Triggerwarnung Heute sprechen wir u. a. über unsere Arbeit im Bereich Sexualstraftaten gegen Kinder und Jugendliche.
Polizei Hannover: Schwerpunkt Pädokriminalität
Die Polizei Hannover stellt ihre Arbeit im sensiblen Bereich der Pädokriminalität vor. Der Schwerpunkt liegt der Bekämpfung solcher Straftaten und der Aufklärung über Hilfsangebote, um sowohl Opfer zu schützen als auch potenzielle Täter zu erreichen. Maßnahmen zur Prävention und der Umgang mit dem Thema werden erläutert.
Einleitung des sensiblen Themas
00:06:29Zu Beginn des Streams wird eine deutliche Triggerwarnung für das Hauptthema ausgesprochen. Es geht um Pädokriminalität, sowohl online als auch offline. Die Polizei wird ihre Maßnahmen zur Bekämpfung solcher Straftaten erläutern und wichtige Hilfsangebote für sowohl Opfer als auch für Personen mit pädophilen Neigungen vorstellen, um eine Straftat zu verhindern.
Prävention und Umgang mit Kindern
00:21:32Es wird die Frage erörtert, wie Eltern ihre Kinder vor Sexualstraftaten im sozialen Umfeld schützen können, ohne sie zu verunsichern. Der Empfehlung ist, ein offenes und unterstützendes Gesprächsangebot für das Kind zu schaffen, bei dem es sich ohne Angst fürchten muss, Anvertrautes mitzuteilen. Dabei ist es entscheidend, das Kind bei seinen Aussagen nicht zu verurteilen, da dies zur Verweigerung weiterer Gespräche führen kann.
Krankheitsbild Pädophilie und Strafbarkeit
00:26:08Der Stream klärt die juristische und psychologische Einordnung von Pädophilie. Das Gefühl sich zu Kindern hingezogen zu fühlen wird als potenzielles Krankheitsbild benannt, welches an sich nicht strafbar ist. Strafbar sind hingegen konkrete Taten wie sexuelle Handlungen an Kindern oder die Herstellung und Verbreitung von kinderpornografischem Material. Es wird betont, dass es Hilfsangebote gibt, um von der Neigung zur Tat zu kommen.
Aufstiegsmöglichkeiten im Polizeidienst
00:28:38Es werden die Karrierewege innerhalb der Polizei Niedersachsen erläutert. Der höhere Dienst, der beispielsweise zum Rang eines Polizeirates führt, setzt einen Masterabschluss im Polizeimanagement voraus und ist eine Managementaufgabe mit Fokus auf die Leitung von Dienststellen, weniger auf die Strafverfolgung auf der Straße. Beurteilungen sind hierfür entscheidend und basieren nicht nur auf der Anzahl der aufgeklärten Fälle, sondern auch auf Eigeninitiative und Problemlösungsfähigkeit.
Führungsstab bei Großlagen
00:32:46Zur Bewältigung von Großlagen, wie z. B. bei Fußballspielen, wird der Aufbau eines besonderen Aufbaus (BAO) mit einem Führungsstab erklärt. In diesem kommen Beamte des gehobenen und höheren Dienstes zum Einsatz, die die Einsatzabschnitte koordinieren. Es wird die Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitskräften wie den Ordnerdiensten und der Bundespolizei beschrieben und die genaue Zuständigkeit der Polizei bei solchen Ereignissen abgegrenzt.
Pyrotechnik im Stadion und Strafverfolgung
00:40:11Das Thema Pyrotechnik im Stadion wird aus polizeilicher Perspektive beleuchtet. Das Abbrennen ist eine Straftat, da es eine Gesundheitsgefahr darstellt. Allerdings liegt die Verantwortung für die Sicherheit im Stadion beim Verein und dessen Sicherheitspersonal. Die Polizei greift nur ein, wenn es zu Straftaten kommt. Die hohe Inzidenz wird auf unzureichende Kontrolle durch die Sicherheitsdienste zurückgeführt, wobei es immer wieder Wege gibt, Gegenstände zu verstecken.
Umgang mit Rassismus und extremistischem Gedankengut
00:46:24Die Polizei Hannover thematisiert intern aktiv den Umgang mit Rassismus und extremistischem Gedankengut. Es gibt regelmäßige Schulungen und Sensibilisierungsworkshops, um Kollegen zu schulen, wie sie mit verfassungsfeindlichen Äußerungen umgehen. Der grundsätzliche Standpunkt ist, dass es schwarze Schafe in der eigenen Institution geben kann, dass man aber aktiv und konsequent gegen diese vorgeht, um eine repräsentative und demokratische Polizei zu gewährleisten.
