Social Media-Verbot: Brauchen wir das? Politik & wir mit @ Niko Kappe @NChiggi

Verbote und Bildung: Wie schützt man Kinder vor Social Media?

In einer Podiumsdiskussion wird die Forderung nach einem Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige kontrovers beleuchtet. Befürworter sehen einen notwendigen Schutz vor Sucht und Gefahren, während Kritiker die fehlende wissenschaftliche Grundlage und die negativen Auswirkungen auf marginalisierte Gruppen anmahnen. Im Fokus stehen Alternativen wie mehr Aufklärung und der Umbau der Plattformen.

Just Chatting
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Einführung und Kontext

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00:00:00 Und man soll sich beschweren können, wenn einem Unrecht geschieht. Der Digital Services Act setzt bestehende EU-Grundrechte auch im digitalen Raum besser durch. TikTok, Instagram, Facebook und Co. sollen transparenter machen, was sie anzeigen und warum. Stichwort Algorithmus. Bei sehr großen Plattformen muss es außerdem eine Alternative geben. Einen Feed ohne personalisierte Empfehlungen. Außerdem müssen die Plattformen einstellen.

00:07:40 Herzlich willkommen zu Politik und wir. Die SPD wills, der Kanzler wills. Über 150.000 Menschen, die eine Petition unterschrieben haben, die wollen es. Und auch viele andere Länder. Wo wir sprechen über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche. Also Leute, ab jetzt aufhören zu scrollen, Social-Media-Apps schließen, außer natürlich Twitch und mitdiskutieren in den nächsten zwei Stunden. Mit uns, mit euch und mit meinen Gästen hier im Studio, die ich ganz herzlich begrüßen darf. Und da sind einmal Jasmino Hostert.

00:08:10 Sie sitzt für die SPD im Bundestag, sie ist Sprecherin für Bildung und Jugend. Sie hat mitgeschrieben an den SPD Vorschlägen zum Social Media Verbot und sie sagt, wir brauchen ein Verbot, um Kinder besser zu schützen. Herzlich willkommen. Dankeschön. Und Nico Kappe auch mir gegenüber. Er ist auch bekannt als Nico Check und Nico the Cap. Er ist Lehrer, Autor und auch Video Creator. Und er sagt, Totalverbote sind populistisch und bekämpfen nur Symptome, nicht das Problem. Also auch herzlich willkommen dir, lieber Nico.

Meinungsbild und Grundsätzliche Kritik

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00:08:40 Und vorab kurz Info, wir sind auf Twitch und wir haben uns auf das Du vor der Sendung geeinigt und wir duzen uns heute Abend. Also herzlich willkommen, Jasmina und herzlich willkommen, Nico. Ja, vielen Dank für die Einladung. Und als erstes erstmal bitte, wollen wir natürlich hier passend zum Thema mal kurz checken, Handys auf den Tisch, wie sieht es aus mit eurer Bildschirmzeit heute? Man kann ja gucken allgemein und aber auch, wie ist die Social Media Zeit? Würde mich erstmal interessieren. Also allgemein habe ich heute 5 Stunden 40 Minuten. Okay, und der Abend liegt noch vor uns. Der Abend liegt noch vor uns, ja.

00:09:09 Das stimmt. Und Social Media habe ich eine Stunde 50 Minuten, also inkludiert in diesen fünf Stunden. Okay. Genau. Natürlich habe ich ja auch jetzt gepostet für heute Abend und ähnliches und auch vieles da gemacht. Also das war jetzt nicht nur durchs Vipen oder ähnliches, sondern auch Arbeit. Vieles mit Arbeit. Ich denke, bei dir wird das ähnlich sein, oder? So ist es. Ich schaue gerade. Ich habe heute insgesamt drei Stunden 48.

00:09:37 Bildschirmzeit und Social Media 1 Stunde 37.

00:09:43 Okay, also der Gewinner ist sozusagen Nico, was jetzt die absolute Zahl ist. Wie geht es euch, wenn ihr die Zahl schwarz auf weiß seht? Also habt ihr damit jetzt so gerechnet oder denkt ihr doch auch doch mehr als ich gedacht habe, weil fünf Stunden am Handy, drei, über drei Stunden am Handy ist ja schon auch viel generell. Überrascht mich jetzt nicht. Also ich bin ja Lehrer und wir haben jetzt inzwischen die Möglichkeit, mit Eltern zu chatten tatsächlich. Es gibt da eigene Apps für, das benutze ich halt auch, läuft auf meinem privaten Telefon. Das zählt ja alles damit rein. Das ist ja, und das trennen wir ja auch eigentlich bei uns Erwachsenen immer. Man sagt einmal, dass das Spaß und einmal ist es.

00:10:12 Das ist halt die Arbeit. Machen wir bei Kindern und Jugendlichen ja nicht, aber da kommen wir später wahrscheinlich noch zu. Auf jeden Fall. Also mich wundert es ein bisschen. Ich finde es tatsächlich wenig, dreieinhalb Stunden heute. Aber ich war heute in vielen Sitzungen, aber sonst, ich habe auch meinen Kalender und meine ganze Kommunikation mit Büros und mit Kollegen, ist alles über das Handy. Also heute war, das zeigt immer, heute waren viele Themen, die man mündlich direkt miteinander besprochen hat. Viele in der analogen Welt. Genau so, ja.

00:10:35 Okay, bei Jugendlichen unter 14 würde da künftig 0 Minuten stehen, wenn es eben nach euren Vorschlägen geht. Und auch die CDU hat sich dem angeschlossen. Und auch viele andere finden tatsächlich diesen Vorschlag gut. Wir gucken mal kurz auf eine ganz aktuelle Umfrage. Nämlich eine ganz aktuelle Umfrage von letzter Woche erst im ZDF Politbarometer. Da sagen 81 Prozent der Befragten Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 14 finde ich eher gut. 17 Prozent sind dagegen. Und was ich auch mega spannend finde, wenn man...

00:11:03 sich nur die Jüngeren anguckt, also die zwischen 18 bis 34 sind, da sagen sogar 84 Prozent. Ich finde ein Social Media Verbot gut. Ziemlich spannend. Und jetzt will ich natürlich an der Stelle wissen, lieber Chad, wie seht ihr das? Also gebt ein ähnliches Meinungsbild ab oder seht ihr das ganz anders und seid eher gegen ein Verbot? Also schreibt mir bitte mal Social Media Verbot für Kinder und Jugendliche. Brauchen wir das? Eine Eins für Yo, Social Media unbedingt verbieten und eine Zwei für

00:11:31 Nee, bitte nicht für Kinder und Jugendliche verbieten. So, jetzt gucke ich mal hier rein, so eintrudert.

00:11:40 Okay, X39TV hat schon geschrieben, muss ich mal hier präsentieren. Ich beantworte mal kurz. Ja, brauchen wir für alle Altersgrenzen, also auch für uns eigentlich. Grundsätzlich muss algorithmisch gesteuerte Social Media Graffe alles einfach vollständig weg. Genau, also diese Vorsortierung sozusagen, was wir dann in sozialen Medien sehen. Spannend. Jetzt gucke ich hier mal gerade, was hier so eintrudelt. Eins, zwei, zwei. Okay, auch ein paar Leute, die gegen ein Verbot sind, also nicht dafür.

00:12:09 Eins, eins, zwei, gemischt. Also ich finde, das ist nicht so ein klares Bild wie jetzt in dieser ZDF-Umfrage. Also es gibt ein paar Zweien, ein paar Einsen. Spannend. Hier Franz der Große schreibt noch, witziger Name, meiner Meinung nach, das Ganze, was gerade wegen dem Verbot geredet wird, auf eine Zensur. Ganz andere Meinung, nicht gleich, aber schleichend. Das ist eben immer dieses spannende Feld zwischen Meinungsfreiheit und Zäsur.

00:12:36 Überrascht euch das Ergebnis hier gerade aus dem Chat, dass es eher so ein ausgeglichenes Ergebnis ist. Vielleicht auch, weil wir auf einer Social Media Plattform sind. Genau, das ist der Punkt, das überrascht mich jetzt gar nicht. Ich hätte eher gedacht, dass da noch mehr Leute gegen das Verbot sind. Aber ich finde es schön, dass es schon mal differenziert ist. Da war auch nochmal Punkt reingebracht, über die reden wir ja bestimmt auch noch. Auf jeden Fall. Und das ist ja bei diesen Umfragen, möchte ich mal sagen.

00:12:55 Möchten Social Media Verbot, da verbinden die Leute ja auch völlig unterschiedliche Sachen damit. Also die haben ja völlig unterschiedliche Vorstellungen, was das bewirkt. Und übrigens auch, was ist denn überhaupt Social Media? Das würde ich auch gerne heute nochmal klären, weil viele denken da glaube ich nur an TikTok, Instagram. Alle Leute, die ich sprechen, wollen TikTok, Instagram verbieten und weitergedacht wird fast nicht. Bei euch jetzt bestimmt schon, das meine ich jetzt nicht. Aber so grundsätzlich in der gesellschaftlichen Debatte ist das extrem aufgeheizt, extrem emotional. Und ich finde auch, wir haben da teilweise auch die wissenschaftlichen Grundlagen völlig verlassen.

00:13:24 Sollen Sachen verboten werden, die damit zusammenhängen, die man generell blöd findet in der Zeit, wo man nicht mehr klarkommt und ähnliches. Ich denke, dass das Social Media Verbot einfach nicht der richtige Weg ist, um diese Dinge wirklich wieder in die Bahnen zu lenken. Ja, spannender Punkt. Viele denken auch, wir wollen das komplette Internet verbieten. Und das stimmt halt auch nicht. Und wir wollen es auch nicht für alle. Ich frage es ja auch, wen meinen wir unter Jugendlichen? Ich spreche da bewusst von Kindern, weil ich die unter 14-Jährigen meine. Weil ab 14 sind...

00:13:53 wir da, ab da bezeichnen wir eigentlich rechtlich gesehen auch Jugendliche als Jugendliche. Und es geht mir nicht um die 18, 20-Jährigen, die ja auch als junge Menschen zählen, sondern um die, die unter 14 sind. Ja, und das sind Kinder. Und wir wollen nicht das komplette Internet verbieten, sondern eben Social Media. Aber wir haben ja genug Zeit, wir besprechen das alles. Wunderbar. Imkc schreibt, ich finde, wir sollten die Betreiber endlich in die Haftung nehmen. Haltung, Haft, ich denke, mit Haftung, ihre Plattform ordentlich zu regulieren.

00:14:22 Und Peter Bransley schreibt Bildung ist zwar die Lösung, aber ich traue unserem Staat nicht zu, das umzusetzen und deshalb Verbot. Also da schwingt schon ein bisschen Essimismus mit. Kann der Staat ein Verbot umsetzen? Das möchte ich dann mal zurückfragen. Also auch das wieder können wir gerne darüber reden. Aber ich finde es schön, dass ja auch differenzierte Sachen im Chat kommen. Also dass da Leute sich schon mit beschäftigt haben, finde ich super, weil das geht oft verloren in solchen Debatten. Danke lieber Chat schon mal. Jetzt an dieser Stelle schon nach fünf Minuten. Wunderbar. Und wir haben jetzt auch unseren ersten

00:14:52 hier im stream und das ist immer schirm da sie ist 18 jahre

Praxisperspektive: Erfahrungen und Workshops

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00:14:56 Mal sehen, ob es klappt und sie gleich hier zu sehen ist. Solange kann ich noch mal kurz hier noch einen spannenden Kommentar vorlesen von Bishy B. Ein Verbot von Social Media für Jugendliche kann nur erfolgen, wenn dadurch alle zur Altersverifikation gezwungen werden. Der Staat ist mal wieder übergriffig. Ich habe eine Mutter. Ich brauche den Staat nicht dafür. Also Eltern. Zwei valide Argumente. Jetzt aber erst mal zu Emma. Hey Emma, herzlich willkommen.

00:15:24 Hallo, vielen Dank. Du bist 18, das heißt, du bist ja quasi gerade so raus aus dem möglichen Social-Media-Verbot, wenn es denn kommt. Wie viele Stunden hast du denn so in deiner Jugend, in deiner Kindheit mit Social-Media verbracht? Was würdest du schätzen? Boah, das ist eine schwierige Frage, aber ich würde sagen, bei mir war es erst relativ spät. Also ich hatte erst mit 14 und 15 wirklich Social-Media. Das ist ja heute im Vergleich dann doch echt oft deutlich früher. Dadurch würde ich sagen, dass ich in meiner...

00:15:52 Kindheit nicht so viel damit in Berührung war und auch Kontakt hatte, aber im späteren jubeligen Alter natürlich schon. Und darin sehe ich auch so ein bisschen die Gefahr für die Zukunft, dass es ja jetzt wirklich auch immer für Jüngere und immer im jüngeren Alter eine große Rolle spielt. Und deshalb sehe ich da auch wirklich ein großes Problem drin. Hast du das Gefühl, dass dich die sozialen Medien auch so unter Druck gesetzt haben, was Körperbilder angeht oder auch andere Dinge? Also wie hat sich das für dich angefühlt?

00:16:17 Ich würde sagen, auf jeden Fall schon. Also Körperbilder zum einen, das habe ich auch viel von anderen Freunden mitbekommen, dass es dort extrem unter Druck gesetzt hat, aber auch dieses Gefühl, dass man immer online sein muss, um dabei zu sein und immer die neuesten Informationen halt haben und kennen muss, um ein Teil weiter zu bleiben, um mitreden zu können. Ich glaube, das ist auch ein großer Druck, der auf vielen Jugendlichen und Kindern lastet.

00:16:40 Das heißt, wenn ich dich richtig verstehe, du hättest dir da vielleicht auch ein Social Media Verbot gewünscht, um zu sagen, naja, ich kann nicht dabei sein, weil es gibt halt ein Verbot? Ich denke, ein Verbot ist, wie gerade auch schon kurz besprochen, immer relativ schwierig umzusetzen. Aber ich denke halt besonders, dass dort auch durch die Bildung und durch Schulen viel gemacht werden kann und auch aktuell sehr viel mehr gemacht werden müsste. Okay, also du bist nicht für ein Verbot.

00:17:03 Ja, du hast ja auch an einem Gymnasium in Berlin und zwar dem Otto-Nage-Gymnasium einen Workshop geleitet zum Thema Gewalt im Netz. Und da habt ihr für uns total nett und cool auch mit Jugendlichen gesprochen über das Social Media Verbot, nämlich mit Jugendlichen, die wirklich davon betroffen wären in dem Fall. Was haben die dir so zurückgemeldet?

00:17:23 Genau, wir als IG Friedenstaube leiten soziale Workshops in unserer Schule und wir haben letzte vergangene Woche den Workshop in der achten Klasse gehabt, also mit 13- und 14-Jährigen. Und das war eine sehr interessante Dynamik, die diese Diskussion angenommen hat, weil man hat dann doch gemerkt nach längerer Zeit, okay, es sind doch schon mehr dafür, als man vielleicht auch denkt, was ja auch die Umfrage gerade eben...

00:17:45 gezeigt hat und da würde ich gerne noch ein Zitat von einer Schülerin Merle starten. Sie ist grundsätzlich gegen ein Verbot, aber für Einschränkung. Ein gesunder Umgang ist wichtig, da ein Verbot zu fehlender Toleranz führen könnte. Zudem wird es immer Leute geben, die es schaffen, dem das Verbot zu umgehen. Das war nicht ein ziemlich starkes Argument, auch ein ziemlich häufig gesagtes Argument. Und noch ein weiteres Kontraargument war auch, dass

00:18:08 jemand nicht gegen ein generelles Verbot war, aber für ein Verbot bis zwölf Jahren und für Einschränkungen. Das heißt, oft hatten wir es so, dass bei unseren Kontraargumenten immer Einschränkungen gemacht wurden, dass gesagt wurde, okay, aber wir wollen vielleicht ab einem bestimmten Alter das nur oder mit bestimmten Einschränkungen zum Beispiel bis zwölf oder 14 Jahren. Okay, also dann doch irgendwie letztendlich für ein Verbot.

00:18:26 Ja. Oder ist noch irgendwas anderes mit den Einschränkungen gemeint? Weil im SPD-Vorschlag steht ja zum Beispiel auch, dass das Algorithmus eben, dass es nicht so ausgespielt werden darf. Waren noch solche Vorschläge mit dabei? Ja, auf jeden Fall. Also es war auch der Vorschlag zum Beispiel, dass man auch so Zeitbegrenzung vielleicht in den Apps einführen könnte oder halt es dadurch auch besser kontrollieren.

00:18:47 Andererseits waren halt aber auch viele dafür, weil sie auch selber von sich selber, was ich auch sehr stark fand, dann gesprochen haben und gesagt haben, okay, wir merken schon unsere schulischen Kompetenzen und die schulische Aufmerksamkeit geht dadurch auch superdoll verloren. Und auch so was wie Lese- und Schreibkompetenz sagen sie von sich selber, aber auch viele haben von jüngeren Geschwistern schon mal beispiele geredet, wo sie eben extrem merken, dass da so welche Kompetenzen auch die Sozialkompetenz verloren geht und deshalb sie sich auch für ein Verbot am Ende ausgesprochen haben.

Bildung vs. Verbot: Der Kernkonflikt

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00:19:14 Nico, du bist ja auch Lehrer in Berlin.

00:19:18 Wie ist deine Haltung dazu? Jetzt wird ja gerade schon ganz oft angesprochen, es braucht irgendwie mehr Bildung. Also braucht es irgendwie ein eigenes Schulfach, wo der Umgang gelehrt wird? Oder was kann man sich vorstellen? Ich meine, Social Media gibt es ja nicht erst seit gestern, sondern schon ein bisschen länger. Also vorstellen kann man sich auf jeden Fall sehr viel. Die Frage ist halt die Umsetzbarkeit. Also ich würde immer sagen, wir brauchen kein eigenes Fach Medienpädagogik oder für Medienkunde. Vielleicht einmal unter der siebten Klasse oder so könnte man sich vorstellen für ein Jahr. Aber eigentlich muss das permanent überall stattfinden.

