Das ist keine Übung! Heute mit Specialguest aus dem LKA!
LKA-Ermittler bei Polizei Hannover im Gespräch
Es wurde ein interaktives Gespräch mit einem Ermittler der operativen Internet-Ermittlungsgruppe des LKA angeboten. Dabei wurden die vielfältigen Aufgaben der Dienststelle erläutert. Im Fokus standen Themen wie die Aufklärung von Taten in sozialen Netzwerken und die Herausforderungen durch die Anonymität online.
Willkommen und Vorstellung des Themas
00:01:41Der LiveStream beginnt mit einem herzlichen Willkommen der Moderatoren Joe und Stevie, die auf die ungewöhnliche Sirenenalarmierung kurz vor Streambeginn anspielten. Sie stellten klar, dass dies kein Test, sondern ein realer Vorfall war. Als Hauptthema des Streams wurde der angekündigte Special Guest, Patrick vom LKA genauer von der DEU, vorgestellt. Nach kurzer Zeit schloss sich Patrick dem Stream an und begrüßte die Zuschauer. Er gab vorab einen Einblick in seine Arbeit als Ermittler in der operativen Internet-Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamtes, die sich auf Täteridentifizierung und Social-Media-Analysen spezialisiert hat.
Aufgaben und Arbeitsweise der DEU
00:26:10Patrick erläuterte im Detail die vielfältigen Aufgaben seiner Dienststelle. Der Schwerpunkt liegt auf digitalen Ermittlungen im Internet, insbesondere bei der Aufklärung von Taten und Tätern, die über Social Media begangen werden. Er beschrieb die Arbeitsmethoden als sehr internetgeprägt und oft verdeckt, wobei die Polizisten nicht unter ihrem echten Namen, sondern unter Pseudonymen auftreten. Ein zentraler Bereich ist die Open-Source-Intelligence (OSINT), bei der öffentlich zugängliche Informationen genutzt werden, um neue Ermittlungsansätze zu finden. Dabei arbeiten sie eng mit Internetanbietern zusammen, um Daten im Rahmen von Ermittlungsverfahren zu erhalten.
Herausforderungen durch Anonymität und VPN
00:30:29Ein zentrales Thema der Fragerunde war die Anonymität im Internet. Auf die Frage nach der Nutzung von VPN-Diensten durch Täter antwortete Patrick, dass dies die Ermittlungen zwar erschwere, aber nicht unmöglich mache. Auch VPN-Anbieter seien gesetzlich verpflichtet, Daten vorzuhalten und könnten im Rahmen von Ermittlungen angefordert werden. Es wurde betont, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sei und jede strafrechtliche relevante Äußerung verfolgt werden kann. Er klärte zudem die rechtliche Grauzone bei der Nutzung von öffentlich zugänglichen Informationen.
Risiken von Datenpannen und Datenschutz
00:40:26Ein weiterer wichtiger Punkt war die wachsende Gefahr durch Datenpannen und Data Breaches. Patrick erklärte, dass gehackte Plattformen wie Facebook oder Spotify persönliche Daten von Nutzern an Unbefugte weitergeben. Diese gestohlenen Informationen bieten sowohl Chancen für die Polizei als auch Risiken für die Bürger, da Kriminelle diese Daten missbrauchen können. Hier rief er die Zuschauer zur Vorsicht auf: Sie sollten sich ihrer Daten bewusst sein, starre Passwörter vermeiden, Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen und Warnungen über gehackte Konten ernst nehmen. Es wurde deutlich gemacht, dass bewusster Datenschutz die beste Abwehrmaßnahme darstellt.
Operation Security (OPSEC) und Prävention
00:50:00Auf die Frage, wie schnell ein Täter anhand seines Twitch-Namens identifiziert werden kann, ging Patrick auf das Thema Operation Security (OPSEC) ein. Er beschrieb den typischen Ermittlungsansatz: Von einem Alias ausgehend, hängen sie sich Informationen zusammen, um die reale Person zu finden. Dies unterstreicht die Bedeutung der Privatsphäre im Internet. Er empfahl den Zuschauertisch, Profile auf Privat zu stellen, nicht zu viele persönliche Details preiszugeben und bewusst mit Daten umzugehen, um sich selbst vor Doxing und anderen Gefahren zu schützen.
