Experten der Polizei Hannover erklären in einem Interview, wie Hausbesitzer ihre Immobilien effektiv gegen Einbrüche absichern können. Mechanische Sicherungen, Pilzkopfverriegelungen und richtiges Verhalten im Verdachtsfall werden ausführlich besprochen. Kostenlose Beratungstermine vor Ort helfen bei der Umsetzung.

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Willkommen und Vorstellung des Themas

00:08:07

Der Stream beginnt mit einer Begrüßung der Zuschauer und einer Vorstellung des Themas Einbruchssicherheit. Der Moderator Chef begrüßt Gast Michael Nicke von der technischen Prävention der Polizei Hannover. Es wird auf die aktuelle Jahreszeit hingewiesen, in der die Einbruchszahlen typischerweise steigen. Nicke wird als Experte für Einbruchschutz vorgestellt, der seit 16 Jahren in diesem Bereich tätig ist und über umfangreiche Erfahrung verfügt.

Aufgaben der technischen Prävention

00:10:28

Michael Nicke stellt sich als Angehöriger der technischen Prävention vor und erklärt die Aufgaben seines Teams. Sie beraten Bürger zur Vorbeugung von Einbrüchen und fahren dazu zu den Menschen nach Hause. Die Beratung dauert in der Regel zwei Stunden und umfasst die Prüfung von Schwachstellen, Sicherungsempfehlungen und die Erstellung von Protokollen. Sie sind für die Region Hannover bis Neustadt zuständig und bieten die Beratung kostenlos an, da dies präventiv wirkt und die Polizei entlastet.

Einbruchschutz im Detail: Profilzylinder und Schlüssel

00:13:48

Es geht um wichtige Details des Einbruchschutzes, insbesondere bei Profilzylindern. Nicke erläutert, dass das Steckenlassen eines Schlüssels im Zylinder kein ausreichender Schutz ist. Viel wichtiger ist es, zweimal abzuschließen. Bei vielen Türen gibt es keine Not- und Gefahrfunktion, die es ermöglicht, mit einem Schlüssel von außen zu schließen, auch wenn innen ein Schlüssel steckt. Nicke betont, dass Einbrecher meist keine Buntbartschlösser mehr aufhebeln, sondern moderne Profilzylinder mit komplexen Systemen angreifen.

Rechtliche Rahmenbedingungen

00:17:38

Nicke erklärt die rechtlichen Änderungen seit 2017, als der Wohnungseinbruchdiebstahl vom Vergehen zum Verbrechen wurde. Die Mindeststrafandrohung beträgt jetzt ein Jahr Freiheitsstrafe. Diese Änderung hat dazu geführt, dass die Polizei mehr Eingriffsrechte hat und Einbrüche zurückgegangen sind, da Täter vorsichtiger geworden sind. Die höhere Strafe führt auch zu sofortigen Untersuchungshaftmaßnahmen für die Täter, wenn sie gefasst werden.

Verhalten bei Verdacht auf Einbruch

00:28:49

Nicke gibt konkrete Ratschläge, was man tun sollte, wenn man nachts verdächtige Geräusche hört. Bei Klirren von Fensterscheiben sollte sofort die Polizei unter 110 gerufen werden, auch wenn man später unsicher ist, ob es wirklich ein Einbruchversuch war. Besser sei, einmal zu viel als zu wenig zu alarmieren. Täter warten oft, bis alle Lichter wieder aus sind, bevor sie eindringen. Auch wenn man Nächtliches hört, sollten Nachbarn informiert werden, die dann die Polizei rufen können.