00:19:47 aber nur funktionieren, wenn wir dann endlich mal das Bildungssystem auch angehen und verändern. Also das muss man schon sagen, weil jetzt gibt es überhaupt die Möglichkeiten gar nicht dazu. Das System ist aus der Kaiserzeit noch oder noch älter und dass das jetzt mit Social Media dann schwierig wird, ist natürlich klar. Ich wollte aber auch noch eine Sache sagen und zwar jetzt zum Thema Verbot. Also was ihr habt, ist ja kein richtiges Verbot in dem Sinne, sondern es sind ja Regularien und ich bin ja auch nicht für jeder darf alles machen und es gibt also

00:20:14 Ich glaube, wo wir übereinstimmen sind, dass wir Regulare wollen und die unterscheiden sich halt. Aber ich finde, und das meinte ich ja, es ist so extrem aufgeladen, dass wir immer von Verboten sprechen, dass es hier eine Verbotsdebatte geworden ist. Ist es ja eigentlich nicht, sondern es gibt Einschränkungen. Viele Sachen beim FDP, Entschuldigung, sorry, ich fühle mich sehr, sehr leid. Unter 14 war ja schon Verboten. Aber unter 14 war ja schon Verboten. Naja, aber da wollte ich gleich auch noch was zu sagen. Also ich finde das sehr gut und ich wurde ja auch schon öfter mal gefragt, also einige Sachen da sehr gut, zum Beispiel diese...

00:20:44 Jugendbereich. Andererseits möchte ich auch sagen, also das, was ihr jetzt fordert, die Plattformen sind da schon ab 13. Das wird ja jetzt auch nicht durchgesetzt und ich bezweifle, dass man so ein Verbot oder eine Regularia findet oder eine Möglichkeit findet, das wirklich dann auch mit der Altersregueration durchzusetzen. Dann ist die Frage, was passiert mit unseren Daten? Können wir auch gerne noch später, weil Emma ist ja auch noch da, besprechen. Aber da gibt es so viele Sachen, die da sind einfach ganz viele Fragezeichen und es gibt einfach auch ganz, ganz viele Sachen, wo wir wissen, das wird schädlich sein, wenn wir das verbieten. Das wird

00:21:13 schädlich, aber die Vorteile, die sind nicht sicher. SPD-Papier gucken wir gleich nochmal drauf. Ich muss nochmal ganz kurz eine Rückfrage an Nico, auch gerne nochmal gleich zu Ende, aber nochmal eine Frage an dich, Nico. Weil du jetzt gerade gesagt hast, du wünschst dir kein eigenes Schulfach, sondern dass quasi das immer so ein bisschen mitgedacht wird. Ich mir jetzt vorstelle, dass irgendwie ein Lehrer...

00:21:29 Der ist 50 und der hat immer Chemie unterrichtet. Wie soll der denn jetzt Social Media mit unterrichten? Oder wie stellt sie das konkret vor? Ist die Frage, müssen wir Social Media unterrichten? Es ist immer so, jeder möchte irgendwie für alles gleich ein neues Schulfach haben. Ich höre immer wieder auf TikTok, ich möchte bitte lernen, wie man Steuererklärung macht in der Schule. Völliger Schwachsinn meiner Meinung nach, weil wenn wir dann ändern das System der Steuererklärung, hat man alles für die Tonne gelernt. Also die Sachen, die wir im Social Media und generell online brauchen, das ist ja nicht getrennt, sondern es ist ja...

00:21:54 quasi das Gleiche, was wir auch brauchen. Das ist eine Moralentziehung, ein Wertekompass, den wir brauchen und der gilt dann überall. Und diese 50-Jährigen, also ich meine, das wäre jetzt auch nicht mehr so viel älter als ich, da kennen sich viele auch mit Social Media aus, mit Handys. Ich kenne auch gerade durch die Corona-Zeit viele ältere Kinder, die sich da gerade reingearbeitet haben. Ich meine nur die Idee, dass sie dann alle ihr Handy zücken und sagen, so jetzt gucken wir mal, wie das funktioniert, da braucht man ja Fortbildung oder irgendwie. Ich meine, ich bin auch nicht auf dem Stand wie immer wahrscheinlich, was jetzt irgendwie Social Media angeht.

00:22:23 Ja, und da wäre vielleicht auch gemeinsam lernen, aber auch gut, weil wir sehen ja immer wieder, dass Erwachsene einfach auch darauf hängenbleiben, dass sie genau die gleichen Probleme haben, die jetzt bei Jugendlichen verboten werden sollen. Das ist ja fast genau das Gleiche. Nur bei Kindern wollen wir es halt verbieten oder bei Jugendlichen. Ja, aber ich meine, wir haben komischerweise, wir diskutieren bei anderen Themen, also ich sage jetzt mal, Alkohol ist auch nicht erlaubt unter 18 bis auf, wir haben begleitetes Trinken ab 14, was ich auch abschaffen möchte, aber auch Rauchen nicht. Und da sind Verbote da auf einmal okay und da gilt dieses Argument dann nicht.

00:22:52 muss ich doch was sagen, aber dann, genau.

00:22:55 Alkohol ist natürlich, da sind wir uns doch alle einig, das ist schädlich. Aber Social Media ist auch nur schädlich. Social Media nutzen ja auch Menschen zum Lernen, zum Informieren über politische Inhalte. Das heißt, das ist wahrscheinlich das Schwierige. Es ist eben nicht nur schädlich. Es ist schwierig, aber wenn man sagt Inhalte, wenn du in deiner Bubble bist, dann kriegst du halt auch immer Inhalte ausgespült, die in eine Richtung gehen. Also ob du da wirklich dann übergreifend dann lernst, ist auch eine Sache. Aber du hast ja eben, da muss ich drauf eingehen, weil du hast Bildungsschleidung.

00:23:24 Thema angesprochen hast und gesagt hast, ja, ja, wir kriegen das Social Media Verbot nicht umgesetzt. Und genauso kriegen wir oder noch weniger kriegen wir es umgesetzt, dass wir das Bildungssystem innerhalb der nächsten Jahre bundesweit so auf den Kopf stellen, dass es so gelingt, ja, dass wir tatsächlich das Thema Medienkompetenz so optimal hinbekommen, dass ich dann sagen kann, okay, dann brauche ich kein Social Media Verbot, weil es in den, weil es in den Bildungsplänen und insgesamt gesellschaftlich so gut integriert ist. Und das ist es nicht. Und deswegen sage ich ab

00:23:53 Unter 14 möchte ich es verboten haben, weil die Gefahren immer größer werden. Und wir möchten zurück zu dem ursprünglichen Prinzip, wofür eigentlich Social Media gedacht war, nämlich für das Thema, dass man miteinander kommuniziert und nicht, dass so viele Gefahren, also es wächst den Jugendlichen über den Kopf, den Kindern.

00:24:12 Ich möchte auch, dass wir auch an die Eltern denken. Ich muss aber kurz Emma reinholen. Emma, du merkst schon, hier geht es heiß her. Du hast ja gerade ein Abi gemacht, das heißt, du bist frisch aus der Schule. Wie ist denn deine Erfahrung? Hat das geklappt mit dem Medienkompetenz unterrichten oder was würdest du dir da wünschen?

00:24:32 Ich glaube, an unserer Schule hat es schon sehr gut geklappt, eben durch unsere Projekte, die wir auch besonders machen. Da wird halt viel auf Gewalt im Netz, auf Vorbeugung im Netz, auf Prävention im Netz gesetzt. Ich denke aber, dass in anderen Schulen, wo vielleicht andere Krisenthemen noch eine viel größere Rolle spielen, sowas auch vielleicht oft untergeht oder im normalen Unterricht definitiv untergeht, wenn es halt keine sozialen Projekte darüber hinaus gibt, es auch vielleicht oft gar nicht so eine Rolle spielt, besonders die Risiken im Internet. Ich glaube, deshalb müsste man dahingehend wirklich auch vielleicht außerschulisch

00:25:01 deutlich mehr Prävention, mehr Projekte starten, um das auf jeden Fall zu begleiten. Danke, Emma, für deinen Input. Vielen Dank, dass du heute Abend dabei warst. Viel Erfolg noch mit deiner AG. Und noch einen wunderbaren Abend.

00:25:13 Danke Ihnen kurz, danke. Und jetzt würde ich gerne nochmal kurz ansetzen. Im Prinzip, also es stimmt natürlich, also die Schule kann das jetzt nicht übernehmen und die Schule soll ja generell immer alles übernehmen, was ich ja auch für falsch halte. Aber wenn man das jetzt mal übersetzt ist, also die Politik hat, also wir haben seit 20 Jahren einen PISA-Schock nach dem anderen. Immer wieder, immer wieder und alle sind dann schockiert. Vor zehn Jahren hieß es dann, der Computer ist schuld, jetzt soll das Smartphone auf einmal schuld sein. Dabei gab es Social Media auch vor 20 Jahren noch nicht. Also finde ich immer ein bisschen schwierig, da das so zusammen. Aber übersetzt könnte man ja sagen, also die Politik hat versagt, das Bildungs-

00:25:42 System zu reformieren seit Jahrzehnten und die Politik hat versagt, Plattformen zu regulieren, jahrelang, jahrzehntelang. In Deutschland ist es möglich, härteste Pornografie mit einem Klick für alle zu. Das hat die SPD auch nicht geändert. Also das frage ich mich, warum nicht? Das ist ja wirklich, wenn man sagt Kinderschutz, da ist ja jeder dafür, aber da geht jetzt alles auf Smartphone oder auf Social Media. Ich denke auch eigentlich, am liebsten würden viele Leute das Smartphone verbieten. Das ist jetzt noch nicht ganz durch. Eigenen wir uns auf so Mitteldingen. Jetzt vielleicht nicht, aber so generell habe ich schon oft.

00:26:12 Ja, aber im Prinzip, die Erwachsenen versagen, die Politik versagt und jetzt soll es einfach verboten werden, finde ich einfach nicht okay. Nico, sprechen wir gleich in Ruhe drüber. Erstmal würde ich nochmal sagen, lieber Chad.

00:26:26 Wie viel nutzt ihr am Tag? Wie sieht eure Bildschirmzeit aus? Seid ihr für oder gegen das Verbot? Erzählt uns das gerne nochmal ein bisschen genauer. Ich würde mich total freuen, wenn ihr dazu schaltet. Und wie das geht, das erklärt uns jetzt Paula aus unserem Politik-und-wir-Redaktionsteam. Die sitzen nämlich hier hinter mir und die nimmt euch gleich entgegen. Jetzt gucken wir mal Paula.

00:26:45 Erzähl uns mal genau. Genau, hallo alle zusammen. Wenn ihr Lust habt, euch dazu zu schalten, dann geht das wirklich super easy. Oben im Chat seht ihr einen Button. Da steht Anklingeln-Button und einfach draufklicken und dann werdet ihr durch so ein kleines Menü geführt. Klickt euch da einfach immer weiter. Und ganz wichtig ist, dass Kamera und Mikro an sind und eventuell müsst ihr die auch nochmal im Browser zulassen. Am besten klappt es mit Firefox oder Chrome oder auch über die App.

00:27:12 Und damit wir dann gleich loslegen können, schaut bitte vorher kurz in euren Twitch-Einstellungen unter Sicherheit und Privatsphäre, ob die Flüsternachrichten von unbekannten Nutzern auch erlaubt sind. Und falls ihr euch unsicher seid, schreibt mir einfach ganz kurz. Ich bin ARD-StreamTogether und flüstert mich kurz an, dann helfe ich euch da weiter. Genau, aber keine Sorge, wir müssen nur einmal ganz kurz vorher chatten. Danach geht es auch schon in den Streams, geht schnell. Und ich habe schon ganz viele coole Kommentare und coole Perspektiven im Chat gesehen. Also kommt doch gerne dazu, würde uns freuen.

00:27:40 Genau, das würde uns sehr, sehr freuen. Danke, Paula. Genau, die sind echt total spannende Kommentare. Deswegen kommt gerne, erzählt uns gerne, was ihr genau damit meint. X930 schreibt zum Beispiel Medienkompetenz bringt nichts auf Schulebene, um die Problematiken durch Social Media gerade im Jugendalter zu beheben.

00:27:56 Widerspricht dir jetzt ein bisschen, Nico, an der Stelle? Medienkompetenz bedeutet, also viele wollen, immer wenn was passiert, oder generell heißt es Medienkompetenz, das ist immer so das Allheilmittel. Und jeder will Medienkompetenz haben. Aber was genau das jetzt überhaupt ist, also Medienkompetenz macht keine besseren Menschen aus uns. Aber vielleicht besseren Umgang mit Social Media. Ja, aber das kann ja auch dann negativ genutzt werden. Also das kann ja negativ genutzt werden. Also die Social Media Redakteure von rechtsextremen Parteien, die haben garantiert eine extrem hohe Medienkompetenz. Die AfD ist extrem erfolgt.

00:28:25 zum Beispiel an Social Media, die haben eine tolle, hohe Medienkompetenz. Ist das gut? Ich würde sagen nein. Also deswegen kann man das nicht gleichsetzen. Und auch hier ist wieder die Frage, also es wird immer gerufen, aber geändert tut sich dann ja. Was ich verstehe unter Medienkompetenz ist ja, dass man lernst kritisch und

00:28:41 kritisch mit Inhalten umzugehen, das ist es ja, was gelernt werden muss. Und das muss in der Schule passieren, aber es muss auch in anderen Räumen passieren. Und das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ich finde, das widerspricht auch nicht dem Thema Social-Media-Verbot unter 14, weil das kann zusammen einhergehen. Und wenn diese Kompetenz so weit ist, dann braucht ihr auch keine Verbote, wenn jeder irgendwie damit umgehen kann, wenn das Internet nicht ein rechtsfreier Raum ist.

00:29:10 Ja, aber es sollte es ja sein. Also warum ist das Analoge immer total geregelt, aber im Internet? Ja, fange ich an vom Wachricht, Fass und Hetze. Naja, die Politik, das muss ich auch sagen, es gibt nicht die Politik. Wir haben auch ganz viele spannende Kommentare. Jetzt waren wir mal kurz, ganz kurz an der Stelle. Mal gucken, was will denn eigentlich die SPD? Wir haben es so oft schon gestrichen. Mal ganz kurz noch mal klarziehen, was genau sind eigentlich eure Pläne?

Die SPD-Pläne und technische Umsetzung

00:29:37

00:29:37 Mitte Februar hat die SPD ein Impulspapier herausgebracht mit Vorschlägen. So, was steht da drin? Bis 14 Jahre sollen soziale Medien komplett verboten sein. Zwischen 14 und 16, da soll es eine Jugendversion der Plattform geben, also zum Beispiel keine Algorithmen mehr im Hintergrund und aber auch keine süchtig machenden Funktionen mehr, wie das unendliche Scrollen, was ja nicht aufhört. Ab 16, also und dann auch für alle Erwachsene, soll es generell einen besseren Schutz geben. Also da sollen dann die Empfehlungen durch den Algorithmus standardmäßig deaktiviert sein.

00:30:05 So, und wer sich jetzt fragt, wie soll das denn gehen? Wie soll denn überhaupt geprüft werden, wie alt die Nutzerinnen und Nutzer sind? Das soll gelöst werden über das sogenannte ODI-Wallet. Das ist geplant von der Europäischen Union. Und da sollen Nutzer ab dann Personalausweis, Führerschein und andere Dokumente auf dem Smartphone speichern können. Und das wollt ihr sozusagen nutzen, um dann auch, dass die User sich ausweisen und dann eben ganz schnell klar ist, unter 14, über 14 und so weiter.

00:30:28 Jetzt wollen wir mal ganz kurz an der Stelle eine Frage nämlich präsentieren, nämlich von Eldarion Schwertklin. Eine Frage an Frau Hostert, an dich, Jasmina. Warum will man als Regierung etwas verbieten, statt für Aufklärung zu sorgen und die Betreiber der Social Media Plattform in Verantwortung zu nehmen? Verbote bringen so gar nichts, weil es ja nicht nur die Kinder, Jugendlichen kaum keine Medienkompetenz, sondern Erwachsene. Also weil sowieso alle keine Medienkompetenz haben, so verstehe ich das.

00:30:56 Also warum nicht die Betreiber der Plattform stärker? Die auch. Das steht auch in unserem Papier. Die Betreiber auf jeden Fall stärker in die Verantwortung ziehen. Aber warum nicht statt eines Verbots? Also unter 14, weil die Gefahren unter 14 einfach enorm groß sind für Kinder. Das sind, wir sehen, wir sehen.

00:31:14 Und das hat gerade Emma ja auch eben so gesagt, ja, diese Gefahren, die da bis zu für die Kinder da sind, die sind einfach enorm. Und dann ab 14 haben wir ja eine abgestufte Variante, also eine Jugendversion. Und also dann werden sozusagen, kommt man immer weiter weg von diesem Verbot. Aber unter 14 sind die Gefahren enorm groß. Ja, nicht nur das Thema Sucht, das 11 Prozent, das sagt ja die Leopoldiner Studie, finde ich da immer ganz gut.

00:31:43 Prozent sind süchtig und 25 Prozent sind sozusagen kurz vor dieser Stufe. Wir leben Hass und Hetze, Mobbing, Schönheitsideale, Gewalt, Cyber-Grooming, also Themen, wo die jungen Menschen und selber sagen, hey, wir brauchen hier mehr Schutz in diesem Raum. Also das ist und die Eltern sagen das ja auch. Ja, wir können nicht und es kommt auch manchmal diese Erwartungshaltung, all die Eltern, die Eltern sollen das ständig kontrollieren. Das ist halt nicht mehr so wie früher, dass du ein Fernseher irgendwie im Wohnzimmer hast und dann kannst du es an und aus machen.

00:32:12 machen und hast so ein bisschen die Kontrolle darüber. Die Eltern sollen heutzutage arbeiten beide. Die haben mehrere Kinder, die sollen sich um ihre Eltern kümmern und dann sollen sie auch noch alle Apps und immer alles. Also Entlastung quasi durch das Verbot. Es ist eine Entlastung unter 14. Ja, ab und dann. Und das ist ja, deswegen sage ich ja Ausbau von Medienkompetenz. Das ist nicht konträr zu einem Verbot unter 14. Du sagst, ich spreche über Kinder unter 14. Nico sagt alles, aber bitte kein Verbot.

00:32:41 Er sagt, kurz so eine Art Nachfrage nochmal aus dem Chat von Ray. Social Media ist so vielfältig. Wenn es um ein Verbot geht, ist dann YouTube, X, Twitch, Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat, WhatsApp, Instagram etc. alles auf der Verbotsliste. Wo fängt das Verbot an und wo hört es auf? Ganz ehrlich, dann kann man Kinder bis 14 doch gleich ein Handy, Tablet bzw. Computerverbot auferlegen.

