerst noch holen. Ich lasse euch mal hier ganz kurz alleine mit ihr. Bitte, ne?
01:22:43 So Flo, nochmal vielen Dank für den Freien. ... umgehen oder man ist hier tatsächlich einfach falsch. Schon immer fragten sich die jungen Leute hier, bleiben oder gehen? Viele dachten so wie ich, das Glück finden wir nur anderswo.
01:23:06 Lutz Nickel sieht das nicht so. Er ist geblieben. Hat hier im langsam wachsenden Künstlerviertel Potenzial entdeckt für sein Tattoo-Café.
01:23:23 Also wir haben immer gemickert in Deutschland, keine Frage. Aber in den letzten Jahren ist es schon krass geworden irgendwie. Und ich glaube, der Weg dann zu sagen, man haut dann ab, man sucht was Besseres, ist nicht immer förderlich. Also es ist auch ein bisschen egoistisch, wenn man ehrlich ist. Also weil man muss sich den Herausforderungen vielleicht auch mal stellen, um dann Dinge zu verändern. Und das war, das ist eben sozusagen angetrieben von diesem Heimatinstinkt, sag ich mal, dass man sich hier wohlfühlt, dass man hier groß geworden ist, dass man hier auch tolle Erinnerungen als Kind hatte.
01:23:52 Ist das vielleicht auch der Grund, weswegen wir sagen, wir gehen nicht, wir machen, wir gehen nicht wie alle anderen hippen Tattoo-Studios mit einem hippen Café nach Düsseldorf oder Köln. Aus eigener Kraft und mit Freunden hat er das Eckcafé saniert. Ist ins finanzielle Risiko gegangen. Das geht nur, weil sein Vermieter ihm mit der Miete entgegengekommen ist. Er zahlt nur 4 Euro den Quadratmeter.
01:24:21 Erstmal so allgemein finde ich, Hagen ist relativ underrated. Also ich meine, es ist eine Großstadt, hat knapp 190.000 Einwohner. Wir sehen uns hier halt eben auch als Schmelztiegel für verschiedene Kulturen und dadurch kann auch was ganz Tolles entstehen.
01:24:35 So wie die Tage der offenen Tür für 35 Galerien und Ateliers. 114 Künstler beteiligen sich an Planet Hagen, organisiert vom Hagener Kulturbüro. Hier geht es um Identität und Sichtbarkeit.
01:25:03 Generell, denke ich, spürt man gerade einen Aufschwung, weil es halt eine Gemeinschaft gibt, auch einer jüngeren Generation, die halt Lust hat, Sachen zu bewirken und halt auch einfach, wir machen das jetzt einfach so. Meine Heimatstadt ist im Wandel. Alles passiert gleichzeitig. Der Aufbruch und der Niedergang. Es ist wie ein Wettlauf, wie ihn vielleicht viele Ruhrpottstädte gerade erleben.
01:25:28 40 Prozent der Hagener haben einen Migrationshintergrund. Eine Stadt der 150 Nationen. Migration war schon immer, aber die Zuwanderung aus den ärmsten Ländern Europas ist eine Herausforderung. Knapp 7000 Rumänen und Bulgaren leben hier. 55 Prozent beziehen Grundsicherung. Wo kommen Sie her? Bulgarien. Aus Bulgarien? Ja.
01:25:53 Und was wollten Sie jetzt von uns? Haben Sie Hunger? Für die Kinder? Wie viele Kinder haben Sie denn? Sechs Kinder. Sind die in der Schule gerade?
01:26:08 Bitte schön, guten Appetit. Können Sie denn auch arbeiten? Können Sie auch arbeiten gehen? Ja. Oder müssen Sie betteln? Nee, ich wollte arbeiten. Aber Sie finden nichts? Ich habe schon mit einem Kindergarten geputzt, die Toilette war schon unter. Ja. Aber jetzt ist nicht mehr dieser Kindergarten. Okay. Wollen Sie hierbleiben in Hagen oder wieder weggehen? Hier in Hagen. Ja?
01:26:35 gut ist das besser als bulgarien ja ja warum in bulgarien ist nicht so gut arbeiten mit einem monat 50 schuld ich gehe in ein haus von
01:27:04 Wir haben in Düsseldorf so eine richtige Bettlerkriminalität. Und ich bin leider dadurch so richtig indoktriniert worden, dass ich sobald irgendwie sowas, ich habe hier und da, dieses Gewinsel, Entschuldigung, dass ich das so sage, dass ich da so abgestumpft bin. Wisst ihr, kennt ihr das?