Polizeiarbeit und historische Reflexion
00:49:29Der Streamer betont, selbst an Seminaren zur Polizeiarbeit teilgenommen zu haben, nicht weil er betroffen war, sondern aus persönlichem Interesse. Er berichtet von einem Workshop in einem Konzentrationslager, der sich mit der Rolle der Polizei im Zweiten Weltkrieg auseinandersetzte und zeigt, wie Gesetze angepasst wurden, um Beamte im Unrecht zu bestärken. Solche Veranstaltungen seien wichtig, um die Augen dafür zu öffnen, wie konkret die Gefahren in der heutigen Zeit sein können.
Einschränkungen bei der Polizeiarbeit
00:50:39Ein Zuschauer äußert die Meinung, dass das Handeln der Polizei, etwa bei Konfirmationen, massiv eingeschränkt sei. Der Streamer erwidert, dass die Polizei stets an die Gesetze und deren Grenzen gebunden sei. Oft würde man aus persönlicher Sicht mehr tun dürfen, doch die Vorsicht vor Konsequenzen, insbesondere die Angst vor Strafverfahren und möglichen dienstlichen Konsequenzen wie der Kündigung, hemme das Handeln. Er verdeutlicht dies anhand eines eigenen Erlebnisses.
Einsatz im Streifendienst und Folgen
00:52:15Der Streamer schildert einen konkreten Einsatz an einem Vatertag in Hannover, bei dem eine Gruppe aggressiv wurde und Glasflaschen warfen. Nachdem er den Werfer identifiziert hatte, wurde die Person festgenommen, da sie sich widersetzte. Drei Tage später wurde er selbst angeklagt, die Person brutal geschlagen zu haben. Durch das Videomaterial des Einsatzes konnte er seine Version der Ereignisse belegen und das Verfahren wurde eingestellt. Dies zeige, wie schnell Beamte selbst zu Beschuldigten werden können.
Schusswaffengebrauch und Selbstverteidigung
00:57:00Ein Zuschauer fragt nach den Regeln für den Schusswaffengebrauch. Der Streamer betont, dass dieser stets das allerletzte Mittel darstelle. Er berichtet von einem Fall in den USA, bei dem zwei Polizisten lange Zeit versuchten, eine suizidale Person mit einem Messer zur Aufgabe zu bewegen, bevor sie aus Notwehr mehrere Schuss abgaben. Er macht deutlich, dass bei einem Angriff mit Messer die potenzielle Tötung des Angreifers in Kauf genommen werden müsse, um Leib und Leben zu schützen. Zielen auf Beine sei keine verlässliche Option, da auch Verletzte lebensgefährlich handeln können.
Swatting und Cyberkriminalität
01:18:32Ein Zuschsteller fragt nach neuen Erkenntnissen im Bereich Swatting, ein Problem, das auch auf Twitch besteht. Der Streamer kündigt an, dass die Polizei Hannover Ende nächster Woche einen Stream zu diesem Thema plant. Dabei soll mit einem Kollegen aus dem Cybercrime-Bereich aufgeklärt und Tipps zur Selbstschutz gegeben werden. Dies zeigt die Anstrengungen der Polizei, auch im digitalen Raum präsent und aufklärend zu wirken.
Begegnungen im privaten und beruflichen Kontext
01:20:24Der Streamer erzählt von einer unangenehmen, aber menschlichen Begegnung. Er hatte jemanden wegen Kokainbesitz festgenommen und traf diesen Monate später zufällig im Fitnessstudio. Trotz der Straftat blieben beide im Gespräch respektvoll und neutral. Er betont, dass die Polizei und die Bürger trotz beruflicher Konfrontation Menschen bleiben und solche Begegnungen zeigen die menschliche Seite des Polizeidienstes.
Umgang mit Beleidigungen im Internet
01:25:31Ein Nutzer namens Woppa äußert sich im Chat beleidigend gegenüber der Polizei. Der Streamer konfrontiert den Nutzer direkt und bietet ihm an, sich öffentlich zu entschuldigen. Nach einer ehrlichen Entschuldigung wird auf eine Anzeige verzichtet. Der Streamer nutzt den Vorfall, um klarzustellen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und die Polizei auch im Chat auf Beleidigungen reagieren und Anzeigen erstatten wird. Dies dient als abschreckendes Beispiel für alle Zuschauer.