00:33:02 Also vielleicht wirklich mal die Frage, Jasmina, welche Social-Media-Plattformen sind genau damit gemeint? Das würde ich auch wirklich sehr gerne wissen. Also das sind sehr, sehr viele davon. Ich denke, es würde tatsächlich die alle beinhalten. Was heißt denn alle? Also WhatsApp wäre ja auch Social-Media. WhatsApp wäre auch. WhatsApp ist übrigens erst ab 16.00er laut. Also laut der eigenen, ja, aber genau das ist ja die Schwierigkeit. Irgendwoher haben ja diese Plattformen, diese Altersvorgaben ja gemacht. Das heißt, wir würden dafür sorgen, dass man sich einfach auch daran dann hält mit einem Verbot. Also nichts ist unter...

00:33:31 13 zum Beispiel laut. Bei uns, wir wären bei 14, weil wir sagen, bei uns ist 13 in Deutschland ja keine Altersangabe. Jugendmedienschutz, Strafgesetzgebung, alles fängt ab 14. Ist das so dieser Schritt, wo du nicht mehr Kind bist, sondern du bist junger Mensch zwischen 14 und 18. Kannst selber entscheiden, ob du in eine Kirche eintrittst oder austrittst. Kannst Minijobs, also du kannst arbeiten zum Beispiel zwei Stunden am Tag, also Zeitung austragen, babysitten. Also 14 bis 18 bist du einfach

00:34:00 auf dem Weg, ein Erwachsener zu werden. Und deswegen ist für uns sozusagen die Kappung 14. Aber ich sag mal, die AGBs schreiben das vor und es wird nicht umgesetzt. Will ich mal kurz an Nico weitergeben. Ist es nicht dann auch okay, dass jetzt der Staat einfach mal auf den Tisch schaut und sagt, ja gut, es gibt das ja schon, diese ganzen Vorgaben, jetzt setzen wir es halt mal durch? Ja, wäre schön, wenn das endlich durchgesetzt wird. Also ich denke auch, dass Kinder kein Social Media haben sollten, vor allen Dingen nicht alleine. Smartphones sind auch problematisch, solange man nicht lesen kann. Wenn ich jetzt Kinder im Kinderwagen mit dem Tablet sehe, wieder ruhig gestellt werden, finde ich ganz, ganz schlimm.

00:34:30 finde, da könnte man tatsächlich auch mal was machen, dass man sagt, Bildschirme vielleicht unter zwei Jahren oder da gibt es auch wissenschaftliche Studien zu. Bei allen anderen ist es ja immer so ein bisschen, also es wird immer alles zusammengeworfen und Kinder haben jetzt alle Depressionen und alles ist immer und dann denkt man immer, man könnte das alles verbieten, also durch Social Media Verbot wäre das alles weg. Glaube ich erwarten viele bei diesen Umfragen. Bei diesen Umfragen ist es ja auch immer so, ich frage mich dann immer, wenn die gefragt werden, Social Media Verbot ja oder nein, wisst ihr, was Social Media Verbot ist? Zum Beispiel, das würde mich wirklich interessieren.

00:34:59 YouTube ist ja auch Social Media. Das würde auch verboten werden. Wo gucken Kinder und Jugendliche kostenlose Lernvideos? Wo wird das passieren?

00:35:05 Ja, das ist, also ich sage ja auch, es gibt ja auch manche Schnittpunkte, wo man vielleicht auch nochmal diskutieren muss. Wir haben auf jeden Fall vor allem das Thema TikTok, Instagram, Snapchat. Also Snapchat ist ja das, wo gerade auch super viele Jugendliche sind, wo du jeden Tag rein musst, um irgendwelche Flammen zu sammeln. Ist ein Riesenthema. Also bei den Kindern unter 14, die sind ja schon teilweise mit 8, die haben Snapchat, die haben Instagram, die haben TikTok und die sind 8. Ja, das ist auch so. Das sind Grundschüler.

00:35:35 Ich kann mir nie mal erzählen, was voll okay ist. Ich will nochmal, ja, ganz kurz, ja, Nico, ich muss nochmal kurz was anderes, weil hier im Chat wird nämlich auch die Frage gestellt, das finde ich auch einen wichtigen Aspekt nochmal an der Stelle, kann Jasmin Horst dort bitte erklären, wie das Verbot technisch umgesetzt werden soll? Weil da merke ich, das ist ja auch immer eine Frage, die immer wieder auftaucht. Bitte darauf eingehen, wie die Regierung, die Zensur

00:35:54 Okay, da ist eine kleine Wertung drin, technisch umsetzen möchte. Das wäre fast meine Frage gewesen. Wir haben ja gesehen, über dieses EU-Wallet, was eingeführt werden soll, das ist ja, glaube ich, so eine Art digitaler Personalausweis. Und das ist ja eigentlich freiwillig. Jetzt werden Menschen dazu gezwungen?

00:36:07 eurem Vorschlag nach, das zu machen, sonst werden sie ja ausgeschlossen von Medien. Also die EU-Wallet, die wird ja ab 2027, das wird ja auf der EU-Ebene ja reguliert und da wird es ja sowieso sozusagen in Kraft treten, also dass man das nutzt und man... Nutzen kann, wenn man möchte. So, genau, klar, aber die Idee ist ja nicht, dass du da alles irgendwie hochscannst, sondern dass die App...

00:36:31 die Information bekommt, bist du über dem Alter oder unter dem Alter? Mehr nicht. Aber ich muss ja an die EU meine Daten geben. Das muss ich ja nicht machen. Das ist freiwillig laut Gesetz. Aber ihr zwingt einen ja dann dazu. Nein, aber wenn ich das vorhin wieder nutzen möchte, dann muss ich das doch machen. Stimmt, man muss einmal ja den Personalausweis hochladen. Genau, du musst...

00:36:49 Ja, aber wie willst du sonst machen? Willst du es bei den Plattformen machen? Ja, das frage ich ja euch. Also ja, das müsste man fragen. Bei den Plattformen will ich es auch nicht. Auf keinen Fall, da sind die Daten nicht sicher. Das ist logisch. Es ist doch lieber, dass es, und klar, und wir sagen, wenn die Europäische Union hat sich ja auch auf diesen Weg gemacht, deswegen warten wir, was von dort kommt. Wir haben aber in unserem Papier gesagt, wenn bis zum Sommer nichts kommt seitens der EU, versuchen wir das auf der nationalen Ebene zu regeln. Aber wir wissen ja, dass auch Frankreich es auf dem Weg macht. Und deswegen, wenn Deutschland und Frankreich hier zusammen sozusagen

00:37:18 innerhalb von Europa das Thema nach vorne pushen, denken wir schon, dass das auf der europäischen Ebene gelöst werden soll. Wenn das nicht gelöst wird, habt ihr keinen Plan.

00:37:27 Nein, dann kannst du es national lösen, aber du hast dann das Problem. Was ja nicht geben wird, weil das EU-Recht ja darüber steht. Also man würde dann sozusagen gegen das EU-Recht verstoßen. Ja, das stimmt. Weil es gibt schon die Frage. Aber das ist halt die Frage. Was ist mir denn jetzt wichtiger? Also zahlreiche Medien- und Verfassungsrechtler sind sehr, sehr kritisch eingestellt, ob das wirklich nachher so umsetzbar ist. Und deswegen halte ich das, das habe ich am Anfang auch bewusst populistisch gesagt. Was mich aber nochmal interessieren würde, und das ist ja eigentlich ein SPD-Thema, was ist denn mit Menschen, die gar keine Papiere haben?

00:37:56 dann ja komplett ausgeschlossen von Social Media oder von Informationen aus Social Media. Wie habt ihr euch das vorgestellt? Also Geflüchtigste? Na ja, zum Beispiel geflüchtete Menschen. Ich kenne durchaus auch welche, die haben keine Papiere. Also da gibt es ja welche. Wie kommt man dann daran? Also unter 14-Jährige jetzt? Es geht ja um die unter 14-Jährigen, die kein Social Media nutzen sollen. Naja, aber wenn ihr vorher eine Altersverikation haben wollt, ein extra Programm für bis 16 oder bis 18-Jährige, dann muss es ja auch da machen. Das müssen sich ja eigentlich alle ausweisen.

00:38:26 Ich habe jetzt nicht die Zahlen, wie viele Menschen wir tatsächlich in dieser Bundesrepublik ohne Papiere haben. Aber das wird eine ganz marginale, also kleine Gruppe sein. Und ich kann jetzt nicht sagen, dass wenn ich das eine Problem nicht geregelt bekomme, dass ich es jetzt für die Mehrheit gar nicht regle. Also ich sage ja nicht, dass es hier noch Schnittstellen gibt, wo vielleicht nicht alles abgedeckt ist. Aber für die Mehrheit der 14-Jährigen, der deutschen Staatsbürger oder auch denjenigen, die eine Aufenthaltsgenehmigung, Niederlassung haben, für die wäre es auf jeden Fall geregelt. Und das wäre ja auf jeden Fall die Mehrheit, die ein...

00:38:55 Ja, gerne. Gleich gehen wir weiter. Bleiben wir mal kurz bei der digitalen Brieftasche, bei Personalausweis. Wer wird entscheiden, welche Plattformen verboten sind und wer nicht? Wenn das der Staat macht, wäre das ja sehr problematisch. Wird es da Zertifizierungsstellen geben? Was sind die Parameter, wonach was verboten wird? In Australien hatten wir das Social Media Verbot. Da sind viele große Plattformen verboten. Viele andere nicht. Roblox zum Beispiel gibt es noch. Da gibt es auch viel Cyber-Grooming und ähnliches.

00:39:24 Entschiede, ich frage genau das. Provokante Frage, fällt Roblox auch unter dieses Verbot? Das müsste man diskutieren. Das muss man noch diskutieren. Manche Feinheiten und es ging ja erstmal um ein allgemeines Statement zu setzen und zu sagen, auch mal zu sagen, so wie es bis jetzt ist, kann es nicht mehr weitergehen. Aber was denn jetzt genau?

00:39:43 Naja, das ist ein Verbot unter 14. Es ist wichtig, dass wir unter 14. Es geht um 8, 9, 10-Jährige. Es geht nicht um 15, 16, 16, 18, 19. Aber das ist ja auch alles schon geregelt. Das müsste man durchsetzen. Es ist geregelt, natürlich. Es ist nicht durchgesetzt. Das ist ja was anderes. Dazu schreibt auch Magdala, HRTMT. Es würde ja schon helfen, wenn die Betreiber von Social Media sich an ihre eigenen AGBs halten würden, wo meist ja das Mindestalter von 13 angegeben ist. Genau da waren wir hier stehen geblieben. Ich will jetzt aber noch mal kurz einen Schritt weitergehen und mal zum Thema.

00:40:12 nochmal zur Bildschirmzeit zu bekommen. Kurze Frage an euch beide. Nutzt ihr irgendwie eine Form von Beschränkungs-App? Also nach 20 Minuten kommt, du hast Instagram genutzt. Ich nicht. Ich habe. Wenn ich Instagram öffnen möchte, muss ich mein Handy viermal drehen. Geil. Genau. Also OneSec heißt die App, glaube ich. Also keine Werbung, aber verschiedene. Es gibt schon viele verschiedene Anwälte. Warum machst du das? Weil du zu viel dran bist? Ja, du kennst das, wenn man rausholt und dann mal raufguckt und sofort hat, was in der Hand bleibt, sofort hängen und dann merkst du zehn Minuten später, klar, das ist ja bei uns genauso.

00:40:41 Endless Greening, dass man nie ans Ende kommt. Aber das wollen wir ja auch ändern. Auch das ist ja ein Problem. Das ist dann für mich so ein aktiver... Ich bin voll auf eurer Seite bei diesen Sachen. Also auch der Algorithmus, und das muss man ja auch nochmal sagen, ist, es ist einfach eine Gefahr für die Demokratie, dass wir die gesamten Diskursräume in chinesische, in amerikanische Milliardärs Hände legen. Ist wirklich gefährlich. Aber auch da fehlt mir dann noch eine Alternative. Nico, wir schauen da noch in andere Länder. Total spannender Punkt. Aber jetzt will ich nochmal kurz hier bei dieser... Man dreht sein Handy hundertmal, bis man Instagram öffnen darf bleiben.

Persönlicher Erfahrungsaustausch und Detox

00:41:10

00:41:10 Du bist nicht allein damit. Meine Kollegin aus unserer Politik-und-Wir-Team, Olga Patlan, die hat extra für uns den Selbstversuch gemacht und zwar den Radikalen. Sie hat für eine Woche lang all ihre Social-Media-Apps vom Handy gelöscht. Und wie das geklappt hat, das schauen wir uns jetzt an. Jetzt kommt das härteste Instagram.

00:41:31 Noch am selben Tag fällt mir auf, dass ich deutlich fokussierter arbeiten kann. Und so geht es auch in den nächsten Tagen weiter. Ich bin konzentrierter und lasse mich deutlich weniger ablenken.

00:41:50 Noch am selben Tag fällt mir auf, dass ich deutlich fokussierter arbeiten kann. Und so geht es auch in den nächsten Tagen weiter. Ich bin konzentrierter und lasse mich deutlich weniger ablenken. Also eigentlich ist es krass, weil ich dachte, dass ich die ganze Zeit mit meinem Daumen Instagram suchen werde. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich bin so selten wie seit Jahren eigentlich nicht mehr auf meinem Smartphone. Und weil ich nicht dauernd auf mein Handy starre, habe ich auch wieder mehr Augen für mein Umfeld.

00:42:20 Jetzt so am Tag 3 habe ich das erste Mal die Situation, dass ich tatsächlich auf Social Media ein Stück weit angewiesen bin. Ich muss nämlich etwas auf meinem Kanal beruflich posten und habe ja die App auf meinem Handy nicht mehr, deswegen werde ich es jetzt auf dem Desktop benutzen. Auf dem Desktop bleibe ich aber interessanterweise nicht, wie in der App hängen.

00:42:43 Durch mein Social Media Detox habe ich mehr Zeit für Sport, für Freizeitaktivitäten in der Natur und bin präsenter mit Freunden. Und dann wird's doch blöd. Weil ich regionale News normalerweise nur auf Insta checke, verpasse ich die Info zum Streik.

00:43:13 Ist hier leider ganz wild. So, zum Glück, es war leider bei uns im Studio nicht zu sehen, aber wie ich hörte bei euch da draußen, deswegen tut es mir leid, aber wir sehen jetzt Olga live und den Farber auch noch in unserem Stream. Olga, hi, guten Abend. Wir haben leider hier den Film nicht gesehen, aber ich habe ihn zumindest schon vor der Sendung gesehen.

00:43:40 Olga, bis auf den BVG-Fail, wo du ja da irgendwie vor der Zuntür standest, in der U-Bahn-Station, hast du eigentlich nur von Vorteilen berichtet. Also bedeutet das jetzt für dich ab jetzt kein Social Media mehr auf dem Handy oder wie willst du weiterleben?

00:43:55 Es gab tatsächlich noch ein, zwei andere Fälle, wo ich Instagram vor allen Dingen auf meinem Handy vermisst habe. Also zum Beispiel auch, wenn ich mal irgendwie gespeicherte Beiträge oder so nachgucken wollte, wie zum Beispiel ein Rezept oder irgendwie tatsächlich. Aber ich, also so radikal werde ich es nicht sein, dass ich alle Apps für immer löschen werde. Aber ich denke mal, ich werde es noch eine Weile tatsächlich beibekommen.

00:44:22 Ich bin jetzt bei Tag 8 ohne Social Media Apps auf meinem Smartphone und mal gucken, wie lange ich es noch durchführen. Welche Effekte hast du denn sonst gemerkt? Du hast ja schon eben gesagt, mehr Konzentration, wie sieht es aus mit deinem Schlaf, mehr Energie, also was hast du festgestellt? Also ich habe zum Glück...

00:44:39 fast immer einen sehr guten Schlaf. Aber mir ist wirklich aufgefallen, dass ich halt vor allen Dingen konzentriert arbeiten konnte. Also dass ich mich nicht ständig abgelenkt habe und eben wirklich, also das mit dem Sport. Also ich mache sonst auch Sport, aber es hat wirklich auch in dieser Woche sehr gut geklappt, wirklich auch diszipliniert öfter Zeit dafür zu finden. Also und ich denke mal, diese Stunde eineinhalb, die ich halt sonst immer so am Handy hänge, die habe ich halt dadurch gewonnen.

00:45:08 Wunderbar. Wir wollen darüber auch nochmal mit dem anderen sprechen und zwar mit Professor Christian Montag. Der kennt sich nämlich wissenschaftlich auch mit dem ganzen Thema aus. Er ist Molekularpsychologe und Webdesigner. Ich weiß gar nicht, ob er jetzt schon in der Leitung ist. Christian Montag, mal gucken. Ich hörte eben. So, da ist er. Hallo Christian. Ich hoffe, es ist okay. Wir duzen uns hier im Stream.

Wissenschaftliche Perspektive

00:45:34

00:45:34 Absolut. Ich stehe schon ein bisschen spät. Herzlich willkommen aus Makao nach Deutschland. Wie viel Uhr ist es bei dir? Ich habe zehn vor vier morgens. Danke, dass du dabei bist. Dafür siehst du sehr frisch aus. Wir haben ja gerade, ich hoffe, du hast ihn gesehen, den Selbstversuch unserer Kollegin. Und sie hat gesagt, sie konnte sich besser konzentrieren. Das ist ihr alles leichter gefallen. Lässt sich das auch durch Forschungsergebnisse belegen, solche Effekte?

Forschungsergebnisse und Kausalität

00:46:04

00:46:04 Ja, wir haben tatsächlich relativ viel Forschungsergebnisse zu dem Bereich, wo der Zusammenhang zwischen kognitiven Funktionen auf der einen Seite und Social-Media-Nutzung beforscht wird. Und wir haben eigentlich immer gesehen, dass eine längere Nutzung als auch eine suchtähnliche Nutzung, das ist nicht dasselbe.

