Es wurde ein Nachmittag der Reflexionen gestreamt. Bei dem Anschauen einer YouTube-Doku wurde die Reise des Künstlers thematisiert: Von den ersten musikalischen Anfängen über den zufälligen Durchbruch bis hin zur politischen Rolle und dem Burnout. Ein zentrales Fazit ist die Sehnsucht nach einem ruhigeren Lebenszyklus.

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Einleitung zur YouTube-Doku

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Nach technischen Startschwierigkeiten beginnt der Stream mit dem Zuschauen der YouTube-Doku 'Staffel 2, Folge 3'. Rezo erwähnt, es handle sich zu großen Teilen um ihn, was zu einem ungewohnten Gefühl führt. Obwohl er die Doku noch nicht gesehen hat, äußert die Nina dass diese 'Pippi in den Augen' verursacht, was auf einen emotionalen Inhalt hindeutet und Neugier weckt. Rezo stellt den Kanal 'Renzo' als Newcomer vor und erinnert sich an eine Phase, in der er sich als Staatsfeind fühlte und nicht mehr ins Büro konnte.

Die Auswirkungen des ersten Erfolgs

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Ein plötzlicher, massiver Erfolg mit 20 Millionen Views veränderte Rezos Leben fundamental. Er beschreibt das Gefühl, in die Rolle des Meinungsführers einer Generation gedrängt worden zu sein. Dieser Erfolg führte zu einer Radikalisierung seines Schaffens: Es galt, 'alles hinzugeben' und das Ganze nun als Vollzeitjob zu betreiben. Dies stellte einen Wendepunkt dar, der ihm das Gefühl gab, 'jetzt oder nie' handeln zu müssen, um nicht aufzugeben.

Emotionale Rückblicke und Anfänge

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Das Anschauen der Doku weist tiefe emotionale Spuren bei Rezo auf, insbesondere beim Rückblick auf die letzten zehn Jahre auf YouTube. Diese Phase ist geprägt von positiven Erfahrungen, Erfolgen und Freundschaften, aber auch von stark negativen Gefühlen. Es werden persönliche Anfänge mit der Gitarre im Alter von sechs Jahren aufgrund des musikalischen Einflusses seines Vaters erwähnt, der einst selbst in Bands spielte.

Die Entstehung des Kanals und die Rolle von Haki

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Die Entstehungsgeschichte von Rezos Kanal ist eng mit einem Freund, 'Haki', verbunden. Dieser kleine YouTube-Kanimator, der coole animierte Inhalte erstellte, maßgeblich den Anstoß für die Gründung des Kanals. Rezo war von Anfang an extrem gewissenhaft und arbeitete sehr hart an seinen Projekten, wobei er sein erstes Video nicht veröffentlichte und das zweite direkt als Start nutzte.

Der große Durchbruch mit Diss-Tracks

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Nach wenigen Monaten auf YouTube und einer Nominierung als 'Kanal der Woche' bei MrTrashpack, was zu 20.000 Abonnenten führte, gelang Rezo ein gewaltiger Sprung in der Reichweite. Dies passierte zeitgleich mit dem 'Everyday Saturday Diss Track' von Ju, auf den Rezo ebenfalls mit einem Track reagierte. Dieses zufällige, aber algorithmisch geförderte Zusammentreffen brachte ihm über 10 Millionen Views und gilt als reiner Glücksfall.

Die Ära der musikalischen Kollaborationen

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Innerhalb weniger Monate entwickelte sich ein regelmäßiger Workflow der kreativen Kooperation. Rezo arbeitete praktisch wöchentlich mit verschiedenen YouTubern zusammen, um neue musikalische Ideen umzusetzen. Diese Zeit prägte ihn als Produzent, der auch talentlose Sänger durch technische Tricks wie Melodyne coachen und zusammenflicken konnte, um ein akzeptables Ergebnis zu erzielen.

Bedeutung des extrem engagierten Teams

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Eine zentrale Erkenntnis, die Rezo aus der vergangenen Zeit zieht, ist die immense Kraft eines kleinen, aber hochqualifizierten Teams. Er beschreibt, wie mehrere extrem fähige Personen, die alles geben, weit mehr erreichen können als ein größeres Team durchschnittlicher Mitarbeiter. Dieser Teamgeist und der Wille, auch Nächte durchzuarbeiten, waren laut Rezo für den damaligen Erfolg maßgeblich.

Gründe für den Wechsel des Content-Formats

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Heute distanziert sich Rezo bewusst vom damaligen, extrem kraftaufwändigen Content-Format. Der ständige Druck, immer neue, größere und kreativere Ideen zu entwickeln, war langfristig nicht durchzuhalten und führte in einen 'unglaublich großen' Druck. Im Gegensatz dazu sehen Streaming und Podcasts für ihn eine nachhaltigere Form wiederholbaren und entlastenden Contents, die es erlauben, kreativ zu bleiben, ohne sich selbst zu überarbeiten.