Bewerbungsfragen und Dresscode im Polizeidienst
01:33:18Zahlreiche Zuschauer stellen Fragen zur Bewerbung bei der Polizei Hannover, insbesondere gesundheitliche Aspekte wie Epilepsie oder Asthma werden als Einzelfälle behandelt. Bezüglich des äußeren Erscheinungsbilds wird geklärt, dass lange Fingernägel und Schmuck zwar grundsätzlich erlaubt sind, im Streifendienst aber praktisch hinderlich sein können. Kollegen tragen aus Gründen der Sicherheit und Funktionalität oft keine Uhren oder Ringe, es bleibt eine individuelle Entscheidung des Beamten.
Umgang mit belastenden Einsätzen und psychologischer Support
01:38:33Polizeibeamte werden mit extrem belastenden Situationen konfrontiert, familiäres Leid an dem sie keinen Anteil haben. Der Umgang damit erfolgt auf mehreren Ebenen: durch das Gespräch mit Kollegen, die dieselben Einsätze miterlebt haben, oder durch das Reden mit der Familie zu Hause. BeiPersistierenden Problemen steht die regionale Beratungsstelle der Polizei mit externen Psychologen und Psychotherapeuten zur Verfügung, die professionelle Hilfe und Verarbeitungsmöglichkeiten anbieten.
Einsatzbereich Pädokriminalität bei der Polizei Hannover
01:47:25Die Policei Hannover, vertreten durch Ricarda, erläutert ihre Arbeit im Bereich der Bekämpfung der Pädokriminalität. Ein wesentlicher Teil ihrer Ermittlungen basiert auf Vorgängen des National Center for Missing and Exploited Children (NECMEC). Diese Organisation meldet kinderpornografische Inhalte über Plattformen wie WhatsApp, Snapchat oder TikTok, die in Deutschland beim BKA landen und anschließend an die zuständige Landespolizei weitergeleitet werden.
Alltag und Ermittlungsmethoden
02:08:09Der typische Arbeitstag im Bereich der Pädokriminalität ist stark durch die Auswertung von Meldungen des NECMEC geprägt. Daraus resultieren zahlreiche Durchsuchungsbeschlüsse, die vollstreckt werden, um den Besitz und die Verbreitung von inkriminierten Dateien nachzuweisen. Die Auswertung der beschlagnahmten Datenträger gehört ebenso zum Alltag wie die schwierige Aufgabe, in Videodateien vermisste Kinder zu identifizieren und die Opfer zu schützen.
Herausforderungen und Hilfsangebote für Ermittler
02:12:14Die Arbeit mit Missbrauchsopfern und der Konfrontation mit dem Missbrauchsmaterial ist psychisch extrem fordernd. Daher ist der intensive Austausch und die gegenseitige Unterstützung im Kollegenkreis essenziell, da geteiltes Leid halbes Leid ist. Um die Belastung zu bewältigen, bieten sich regelmäßige Debriefings und in Zukunft voraussichtlich auch eine externe Supervision an. Anonyme Hinweise werden angenommen, müssen jedoch überprüfbar sein, da sie für einen Durchsuchungsbeschluss allein nicht ausreichen.
Kooperation und Datenproblematik im internationalen Kontext
02:15:54Es wird die Frage nach der deutschen IT-Fähigkeit bei der Verfolgung von Straftaten im Ausland und die Rolle der Pädohunter thematisiert. Ricarda betont, dass die Pädohunter nicht von der Polizei sind oder im Auftrag handeln, ihre aufgedeckten Fälle aber übernommen werden. Die größte Herausforderung ist, dass viele Hinweise vom amerikanischen NECMEC kommen, da in Deutschland die Provider bisher nicht zu einer lückenlosen Meldung von belastenden Inhalten verpflichtet sind. Es gibt Bestrebungen, dies zu ändern.
Anzeigenerstattung und Ermittlungshürden
02:17:30Die Polizei bevorzugt die direkte Anmeldung bei der örtlichen Dienststelle, da hier die Daten am vollständigsten erhoben werden können und bei Risikoüberhang zeitnah gehandelt werden kann. Ein erheblicher Teil der Arbeit betrifft die Verbreitung von kinderpornografischem Material über Plattformen wie WhatsApp, Snapchat und TikTok. Da diese Server amerikanisch sind, ist die Polizei auf die Kooperation mit US-Behörden angewiesen, um Ermittlungen durchführen zu können. Über spezifische Ermittlungstaktiken, wie die Arbeit des NECMEC, wird aus operationalen Gründen nicht gesprochen.