00:46:26 durchaus mit schlechteren Lernleistungen zum Beispiel einhergeht, aber viele Studien waren limitiert, weil sie nicht irgendwie experimentell gearbeitet haben oder längst schnittlich. Es könnte ja sein, dass die schwächeren Schüler und Schülerinnen zum Beispiel dazu neigen, dann einfach die sozialen Medien stärker zu übernutzen. Da gibt es jetzt aber eine ganz interessante neue Arbeit aus den USA. Die haben was relativ Radikales gemacht. Die haben die Studienteilnehmenden gebeten, eine App runterzuladen, die aus dem Smartphone einen alten Nokia-Knochen macht.

00:46:55 keine Internetverbindung mehr da ist. Und was sich in der Studie zeigt, und das ist besonders, man hat experimentell, also wirklich objektiv, die Aufmerksamkeitsleistung gemessen. Und wir sehen bereits nach zwei Wochen mit blockiertem Internetzugang auf dem Telefon, was natürlich dann auch heißt, kein Zugang mehr auf die sozialen Medien, dass die objektiv gemessene Aufmerksamkeitsleistung nach oben geht. Das heißt, hier scheint durchaus eine Kausalität da zu sein.

00:47:24 Olga, wenn du das so hörst, das sind ja eigentlich gute Nachrichten für genau das, dass du deine Social Media Apps nicht wieder installierst. Denkst du, du bleibst jetzt vielleicht dabei auch für längere Zeit?

Eigener Selbstversuch und Ablenkungserleben

00:47:38

00:47:38 Also ich will es zumindest versuchen, weil was mich ja auch dazu angeregt hat, wirklich diesen Selbstversuch zu machen, ich habe den ja auch vorgeschlagen, war, dass mir aufgefallen ist, wie oft ich eigentlich wirklich auch ohne bewusst darauf zu gehen, eigentlich auf den Apps dann auch lande. Also irgendwie bin ich dann immer wieder drauf gelandet, wusste gar nicht mehr, okay, was machst du jetzt hier noch und wie lange eigentlich. Und da ist es halt eben...

00:48:03 Das lenkt mich halt ab. Ich bin dann wirklich auch deutlich weniger fokussiert und hatte irgendwann das Gefühl, ich habe da nicht so richtig mehr die Kontrolle. Also auch wenn das jetzt irgendwie krasser klingt, aber ich würde mich jetzt auch nicht als süchtig bezeichnen, weil sobald die Apps dann auch weg waren, hat es mich auch gar nicht mehr...

00:48:20 weil auch nichts mehr aufgeblinkt ist. Aber dann doch dieser Umstand, krass, wie oft ich mich am Tag ablenken lasse, das ist schon heftig. Und da möchte ich doch wieder mehr in Kontrolle sein. Mehr analoge Zeit. Danke dir, Olga, erst mal an der Stelle. Danke, dass du für uns hier diesen Selbstversuch gemacht hast, mit positivem Ausdruck. Ciao, Olga Padlan aus unserem Politik- und wir Redaktionsteam.

00:48:45 Ja, lieber Chat, wenn ihr Fragen jetzt habt an Christian Montag, irgendwie, was es noch für Forschungsergebnisse gibt, vielleicht wie Social Media Nutzung in China aussieht, also was auch immer oder irgendwas kommentieren wollt, dann kommt zu uns in den Chat. Paula da draußen, die erwartet euch und wir euch auch. Christian, du hast ja eben schon gesagt, du bist in China. Wie wird das denn in China gehandhabt, also die Social Media Nutzung bei Jüngeren?

Regulierung in China und Plattformumbau

00:49:09

00:49:09 Ja, zunächst, ich arbeite selber in der Sonderverwaltungszone Macau. Dort gibt es keine besonderen Regulierungen. Also man arbeitet durchaus auch in Schulen mit ähnlichen Konzepten, dass halt die Smartphones im Unterricht...

00:49:21 nicht genutzt werden. Ansonsten schaut man aus Makao eigentlich sehr genau darauf, was gerade an Regulierungsbemühungen rund im Globus, natürlich auch innerhalb von China stattfindet. Makao gehört ja zu China. In China selber gibt es natürlich schon länger stärkere Regulierungsmaßnahmen, die eigentlich auf zwei Dinge abzielen. Das eine ist,

00:49:45 dass die Nutzungszeiten für junge Menschen auf den Plattformen deutlich reduziert werden. Also zum Beispiel bis zum 14. Lebensjahr, wenn ich mich recht entsinne, darf man nicht länger als 40 Minuten pro Tag auf den sozialen Medien unterwegs sein. Dann gibt es eine Möglichkeit eben auch, die durch die Eltern auch appbasiert eben stärker den Konsum zu regulieren. Und ich glaube, der größte Hebel und ich habe einen Teil der Diskussion

00:50:14 vor mir bereits verfolgt, ist natürlich, dass wir uns auch die Frage stellen, wie können wir eigentlich die Plattformen umbauen, dass sie gesünder werden. Und wenn man sich zum Beispiel die Schwesterplattform von TikTok in China anschaut, Douyin heißt die, sehen wir, dass durchaus zum Beispiel mehr Bildungsinhalte dort transportiert werden auf den Plattformen. Das heißt, es findet dort eben eine andere Algorithmus statt, gerade was die Auswahl der Inhalte betrifft.

00:50:43 Und wie gesagt, auch die Nutzungszeiten werden reguliert. Das heißt, ich kann nicht irgendwie Endless-Scrolling machen ohne Ende, weil irgendwann ist einfach Feierabend. Ist ja spannend, dass China im Prinzip auch schon so eine ähnliche Regelung hat. Von wem kommen denn die Bildungsinhalte dann?

00:51:00 Die Bildungsinhalte werden natürlich kuratiert, dass man halt durchaus schaut, dass das im Bildungsbereich stattfindet, wie Mathematik oder andere Dinge. Und ich habe da keine transparenten Informationen darüber, inwieweit zum Beispiel TikTok hier oder der Mutterkonzern ByteDance dann hier mit der Regierung in dem Zusammenhang zusammenarbeitet.

00:51:26 Jetzt kommen wir mal kurz zu einem anderen Thema. Erstmal noch mal gibt es zu dir ein paar Fragen und zwar, was macht denn überhaupt ein Molekular? Hier steht es Biologe, aber ich glaube, gemeint ist Psychologe. Du bist ja Molekularpsychologe. Da scheint viele zu interessieren.

00:51:38 Ja, ich hatte einen Lehrstuhl lange zehn Jahre an der Universität Ulm und habe dort ein Molekulargenetik-Labor betrieben, wo wir dann zum Beispiel auch die biologischen Grundlagen von suchtähnlichen Verhaltensweisen untersucht haben. Ich habe mich ein bisschen mehr in den Digitalbereich jetzt entwickelt, forschungstechnisch und arbeite hier vor allen Dingen mit bildgebenden Verfahren des Gehirns. Also ich bin hier in der Kognitions- und Hirnforschung in China und bin gewechselt, weil die Forschungsmöglichkeiten extrem gut sind.

00:52:05 Ja, ich habe jetzt nochmal eine kurze Frage. Die Krankenkasse DAK, die hat ja vor kurzem eine Studie auch vorgestellt zu dem Thema, weil du gerade zum Thema Suchtverhalten auch was angesprochen hast. Demnach nutzt knapp ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen soziale Medien in riskantem oder sogar krankhaften Ausmaß. Computerspielsucht ist ja eine offiziell anerkannte Erkrankung, Social Media Sucht nicht. Warum ist das und muss sich das eigentlich deiner Meinung nach ändern?

Diagnose und Suche nach Evidenz

00:52:32

00:52:32 Die Weltgesundheitsbehörde hat 2019 die Gaming Disorder offiziell ratifiziert. Das heißt, die haben ja tatsächlich übrigens auch mit dem pathologischen Glücksspiel zwei Diagnosen, die auch im Online-Bereich durchaus stattfinden und insofern interessanterweise mittlerweile Berücksichtigung finden. Es ist völlig richtig, was du sagst. Bei den sozialen Medien ist das momentan noch nicht der Fall. Das heißt, wir haben keine offiziell anerkannte Diagnose Social Media Abhängigkeit.

00:53:00 Das hat damit zu tun, dass wir im Prinzip drei Aufgaben erfüllen müssen, um zu einer solchen Diagnose zu kommen. Zum einen müssen wir sehr, sehr klar darüber Bescheid wissen, ob das Verhalten, das exzessive Verhaltensmuster der Nutzenden tatsächlich am besten durch den Suchtbegriff.

00:53:19 gecovert, also gedeckt wird oder ob das nicht was anderes ist, also zum Beispiel zwanghaftes Verhalten. Das Zweite ist, was berücksichtigt werden muss, ist, ob auch neurobiologische Untersuchungen, also wie wir zum Beispiel im Hirnscanner machen, dafür ein Indiz bringen, dass es sich um suchtähnliches Verhalten handelt. Und der dritte Bereich, der eben berücksichtigt werden muss, um dann tatsächlich mit einer solchen Diagnose um die Ecke zu kommen,

00:53:48 ist, dass wir dann auch bei behandelndem Personal mal nachschauen müssen, tauchen da überhaupt Leute auf, die sagen, ich habe hier ein Problem, ich brauche Therapie. Und ich würde sagen, wenn wir uns die Literatur anschauen, haben wir durchaus einiges an Evidenz, dass wir suchtähnliches Verhalten haben, wenn man sich die klassischen psychologischen Studien anschaut.

00:54:09 Man muss allerdings festhalten, dass wir gerade in der neurobiologischen Untersuchung der Social Media Abhängigkeit oder exzessiven Nutzungsmustern nach wie vor extrem wenig Studien haben. Das heißt, dort haben wir die Frage zu beantworten.

00:54:26 Und gerade in Medienabhängigkeitskliniken sehen wir vor allen Dingen tatsächlich auch Gaming als großes Problem oder auch über Nutzung von Pornografie. Und bei Social Media haben wir natürlich das Problem, dass das auch so in vielen, vielen Bereichen mitschwimmt. Also wir sind heute Abend hier auf Twitch unterwegs. Das ist ja durchaus eine Plattform, die gerade für Gamer auch total interessant wird. Also wo diese Verhaltensweisen dann tatsächlich dann auch mit den sozialen Medien verschwimmen, sodass das diagnostisch nicht ganz leicht ist. Und dann gibt es natürlich eine...

00:54:55 die für mich als Grundlagenwissenschaftler sehr wichtig ist. Wir wollen natürlich keine Alltagshandlungen pathologisieren. Wir wollen nicht Menschen Probleme andichten, die sie gar nicht haben. Insofern müssen wir erstmal sehr, sehr gut unsere Hausaufgaben machen, bevor wir dann hier tatsächlich ein exzessives Verhaltensmuster pathologisieren.

00:55:13 Okay, spannend. Also da brauchst du quasi auch noch mehr Forschung. Wir haben jetzt tatsächlich jemanden, der noch gerne dazukommen möchte und zwar Mizza Leon. Genau, er ist Medienpädagoge und Sozialarbeiter, lese ich gerade. 24 Jahre alt. Herzlich willkommen!

00:55:27 Hallo, ich muss sagen, es stand nicht auf meiner Tagesordnung, irgendwie um 21 Uhr noch in den ARD-Stream zu kommen. Ich finde das irgendwie gerade sehr interessant. Umso schöner, dass du da bist. Genau, also ich bin Medienpädagoge, Sozialarbeiter, ich bin Eltern-Medienberater, mache also ganz, ganz viel mit Medien. Und ich hätte tatsächlich, ich hätte direkt eine Frage an Sie, Herr Professor.

Medienpädagogische Perspektive

00:55:53

00:55:53 Und zwar gibt es eine direkte, also ich weiß von keinem, vielleicht ist es so leichter, danke. Also ich weiß von keinem, aber vielleicht bin ich da auch nicht mehr auf dem neuesten Stand, gibt es mittlerweile eine klare Korrelation zwischen erhöhter Mediennutzung oder allgemeiner Mediennutzung und dem Abnehmen mentaler Gesundheit, gerade bei Kindern und Jugendlichen, weil das wurde vorhin so ähnlich postuliert, beziehungsweise formuliert und da würde mich jetzt nochmal eine Fachmeinung interessieren, abseits dem von dem, was ich bisher gelesen habe.

00:56:22 Also es gab ja das Buch von Jonathan Haidt, The Anxious Generation, und dort wurde im Prinzip diese Hypothese aufgestellt, dass die Krise rund um die mentale Gesundheit von jungen Menschen, die evidenzbasiert da ist, in einigen Ländern, dass die auch auf die sozialen Medien zurückzuführen ist. Und wir müssen erstmal grundsätzlich festhalten, dass Psychopathologien wie Depressionen, Angsterkrankungen oder Estörungen,

00:56:52 nicht monokausal beeinflusst werden. Das heißt, die soziale Mediennutzung allein kann es nicht sein. Es sind viele Faktoren, die eine Rolle spielen, um Psychopathologien zu erklären. Und wenn wir uns mal die Evidenz anschauen, dann würde ich sagen, ist die beste Evidenz, die wir haben. Mit aller Vorsicht, muss man immer sagen. Wir haben viele Studien im Feld, die einen Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und Körperunzufriedenheit darstellen. Durchaus auch mit Estörungen.

00:57:19 Das ist nicht ganz überraschend, denn gerade die bildgebenden Plattformen, wir haben da selber eine Studie damals noch zu meiner Ulmer Zeit gemacht, wo wir die Studienteilnehmer gebeten haben, die bildgebenden Apps vom Telefon zu verbannen für zwei Wochen. Und wir haben gesehen, dass nach den zwei Wochen, nach dieser Intervention, also wie wir das auch eben gesehen haben, einfach die ständige Verfügbarkeit vom Telefon runterzunehmen, dass die Körperunzufriedenheit gesunken ist und die Effekte waren dann nach vier Wochen nochmal stärker.

00:57:48 Was Angst- und Depressionserkrankungen betrifft, das gilt aber mal generell für die Zusammenhänge zwischen Social Media Nutzung und digitalem Wohlbefinden, um das jetzt auch mal positiv auszudrücken, sehen wir stark differentielle Effekte. Das heißt, es gibt gut gemachte Studien, die zeigen, also wenn man Leute direkt oder junge Menschen direkt nach der Social Media Nutzung, nach ihrer Stimmung zum Beispiel fragt, dass einige sagen,

00:58:14 mir geht es jetzt schlechter. Das war glaube ich in einer Studie so zehn Prozent. Dann gibt es einige, die sagen, mir geht es besser. Und dann gibt es viele, die sagen, das macht gar nichts mit mir.

00:58:23 Das heißt, wir wissen eigentlich mittlerweile, wenn wir eine individuelle Abschätzung machen wollen, ob eine Person eben zu einem riskanten Social Media Verhalten neigt oder Probleme aufgrund der eigenen Nutzung entwickelt, müssen wir drei Fragen berücksichtigen. Das ist die Wer, die Wie und die Warum Frage. Wir müssen das Alter und das Geschlecht berücksichtigen. Wir müssen die Persönlichkeitsstruktur der Nutzenden berücksichtigen.

00:58:46 Die Wie-Frage, auch wenn das etwas komplexer ist, sehen wir in der wissenschaftlichen Literatur, dass gerade die passive Form der Social-Media-Nutzung möglicherweise problematischer ist. Ich komme in einen sozialen Aufwärtsvergleich rein, wenn ich immer nur mir anschaue, die Wiese ist woanders grüner.

00:59:03 Und das kann mir nicht gut tun, während zum Beispiel diese aktive Auseinandersetzung eher unser Grundbedürfnis der sozialen Interaktion zum Beispiel auch belohnen kann. Und dann haben wir einen dritten Bereich. Das ist die Motivlage, die eine Rolle spielt. Das macht den Unterschied, ob ich mich jetzt, hat auch mit aktiv und passiver Nutzung zu tun, ob ich mich dort einfach berieseln lasse, Spaß haben will, ob das eine soziale Form der Nutzung ist oder zum Beispiel auch, wir sagen, utilitäre Form der Nutzung. Die sozialen Medien sind ja ein Werkzeug, was ich

00:59:33 einsetzen kann, um zum Beispiel auch im Beruf für Bedingte mich zu verletzen und so weiter. Das heißt, all das muss berücksichtigt werden. Da sieht man schon, es ist komplex. Und jetzt aber einfach zu sagen, mal generell Social Media Nutzung macht depressiv, das ist sicherlich nicht richtig, weil wir müssen eben sehr, sehr viele Faktoren berücksichtigen.

00:59:54 Hier im Chat kommt nochmal Dönis Werk. Er schreibt, ich würde gerne wissen, worauf die PolitikerInnen hören. Das eigene adultistische Bauchgefühl oder auf welche Studien? Viele Studien zeigen nur Korrelation, keine Kausalität psychischer Gesundheit und Social Media. Genauso, dass kein Social Media ebenso schädlich ist wie zu viel.

01:00:10 Also ich hatte ja gerade eben schon die Leopoldina erwähnt. Das ist zum Beispiel etwas, was wir uns genau angeschaut haben und es auch ausgetauscht haben. Wir haben natürlich immer Austausch mit dem Kinderschutzbund, mit Leuten, die natürlich in diesem Feld auch beruflich aktiv sind.

01:00:29 Es ist nicht die eine Quelle, die man sich anschaut, sondern natürlich mehrere Quellen. Und es ist so, wie es jetzt gerade auch gesagt wurde, natürlich gehe ich auch nicht davon aus, dass Social Media ein Grund ist, aber es bringt es fast zum Überlaufen, wenn schon Probleme da sind. Und ich sage mal,

01:00:48 ganz Themen, die gerade angesprochen wurden, wie zum Beispiel das Thema Schönheitsideale, ein Thema für Mädchen, vor allem ein Thema zwischen 10 und 14 ist es das Thema. Und wenn dann Estörungen zunehmen, wenn ich also Social Media habe, im Bereich, der das sogar auch noch befördert, ja, dass du ständig kritisch mit deinem Körper umgehst und da immer weiter scrollst und dir wird durch die Algorithmen immer nur das ausgestrahlt, dann ist es doch in meiner, also als Mutter auch, ja, von zwei Kindern, aber auch als

01:01:17 Politikerin kann ich das so nicht einfach ignorieren, sondern ich muss so sagen, welche Maßnahmen ergreife ich, um dem entgegenzuwirken. Und Stichwort Maßnahmen, da habe ich nochmal eine Frage an Christian, weil hier wurde auch ganz viel eben diskutiert, warum nimmt man nicht einfach die Betreiber stärker in die Pflicht, weil viele Platzformen sind ja schon ab 13. Wie groß stellst du denn die Wahrscheinlichkeit ein, dass das mal irgendwann klappt?