01:27:31 Ich weiß nicht, ob ihr es auch so habt, was mir auf der einen Seite leid tut, aber ich habe mir jetzt gerade auch gedacht, was macht ihr jetzt? Ist das alles ernst? Ist das ehrlich, was sie sagt? Oder hat die gelogen? Und eigentlich will ich diese Gedanken nicht haben, weil ich diesen Gedanken haben möchte. Ich möchte Menschen helfen. Aber ich möchte auch nicht ausgenutzt werden. Wisst ihr, wie ich das meine?
01:27:56 Ich bin gerne sozial und helfe auch gerne irgendwelchen Leuten, sofern ich es kann und sofern es auch für mich Sinn macht. Es gibt auch viele Leute, die erreichen zum Beispiel wöchentlich irgendwelche Fragen. Hey, was weiß ich. Komm, wir machen jetzt mal einen Fall auf. Moment. So, kleinen Augenblick.
01:29:08 Nicht schon viel zu weit.
01:30:10 So. Als Beispiel. Hi Commander, seit meinem 14. Lebensjahr blicke ich zu dir auf. Ich wollte auch einen Beruf ausüben, in dem ich den Leuten helfen kann, so wie du mit deinem Content mir durch manch schwere Zeit geholfen hast. Heute bin ich im Rettungsdienst.
01:30:45 Jemand in meinem Umfeld hat gerade eine beschissene Diagnose bekommen und eine zeitnahe Behandlung, die er ermöglichen kann, ihren Job weiterzumachen. Die wird teuer. Sie hat deswegen eine GoFundMe-Seite gestartet. Und es würde mir die Welt bedeuten, wenn du den Fundraiser in deiner Story teilen könntest, damit du durch mehr Reichweite eine bessere Chance bekommst.
01:31:15 Sie ist total fleißig, motiviert, engagiert sich. Und egal, was ich mir angucke, finde ich es unfassbar krass. Und es tut mir wirklich leid. Aber ich sage auch ganz ehrlich,
01:31:47 Jeden Tag, oder jede Woche, erreichen mich Nachrichten, wo irgendwelche Sachen passiert sind, wo oder, oder, oder, oder irgendwas passiert. Und ich sage ehrlich, Hirnblutungen in Amerika, jeder hat irgendwo seinen Punkt.
01:32:21 Und ich frage mich jetzt wirklich, wenn man das alles so sieht, ist das alles, wie soll ich sagen, ehrlich? Wisst ihr, wie ich meine?
01:32:56 Gerade in unserer heutigen Zeit wird das geprüft, was ich da reinschreibe. Dann nehme ich ein Bild von meinem Dackel, den ich nicht habe. Wisst ihr, wie ich das meine?
01:34:22 Ich finde es ja gut, dass Leute helfen. 100%. 100%.
01:34:59 Aber wird das überprüft? Aber selbst wenn du ein KI-Bild erstellen lässt oder sowas. Klingt schon gut an.
01:35:40 Kannst du auch umgehen. Gut. Aber wisst ihr, was ich meine? Also ich habe leider so dieses Denken. Auch da, wenn ich diese ganzen Sachen sehe, ich mache für keinen einzigen Werbung.
01:36:00 So, letztendlich könnte ich das auch sagen. Ja, ich habe eine behinderte Tante, ich zahle da jeden Monat sehr viel Geld und und und und. So, dann nehme ich ein Foto von meiner Tante, die körperlich geistig behindert ist. Haben wir aber noch. So, dann schreibe ich hin, was wir da jeden Monat für zahlen müssen. Unterstützt mich bitte.
01:36:23 Also weiß ich nicht. Von dem es heißt, es stehe auf der Kippe. Ui, hier steht hier. Also sag mal, Leute. Der Vermieter soll es aufgegeben haben. Ich versuche Kontakt aufzunehmen zu den Bewohnern aus Südosteuropa. Hallo. Guten Tag. Ohne Erfolg. Der Zugang zu diesen Menschen gelingt mir einfach nicht.