Karriereweg und internationale Zusammenarbeit
00:43:32Patrick gab einen Einblick in seinen Werdegang. Er kam ursprünglich aus einer Polizeifamilie und begann seine Karriere regulär bei der Polizei, unter anderem mit Stationen bei der Bereitschaftspolizei. Seine Leidenschaft für IT und das Internet führte ihn schließlich zum LKA in den Spezialbereich der Internet-Ermittlungen. Er betonte, dass es in der Polizei verschiedene Nischen gebe, in denen man sich spezialisieren und glücklich werden könne. Seine Arbeit sei sehr abwechslungsreich und führe ihn international, wo er eng mit Behörden wie Europol und Interpol zusammenarbeitet, da Internetkriminalität keine Landesgrenzen kennt.
Fake-Angebote und Online-Betrug
00:53:23Der Stream beginnt mit einer Warnung vor gefälschten Online-Shops und betrügerischen Angeboten. Wird ein Preis zu gut sein, ist es oft ein Betrugstäter. Es wird empfohlen, niemals unbedacht auf Links in E-Mails oder WhatsApp-Nachrichten zu klicken und Angebote kritisch zu hinterfragen. Ein häufiges Vorgehen der Betrüger ist es, eine Zeitlimitierung vorzutäuschen, um die Opfer unter Druck zu setzen. Google nach verdächtigen Angeboten, Hinweise auf Betrug sind oft schnell zu finden.
Datenschutz, Passwörter und Datenlecks
00:55:23Es wird auf die Verwendung gefälschter Vertrauenssiegel auf Webseiten hingewiesen. Man soll immer prüfen, ob eine echte URL dahintersteckt. Um zu prüfen, ob die eigene E-Mail-Adresse in einem Datenleck gelandet ist, wird der Dienst 'Have I Been Pwned' empfohlen. Es wird dringend geraten, für jeden Dienst ein einzigartiges Passwort zu verwenden und einen Passwortmanager zu nutzen, denn ein einziges, überall genutztes Passwort macht alle Konten unsicher. Die Zwei-Faktor-Authentifizierung ist ebenfalls entscheidend, besonders für E-Mail-Konten, da dies der Zugang zu allen anderen Konten ist.
KI, Cold Cases und Geo-Intelligence
00:58:56Moderne Ermittlungen, auch bei sogenannten Cold Cases, profitieren stark von neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) und verbesserten DNA-Analysen. Ein wichtiges Arbeitsfeld ist die Geo-Intelligence, bei der aus Bildern oder Videos der genaue Aufnahmeort ermittelt wird. Dies geschieht durch die Analyse von Details wie Hintergrundelementen, Pflanzen oder Architektur und wird mit Datenbanken wie OpenStreetMap abgeglichen. Dies ist auch für Spiele wie GeoGuessr relevant, das der Gast privat spielt.
Darknet, Tor und digitale Prävention
01:03:32Das LKA ist intensiv in Ermittlungen im Darknet eingebunden. Es wird klar gestellt, dass das Tor-Netzwerk an sich legal ist und auch legitime Seiten hostet. Es wird jedoch vor illegalen Inhalten und dem Anfertigen von Screenshots gewarnt, da alleiniges Aufrufen bereits strafbar sein kann. Im Darknet sind Hackeraktivitäten ein Thema, die Polizei selbst versucht dabei, anonym zu bleiben. Analog zur Einbruchssicherheit in der realen Welt sind Firewalls und sichere Passwörter die wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen im digitalen Raum.