Kritik an der Industrie und regulatorische Maßnahmen

01:01:40

01:01:40 Ja, das ist das. Denn du warst ja auch mal. Genau, du warst ja auch mal beim Gesprächskreis für Meter. Vielleicht kannst du das auch noch mal kurz erzählen. Genau, ich habe ich habe mit der Industrie im Gesprächskreis gearbeitet im Austausch. Als Interessenkonflikt kann ich an der Stelle sagen, ich habe nie Geld von der Social Media Industrie bekommen, sondern ich habe lediglich Reisekosten erstattet bekommen. Ich glaube, das ist wichtig, dass man das kurz anmerkt.

01:02:07 Also ich habe es eigentlich so gesehen und deswegen stehe ich der Industrie auch sehr kritisch gegenüber, dass lange Jahre eigentlich alles versäumt worden ist, diese Plattform zu verbessern. Mir scheint die Industrie nur auf Druck von außen zu reagieren. Deswegen bin ich auch davon überzeugt, wir müssen was tun. Man kann da vortrefflich darüber streiten, ob 14, 15, 16 und dass alles das richtige Alter ist, dass die Literatur extrem dünn, muss man ganz ehrlich sagen. Ich glaube, man muss anders argumentieren.

01:02:36 Und was ich sehe, ist folgendes. Wir haben gesehen, dass die Industrie versucht hat, zum Beispiel Instagram-Kids und Facebook-Kids auf den Markt zu bringen. Das heißt, die Industrie versucht sehr, sehr aggressiv, ihr Datengeschäftsmodell mit Online-Zeiten verlängenden Maßnahmen in der Regel natürlich weiter nach unten zu drücken. Das heißt, auch jüngere Menschen noch auf die Plattformen drauf zu bringen.

01:02:58 Und wir wissen natürlich aufgrund vieler, vieler Studien, die jetzt nicht im Social Media Bereich stattgefunden haben, aber wir wissen natürlich, was die wichtigen entwicklungspsychologischen Aufgaben von Kindern zum Beispiel sind. So, und das ist natürlich für alle Säugetiere und natürlich auch für unsere Spezies wichtig, zum Beispiel körperlich betont zu spielen. Wenn diese kritischen Zeitfenster meines Erachtens eben kollidieren,

01:03:22 mit einem Datengeschäftsmodell, was darauf abzielt, Online-Zeiten zu verlängern, dann ist, finde ich, eine gewisse Logik da, dass die Zeiten dann eben auf einer Plattform stattfinden, wo wir zahlreiche Probleme aktuell haben, nicht all das adäquaten Inhalten und ich habe das ja eben alles diskutiert, die Probleme, die da sind, dass man sich da die Frage stellen muss, ob das überhaupt sinnvoll ist. Also für Kinder.

01:03:46 diese Plattformen zu öffnen. Ich bin übrigens auch dafür, diese ganzen Sachen, die gerade geplant wird, natürlich auch in wenigen Jahren wieder auf den Prüfstand zu stellen. Wenn wir denn sehen würden, dass die Industrie tatsächlich daran arbeitet, die Plattformen deutlich zu verbessern. Aber auch das, ich habe da ein ganzes Buch drüber geschrieben, du gehörst uns, da geht es im Wesentlichen um die Frage,

01:04:09 Wie kommen wir zu gesunden Social Media Plattformen, die die ganzen Probleme in den Griff bekommen? Nicht altersadäquate Inhalte, generell dass Desinformationskampagnen sich massiv verbreiten, weil natürlich die Algorithmen vor allen Dingen emotionale Botschaften sehr, sehr stark belohnen und eben eine Reichweite geben, dass Onlinezeiten verlängert werden. Ich glaube, wir bräuchten dringend eine Abkehr vom Datengeschäftsmodell. Das heißt, würde aber auch bedeuten, dass wir dann für Social Media, für ein völlig anderes Produkt in Zukunft

01:04:38 Beispiel mit einem Abo-Modell dann Geld bezahlen müssen. Oder öffentlich-rechtlich. Ja, öffentlich-rechtlich ist natürlich auch eine gute Idee. Aber wir haben natürlich in den letzten Jahren gesehen, obwohl diese Idee schon länger im Raum steht, dass offenkundig wir in Europa ein Problem haben, das umzusetzen. Es gab mal so einen Testballon vom ZDF, dass sie mit Forschenden zusammen an so einer Art Twitter-Klonen gearbeitet haben oder X-Klonen. Ich weiß gar nicht, was daraus geworden ist.

01:05:07 Aber offenkundig tun wir uns da relativ schwer, eben eine solche öffentlich-rechtliche Variante hier in Europa zu verankern. Ja, diesen Schwenk gehen wir vielleicht später nochmal, aber ich würde nochmal gerne gerade beim Chat bleiben, weil da gibt es nochmal eine Frage an dich, Christian von Armageddon. Kann Professor Montag mir erzählen, was auf Gehirnebene passiert bei Social-Media-Nutzung, warum es so süchtig macht?

Neurobiologische Grundlage der Suchtentstehung

01:05:30

01:05:30 Ganz schön komplizierte Fragen an dich. Also es ist ja eine total interessante Frage und wir haben interessanterweise eine sehr medizinische Sprache hier im Jargon. Die Leute sprechen von Dopaminträgern, wenn wir über Plattformdesign sprechen. Wir sprechen hier sehr schnell über Sucht, was wie gesagt noch nicht offiziell anerkannt ist.

01:05:49 Tatsächlich ist die neurobiologische Evidenz bis jetzt sehr, sehr spärlich. Ich würde sagen, das, was relativ gut erforscht ist, das sind, ich glaube, drei Arbeiten gibt es da auch mit Jugendlichen, die von der Frau Sherman in den USA durchgeführt worden sind, die sich angeschaut haben, wie das haarenwachsende Gehirn auf Likes reagiert.

01:06:11 Also das Design sah in etwa so aus, dass die Studienteilnehmenden gebeten worden sind, Bilder mitzubringen, die sie irgendwie gepostet haben bei Instagram und Co. Und die Bilder wurden dann im Hirnscanner manipuliert gezeigt, entweder mit vielen oder wenig Likes. Und was sich eigentlich sehr, sehr schön zeigt, ist, dass das Gehirn sehr robust eben mit einer Aktivität des ventralen Striatums reagiert. Das ist das Hirnareal, was...

01:06:36 meistens so unter dem Belohnungssystem irgendwie bekannt geworden ist. Und das führt natürlich zu einer Habitformierung, weil ich kriege, wenn ich was gepostet habe, denke ich so, ah, das ist aber schön, ich fühle mich gut, weil die Ventralis-Treatum-Aktivität da ist. Dann denke ich mir so, was will ich denn? Ich will mich eigentlich nochmal so gut fühlen, so eine soziale Belohnung bekommen. Und was muss ich dafür tun? Ich muss wieder was posten. Und dann kommen wir sehr, sehr schnell in eine Habitformierung rein. Habitformierung heißt Gewöhnung, ne?

01:07:04 Exakt Gewöhnung, sodass wir natürlich heutzutage durch dieses Plattformdesign, wir nennen das AB-Testen, was die Industrie gemacht hat, mittlerweile Plattformen sehen, die es geschafft haben, dass eigentlich der Hinweisreiz, übrigens auch für Erwachsene, ausreicht mit sich alleine zu sein und schon hat man das Gerät in der Hand. Und da sieht man eigentlich, wie automatisch diese Muster ablaufen und wie stark die Industrie uns mit dem Plattformdesign im Prinzip unser Verhalten dahingehend geschubst hat, dass wir per

01:07:34 permanent eben, wenn wir nicht auf den Plattformen drauf sind, auf die Plattform drauf gehen und wenn wir da sind, unsere Online-Zeiten verlängern. Christian, danke, dass du bei uns hier dabei warst. Du hast ganz viele spannende Sachen erzählt. Wir haben ganz viel gelernt. Vielen, vielen Dank. Viele Grüße. Ich hoffe, du kannst sie sich jetzt noch mal hinlegen und ein paar Stündchen schlafen. Ich lege mich noch mal hin, bevor ihr der Arbeitstag anfängt. Alles Gute. Vielen Dank fürs Aufstehen. Ciao.

01:07:59 Mezzalion, sorry, ich hoffe, ich sage deinen Namen richtig. Letzte kurze Frage an dich. Bist du denn jetzt nach der ganzen Diskussion bisher für oder gegen ein Verbot? Gegen ein Verbot, aber es sollte Einschränkungen für die Plattformen geben, weil in der Kurzfassung ist es aktuell so, dass Erwachsene sich nicht an die Spielregeln und geltenden Gesetze auf den Plattformen halten und die Tatsache, dass Erwachsene sich nicht daran halten und der Staat es aktuell nicht durchsetzen kann.

01:08:26 wird auf Kinder und Jugendliche umgelegt zu einem präventiven Schutz, der gar nicht notwendig sein sollte. Aber ansonsten stimme ich Herrn Montag auch nahezu uneingeschränkt zu. Und vieles von dem, was er gesagt hat, ist auch nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht, sondern auch schon in der Pädagogik tatsächlich angekommen und wird auch in der Pädagogik entsprechend verwendet.

01:08:49 Eine interessante Frage, die ich nochmal so mit in die Runde geben möchte, welcher Begriff oder was denn eigentlich mit Medienkompetenz verwendet wird, welcher Medienkompetenzbegriff verwendet wird, weil ich ja immer Medienkompetenz, Medienkompetenz, Medienkompetenz habe aber das Gefühl, dass damit häufig nur die...

01:09:06 Instrumentalkompetenz gemeint ist die Kompetenz, ein Word-Dokument richtig zu formatieren, eine PDF zu erstellen, aber so über kritische Medienkompetenz, über Rundfunktheorie wird relativ selten gesprochen. Das fände ich wichtig, dass das nochmal aufgegriffen wird. Medienkompetenz heißt, zumindest in meinem Verständnis, deutlich mehr als nur reine Instrumentalkompetenz. Und wenn wir also sagen Medienkompetenz fördern, um präventiv...

01:09:31 zu wirken, reden wir nicht davon, wie formatiert das Kind ein Word-Dokument richtig, sondern wie kann das Kind auch die Inhalte, die es dann sieht, richtig einordnen und wenn das Kind das kann, dann bräuchten wir keine Verbote. Absolut, es geht auch darum, Fake News zu erkennen und so weiter. Genau. Gut, nehmen wir erstmal mit, Metsail Leon. Trotzdem erstmal vielen Dank an dich. Wir diskutieren deinen spannenden Input nochmal kurz hier weiter. Ja, danke dir auch, dass du dich noch überwunden hast, hier sich reinzuschalten. Vielen Dank. Ciao. Tschüss.

01:09:57 Ja, vielleicht lassen wir mal ganz kurz nochmal Medienkompetenz. Wie definiert ihr den Begriff? Ja, wir hatten das ja, glaube ich, eben schon mal angeschnitten. Also für mich ist es ja auch, dass man lernt, kritisch mit Dingen umzugehen. Und ich sage, das ist mir auch ganz wichtig aus demokratischer Sicht. Also wir lernen, in einer Demokratie wachsen wir so auf, dass wir, wenn wir Inhalte bekommen, uns eigentlich, ich kenne das ja noch aus der Schule, These, Antithese, also dass man einfach Argumente austauscht und dann zu seinem Schluss kommt. Ja, und so möchte ich mir, wünsche ich mir das auch für Social Media.

01:10:26 diese Kompetenz, dass wenn ich mir etwas anschaue, dass ich sofort das erst mal auch hinterfrage und nicht sofort sozusagen verinnerliche, dass das dann die Wahrheit ist. Und das ist ja gerade die Gefahr, dass wir alle in unseren Bubble sind. Also bei mir wird natürlich ganz viel SPD-Zeugs rausgefiltert bei dir oder reingefiltert eher. Bei dir weiß ich nicht oder bei dir. Aber das ist ja die Gefahr und das ist ja nicht Medienkompetenz. Medienkompetenz heißt kritisch.

01:10:55 auch mit den Dingen umzugehen. Und wenn wir das natürlich weiter verstärken, bin ich voll dabei. Das braucht es. Das braucht es. Ja, also Filterbubble ist auch so ein Begriff. Das hat sich mal jemand ausgedacht. Also es ist schon richtig durch den Algorithmus. Man sieht ja mehr Sachen, aber dass wir wirklich nur noch in unseren Bubbles leben, das stimmt so gar nicht. Denn Viralität entsteht ja auch durch Widerspruch. Also es ist ja so, dass wir ja nicht nur unsere eigenen Sachen gesehen bekommen, sondern auch Sachen. Der Algorithmus weiß ja gar nicht, was gefällt uns, was nicht. Naja, doch, das weiß er schon ganz gut. Der wird ja gefüttert.

01:11:24 Ja, aber er weiß ja nicht, gefällt es mir oder gucke ich es mir auch an, weil ich es scheiße finde, weil ich es Ragebett finde, weil ich da kommentiere. So steigert sich das doch. Also das ist, naja, das ist so dieses Filterbubble-Ding. Das wird seit Jahren transportiert. Es ist aber in gewisser Weise nicht wissenschaftlich. Die existieren so nicht. Das wollte ich nur mal nebenher sagen. Natürlich ist es richtig, man kommt da schon in gewisse Trends rein. Übrigens ist YouTube da der allerschlimmste Algorithmus. Das ist gar nicht TikTok. Aber jetzt mal zur Kompetenz. Instagram auch. Ja, aber YouTube ist also wissenschaftlich nachgewiesen. Also da kommt man schnellstens in diese Strudel rein. Die gibt es ja tatsächlich.

01:11:54 Auch Echo Kammern, das haben wir uns so angewöhnt, da reden wir seit Jahren drüber. Echo Kammern quasi die gleichen Meinungen. Genau. Und das hat sich auch mal jemand ausgedacht. Aber es ist eigentlich gar nicht unbedingt evidenzbasiert, dass es das gibt. Naja, aber politisch bekommen ja schon ähnliche Inhalte gespiegelt, die eigentlich schon oft auf einer Meinung... Aber auch den Widerspruch.

01:12:12 Ich sage ja gar nicht, dass es das nicht gibt, aber zum Kompetenzmodell auch hier. Kritisches Denken, absolut richtig, bin ich auf die Eins, sage ich immer, was ist die wichtigste Kompetenz von allen, was möchte ich Schülerinnen und Schülern vermitteln, kritisches Denken. Es gibt so ein Kompetenzmodell der Zukunft, 4K heißt das, das sind Kreativität, also jetzt nicht künstlerisch, sondern wirklich Ideen haben, Sachen umsetzen können. Das ist kritisches Denken und zwar jetzt nicht negativ sein, sondern wirklich hinterfragen, genau das, was wir brauchen. Das ist Kooperation.

01:12:41 kooperativ zusammenzuarbeiten. Auch das ist ja übrigens, was auf Social Media durchaus passieren kann, dass man da sich in Gruppen zusammenschließt. Haben wir auf TikTok jetzt gar nicht mehr so. Das ist klassisch auf Social Media, dass man da auch richtig in den Austausch gehen kann. Die Vorteile von Social Media würde ich übrigens auch noch mal gerne besprechen. Das vierte K fällt mir jetzt gerade nicht ein, aber das wollte ich nur sagen, also auch wieder hier, es hat gar nicht unbedingt was mit Medien zu tun. Kritisch denken brauchen wir immer. Ja, kritisch denken ist immer wichtig. Gut, hier haben wir eine Gemeinsamkeit gefunden. Wir haben schon mehrere von Gemeinsamkeiten. Stimmt, das stimmt. Ich wollte es mal auch so betonen.

01:13:10 Sag Z3 Ratul, die Namen sind echt immer wild hier, der schreibt oder sie, die Medienkompetenz der Leute 50 plus ist doch am schlechtesten. Wo ist da der Ruf in der Vermittlung der Medienkompetenz und Schutz des Alters? Spannender Punkt. Könnte man doch mal einen ganz eigenen Stream zu machen. Aber finde ich so als Hintergedanken oder als, dass sie so ein bisschen mitnehmen auch, das stimmt schon. Ich meine. Levi Pendel hat das doch ganz groß gefordert. Ich glaube, Social Media Verbot ab 60. War übrigens das letzte Mal in unserem Stream. Ah ja, sehr schön. Okay, also vielleicht hat das, glaube ich, da nicht gesagt. Aber es war auch irgendwo im Fernsehen, glaube ich.

01:13:39 Naja, auf jeden Fall, aber es ist natürlich ein wichtiger Punkt. Und das ist genau das, was du auch meintest. Kritisches Denken vielleicht funktioniert da. In der Volkshochschule. Ja, ich erinnere mich, dass es zum Beispiel so ist, dass junge Menschen häufiger auf Fake News, Falschnachrichten reinfallen. Aber sie wissen, dass sie das tun. Ältere Menschen wohl häufig... Aber wie kann man denn reinfallen, wenn man es weiß? Naja, sie wissen, dass das existiert und dass man da drauf reinfallen kann. Und ältere Menschen sind ein bisschen kritisch.

01:14:09 Aber wenn denn dann richtig, dann fallen sie richtig drauf ein. Und geht mal bitte auf Facebook, geht mal in die Gruppen, was da für unglaubliche KI-Fakes, also wirklich die billigsten Sachen, was Leute da runterschreiben. Das gibt es auch in der Politik. Also da sieht man jetzt immer wieder ganz blonde, durchtrainierte Männer, ganz blonde Frauen mit riesigen Oberweiten, die dann irgendwie in der Küche stehen. Alles KI generiert, da schreiben aber so viele Hurra drunter und erkennen überhaupt nicht mehr, dass das Fake ist. Von daher ganz wichtiger Kommentar, finde ich auch.