Technische Lösungen und Smart Home

00:36:57

Es werden verschiedene technische Lösungen für den Einbruchschutz besprochen. Nicke äußert sich skeptisch zu rein app-gesteuerten Systemen wie Fingerabdruckscannern, die hohe Kosten und technische Anforderungen haben. Bei Kamerasystemen wird darauf hingewiesen, dass Outdoor-Kameras oft durch Wetter, Tiere oder Insekten ausgelöst werden. Eine Möglichkeit sei, eine einfache Kamera im Inneren eines Raumes zu platzieren, die nach Bewegung Alarm schickt und dem Hausbesitzer ein Bild auf das Handy schickt. Auch Bewegungsmelder mit Licht können abschreckend wirken, sind aber kein Ersatz für mechanische Sicherungen.

Fenster- und Türsicherung

00:44:59

Der Schwerpunkt liegt auf der Sicherung von Fenstern und Türen, die die häufigsten Einbruchspunkte darstellen. Nicke erklärt die Bedeutung von Pilzkopfverriegelungen und Sicherheitsschließblechen, die eine deutlich höhere Sicherheit als herkömmliche Beschläge bieten. Bei neueren Fenstern ab Mitte der 90er Jahre sind solche Systeme oft schon integriert. Ältere Türen und Fenster können nachgerüstet werden, sollte aber von Fachfirmen erfolgen. Die Widerstandsklasse RC2, die einem dreiminütigen Angriff mit einem Schraubendreher standhält, wird als guter Standard angesehen.

Beratungsprozess und Netzwerk zu Hause sicher

00:50:55

Nicke beschreibt den Ablauf einer polizeilichen Einbruchschutzberatung. Nach einer ausführlichen Begutachtung aller Schwachstellen im Haus wird ein detailliertes Protokoll erstellt. Bei Umsetzung der Empfehlungen durch geprüfte Fachfirmen kann man eine Plakette vom Netzwerk 'zu Hause sicher' erhalten. Diese Anerkennung ist keine Zertifizierung der Sicherung selbst, zeigt aber das Engagement des Hausbesitzers und kann abschreckend auf potenzielle Täter wirken. Die Polizei bietet weiterhin Unterstützung bei der Überprüfung von Handwerkerangeboten und der abschließenden Kontrolle der durchgeführten Maßnahmen.

Mechanische Sicherungsmaßnahmen

00:55:58

Wenn wir jetzt die Tür sichern, wenn wir überall Verriegelungspunkte machen, aber einen einfachen Zylinder drin lassen, kommt ein Einbrecher sofort dahinter und öffnet diesen schnell. Es gibt verschiedene Methoden wie Lockpicking, Schlagschlüssel oder ähnliche Werkzeuge, die frei verfügbar sind und legal genutzt werden können. Professionelle Einbrecher erkennen Schwachstellen sofort und nutzen diese aus, weshalb eine hochwertige mechanische Sicherung entscheidend ist.

Polizeiliche Präventionsarbeit

00:56:53

In Hannover gibt es eine zentrale Abteilung für technische Prävention mit vier Mitarbeitern, die sich um Einbruchsschutz kümmern. Dies ist jedoch nur ein kleiner Teil der Aufgaben, da die Mitarbeiter auch andere Themen wie Amokprävention an Schulen bearbeiten. Im Vergleich zu anderen Polizeidirektionen, wo Beauftragte für Kriminalprävention oft mehrere Themen gleichzeitig betreuen, hat Hannover eine spezialisierte Einrichtung mit Expertise für große und kleine Objekte sowie Sicherheitsanforderungen auf höchstem Niveau.

Psychische Folgen von Einbrüchen

00:58:34

Einbruchsdellen haben schwere psychische Auswirkungen auf die Opfer, die oft unterschätzt werden. Betroffene fühlen sich unsicher und können nachts nicht mehr ruhig schlafen, da das Unterbewusstsein immer wachsam bleibt. Bei älteren Menschen ändern sich häufig die Verhaltensweisen, wie etwa das Vermeiden längerer Abwesenheiten zu Hause. Auch junge Familien und Eltern leiden unter dem Erlebnis, da sie sich nicht mehr sicher fühlen und die Kinder ebenfalls traumatisiert werden können.