01:36:52 Die meisten von ihnen sind gut integriert, gehören seit Jahrzehnten zu Hagen. Aber Dennis Rehbein sorgt sich um die, die nicht dazugehören wollen, die vor allem gezielt in das Sozialsystem einwandern. Er findet, die Voraussetzungen für Sozialleistungen müssen verändert werden. Die, die hier hingekommen sind, die hier hart gearbeitet haben, die am Anfang vor vielen Jahren gar nicht mehr allein Unterstützung hatten, sagen jetzt, warum kriegen die denn alles und ich hatte nichts.
01:37:20 Innerhalb der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte erlebe ich ein Unwohlsein, ein Unrechtsbewusstsein. Und immer wenn Menschen sich ungerecht behandelt fühlen, hat das Potenzial der gesellschaftlichen Sprengung. Und wir sind da in einer schwierigen Gemengelage. Und all das macht mir ein Stück weit Sorge, dass die Gesellschaft das nicht auf Dauer vertragen kann.
01:37:41 Die Rumänin Adelina Dibu könnte eine Lösung für das Problem liefern. Es ist Dienstagmorgen in der Grundschule Gewicke.
01:37:57 Danke dir. Sie ist eine sogenannte Bildungsmediatorin. Sie ist selbst vor einigen Jahren aus Rumänien nach Hagen eingewandert. Jeden Morgen kontrolliert sie hier, ob alle Roma-Kinder ihrer Schulpflicht nachkommen. Ich bin wie eine Brücke zwischen Schule, Kindern und Eltern. Ich bin wie eine Brücke. Gehst du nicht über die Brücke?
01:38:21 Gehe ich und hole dich, damit du über die Blücke gehst. Ich versuche, in Kontakt zu bleiben mit den Eltern, erst mal wegen Absentismus. Ich versuche, den Eltern zu erzählen, was bedeutet Schule, was bedeutet Bildung. Und alle haben das schon verstanden. Wir sind in guter Richtung. Sie arbeitet eng zusammen mit dem Schulsozialarbeiter Benni Joost.
01:38:49 Wer kommt denn mit zum Lesen? Frau Dibu? Kommt Jungs, Mädels. Lasst uns losgehen. Können schon mal, können wir mal weggehen. Zweimal die Woche geht es um Sprache als Schlüssel zur Integration, ums Deutsch lernen, um die Vermittlung von Werten. Es passiert nur noch selten, dass Kinder fehlen.
01:39:14 Wir merken natürlich, wie die Integration einfach immer besser funktioniert. Mit einer Generation weiter ist ein ganz anderes Verständnis für das Schulsystem oder für die Anforderungen an die Familien. Für uns als Schule extrem wichtig und ich würde mich freuen, glaube ich, wenn ich von jeder Sprache, aus jeder Kultur eine Bildungsmediatorin oder einen Bildungsmediator hier hätte. Die Stadt finanziert zweieinhalb solcher Stellen. Viel zu wenig finden die, die gute Erfahrungen mit diesem Modell gemacht haben.
01:39:45 Kinder, die Lust haben auf Schule, die gerne hier hinkommen. Und ich denke, genau das können dann die Kinder oder die Menschen sein, die vielleicht auch später Dinge verändern und auch so einen Stadtteil vielleicht verändern und zum Positiven verändern. Weil ich glaube, es hat immer so ein bisschen mit sozialer Teilhabe zu tun. Und wenn Sie sich umgucken, wir haben jetzt hier oben überall so kleine Banner und Fähnchen hängen und wollen natürlich diesen ganzen Menschen auch einfach zeigen, dass uns...
01:40:10 deren Herkunft was bedeutet und dass das ein Teil von uns ist, weil wir sind hier eine Familie und da gehört das mit dazu. Cooler Typ. Dies könnte ein Weg sein in eine Gesellschaft, in der alle von klein auf lernen, sich verantwortlich zu fühlen für das, was in Hagen passiert.
01:40:31 Und das ist halt so genau dieser Punkt. Ich meine, ich höre es von vielen Leuten. Mein Sohn oder mein Kind ist jetzt in der Schule. Da sind nur drei Deutsche oder sowas. Ey, wenn du 20 Kinder auf dem Sportplatz zusammenwürfelst. Oder im Kindergarten. Die Spiele miteinander. Denen ist es scheißegal, wo es herkommt.