01:14:38 Das ist halt die Frage. Die haben genau die gleichen Probleme, wenn ich durch die U-Bahn laufe. Da gucken ja nicht nur Kinder auf ihr Smartphone, sondern Erwachsene genauso. Und wir kennen das ja von uns auch. Ich habe ja auch extra die App. Also klar, ich will ja auch die Gefahren nicht kleinreden. Aber es ist absolut wichtig. Medienkompetenz auch für Ältere, voll. Gerne nochmal weiter darüber sprechen. Jetzt will ich aber nochmal kurz alle reinholen. Hier ist nämlich, falls man jetzt irgendwie reingeschaltet hat, hier ist Politik und Wir. Wir sprechen heute über ein mögliches Social Media Verbot. Da ist schon unser nächster Gast. Ich mache trotzdem noch kurz meine Texte. Zu gestern Jasmin Hostert, sie sitzt für die SPD im Bundestag und Nico Kappel.

01:15:07 Autor und Influencer.

01:15:09 Ihr könnt gerne reinkommen, Fragen stellen. Ihr seht, ganz easy peasy. Man kann sich einfach reinschalten, Fragen stellen. Ihr könnt uns einfach von eurer Bildschirmzeit berichten, dass die besonders hoch, besonders niedrig ist. Interessiert uns alles. Genau, jetzt haben wir gerade über Auswirkungen auf die Konzentration gesprochen, über mögliche Forschungsergebnisse, welche möglichen negativen Folgen auch das endlose Scrollen hat. Und für viele Menschen, und da sind wir jetzt bei Nico, dem Twitch-Streamer, haben die sozialen Medien aber auch einen positiven Effekt. Nämlich, dass sie, da sind wir vielleicht bei der

Positive Aspekte und Gefahr für marginalisierte Gruppen

01:15:39

01:15:39 4Ks, ein wichtiger Ort zum Austauschen und Vernetzen. Nico, nämlich du bist gegen ein Verbot. Vielleicht kannst du uns erst mal sagen, warum. Ich habe es gerade schon ein bisschen vorweggenommen.

01:15:49 Hallo erstmal. Also ich bin Nico mit C. Und ich heiße Nico Cicalone oder NGG im Netz. Deswegen, falls uns jetzt hier kurz, wenn es Nico gerufen wird, einer wird hoffentlich antworten. So ganz stimmt es auch nicht, dass ich komplett gegen ein Social Media Verbot bin. Ich weiß, ich bin einer sehr ambivalenten Funktion da. Ich bin Content Creator. Also nicht nur, ich mache auch was mit Medien beruflich und noch Social Media und Content Creation obendrauf. Natürlich, ich bin unter anderem ein Faktor, warum Leute einschalten, warum Leute sich meinen Content geben.

01:16:18 Diese Sache bin ich mir bewusst. Und man erkennt es aber auch vielleicht noch am Hintergrund oder hier am Mikrofon. Ich bin Teil der LGBTQIA-Plus-Community. Und ich halte halt so ein nicht durchdachtes und ein viel zu kurz gedachtes Einschränken, Verboten, was auch immer, für sehr, sehr gefährlich. Vor allem eben für Menschen von Randgruppen, eben queere Menschen, aber auch...

01:16:42 behinderte Menschen, Menschen, die generell irgendwie Außenseiter sind in ihrer Gesellschaft. Nicht jeder Mensch kommt aus einer Stadt, wo zu jeder Community es Orte geht, wo man sich vielleicht treffen kann. Und ich kann es halt ein bisschen anekdotisch von meiner Seite auch sagen, mir war das Netz eine große, große Hilfe, zu mir selbst als Person zu finden, herauszufinden, dass ich halt okay bin, wie ich bin. Und ich würde mir halt wünschen, dass man...

01:17:08 Und mindestens das berücksichtigt, dass Leuten im schlimmsten Fall komplett eine Community, eine Online-Community wegbrechen kann, ohne Alternativen. Und Nico hat es ganz kurz anreißen wollen. Wir haben jetzt einen ganz, ganz großen Tenor, dass Social Media Probleme macht. Und da bin ich voll d'accord. Also nicht, don't get me wrong. Aber es hat auch ein paar positive Sachen. Und es bilden sich ja Communities. Es finden sich Leute gleichgesinnt von überall auf der Welt, überall in Deutschland, komplett frei von...

01:17:37 Und lustigerweise muss ich gerade letztens daran denken, wir hatten erst vor ein paar Wochen, glaube ich, auch ein Thema hier, eine Sendung zum Thema Einsamkeit im Netz. Deswegen, dazu mal allumfassend, sage ich halt, wenn man das schon einschränken will und diese Probleme angehen möchte, dann muss es mindestens irgendwie noch ein Alternativangebot geben, sei es eben durch, ja, mehr...

01:18:01 Und ich habe auch immer mehr in den Kommunen, mehr Jugendtreffs, mehr auch Treffs für eben. So dritte Orte, ja. Genau. Und da habe ich halt sehr, sehr viel Bauchweh, dass dieses Impulspapier jetzt kommt, weil ich einfach hier und da überall mitbekomme, dass Kommunen sowieso schon sparen, sparen, sparen müssen, dass diese Communities, dieser Gemeinschaftstreff in Städten, in Kommunen, dass das immer weniger wird.

01:18:24 Was machen wir dann da?

01:18:38 tatsächlich irgendwie sich außen vor fühlen, gerade vielleicht auch auf dem Dorf oder sowas. Und auch hier nochmal, das muss man wirklich sagen, also das Bildungssystem wird zusammengestrichen seit Jahrzehnten, es wird immer mehr gespart. Und auch die Jugendheimen, wie du es gerade sagst, da gibt es ja wirklich, also auch wirklich offensichtliche Zusammenhänge, auch wissenschaftlich nachgewiesen, wenn die Infrastruktur runtergeht oder wenn das alles kaputt ist, dann werden die Leute unglücklicher, aber sie werden auch extremer. Also rechtsextreme Parteien zum Beispiel erstarken immer genau dann, wenn die Infrastruktur nicht mehr funktioniert. Und ich finde es super wichtig, was du gerade gesagt hast.

01:19:07 dass außerhalb vom Internet wird alles platt gemacht, dann wird das Internet gesperrt. Da gibt es durchaus Probleme. Und genau das übrigens sagen auch Jugendliche in Australien, die gefragt werden, dass ihnen da wirklich ganz viele soziale Kontakte weggebrochen sind. Es wird ja auch alles organisiert, auch über Social Media, auch in Freundesgruppen, auch positiv. Man verabredet sich auch darüber. Auch das. Und genau, das sind wirklich wichtige Punkte. Und deswegen möchte ich auch noch mal sagen, also meintest du, ich arbeite auch mit dem Kinderschutzbund zusammen, auch wichtig.

01:19:36 Aber es gibt ja auch paritätischen, ich glaube der Paritätisch-Wohlfahrtsverband Niedersachsen oder so ähnlich, aber so aus der Richtung, die bemängeln ja auch immer wieder, dass zum Beispiel Kinder und Jugendliche jetzt bei den ganzen Verbotsdebatten eigentlich gar nicht gehört werden. Also deine Perspektive war jetzt super toll, aber du bist ja natürlich auch kein Kind mehr. Aber trotzdem schon mal super, aber du warst ja mal eins und deswegen kannst du dich trotzdem überreden. Aber ich finde das super gut, dass wir jetzt auch das mal hören. Jasmina, ich meine...

01:19:59 Du bist in der Politik, so habt ihr das auf dem Schirm, was gerade die beiden sagen. Wir haben das ja hin und es ist ja, dieses Papier ist jetzt nicht von heute auf morgen entstanden. Wir haben diese Diskussion bei uns in der Fraktion, aber ich weiß auch, die anderen Fraktionen haben das ja schon länger. Das ist jetzt nicht irgendwie, dass man sich jetzt schnell irgendwas überlegt hat. Und wir sehen natürlich, also das, was Nico jetzt aus dem Chat gerade angesprochen hat, das ist ja eigentlich der Kern von Social Media war ja eigentlich, und ich erinnere mich, als ich, da gab es noch Studi-Fachstum,

01:20:28 VZ und Facebook, so die Anfangsphasen, also dieses, man kommuniziert miteinander, zum Beispiel ich bin, ich habe einen bosnischen Migrationshintergrund, ich habe dann wieder Leute getroffen, von irgendwie aus meiner Kindheit, man hat sich vernetzt über die ganze Welt. Also ich sehe schon die vielen, die vielen Vorzüge. Ja, ich sehe aber, wie gesagt, die Gefahren haben mit der Zeit deutlich zugenommen für Kinder, für Kinder. Ich möchte ja nicht, dass wir hier irgendwie Einschnitte machen. Kinder brauchen die Vernetzung, sondern nur Erwachsenen. Nee, Kinder brauchen auch die Vernetzung, aber die

01:20:58 oft ja auch in der analogen Welt. Kinder brauchen die Fernetzo. Wir sehen, wir haben viele Kinder, die zum Beispiel motorische Schwierigkeiten haben, Grundkompetenzen nicht mehr so funktionieren, wie sie mal funktioniert haben. Also Kinder brauchen Bewegung. Das wird dann besser, wenn ihr es schon wieder verbietet. Naja, aber es ist besser, wenn ein fünf-, sechsjähriges Kind fünf Stunden am Handy oder am Tablet oder bei YouTube-Kids hockt, ist es glaube ich nicht gut. Es ist besser, wenn es draußen auf der Straße ist mit den Kindern spielt, so wie wir es gemacht haben. Und da ist so...

01:21:27 Aber du glaubst doch jetzt bitte nicht, dass wenn Social Media verboten wird für Kinder, dass sie dann rausgehen und spielen. Also ich meine, das Gerät ist immer noch da. Die Spielplätze sind teilweise kaputt. Also das finde ich ein bisschen schwierig. Vielleicht in Berlin. Es stimmt auch nicht, dass wir in Bildung kaputt sparen. Also ich weiß nicht, wie das die Landesregierung in Berlin macht. Aber wir haben, wenn man sich die Bundesinvestitionen anschaut, über die letzten Jahre haben wir immer mehr in die Bildung. Bildung ist Ländersache, muss man zuerst. Aber Bildung ist ja auch Ländersache. Aber ich hätte tatsächlich eine Frage. Ich möchte mal ganz kurz, ich würde gerne mal wissen, ganz konkret, wir hören immer jugendliche Depressionen und bla bla bla.

01:21:56 Arbeit, weißt du, alles groß haben wir jetzt alles zusammengefasst. Was würde sich denn jetzt ganz konkret für einen jungen Menschen ändern? Was würde sich positiv für eine Familie verändern, die vielleicht einen 10-Jährigen und ein 13-Jähriges Kind hat? Das verstehe ich nämlich nicht, weil ich habe, wie gesagt, das Gefühl, es soll alles verboten werden und am besten gehen die Kinder dann rausspielen und das wird ja nicht passieren. Das ist ja, also das hat der Bundeskanzler auch gesagt. Doch, ich glaube schon, das wird dann wieder mehr in Fokus stehen. Du hast nicht jeden Abend, am Abend, beim Abendbrot, die Debatte mit den Eltern.

01:22:25 Social Media Nutzung, du hast nicht die heulenden Kinder, die gemobbt werden, wo die Fotos verarbeitet werden. Ich kenne auch ganz viele Eltern, die werden dann sowieso ihr Kind dann heimlich das Smartphone geben, weil sie vielleicht sich gar nicht können oder wollen. Aber viele auch nicht, weil sie wissen, da ist ein Verbot. Wir können dann sagen, okay, jetzt bist du nicht die Einzige, die das nicht nutzen darf, sondern es ist jetzt verboten und das gilt jetzt für alle. Also wir entlasten auch nicht. Ich bin spannend. Wir sind hier bei einem ganz, ganz spannenden Punkt, nämlich der Frage, was passiert?

01:22:54 Was glaubst du denn? Gehen die Kinder dann wieder mehr rausspielen? Und was forderst du vielleicht jetzt auch von Jasmina hier von der Politik?

01:23:04 Also ich halte es jetzt ein bisschen sehr Wunschdenken. Also ich würde es mir natürlich auch wünschen, dass wenn man das Digitalsoziale, wir trennen es mal so, dass Digitalsoziale ein bisschen runter geht, dass dann das Analogsoziale wieder hoch geht. Das wird bei einigen vielleicht auch passieren, weil wie auch der Selbsttest gezeigt hat, man merkt plötzlich, okay, ich bin vielleicht weniger abgelenkt, ich bin vielleicht öfter mit den Aufgaben fertig und habe dann am Ende mehr Freizeit. Also das sehe ich vollkommen, wenn da plötzlich der Tagesablauf ein kleines bisschen anders strukturiert ist.

01:23:33 Aber es gibt neben dem Sozialnetzwerk noch andere Sachen, die einen ablenken können. Fernsehen, Videospiele. Also die werden sich was anderes suchen, wenn es da keine Initiativen gibt, keine Angebote.

01:23:45 Da sehe ich eher die Krux, dass wir dann wieder von der Social Media Debatte wieder zurück zur Computerspiel-Debatte kommen. Ja, auch Quatsch. Wissenschaftlich nachweislich, da haben wir uns auch drüber gestritten. Kann ich jetzt so schnell nicht recherchieren. Ja, ich will an der Stelle mal kurz jemanden dazuholen, weil wir bleiben bei der Diskussion, Nico mit K. Ich will mal ganz kurz pur Oliver dazuholen. Der hat sich nämlich jetzt gerade spontan dazugeschaltet. Hi, Oliver. Wir hören euch nicht. Mikro vielleicht nochmal an.

01:24:13 Hi. Hi. Hallo. Hallöchen. Ja, sag du doch mal gerne, wie ist deine Haltung? Ja, zum einen würde ich erstmal einiges anmerken. Zum einen in Australien, selbst einige Jugendschützer kritisieren das, weil Australien ist teilweise sehr ländlich. Der Nachbar, der ist einige Kilometer entfernt, von daher...

01:24:40 Die Kinder können eigentlich hauptsächlich mit anderen nur über soziale Medien interagieren. Von daher ist das für die Degenden kompletter Unsinn, ein solches Verbot. Dann gab es ja vor kurzem auf EU-Basis ein soziales Netzwerk. Da ist man ja jetzt mit wie Social auf einem sehr guten Weg dabei.

01:25:07 So, aber ich bin ein sehr spät diagnostizierter Autist. Ich wurde mein ganzes Leben lang gemocht und von daher das, was Jasmina vorhin meinte, vor allem, dass man dadurch mehr rausgeht, ist für Autisten komplett unsinnig, weil gerade weil Autisten so anders sind, anders denken, werden die...

01:25:35 eigentlich pausenlos gemobbt draußen. Deswegen ist man mehr in sozialen Medien, weil man dort auch mit Gleichgesinnten interagiert, wo man weiß, die verstehen mich, wie ich wirklich bin.

01:25:51 Und von daher das jetzt wieder zu verbieten, treibt autistische Kinder wieder mehr in die Isolation. Das ist im Grunde das genau Gegenteil, was man eigentlich damit erreichen möchte.

01:26:05 Danke, Oliver. Super. Also auch genau quasi auch nochmal dieses Argument, dass du sagst, dass sich eben auch viele Jugendliche, genau Nico, der hat auch eben einen ähnlichen Punkt gemacht aus einer anderen Perspektive, aber dass man sich eben auch vernetzt. Ich habe mal nochmal eine Frage jetzt an der Stelle dann auch direkt an Nico hier im Studio. Du hast ja auch irgendwie über 900.000 Follower, glaube ich, bei TikTok. Also du bist ja auch sehr erfolgreich. Wie ist das denn? Nimmst du das auch so wahr, dass sich bei dir in den Kommentarspalten auch Menschen vernetzen, zueinander finden, dass sich da Communities bilden? Ja, also generell kann ich sagen, ich bin ja

Erfahrungen und Probleme der langjährigen TikTok-Nutzer

01:26:35

01:26:35 jetzt fast sieben Jahren auf TikTok, also wirklich einer der dienstältesten TikToker, glaube ich, die es in Deutschland so gibt. Und ich habe die Plattform ja wirklich von Anfang an gesehen. Ich muss sagen, also gerade am Anfang, das war wirklich traumhaft dort. Das war wunderschön. Es waren alle nett zueinander Toxisches geworden, als die Erwachsenen gekommen sind. Das muss man wirklich mal so sagen. Es wurde natürlich auch spannender dadurch und so. Und natürlich hat sich die Plattform komplett verändert, aber das ist auf jeden Fall etwas, wo ich sagen würde, das ist, ja. Und dann, also die Frage jetzt nach meinen Kommentaren, kann ich jetzt nicht

01:27:04 so genau sagen. Das Problem bei TikTok ist ja, du hast ja nicht mehr diese Möglichkeiten mit Gruppenbildung, wie es bei Facebook damals war, wo man wirklich einen Austausch geben kann. Deswegen sagt TikTok von sich selbst. So übrigens ja auch, dass es gar keine Social Media Plattform ist, sondern ein Video-on-Demand-System. Ich würde aber gerne auch nochmal ganz kurz, weil ich hier das gerade noch gehört habe, in Australien ist es ja zum Beispiel auch so, dass Downloadzahlen von VPNs extrem gestiegen sind. Das heißt, es wird über einen Umweg versucht, dann das zu machen. Und die Plattformen, die nicht verboten worden sind, die steigen nämlich auch drastisch an. Ich will dich gar nicht stoppen, Maribel.

01:27:33 Wir schalten gleich noch sogar zu einem Kursland für Australien. Deswegen, da sind wir gleich nochmal ganz deep drin. Lassen Sie uns nochmal gerne bei diesem Minderheitenvernetzten-Thema bleiben. Das finde ich irgendwie gerade einen wichtigen Punkt. Und da sagt Mica Leon auch.

Soziale Medien als sicherer Ort und identitätsstiftendes Element

01:27:46

01:27:46 Huch, jetzt ist er gerade hier weg. Wichtiger Tag Social Media als Safe Space und Identitätsfindung. Hundertprozentig, genau. Das wird immer gerne vergessen. Du warst jetzt, denke ich, auch auf dem Schirm, aber ich danke dieser gesellschaftlichen Debatte, die so aufgebläht ist, wo es immer nur noch, wir müssen verbieten. Und ja, ich frage mich halt auch mal wirklich, also was kommt jetzt für die einzelnen Personen bei raus? Und ich denke nicht viel. Und vielleicht noch eine Sache, also nichts Konkretes. Und das wäre nämlich die Sache, also die Vorteile sind überhaupt nicht klar, die so ein Verbot bringt. Also die sind überhaupt nicht klar.