Telefonbetrug und Enkeltrick
01:08:42Ein großes Problem sind Betrugsanrufe (Schockanrufe, Enkeltrick), bei denen sich Täter als Verwandte, Polizei oder Justizbeamte ausgeben und Geld fordern. Die Polizei ruft niemals an und verlangt Geld oder Gutscheincodes. Es wird geraten, bei Anrufen von unbekannten Nummern nicht abzuheben und diese zuerst im Internet zu recherchieren. Ältere Menschen sind besonders gefährdet; der Einsatz von Festnetztelefonen mit nur gespeicherten Rufnummern wird als gute Schutzmaßnahme genannt.
Social-Media-Ermittlung anhand eines Praxisbeispiels
01:16:02Der Gast führt ein interaktives Beispiel vor, bei dem ein manipuliertes Bild einer Bombe auf Instagram gepostet wurde. Die Aufgabe der Zuschauer: den Aufnahmeort finden. Metadaten wie Exif-Daten sind bei Instagram meist nicht verfügbar, daher werden andere Methoden angewendet. Die Ermittler analysieren Likes, Kommentare und Follower des Accounts. Visuelle Details wie der Springbrunnen im Hintergrund, die Pflanzenwelt und der Ort (Osnabrück) sind entscheidende Hinweise. Mit OpenStreetMap und Overpass Turbo werden Brunnen in Osnabrück gesucht, um den Standort zu verfeinern.
KI-Einsatz bei der Polizei und Datenschutz
01:32:07Künstliche Intelligenz ist ein wichtiges Werkzeug für die Polizei, wird aber dienstlich sehr sorgfältig eingesetzt. Dienstliche Daten werden niemals in öffentliche KI-Dienste wie ChatGPT eingegeben, da diese online laufen und Datenschutzvorgaben verletzen würden. Bei der Polizei Niedersachsen gibt es eigene, sichere KI-Anwendungen. Ein Hauptanwendungsgebiet ist die Vorauswertung von Material im Bereich der Kinderpornografie, um Ermittler von reiner Fleißarbeit zu entlasten und zu ermöglichen, sich auf den relevanten Fokus zu konzentrieren.
WLAN-Daten zur Bewegungsprofilerstellung
01:43:13Als weiteres exotisches Ermittlungstool wird die Visualisierung von WLAN-Netzen mittels öffentlicher Karten vorgestellt. Dienste wie Wigle erfassen Netze crowdsourced. Solche Daten werden genutzt, um Bewegungsprofile von Personen zu erstellen. Hat die Polizei Zugriff auf ein beschlagnahmtes Smartphone, kann sie die darin gespeicherten WLAN-Netze auswerten und mit den erfassten Standorten auf der Karte abgleichen. Dies kann Anhaltspunkte über Aufenthaltsorte und Verbindungen liefern und ist ein breites Feld in der digitalen Ermittlung.
LKA-Karriere und Personalbedarf
01:45:40Der Gast kündigt einen Andrang von Bewerbungen beim LKA für den nächsten Tag an und betont den permanenten Personalbedarf der Polizei. Er erläutert den gewandelten Karriereweg in das LKA, der sich stark verjüngt hat. Früher war大量Erfahrung in der regulären Ermittlung eine Voraussetzung, was geändert wurde. Durch den Generationenwandel und die explizite Verjüngung sind für die junge Generation wie Millennials und Gen Z interessante Themen geöffnet, und es gibt keine krasse Altersbeschränkung mehr. Es ist machbar, direkt nach dem Polizeistudium ins LKA zu wechseln.
Einstellungsverfahren im LKA
01:46:36Die Hürden für einen Einstieg beim LKA sind geringer geworden. Zwar wird weiterhin geprüft, ob die Kandidaten passen, doch es gibt keine starren Altersbeschränkungen mehr. Wer Interesse hat, kann direkt nach dem Studium bei der Polizei in Niedersachsen mit guten Chancen im LKA starten, wenn er das Interessengebiet für sich entdeckt. Es gibt keine extra Einstellungstests für alle Bereiche, manche Dezernate führen jedoch welche durch, um ein gegenseitiges Kennenlernen und die Prüfung der Passfähigkeit zu ermöglichen. Diese Tests sollen keine große Hürde darstellen.