01:41:01 Ja, aber mein Kind kann dadurch nicht schnell genug lernen. Ja, definitiv. 100%. Aber es liegt auch an unserem Schulsystem. So, und wir müssen unser Schulsystem auch mal auf einen neuen Stand bringen. Und das wird nicht passieren. Das ist das Schlimme.
01:41:19 Denn es passiert an vielen Orten einfach zu wenig. Die Innenstadt leidet. Wie in so vielen NRW-Städten ist es im Zentrum ziemlich öde. Auch hier. Viele Discounter, viel Leerstand. Kaum jemand ist zufrieden mit der City. Uns fehlen unheimlich viele Geschäfte. Der Kaufhof fehlt uns einfach. Mittlerweile sind alle Geschäfte hier bald zu. Es hat sich sehr zum Negativen entwickelt.
01:41:46 Sie müssen sich ja nur in der Innenstadt umfucken, dann sehen wir, was los ist. Wir haben sehr schöne Geschäfte. Heute haben wir ganz viele Billigläden. Ansonsten gibt es nur Friseure und Bäckereien. Weil überall alles können Sie bestellen. Ja, genau. Durch diese Online-Geschichte. Hallo. Oh, haben Sie einen gefährlichen Mund. Ausnahmen gibt es. Zwei Dänen betreiben hier seit 20 Jahren einen Modeladen.
01:42:12 sind auf Social Media im Online-Verkauf sehr aktiv und deshalb erfolgreich.
01:42:18 Man muss vielleicht so ein bisschen aufhören zu sagen, okay, wie kriegen wir die Städten so zurück, wie wir die mal hatten, das ist vorbei. Die Städten werden nicht mehr so kommen oder werden, wie es mal früher war. Dafür sind die Menschen nicht mehr da, dafür gibt es das hier. Da geht es Hagen genauso wie allen anderen Städten auch. Hagen ist genauso wunderbar scheiße wie viele andere Städte in NRW.
01:42:45 Direkt nebenan steht ein anderer Überlebenskünstler, das Stadttheater. Trotz wirklich Klammerkassen liefern rund 250 Angestellte zuverlässig Programmen. Ob vergangene Weltkriege oder Strukturkrisen, das Theater spielt seit über 100 Jahren und gibt nicht auf. Aber da ist auch so ein Punkt. Wann wart ihr das letzte Mal im Theater? Falls ihr überhaupt mal im Theater wart.
01:43:14 Also Kino, ja. Aber so ein Theater mit irgendeiner Aufführung?
01:43:20 Sie proben für einen Ballettabend. Ein neues Ensemble, 13 internationale Tänzer, die genau hierhin wollten.
01:43:48 Tauland Shehu, der neue Ballettdirektor aus Albanien.
01:44:13 Das Theater erfindet sich gerade neu. Sie setzen jetzt vor allem auf Tanz und Musik, weil das Sprachen sind, die jeder versteht. Heute steht Platé, eine barocke Ballettkomödie, auf dem Programm. Wild und modern inszeniert, ein Experiment.
01:44:39 Sie wünschen sich toi toi toi für den Premierenabend. Diese Saison muss ein Erfolg werden. 16,8 Millionen zahlt die Stadt, damit sie dieses Haus betreiben können. 16,8 Millionen. 16,8 Millionen.
01:45:32 Das sind knapp 2000 Euro pro Stunde. Das heißt, in der Zeit, in der ich jetzt streame, haben die 3500 Euro da reingepumpt. Chat.
01:45:55 Ihr macht was falsch. Ja, da, Kleibi, endlich mal einer, der hier dazu was beigetragen hat. Hausaufgabe erfolgreich sein, möglichst jeden Abend voller Saal.
01:46:29 Wir haben gerade jetzt angefangen, das ist unsere erste Spielzeit und wir müssen ja auch gucken, ob das jetzt für die Zuschauern passt, unsere Vision, unsere Ideen. Und deswegen vor allem die erste Spielzeit ist eine sehr, sehr wichtige Zeit. Für 16,8 Millionen. Eine barocke Oper als fulminante Show.
01:47:03 Das war unser erstes Mal in diesem Theater. Also ich habe eben gesagt, vielleicht Theater, aber nein.