Der Web Video Preis und der Anfang der Karriere

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Der Streamer zeigt einen Web-Video-Preis, den er für ein gemeinsames Video mit Martin erhalten hat. Er beschreibt Martin als einen lieben Menschen, dem er viele liebevolle Gefühle entgegenbringt. Da der Preis aufgrund seines Designs nicht stehen kann, hat er eigens einen kleinen Ständer anfertigen lassen, um ihn besser präsentieren zu können. Gleichzeitig spricht er über seine eigene Anfänge als Musiker bei MySpace und YouTube und erwähnt, dass zu dieser Zeit nur wenige Musiker in der YouTube-Welt existierten, weshalb er sie alle im Blick hatte.

Persönliche Entwicklung und die Verbindung zur Musik

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Der Streamer erwähnt, dass er jedes Wochenende im Junkyard in Dortmund zu finden ist, und teile humorvoll mit, dass man ihn dort meist auf der Toilette findet. Seine Leidenschaft für Musik wurde durch seinen Onkel, der in Mailand ein Tonstudio besitzt, geprägt. Die Geschichten seines Onkels über das Musikerleben beeindruckten ihn sehr und führten dazu, dass er parallel zur Schule Musik machte und schließlich durch YouTube eine Plattform dafür suchte.

Von den Joke-Songs zu ernsthafter Musik

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Anfänglich rappte er mit 16 Jahren sogenannte 'deep Liebestexte', die er im Nachhinein nicht mehr so ernst nimmt. Seine Musik bestand hauptsächlich aus Joke-Songs und Hate-Kommentar-Musik. Der Schritt, ernsthafte und ehrliche Songs über seine eigenen Emotionen zu schreiben, war für ihn ein mutiger, da er sich damit sehr angreifbar machte. Diese Entwicklung weg von reiner Unterhaltung hin zu persönlicher und intimer Musik stellt einen wesentlichen Wendepunkt in seinem kreativen Werdegang dar.

Die YouTube-Szene und die kreative Zusammenarbeit

00:58:03

Der Streamer schildert, wie er sich in die YouTube-Szene eingearbeitet hat und wie sich die Lebenswege vieler anderer YouTuber entwickelt haben. Er spricht über das Interview mit Aaron Troschke und die offenen Gespräche über die damalige Zeit. Besonders hebt er den enormen Ruhm von 'Lions' hervor, der so groß war, dass er nicht ungestelt das Haus verlassen konnte. Gleichzeitig betont er die Thematik der Vergänglichkeit von Relevanz und den Umgang damit, wenn der Ruhm wieder nachlässt.

Der Durchbruch und die extremen Arbeitsleistungen

01:09:18

Der Streamer beschreibt das Jahr 2017 als einen 'Fiebertraum', in dem Videos durchschnittlich 15 bis 20 Millionen Views generierten. Marius, ein enger Freund und Mitarbeiter, wird als extrem talentiert und hardworking charakterisiert, der oft bis 4 Uhr morgens an Projekten arbeitete. Diese Zeit des übermenschlichen Arbeitseinsatzes war für alle eine Grenzerfahrung, aber gleichzeitig der Höhepunkt ihrer Karriere und der erfüllte Traum.

Wandel des Formats und der politische Wendepunkt

01:18:43

Er reflektiert über die Veränderung von YouTube-Videos von anfangs fünf bis zehn Minuten hin zu längeren, argumentativen Formaten wie sein erstes 45-minütiges Kritikvideo. Dieser Wandel eröffnete neue Möglichkeiten für tiefere Themen. Dieser Wendepunkt kulminierte in seinem berühmten 'CDU-Video', das durch den Umstand ermöglicht wurde, dass er seinen ersten Musik-Kanal auf Eis gelegt hatte und so die Zeit und den Fokus für dieses politische Projekt aufbringen konnte.

Die Folgen des politischen Videos

01:30:24

Die Veröffentlichung des 'CDU-Videos' hatte für ihn massive persönliche und berufliche Konsequenzen. In den folgenden zwei Monaten war er mental extrem belastet und wurde von Medien, Politik und der Öffentlichkeit überrollt. Es kam zu zahllosen Interviewanfragen, Fernsehauftritten und auch zu Angriffen und Drohungen von politischen Gegnern. Gleichzeitig wurden geplante Kooperationen, etwa mit einem großen Telekommunikationsanbieter, abrupt abgesagt, da dieser eine Assoziation mit einem politischen Kritiker scheute.