01:28:15 kann man nicht voraussehen. Aber die Nachteile, die sind ziemlich klar. Und gerade vor drei Tagen, darf ich einen Satz sagen, ist mir sehr wichtig, das zu sagen. Vor drei Tagen haben 400 internationale Wissenschaftler einen offenen Brief geschrieben aus 30 Nationen an die Regierungschef der Welt und genau davor gewarnt, dass es einfach sehr viele, sehr viele Nachteile gibt. Aber die Vorteile wissen wir nicht. Nico, mit dem er sich gerade, aber ich will noch ganz kurz sagen, witzigerweise würde der genau Florian von Günzburg widersprechen. Er sagt, die Nachteile des Verbots sind geringer als die Vorteile. Ich habe als Jugendlicher auch Kontakt zu meinen Freunden gehabt.

01:28:45 soziale Medien. Ich würde jetzt nochmal in die Kommission noch mal reinholen, der hat sich nämlich gemeldet. Ja, ein Punkt, den ich noch einbringen wollte, den ich aufstand finde, dass mit, ich sehe auch, bis 14 Jahren ist es so quasi weg und dann von 14 bis 16 Jahren soll immer eine eingeschränkte Lesion. Was ist gerade mit den Touren passiert oder ist es nur bei mir? Nee, ich habe auch ein bisschen... Jetzt besser, glaube ich. So.

01:29:14 Versuch's nochmal. Oliver, kannst du dich mal kurz muten, bitte? Wunderbar. Jetzt nochmal bitte, Nico.

01:29:21 Ja, also ein Punkt, den ich nochmal dazu bringen möchte, wo ich einfach aus eigener Erfahrung Bauchschmerzen bekomme. Wenn es dann heißt, zwischen 14 und 16 Jahren soll ja das Ganze dann reguliert werden, es soll auf Bildungsprogramme oder es soll auf jeden Fall die Algorithmen ein bisschen entschärft werden. Da habe ich zwei Sachen. Erstens, dann ist man 16 und dann wird man vollgeballert mit den echten Algorithmen. Das halte ich erstmal für einen komischen Practice, aber anders.

Kritik an der geplanten Algorithmenregulierung für Jugendliche

01:29:47

01:29:47 Aktuell schon, egal bei Meta, egal bei X, also bei wenigen Ausnahmen, wenn ich allein schon versuche, queere Inhalte zu teilen auf sozialen Netzwerken, wird schon die Reichweite eingeschränkt, was ja der aktuellen in den Culture War in den USA oder eben in China geschuldet ist. Wenn es dann heißt, dann soll irgendwie ein kuratiertes System kommen für 14- bis 16-Jährigen, dann würde ich jetzt erstmal sagen, aus meinem Pessimismus, dann haben sie erstmal bis zu 16, dann kriegen sie vielleicht im schlimmsten Fall gar keine...

01:30:14 Ich habe erst mit 14, 15, 16 mein inneres Coming-out gehabt, deswegen ich bin da.

01:30:35 Und das Problem ist, dass Social Media ist ja nicht nur ein Punkt, um sich auszutauschen, sondern ist ja auch ein Punkt, wo ganz viele Creator ihren Content machen, auch viele Aufklärungsleute machen dort ihren Content. Nico, genauso. Und ähm...

01:30:52 Die haben aber erstmal nur YouTube meistens, TikTok. Vielleicht machen sie so ein bisschen was auf textbasierten Medien. Aber wenn das halt wegfallen würde, dann haben die meisten Kinder und Jugendliche dann keine Anlaufstelle, weil die keine Blogs, die haben keine Blogs für sowas. Es gibt keine anderen Bereiche, wo diese Videos gespeichert werden. Das heißt, wir haben auch viele unserer, sagen wir mal, user-generated Bildungsarten, haben wir komplett uns abhängig gemacht von sozialen Netzwerken. Und das halte ich halt gefährlich, das dann irgendwie zu kuratieren, einzuschreiben, was auch immer.

01:31:17 Ja, aber jetzt möchte ich doch trotzdem mal kurz an der Stelle, Jasmin, wie sieht euer Vorschlag, was sieht der genau vor? Das soll ja eigentlich, so wie ich es verstanden habe, nicht kuratiert werden. Nein, überhaupt nicht. Also insofern von 14 bis 16. Wir gehen ja dann in die Richtung, das auch zu lockern, weil ich auch sage, man kann ja nicht ein Verbot machen und dann darfst du jetzt von jetzt auf gleich dann wieder alles und alles. Dann werden alle Inhalte einfach auf einen, prasseln alle auf einen ein. Also von 14 bis 16. Die Algorithmen verbieten weiterhin. Und

01:31:46 Auch dieses endlose Scrollen, das soll trotzdem ja bleiben. Und ab 16 entscheidet man, dann muss man dann halt selber was freischalten. Aber es ist auf keinen Fall so, dass irgendwelche Inhalte hier vergangen werden. Es muss gar kein Einholz mehr geben. Es muss nur noch so zu sagen, dass das, was ich like, wird angezeigt. So wie Facebook. Ja, genau. So wie es ursprünglich mal war. Ich glaube, wir sind so die Generation, die sich daran auch noch erinnern kann. Aber ja, diesen Teilhaberspekt, da räume ich ein. Das ist tatsächlich etwas, was auch wichtig ist und was wir auch viel diskutiert haben.

Alternative Lösungsansätze und DSA als bestehendes Instrument

01:32:16

01:32:16 Also gerade, ja, Oliver hat es angesprochen, so, sag ich mal, Minderheiten, queere Personen, also dieses Vernetzen, das sehe ich schon, dass das natürlich dann verloren gehen würde. Ich sehe aber halt auch diese Punkte für die Mehrheitsgesellschaft auch, dass einfach diese Gefahren so groß sind. Nicht nur das Suchtpotenzial. Nein, nein, nein, man muss, nein, ich sage, nein, also es geht ja, man muss doch sagen.

01:32:42 Das ist ja kein Papier, wo ich sage, hier ist jetzt alles mega, mega optimal. So, darum geht es nicht. Es ist ja auch, es betrifft wahrscheinlich die Mehrheitsgesellschaft, wo die Minderheiten dann nicht so gut abgedeckt sind und diese Teilhaberspekte. Aber dass man dann gar keine Teilhabe hat, stimmt ja auch nicht. Also man kann immer noch, das Handy wird einem nicht weggenommen. Man kann auch miteinander telefonieren. Also es ist nicht so, dass die Jugendlichen gar nicht kommunizieren. Also er hat auch gesagt, gerade im Chat, ich habe...

01:33:11 Ich habe meine frühe Freunde selber draußen getroffen. Ich auch teilweise. Aber es gibt Menschen, die können das nicht. Das haben ganz viele. Genau, ganz viele können es nicht. Und wir haben in der Demokratie aber auch, also da ist der Minderheitenschutz sehr, sehr wichtig. Muss ich natürlich gar nicht erklären, aber der Minderheitenschutz ist sehr wichtig. Und das ist nochmal sehr schön gesagt. Also Kinderrechte bedeutet nicht nur Kinderschutz, sondern auch Teilhabe. Das ist mindestens genauso wichtig. Informationsrecht, Rechteinformation. Das haben wir aber auch ganz viele unterschiedliche Ebenen. Also Kinderrechte bedeutet nicht nur, dass ich sie nur irgendwie im Internet umsetze, sondern grundsätzlich auch in der analogen Welt.

01:33:40 Also die gibt es ja auch. Und es ist jetzt nicht so, dass wir nicht genug Organisationen, Verbände, Vereine haben, die ja auch für die Rechte der Minderheiten und für die Vernetzung der Minderheiten auch da stehen. Okay, Elim, ich glaube, wir müssen gleich weitergehen, weil wir haben nicht mehr so viel Zeit. Nico, Chigi, genau, du meldest dich noch. Ich will dir aber auch noch mal eine kurze Frage stellen, dann kannst du auch noch das sagen. Und noch einen Kommentar euch mitgeben. Ich habe viel zu tun. Nico, ich will nur sagen, es gibt ja auch Mobbing, Hasskommentare online. Das wird jetzt ein bisschen, finde ich, gerade ausgeklammert. Und davon sind ja eben auch oft Minderheiten oder bestimmte Menschen betroffen.

01:34:10 Also wiegt das für dich weniger sozusagen schwer als dieser Community-Aspekt? Nö, also ich kann ja auch aus eigener Haut berichten, dass es nicht so geil ist, als offen queerer Creator Content zu machen und immer wieder auch mal gesellschaftlich herausfordernde Fragen zu stellen. Da möchte ich genau anhaken, weil wie sehen das eigentlich die Firmen? Wie sieht das Meta? Wie sieht das X? Und keine Ahnung, weil wir haben ja jetzt schon beim Thema Hass im Netz, beim Thema Datenschutz, haben ja schon genug Verstöße.

01:34:37 die wir auf EU-Richtlinie dann haben und dann möchte man diese Firmen zur Verantwortung bitten. Aber aktuell ist ja so, dass die Strafen oder so einfach hingenommen werden, weil die günstiger sind, als wenn man einfach weiterhin, das machen wir bisher. Also wir haben jetzt schon, ich will jetzt mal richtig hart sein, wir versagen jetzt schon dabei, Hass im Netz vernünftig zu regulieren.

01:34:56 Wie soll das dann mit den Kindern weitermachen und wie sollen die Firmen dann mitmachen, dass sie da sagen, ja, diese Algorithmen, diese Art von Vernutzung ihrer App, das lassen sie zu. Da braucht es ja auch dann eine Zustimmung.

01:35:09 Ja, voll spannender Punkt. Vielleicht nur als Ergänzung. Also wir sitzen zum Beispiel auch gerade unsere Justizministerin an einem digitalen Gewaltschutzgesetz, wo die sozusagen die Opfer werden, auch mehr geschützt werden und die, die Täter sind, auch stärker bestraft werden. Also wir haben da schon enormen Aufholbedarf, was einfach in der Vergangenheit nicht reguliert worden ist. Es kann ja nicht sein, dass die Leute, die Opfer von Hass und Hetze und Diskriminierung werden in der sozialen Welt, dass die quasi...

01:35:36 fast sich selber überlassen sind oder die Wege dahin, um sozusagen Schutz zu bekommen, so komplex sind. Ja, da müssen wir ran. Also eigentlich gibt es da gesetzliche Regeln. Genau, darüber wollen wir jetzt gleich weitersprechen. Ich möchte mich erst mal bei Oliver und Nico bedanken, dass ihr dabei wart. Henry Jokokopf hat auch noch einen coolen Kommentar geschrieben. Er schreibt, ich finde das Format eigentlich ganz gut. Okay, ein bisschen mehr Enthusiasmus hätte ich mir gewünscht. Ansonsten kommt es ja so selten vor, dass MdBs, also Mitglieder des Bundestages, wie Frau Hostert, mit Menschen wie Olli und seinen Hochinteressanten.

01:36:06 Perspektiven konfrontiert werden. Ja, deswegen vielen Dank, Olli, auch an dich, dass du dich hier so dazugeschaltet hast. Ja, also beide hier waren super. Ja, und ja, Nico, sowieso, ihr beiden ja top, top Gäste hier. Spannend, ja. Schönen Abend euch beiden noch und ganz, ganz liebe Grüße. Schön, dass ihr dabei wart. Tschönen Abend.

01:36:22 Geht es jetzt direkt weiter zum Chaos Computer Club? Ich finde, Politikerinnen und Politiker müssen auch dafür da sein. Das ist doch ganz klar. Ich finde das auch total spannend, weil kein Papier ist irgendwie dann in Stein gemeißelt, dass man da nicht irgendwie auch was verändern kann. Ich finde ja diese Impulse auch unfassbar wertvoll und wichtig. Und nur so, wenn wir miteinander ja auf einen Blickwinkel, aber miteinander dann am Ende auch vielleicht zu einer Position kommen, das ist doch...

01:36:50 der demokratische Prozess und so muss es laufen. Darf die Position nicht sein, nur die Mehrheit zu schützen. Aber was ich noch sagen wollte, weil wir vonhin meint, Kinderschutz muss auch was halt stattfinden. Und da bin ich jetzt schon wieder und das muss ich wirklich sagen, ist mir auch nochmal sehr wichtig zu sagen, in der Schule zum Beispiel, ich habe da keine Probleme, dass die Kinder Smartphones benutzen. Ich habe da keine Probleme, also Smartphones, ich bin jetzt in der Grundschule, oft vierte bis sechste Klasse geht die bei uns, also bis zur sechsten Klasse unterrichte ich dort. Aber das Problem sind nicht die Smartphones und ich hatte da schon wirklich auch Schulen, wo es drunter und drüber ging oder Klassen. Was ist denn das Problem?

01:37:19 Das Problem ist da zum Beispiel Armut.

01:37:21 Armut und Einsamkeit. Und das ist ein Riesenproblem. Jedes fünfte Kind in Deutschland ist von Armut betroffen. Und damit mit einem Social Media Verbot wird das überhaupt nicht. Nein, das ist ein ganz anderes Thema. Das ist kein ganz anderes Thema. Jeder zweite Jugendliche empfindet Einsamkeit als alltägliche Belastung. Also Einsamkeit ist ein Riesenproblem. Das schwingt ja auch die ganze Zeit so ein bisschen mit, weil ja die Frage ist, wie können wir dagegen vorgehen. Aber wir können ja nicht immer sagen, also Jugendliche haben irgendwie jetzt alles das Schlimme und wenn wir Social Media verbieten,

01:37:51 Das ist alles weg. Und gleichzeitig die Tiefsitzenden Probleme. Ich glaube schon, dass davon sehr viele Menschen ausgehen. Also nicht jetzt hier am Tisch. Also die Kinderarmut. Wer ganz sicher nicht davon ausgeht, ist Elina Eichstätt. Denn sie ist Sprecherin vom Chaos Computer Club, Europas größter Vereinigung von Hackern.

01:38:08 Und der Club, der setzt sich für Informationsfreiheit, Datensicherheit und Datenschutz ein. Denn ich bin mir ziemlich sicher, du bist gegen ein Verbot, oder? Ich bin gegen ein Verbot, auf jeden Fall. Und ich glaube, das Problem, wenn wir über das... Herzlich willkommen erst mal. Hallo, entschuldige. Hallo. Genau, vielleicht...

Technische und rechtliche Bedenken gegen die Altersverifikation

01:38:29

01:38:29 Zum Hintergrund, ich habe Informatik studiert, habe sehr viel im Bereich IT-Sicherheit gemacht, für Engineering. Also ich kenne mich mit den technischen Systemen, die hinter so einem Social-Media-Verbot stecken würden, sehr gut aus. Und ich glaube, wenn wir über dieses Thema diskutieren, das ist, ich glaube, auch ein sehr emotionales Thema und das kann ich auch total nachvollziehen, vergessen wir die technische Komplexität, die die Durchsetzung so eines Verbotes mit sich ziehen würde.

01:38:56 Und da gibt es auch, ich glaube, eine Reihe an Missverständnissen, die wir auflösen müssen, damit wir da auch gut drüber sprechen können. Dieser Brief von den über 300 WissenschaftlerInnen wurde schon angesprochen. Man kann so ein bisschen verkürzt sagen, aus einer technischen Perspektive sagen wir halt alle,

01:39:13 Wir wissen nicht, was passiert, wenn wir das ausrollen. Also das ist wirklich gefährlich und deswegen warnen wir auch alle davor. Die Realität der Durchsetzung des Social Media Verbots in Australien ist, große Plattformen machen Sammeldaten, um Profile von allen Nutzerinnen zu erstellen, um dann feststellen zu können, ob eine Person unter 16 ist und sie dann zu einer welcher Form auch immer Verifizierung zu zwingen.

01:39:42 Und da hängt es dann auch immer davon ab, ist die Person technisch überhaupt in der Lage, das durchzuziehen? Funktioniert die Verifizierung für sie als Person? Da gibt es ganz, ganz viele offene Fragen. Ja, dein Bild bleibt manchmal ein bisschen stehen, aber ich glaube, das ist jetzt irgendwie mit... Das ist, glaube ich, ja. Das als Informatikerin, aber alles gut. In der Endverlaufbau in Deutschland ist ein Problem, würde ich sagen.

01:40:10 Auch nochmal ein anderes Thema. Elena, ich habe da direkt nochmal eine Frage an dich, weil du hast jetzt irgendwie, du hast ja gerade schon ein großes Fass aufgemacht, so ein bisschen mit deinen Bedenken und jetzt hat ja gerade eigentlich die SPD in ihrem Vorschlag geschrieben, sie wollen ja gerade nicht, dass es über die Plattform läuft, sondern über diese digitale europäische Brieftasche, wie es ja immer heißt. Warum hast du da auch Bedenken oder hast du da Bedenken oder überhaupt? Das habe ich noch nicht ganz verstanden.

01:40:31 Zwei Bedenken. Also rechtlich ist es erstmal so, dass in der EIDAS-Verordnung, also dem europäischen Gesetz zu dieser EID Wallet steht, dass Menschen, die die Wallet nicht benutzen, kein Nachteil entstehen darf. Das heißt, wenn wir ein Social-Media-Verbot durchsetzen wollen, können wir das nicht nur mit der EID Wallet machen. Punkt. So, damit fängt es schon an.

01:40:52 Dann, die EID-Wallet ist noch nicht fertig, die ist frühestens 2027 fertig. Da gibt es dann unterschiedliche Implementierungen, das ist gerade alles noch in der Diskussion. Fest steht, dass viele Teile jetzt auch schon monopolisiert werden, von Google und Apple zum Beispiel, heißt, da gibt es dann auch wieder diese Monopolprobleme, die wir haben werden. So wie die SPD sich das vorstellt mit diesem anonymen Flag, dass es dann wahr oder falsch sagt.

01:41:18 Das bringt natürlich auch keine Probleme, weil wenn das komplett anonym ist, dann kann ich mir auch 300 Accounts erstellen mit meiner Wallet und dann halt die an meine Freunde verteilen. Oder verkaufen. Ist in Australien tatsächlich schon der Fall. Das ist, als ein Markt entsteht von Leuten, die dir dabei helfen, dir einen Social Media Account zu erstellen. Also das ist halt auch nicht viel effektiver als der Altersnachweis mit der Machine Readable Zone, den die Öffentlich-Rechtlichen derzeit machen, wo man auch den

01:41:47 Machine Readers Zone von Max Mustermann eintragen kann. Also die Umgehbarkeit ist da ebenfalls sehr leicht gegeben. Also du hast technische Bedenken sozusagen, dass man das einfach umgeht, dieses EU-Modell. Und du hast das Problem auch, dass Leute vielleicht ausgeschlossen werden, die eben nicht ihren Perse hochladen möchten. Nee, das Problem geht weiter. Rein rechtlich dürfen wir das gar nicht.