01:47:13 Das war wunderbar. Wunderbar. Seid ihr auch aus Hagen? Ja. Ja, wir waren nicht hier. Aber wir kommen aus der Ukraine. Aus der Ukraine kommt ihr? Ah, okay. Das Theater will ja mit solchen Sachen genau junge Leute erreichen auch. Ob das gelingt? Ich würde sagen, ja. Wir sind erstaunt, wie viele hier sind. Ja, wir sind erstaunt, weil sonst ist das in Hagen nicht so. Baruchtheater ist ja doch schwierig. Und ich weiß nicht, ob die Jugend das an... Bündnisse.
01:47:41 Aber hier sind jetzt viele drin. Ja. Mehr als sonst, ja. Am Ende der Saison gibt's Applaus für die Bilanz. Die Besucherzahlen steigen deutlich, die Einnahmen zeigen ein Plus von 25 Prozent.
01:48:01 Ich bin ein letztes Mal mit dem Oberbürgermeister verabredet. Wir wollen gemeinsam nach Dortmund fahren, zu einem Wirtschaftsgipfel. Es soll um attraktive Flächen gehen, die der Industrie und dem Handel überall fehlen, um die Abwanderung der Unternehmen. Aber daraus wird nichts. Denn an diesem Tag wird im wahrsten Sinne des Wortes eine andere Sau durchs Dorf gejagt.
01:48:26 Und eine Straße sehe ich. Und eine Hecke. Klar.
01:48:55 Ich bin ja auch mega verängstigt, wenn eine Otto Wildschweine durchs Land rennt und dann hilft es mir enorm, wenn der Oberbürgermeister oder Bürgermeister vorbeikommt und sagt, schönen guten Tag, was ist los? Ich bin einfach zur Grundschule nach Hilfe.
01:49:09 Die Menschen müssen das Gefühl haben, ich kümmere mich um diese Stadt und damit auch um sie. Und wenn sie das Gefühl haben, dann mache ich meinen Job gut. Und wenn sie das Gefühl nicht haben, mache ich meinen Job nicht gut. Und deswegen muss ich darauf reagieren, was quasi tagesaktuell ist. Die Wildschweine werden zur Chefsache. Und Hagen ist mal wieder in den Schlagzeilen. Denn das Problem, das hier gerade eskaliert, beschäftigt die Bürger schon lange.
01:49:34 Jetzt flitzen die Schweine ungebremst durch diesen Stadtteil und die Medienlandschaft. Typisch Hagen, werden die Leute sagen, aber daran hat sich Dennis Rehbein mit Sicherheit schon gewöhnt. Wie sähe es eigentlich aus, wenn er jemandem seine Heimatstadt zeigen würde? Ganz ehrlich, auch wenn ich mit anderen Oberbürgermeistern spreche, und ich kann die Meinung, wo unsere Stadt komplett steuern. Je nachdem, wo wir hingehen.
01:50:00 Ich kann ihnen hier den ganzen Tag zeigen, dass sie sagen, die schönste Stadt, die ich kenne. Und ich kann ihnen aber auch den ganzen Tag zeigen, dass sie sagen, um Gottes Willen, wo sind wir hier gelandet. Beides funktioniert. Es ist nicht irgendwie entweder oder, sondern es ist eine Parallelität. Und es ist eher eine Frage, an welchem Ort bin ich, zu welchem Thema rede ich, mit welchen Menschen spreche ich. Hagen hat ganz, ganz viele ganz tolle Menschen. Hagen hat aber auch große Probleme, große Herausforderungen.
Schlussreflexion und persönliche Note
01:50:2901:50:29 Schönes Schlusswort. Was soll ich da noch sagen? Vielleicht, es gibt Ideen, es gibt Konzepte, es gibt Menschen, die was verändern wollen. Und dann denkst du an Hagen und denkst, vielleicht doch nicht so schlimm? Wird sich nicht erinnern. Aber Chat, ich habe gerade sehr hart mit...
01:50:58 mit meiner Depression zu kämpfen und die will ich auch bekämpfen. Und deswegen gehe ich jetzt eine Runde spazieren. Weil ich merke einfach, der ganze Tag will mich quasi niederzwingen, dass ich mich hinlege, ins Bett lege. Ich werde müde, müde, müde, aber das lasse ich nicht zu. Und deswegen...
01:51:26 Mache ich jetzt einen Stream aus und gehe spazieren.