Überraschender Erfolg und unerwartete Konsequenzen

01:34:49

Das Video übertraf alle Erwartungen und wurde nach nur einem Tag zu einem millionenfach angesehenen Phänomen. Sein Management war überfordert, da sein gesamter Alltag von Journalisten und politischen Debatten dominiert wurde. Er berichtet von wilden Angriffen in den Medien, privaten Ermittlungen, die ihm nachgestellt wurden, und regelmäßig eingehenden Morddrohungen. Der Umgang mit diesem plötzlichen, politischen Druck und der anhaltenden mediale Aufmerksamkeit führte bei ihm zu erheblichen mentalen Belastungen und zwang ihn, neue Bewältigungsstrategien zu finden.

Die Last des Meinungsmachens

01:38:02

Mit dem Status als Meinungsführer einer Generation entstand erheblicher Druck und eine Gefahrenlage. Rezo berichtet, wie er zum Feinde etablierter Mächte wurde und erstmals Privatdetektive hinter sich her hatte. Dies führte zu paranoide Zuständen und seltsamen Erlebnissen, während gleichzeitig Fake-Narrative über ihn in Umlauf gebracht wurden. Besonders prägend war der Timing seines CDU-Videos, das kurz nach einem offenen Brief mit 50 YouTubern veröffentlicht wurde, was als geplantes Manöver wirkte und seinen politischen Einfluss demonstrierte.

Die Sehnsucht nach Stabilität

01:43:54

Nach einem Jahrzehnt ausnahmsloser Belastung und Ausnahmezuständen steht ein zentraler Lebensfokus klar im Vordergrund: die Sehnsucht nach Stabilität. Nach jahrelangem Durchhaltezwang und einem mentalen Zusammenbruch im Dezember 2022 ist der Wunsch nach einem ruhigen, langweiligen Lebenszyklus dominierend. Dies schließt auch die Bereitschaft ein, sich selbst zu erlauben, nicht alle Erwartungen zu erfüllen und auf die eigene Mental Health zu achten, was ein langer und mühsamer Lernprozess war.

Kyla Sykes: Authentizität und Musik

01:48:22

Der Stream widmet sich ausführlich der Person Kyla Sykes. Ihr Werdegang von einem professionellen Kinder-Ensemble bei der Friedrichstadtpalast-Show bis hin zu ihrer Musikkarriere wird als Beweis für ihre unverwechselbare Authentizität und künstlerische Tiefe gewertet. Rezo hebt ihre psychische Stärke und ihre Fähigkeit hervor, sehr persönliche und „echte“ Songs zu schreiben, die eine große emotionale Nähe und Verletzlichkeit vermitteln und somit eine seltene Form von Content im YouTube-Raum darstellen.

Burnout und die Folgen von extremer Belastung

02:07:48

Ein zentrales Thema ist das Burnout-Syndrom, das Rezo nach Jahren extremer Überarbeitung beschreibt. Seine Arbeitszeiten von bis zu 130 Stunden pro Woche ohne Erholungsphasen ließen ihn Warnsignale wie Panikattacken und Migräne ignorieren. Die Auswirkungen der Öffentlichkeit verschärfen das Problem, da man stets performen muss und Scheitern zu privater Insolvenz führen kann. Dieser dauerhafte Druck, der Selbstständigkeit und dem öffentlichen Leben gleicht, führt dazu, dass viele YouTuber ihre Gesundheit opfern.

Rettung und die Rolle von Musik

02:12:49

Die Rettung aus der existenziellen Krise kam durch Dani, der die Geschäfte ordnete und Rezo erlaubte, sich wieder auf seine Kreativität zu konzentrieren. Gleichzeitig wurde Musik zum Ventil und zur Verarbeitungsmethode, was zur Entstehung eines Musikprojekts führte. Die Live-Auftritte und Radioerfolge brachten nicht nur Erfolg, sondern auch die reinste Form der Verbindung mit dem Publikum. Musik wird dabei als Partner in schwierigsten Zeiten beschrieben, der nach anfänglicher Angst vor der Bühne zur größten Leidenschaft wurde.

Der Stream als Safe Space

02:20:42

Abschließend betont Rezo die besondere Verbindung zu seinem Publikum und empfindet den eigenen Stream als Safe Space, in dem er offen und persönlich über seine Erfahrungen sprechen kann. Diese gegenseitige Wertschätzung ist ihm außerordentlich wichtig. Er zollt Anerkennung für die Dokumentation von Paul Südo, die er als „krass stark“ bezeichnet, und zeigt sich im Anschluss begeistert von der Doku, bevor er den Stream mit einer freundlichen Verabschiedung beendet und zum Raid zu Alpha Kevin überleitet.