Privates Sprechen über die Polizeiarbeit
01:50:33Der Gast betont, dass er als Polizeibeamter grundsätzlich über seine Arbeit sprechen darf, da er nicht bei einem Geheimdienst tätig ist. Das zeige sich auch, dass er im Stream sitze. Allerdings sei dienstinterne Information tabu, während die allgemeine Zugehörigkeit zur Polizei kein Problem sei. Er fährt mit einem Intermezzo fort, bei dem er mit den Zuschauern das Spiel GeoGuessr spielt. Das Ganze dient als lockere Einlage und Unterhaltung zwischen den ernsteren Themen.
Thema Pädohunting und Ermittlungshilfe
01:47:54Auf eine Frage aus dem Chat spricht sich der Gast gegen sogenanntes Pädohunting aus. Er erkennt zwar die gute Intention dahinter, betont aber, dass es in Deutschland nicht so funktioniert. Das Thema ist rechtlich sehr schwierig und funktioniert nur in die Richtung der Selbstjustiz, was von der Polizei abgelehnt wird. Betroffene sollten stattdessen Hinweise bei der Polizei einreichen, die diese dann übernehmen und bearbeiten werden. Unterstützung bei Ermittlungen durch Bürgerhinweise wird hingegen als sehr wertvoll und ein großes Fan gefördert.
Skurrile Fälle und Telegram-Aktivitäten
02:43:08Auf Nachfrage nach dem skurrilsten Fall zögert der Gast, beschreibt aber, dass es häufig unangenehme Situationen bei Durchsuchungen gibt, bei denen man in sehr private Bereiche eindringt und dabei auch unerwartete Dinge vorfindet. Skurrile Fälle kommen vor allem im Bereich von Telegram-Gruppen vor, wo wiederholt Seltsames beobachtet wird. Telegram ist für die Ermittler eine ständige Quelle für interessante und oft lustige Beobachtungen. Der Fokus liegt hier auf der Analyse des öffentlichen Chats.
Termine und Ausblick
02:30:18Der Stream geht seinem Ende entgegen. Für den nächsten Tag wird auf die Lange Nacht der Berufe im neuen Rathaus in Hannover hingewiesen, bei der die Polizei vertreten sein wird. Es ist unklar, ob das LKA selbst mit einem Stand dabei sein wird. Die Zuschauer werden dazu auf die Insta-Stories von Polizei Hannover verwiesen. Regelmäßige Streams finden wöchentlich statt, meist drei Stunden lang. Der Stream endet mit einem Raid bei einem Streamer namens Koteletten-Günther, der Forza spielt.
Verkehrskontrollen an E-Scootern
02:37:53Ein Zuschauer fragt nach der Häufigkeit von Verkehrskontrollen an E-Scooter-Fahrern. Der Gast erklärt, dass vor allem Mietroller ohne Kennzeichen oder mit abgelaufenen Versicherungskennzeichen ein Problem darstellen. Oft seien es Personen, die ihren Hauptführerschein verloren haben und nun mit Kleinstfahrzeugen unter Alkoholeinfluss unterwegs sind. Die Kontrolle erfolgt oft aus Gründen wie Trunkenheit oder Fahren ohne Helm. Es wird betont, dass diese kleinen Roller oft unangenehm anzusehen sind, wenn mehrere Personen darauf fahren und dabei auch noch den Verkehr behindern.
Erklärung des Einsatzzugs
02:55:33Auf Bitten des Streamers erklärt der Gast für Normalbürger den Begriff Einsatzzug. Ein Einsatzzug ist eine taktisch koordinierte Sammlung von Einsatzkräften, die zusammenhängend auf eine Lage reagieren. Ein Zug besteht in der Regel aus vier bis fünf Gruppen, wobei jede Gruppe etwa sechs bis zehn Personen umfasst. Die genaue Zahl hängt von der jeweiligen Einsatzsituation ab. Mehrere Züge können zusammen eine Hundertschaft bilden. Diese Definition soll Zuschauern helfen, Fachbegriffe besser zu verstehen.