Rechtliche Grauzonen bei Jugendlichen
02:19:07Bei Altersdifferenzen in Beziehungen, z.B. zwischen einem 17- und 19-Jährigen, ist der Besitz von Nacktfotos nicht strafbar. Allerdings wird bei einer Trennung und der ungenehmigten Weiterleitung dieser Bilder eine Straftat nach dem Verbreitungsparagraphen Jugendpornografie begangen. Die Bewertung durch Gerichte ist abhängig von der Motivation des Täters. Leichtsinnige Jugendliche, die sich der Tragweite nicht bewusst sind, werden anders bewertet als ältere Täter mit schweren pädokriminellen Neigungen.
Karrierewege bei der Polizei
02:21:35Es gibt neben dem klassischen Studium zahlreiche andere Wege, bei der Polizei anzufangen, auch ohne Polizeidienst zu leisten. Die Polizei bietet diverse tarifbeschäftigte Positionen im IT-Bereich, in der Cybercrime-Abteilung, aber auch in Verwaltung, Fotografie oder Grafik an. Während des Studiums zum Polizeivollzugsbeamten erhalten angehende Beamte ein Gehalt, das die Lebenshaltungskosten abdeckt und ihnen ermöglicht, kostengünstig zu wohnen.
Elterliche Verantwortung und Medienerziehung
02:23:40Eltern haben keinen rechtlichen Anspruch, die Handys ihrer Kinder einzusehen, auch wenn sie das Gerät bezahlt haben. Es handelt sich vielmehr um eine Erziehungsaufgabe. Analog zur Verkehrserziehung ist eine aktive Medienerziehung wichtig, bei der Eltern ihre Kinder begleiten und über die Gefahren des Internets aufklären, ohne ihnen Angst zu machen. Der offene Umgang über Risiken und die Festlegung von klaren Regeln sind dabei entscheidend, um Kindern Sicherheit zu geben.
Anonyme Messenger und Ermittlungsmöglichkeiten
02:26:40Bei Messenger-Diensten, die keine Nutzerdaten speichern, sind Ermittlungen nahezu unmöglich. Wird über solche Plattformen eine Straftat begangen, wird das Verfahren oft gegen Unbekannt geführt. Die Polizei arbeitet daher intensiv an der Entschlüsselung und Internationalen Zusammenarbeit, um auch solche Fälle bearbeiten zu können. Das Ziel ist es, Täter aus ihrer Anonymität zu holen, was teilweise dazu führt, dass diese sich selbst Hilfe suchen.
Motivation und persönliche Bewältigung
02:28:43Die Arbeit im Bereich Pädokriminalität wird von einem großen Teamgeist und der Motivation angetrieben, reale Missbrauchsfälle aufzuklären. Jeder aufgeklärte Fall, besonders aus dem innerfamiliären Bereich, ist ein großer Erfolg. Um mit dem emotionalen Stress umzugehen, ist eine strikte Trennung zwischen Berufs- und Privatleben unerlässlich. Polizisten, die auch Eltern sind, achten besonders darauf, Ängste nicht mit nach Hause zu nehmen, um ihre Kinder bestärken zu können.
Herausforderungen im Arbeitsalltag
02:32:29Eine der größten Herausforderungen im Bereich Cybercrime ist die immense Arbeitsmenge und die Masse an Daten. Täter besitzen oft Festplatten mit Terabytes an Speicherplatz, was eine aufwendige Analyse erfordert. Zwar werden KI-Systeme zur Vorauswertung genutzt, um Dateien vorzusortieren, jedoch ist die manuelle Prüfung durch Sachbearbeiter unerlässlich, da die Fehlerquote der KI zu hoch ist. Zudem frustriert das Problem der Verjährung bei verspätet angezeigten Taten.
Pädophile vs. Pädokriminelle und Prävention
02:55:07Es wird streng zwischen der pädophilen Neigung, die nicht strafbar ist, und der pädokriminellen Straftat unterschieden. Projekte wie "Kein Täter werden" bieten Betroffenen Hilfestellung, bevor sie eine Straftat begehen. Für die Prävention ist es entscheidend, Eltern aufzufordern, ihre Kinder offen über die Gefahren im Internet zu informieren. Kinder müssen lernen, dass nicht jeder ein Freund ist und sie im Notfall einen vertrauenswürdigen Ansprechpartner ansprechen sollen, um es in die lösungsorientierte Sprache zu bringen.