Abschreckende Maßnahmen versus mechanische Sicherung

01:01:45

Weiche Faktoren wie Licht anlassen, Radio oder TV laufen lassen oder Schuhe vor der Tür zeigen haben nur eine begrenzte abschreckende Wirkung. Entscheidend ist vielmehr das mechanische Gesamtkonzept von Fenster und Tür, das den Täter aufhält. Oftmals meiden Einbrecher Häuser mit erkennbaren Sicherungsmaßnahmen wie Schutzbeschlägen an Zylindern oder entsprechenden Plaketten, da sie zu viel Aufwand für potentiell geringe Beute erwarten.

Kameras im Außenbereich

01:02:38

Kameras im Außenbereich sind zwar verbreitet, aber auch nicht unproblematisch. Sie können bei Nachbarn für Unbehagen sorgen, wenn Mikrofone auch Ton aufzeichnen oder wenn Kamerafelder unkontrolliert Nachbargrundstücke erfassen. Datenschutzrechtliche Aspekte spielen dabei eine große Rolle, und Kameras sollten daher mit Rücksicht auf das Recht auf informationelle Selbstbestimmung installiert und sichtbar gekennzeichnet werden. Gespräche mit Nachbarn und abgestimmte Blickwinkel können helfen.

Verhalten bei Einbruch im Haus

01:05:24

Wenn man merkt, dass sich möglicherweise ein Einbrecher im Haus befindet, ist es ratsam, sich zu barrikadieren, Licht anzumachen, laut zu reden und sofort die Polizei (110) zu rufen. Täter flüchten in der Regel bei Licht oder wenn sie wissen, dass die Polizei informiert ist. Es wird ausdrücklich davon abgeraten, selbst den Helden zu spielen oder den Täter zu konfrontieren, da dies zu Eskalation führen und gefährlich sein kann.

Tresore und Wertbehältnisse

01:12:52

Beim Kauf von Tresoren sollte man auf geprüfte Modelle nach DIN-Norm 1143.1 achten, die von Versicherungen anerkannt werden. Tresore müssen, unabhängig vom Gewicht, immer am Boden verankert sein, um Mitnahmen zu verhindern. Auch sollte man den Schlüssel entweder bei sich tragen oder sehr gut verstecken. Für wertvolle Gegenstände wie Schmuck ist es ratsam, Fotos zu machen und diese aufzubewahren, um bei Diebstahl eine Zuordnung zu erleichtern. Bargeld sollte man zu Hause lagern.

Einbruchmeldeanlagen und Sensoren

01:20:40

Einbruchmeldeanlagen gibt es in verschiedenen Ausführungen: Perimeterschutz (Überwachung des Grundstücks), Außenhautsicherung (Fenster und Türen) und Fallentechnik (Überwachung strategischer Punkte). Glasbruch-Sensoren sichern nur den Bruch von Glas ab, was statistisch mit 1% selten ist. Öffnungskontakte sind wichtiger, da 80% der Täter versuchen, Fenster oder Türen aufzuhebeln. Bei Anlagen ist darauf zu achten, dass sie professionell installiert sind und nicht leicht überlistet werden können.

Thief Simulator
01:43:12

Thief Simulator

Profieinbruchtechniken und DIY-Diebstahl

01:47:22

Im Stream wird auf professionelle Einbruchtechniken eingegangen, wie das Öffnen von Schlössern mit einem Dietrich. Es wird betont, dass doppelte Abschlüsse wichtig sind, da in Deutschland verwendete Schlösser zweiturgig sind. Auch wird auf ungewöhnliche Aufgaben im Zusammenhang mit Einbrüchen eingegangen, wie das Zerstören von Tellern in einem Haus. Gleichzeitig wird deutlich gemacht, dass solche Vandalismus-Aufträge nicht zur klassischen Einbrecherarbeit gehören und eher unüblich sind.

Probleme mit Ex-Partnern und Smart Home

01:50:04

Ein weiteres Thema sind Einbrüche durch Ex-Partner, die nach einer Trennung überfordert sind und eigenartige Verhaltensweisen zeigen. Es wird von einem Fall berichtet, bei dem eine Frau nachts seltsame Phänomene wie ein selbstständig eingeschaltetes Fernsehgerät meldete, nachdem sich ihr Mann von ihr getrennt hatte. Solche Fälle können auf einer unzureichend gesicherten Smart-Home-Anlage basieren, wobei das Ändern von Router-Passwörtern eine wichtige Sicherheitsmaßnahme ist.

Sicherungen und Präventionsmaßnahmen

01:51:11

Es wird erklärt, dass Täter in der Regel einen sicheren Stand und eine gute Sicherung benötigen, besonders ab dem ersten Obergeschoss bei einer Höhe von etwa vier Metern. Diese Sicherheitsstandards sind auf Messen oft nachzuvollziehen. Es wird auch auf das Thema elektrische Schlösser eingegangen, die zertifiziert sein müssen und oft ein Motorschloss erfordern. Ebenso wird auf die Bedeutung von Pilzkopfverriegelungen bei Fenstern und Türen hingewiesen, die gegenüber einfachen runden Bolzen eine deutlich höhere Sicherheit bieten.

Praktische Tipps und kostenlose Beratung

02:03:55

Es werden praktische Tipps zur Verhinderung von Einbrüchen gegeben: Alle Fenster und Türen sollten gesichert sein, bei längerer Abwesenheit eine Kamera zur Überwachung installiert werden und Wertschätze sollten nicht deponiert werden. Besonders wird vor dem Auslegen von Bargeld gewarnt, da das Täter anlocken kann. Die Polizei Hannover bietet kostenlose Beratung vor Ort an, ein Service, der nicht von allen Polizeidirektionen angeboten wird. Es wird empfohlen, die Webseite zuhause-.de für weitere Informationen und Beratungsmöglichkeiten zu konsultieren.

Wachsamkeit der Nachbarschaft und polizeiliche Prävention

02:12:24

Die Bedeutung eines wachsamen Nachbarns wird deutlich gemacht. Wenn verdächtige Aktivitäten bemerkt werden, soll die Polizei informiert werden. Dies kann auch dazu führen, dass Parkende fälschlicherweise als Einbrecher identifiziert werden. Gleichzeitig wird die polizeiliche Prävention betont, einschließlich der Vergabe von Plaketten für gesicherte Häuser. Diese Plakette signalisiert potenziellen Tätern, dass das Haus von der Polizei überprüft und als sicher eingestuft wurde. Das Ziel ist, Einbrüche von vornherein zu verhindern.

Moderne Überwachung und Nachbarschaftshilfe

02:49:57

In modernen Zeiten kommt es häufig vor, dass Nachbarn per Foto über verdächtige Aktivitäten informiert werden. Es wird auch die Nutzung von WhatsApp-Gruppen für den Austausch in Nachbarschaften erwähnt, wobei darauf hingewiesen wird, dass die Gruppenadministriatoren darauf achten sollten, dass keine radikalen Inhalte oder Troller in den Gruppen sind. Es wird betont, dass eine wachsame Nachbarschaft wichtig ist, aber auch vor übertriebenem Blockwarttum gewarnt wird.

Fazit und Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

02:52:19

Als Fazit des Streams wird nochmals betont, wie wichtig es ist, Fenster geschlossen zu lassen und Bargeld nicht sichtbar aufzubewahren, um keine Täter anzulocken. Die Nachbarn sollten aufmerksam sein und bei Verdacht die Polizei rufen. Es wurde die Pilzkopfverriegelung als besonders sichere Methode vorgestellt und die Bedeutung der polizeilichen Plakette für gesicherte Häuser hervorgehoben. Am Ende wird nochmals die kostenlose Beratung durch die Polizei empfohlen und die Webseite zuhause-.de als Informationsquelle genannt.