01:42:09 Zu sagen, Zugang bekommt ihr nur mit der eID-Wallet. Das ist europarechtlich nicht zulässig, weil Personen, die diese eID-Wallet nicht nutzen möchten, kein Nachteil entstehen darf. Das heißt, wir müssen immer gezwungenermaßen andere technische Alternativen anbieten.

01:42:28 Jasmina, habt ihr euch damit auseinandergesetzt? Ja, haben wir. Und wir sehen ja auch diese kritischen Punkte. Wir sehen aber auch, dass sich viele dann auch für die EU-Wallet ja entscheiden würden. Also irgendwo musst du ja mal ansetzen. Aber das geht ja nicht. Ich würde ja gerne wissen, was sind denn dann die Alternativen? Aber das geht ja nicht. Was wären jetzt die Alternativen aus ihrer Sicht, wie wir Kinder besser in den sozialen Medien schützen können? Also ich bin ja auch offen, dass wir überall...

01:42:57 Alternativen dann reden. Aber wie seit zehn Jahren heißt es irgendwie, wir wollen keine Verbote, wir wollen Medienkompetenz, wir wollen dies, jenes und die Probleme werden immer größer und irgendwie fehlen mir dann die anderen Alternativmöglichkeiten. Gehen wir direkt weiter an Elina, aber was schlägst du vor?

01:43:15 Naja, also wir haben ja Digital Service Act und wir müssen mal ganz ehrlich sagen, die Durchsetzung ist echt wirklich lapidar und auch was im Hingblick auf Personal oder ähnliches passiert, da passiert halt einfach nichts. Und ich finde es einfach falsch, den Kurs zu verschieben. Wir verschieben den Diskurs gerade in, wir diskutieren über eine Technologie, die Zugang für Kinder und Jugendliche begrenzen kann, anstatt die toxischen Business-Modelle von großen Plattformen anzugehen. Und das ist halt einfach...

01:43:43 Aber das haben wir auch im Papier, das ignorieren wir ja nicht. Es steht auch, dass wir die Plattform in die Verantwortung ziehen wollen. Es sind ja nicht nur drei Sätze, die da drin stehen. Das stimmt, den Sachen stimme ich auch durchaus zu. Die Gefahren von Altersverifikation für die gesamte Gesellschaft, das heißt ja nicht nur, dass Kinder sich ausweisen müssen, sondern alle müssen sich überall immer ausweisen. Punkt.

01:44:09 Ein zentraler Faktor. Das heißt, wenn dieses System zentral ausfällt oder wir das zentral abschalten, dann verlieren alle Bürgerinnen und Bürger Zugang zu allen Plattformen und damit zu ihren wichtigsten demokratischen Kommunikationsmitteln. Und das muss einem klar sein an dieser Stelle. Ja, wir waren ja gerade auch nochmal bei der Kritik. Und dann hattest du aber ja auch nochmal gesagt, für dich wäre eigentlich die Alternative der Digital Services Act. Also, dass dieses Gesetz, das EU-Gesetz...

01:44:36 wirklich mal durchgesetzt wird. Jetzt wollen wir erstmal nochmal einen Blick drauf werfen. Wir haben einen kleinen Film. Was ist eigentlich der Digital Services Act, kurz DSA? Der Digital Services Act, auf Deutsch Gesetz über digitale Dienste, ist eine Verordnung.

01:44:54 ist eine Verordnung der Europäischen Union. Das heißt, sie gilt direkt in allen Mitgliedstaaten. Darum geht's. Wie im echten Leben soll auch im Netz gelten, jeder darf seine freie Meinung äußern. Und man soll sich beschweren können, wenn einem Unrecht geschieht. Der Digital Services Act setzt bestehende EU-Grundrechte auch im digitalen Raum besser durch. TikTok, Instagram, Facebook und Co. sollen transparenter machen, was sie anzeigen und warum. Stichwort Algorithmus.

01:45:23 Bei sehr großen Plattformen muss es außerdem eine Alternative geben, einen Feed ohne personalisierte Empfehlungen. Außerdem müssen die Plattformen einfache und klar erkennbare Wege anbieten, sie zu kontaktieren. Etwa wenn Inhalte angezeigt werden, die illegal sind, sie müssen das Risiko verringern, dass solche Inhalte überhaupt verbreitet werden oder wenn euer Kommentar gelöscht wird und ihr euch zu Unrecht mundtot gemacht fühlt. Besonderer Schutz gilt für Kinder und Jugendliche.

01:45:51 Plattformen dürfen bei Minderjährigen keine personalisierte Werbung auf Basis ihrer Daten ausspielen.

01:45:58 Janine, das heißt, es gibt ja eigentlich alle Werkzeug. Warum wollt ihr noch ein Verbot? Ich meine, eigentlich haben wir doch den Werkzeugkasten vor uns. Der funktioniert ja nicht. Das ist ja das Problem. Also wir haben es alles. Wir haben ja auch die Empfehlung in der Plattform, was heißt Empfehlung? Also eigentlich darfst du die Plattform unter 13 Jahre gar nicht benutzen. So bei uns, wir gehen ein Jahr höher, aber es funktioniert ja nicht. Und wir wollen zeitgleich die Plattform mehr in die Verantwortung ziehen. Das ist das eine. Und geben ja auch hier Zeit. Wir haben ja gesagt, bis zum Sommer wollen wir auch, dass es auf der

01:46:28 der EU-Ebene geregelt wird, aber auch, dass die Plattformen ihrer Pflicht nachkommen. So und wenn das nicht kommt, ja, aber es betrifft ja auch vor allem diejenigen, die ja auch

01:46:39 über 14 ja auch sind. Also ich rede ja, wir reden ja wirklich von Kindern unter 14 und ich finde, dass 10-Jährige grundsätzlich nicht auf Social Media sein sollten. Das größte Problem, was wir jetzt von dir gehört haben und auch von Professor Christian, ich habe seinen Nachnamen vergessen, ist ja eigentlich, das Ziel ist, dieser Plattform Geld zu verdienen. Und das ist eigentlich das Problem. Also da kommen wir uns gegen an und immer wenn Geld im Spiel ist und sehr viel Geld im Spiel ist, dann hat auch oft die Politik augenscheinlich

01:47:08 naja, da dauert es halt ein bisschen länger. Ich war jetzt tatsächlich im Dezember in Brüssel und mir wurde da erzählt, dass die EU jetzt auch die ersten Strafen gegen Ex, glaube ich, gesetzt hat. Wohl auch empfindlich, zumindest wenn man es beim Gesamtumsatz sieht, ist ein guter Anfang. Also es geht jetzt wohl langsam los, aber ich finde natürlich viel zu wenig. Aber da müsste man dann generell vielleicht mal eine Systemfrage stellen. Solange es ums Geld geht, und zwar um extremst viel Geld durch unsere Aufmerksamkeit, kann das vielleicht auch einfach gar nicht funktionieren. Also vielleicht müssen wir einfach nochmal einen Schritt weiter gehen, weil das Problem haben wir, das haben wir jetzt von zwei Jahren,

01:47:37 Fachleuten gehört, das ist, dass die Plattform Geld verdienen wollen. Und das muss man auch wirklich mal genau so sagen und benennen. Das ist so, ja. Das ist so. Aber ich denke ganz kurz, ich bin nochmal, ja, wir müssen leider gleich weiter, wenn wir jetzt auch noch einen Cory haben, der sich extra zuschreibt. Aber es ist doch schön, dass so ein Papier auch einfach so eine Diskussion anregt und dass wir doch alle irgendwie Lösungen finden wollen. Also schon dafür ist es schon wertvoll, überhaupt auch solche Papiere mal auch zu schreiben. Ja, das auf jeden Fall. Das wird drüber reden. Viele andere Länder reden.

01:48:07 Ich glaube, wir reden auch darüber, da kommen wir jetzt gleich zu. Elina, letzte Frage an dich. Das heißt aber auch, auch wenn der DSA stärker durchgesetzt wird, dann bleiben ja trotzdem diese personalisierten Feeds, also dieses, naja, dieses Endlos-Scrollen und auch diese möglichen psychischen Folgen, über die wir gesprochen haben. Macht dir das keine Bauchschmerzen oder sagst du, naja, das müssen wir halt in Kauf nehmen?

01:48:27 Ich denke, auch da muss man über Regulierung sprechen. Trotzdessen. Ich glaube, um es mit aller Deutlichkeit zu sagen, die EID-Wallet wird es nicht lösen. Der Stand der technischen Forschung ist so, dass sie sagen, wenn wir Zugang für alle gewährleisten wollen, dann müssen wir mehrere Möglichkeiten zur Verfügung stellen, die dann privacy-technisch problematisch sind.

01:48:49 Und jetzt kann der Chat ja mal raten, wer diese Alternativlösung dann in einer Monopolstellung zur Verfügung stellen wird, weil sie die technischen Capabilities haben, um das zu entwickeln. Das wird mit Sicherheit nicht irgendwie der nette Anbieter von nebenan sein, sondern das werden dann Player wie Apple und Google und so weiter zu sein. Das heißt, wir wollen einerseits die Monopolmacht von ...

01:49:10 großen Plattformen beschneiden und wie besser regulieren. Und wir streifen jetzt aber in allen Rats, dass sie wieder die Chance bekommen, ein Monopol zu bilden, um Zugänge zu ihrem Platzraum zu sichern. Also das nur mal so in den Raum gestellt. Ja, danke. Danke, Elina. Du hast super viele spannende Punkte mit reingebracht. Auf jeden Fall Kontraverbot. Auch nochmal irgendwie viele spannende weitere Argumente uns gegeben. Elina Eickstätt, Sprechamt von KS Computer Club. Viele Grüße und danke, dass du dabei warst heute Abend. Dankeschön.

01:49:40 So, und jetzt habe ich ja gerade schon angekündigt oder eigentlich schon einen Stream lang angekündigt, dass wir auch einen Korrespondenten zuschalten können. Denn ein Land hat ja das Social Media Verbot schon eingeführt und die haben vor allem die Diskussion auch ins Rollen gebracht und zwar Australien. Seit Dezember 2025 gilt dort ein Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16. Und darüber können wir alle jetzt sprechen mit Florian Barth. Er ist AED Korrespondent unter anderem für Australien. Hi Florian.

Praxiserfahrungen aus Australien und die Umgehungsstrategien

01:50:06

01:50:06 Hallo, guten Morgen oder guten Abend bei euch noch. Wie viel Uhr ist es bei dir in Singapur? Kurz vor fünf. In Sydney in Australien ist es ja schon kurz vor acht, aber davon darf man auch keinen Twitch gucken. Das stimmt, sehr guter Übergang. Du bist im ARD-Studio in Singapur, ihr berichtet über einige Länder in Südostasien und auch über Australien. Und genau dort warst du auch in Australien. Wie hast du das da wahrgenommen? Wie wird dieses Verbot aufgenommen von der Bevölkerung?

01:50:35 Also es hatten sich ja ganz viele viel davon erhofft und die Zustimmung war auch sehr groß, vor allem bei den Erwachsenen. Aber alle Jugendlichen, die wir getroffen haben, also vor dem Verbot und auch jetzt, die finden es nach wie vor richtig doof. Die fühlen sich gevormundet, die fühlen sich eingeschränkt in ihrem Alltag, in ihrer Kommunikation, wenn sie mit Freunden chatten, sich verabreden wollen, was posten wollen, einfach in ihrer Freiheit beschnitten.

01:51:03 Und man muss auch sagen, das Verbot ist ja jetzt seit Dezember in Kraft, also seit zweieinhalb Monaten. Und wenn man jetzt durch Australien geht, man sieht immer noch ganz viele Jugendliche auf Social Media. Und es haben eben ganz viele auch geschafft, diese Altersverifikation auszutricksen. Also das geht ja über das Hochladen von Ausweisdokumenten oder über Gesichtserkennung. Und ganz viele haben uns erzählt, dass sie...

01:51:30 da weiter aktiv sein können und finden es aber nach wie vor falsch, dass die Regierung dieses Verbot eingeführt hat. Ja, wir haben es eben, es klang auch irgendwie schon hier und da mal bei uns an, dass ja diese Downloads von den, ups, jetzt bist du weg, Florian.

01:51:47 Ach, da bist du da. Das war nur deine Kamera irgendwie. Wunderbar, so schnell. Genau, dass die Downloads von diesen VPN-Diensten steigen. Ist das die Variante, wie das sozusagen die Jugendlichen in Australien machen oder wie umgehen die das Verbot? Ja, das ist eine Variante, aber es gibt mittlerweile auch immer mehr Programme, die die Nutzung von VPNs erkennen können. Deswegen ist das jetzt nur eine Möglichkeit, aber es gibt ganz...

01:52:12 einfache Tricks. Also zum Beispiel muss man sich ja, wenn man einen Account eröffnen will oder den weiterlaufen lassen will, weil er von der Sperrung bedroht war, dann muss man ja Ausweisdokumente hochladen. Da kann man zum Beispiel auch den von den Eltern nehmen. Manche Jugendliche haben es geschafft, sich ein Bart anzukleben oder sich alt zu schminken und das hat auch funktioniert. Und bei manchen ist es auch so, da haben die Eltern gesagt, ja komm, ich erlaube dir das, du darfst das.

01:52:39 Warum lasse ich mir von der Regierung vorschreiben, wie ich meine Kinder zu erziehen habe? Und die haben das dann ihren Kindern ermöglicht, sich trotzdem unter ihrem Namen einen Account zu eröffnen. Aber das heißt, es wird dann sozusagen über die Plattformen geregelt, die Altersverifikation?

01:52:55 Genau, also am Anfang ist es so angefangen, dass die Plattformen allen Account-Inhabern eine E-Mail geschickt haben und gesagt haben, du hast ja bei uns einen Account, bitte bestätige oder verifiziere dich bis zum 10. Dezember, ob du wirklich schon 16 oder älter bist. Und dann konnte man das eben machen. Und wenn man jetzt einen Account neu eröffnen will, dann muss man das auch machen. Das sind im Prinzip, also...

01:53:20 drei verschiedene Mechanismen anhand derer die Plattformen das erkennen wollen. Einmal die Ausweisdokumente und das ist natürlich auch eine Kritik von Datenschützern, dass sie sagen, ja gut, wir wollten eigentlich unsere Daten immer fernhalten von den Plattformen und jetzt müssen wir unsere ganzen Dokumente da hochladen. Und dann eben eine Gesichtserkennung, also klassisch mit Face-ID, wo eine künstliche Intelligenz dann erkennen soll, wie alt man wirklich ist und ob das sein kann, dass man schon älter ist als 16. Und da gibt es auch so eine Analyse von digitalen Spuren im Netz. Also wenn man jetzt mit vielen...

01:53:49 Wenn man mit Freunden aus der D-Jugend im Fußballverein vernetzt ist, dann spricht das eher dafür, dass man unter 16 ist. Aber wenn man vielleicht viel postet aus der Uni oder aus Clubs, dann spricht das eher dafür, dass man älter ist. Und so haben die Plattformen versucht, das rauszufinden. Man muss ja auch sagen,

01:54:06 Wenn jemand dagegen verstößt, also unter 16-Jährige oder die Eltern, die das erlauben, dann sind die nicht in der Verantwortung, sondern die Regierung hat gesagt, nur die Plattformen sind in der Verantwortung. Die müssen eben sicherstellen, dass es solche Schlupflöcher nicht gibt und dass man das nicht austricksen kann. Und wenn die Regierung das Gefühl hat, die Plattformen kommen ihrer Verpflichtung nicht nach, dann kann die Regierung eben Strafen verhängen. Hat sie aber bis jetzt noch nicht getan.

01:54:32 Finde ich total spannend, weil die Frage ist auch schon länger hier im Chat. Wie sollen eigentlich die Strafen für Missbrauch aussehen? War, glaube ich, jetzt auch so ein bisschen an dich, Jasmina, gerichtet. Gibt es da auch schon Pläne von, wie das dann in Deutschland wäre? Weil ja, da ist ja schwer, dann die Plattform zur Verantwortung zu ziehen, wenn die Verifizierung über ein anderes Modell läuft, oder? Oder hat man da einen Plan?

01:54:50 Ja, also es muss ja eine Konsequenz ja erfolgen. Ich meine, gut, hier in Australien wird es ja über die Plattformen reguliert und ich finde das ja gut, das ist ja ein Mechanismus, wo man sagt, okay, hier müssen die Plattformen die Verantwortung tragen. Und ich meine, wenn wir so einen Weg hinbekommen würden, wäre das ja auch eine Option. Ich glaube, nach zweieinhalb Monaten ist es jetzt noch ein bisschen schwierig, wirklich zu sagen, wie sich dieses Social-Media-Verbot unter 16, also das finde ich ja dann auch, also 14 bis 16 ist für uns ja auch so ein Knackpunkt gewesen, wo wir gesagt haben, nein, da wollen wir es ja auch nicht verbieten.

01:55:19 Wie das dann wirklich auch sich auf die Kinder und Jugendlichen dann auch auswirkt. Ich glaube, da muss einfach noch ein bisschen mehr Zeit vergehen, um sich das dann auch ganz genau anschauen. Und wir haben im Papier auch geschrieben, wir gucken uns auch an, wie tatsächlich diese Umsetzung in den anderen Ländern auch ist. Also das Thema ist ja jetzt noch nicht abgeschlossen. Es entwickelt sich und es verändert sich. Und wir sind da ja auch offen, da weiter mit zu diskutieren. Da will ich jetzt an der Stelle, wir reden sofort weiter, aber wir haben dazu noch eine Grafik, nämlich, weil du es gerade auch angesprochen hast.

Soziale Auswirkungen und Bedenken bei marginalisierten Gruppen

01:55:49

01:55:49 Das ist in anderen Ländern, das ist nicht nur Australien, also Australien ist eingeführt, aber in vielen anderen, auch europäischen Ländern wird ein Social Media Verbot diskutiert. Ich zeige das mal ganz kurz als Beispiel.

01:55:58 In Frankreich, da hat die Nationalversammlung für ein Verbots von Social Media bei den unter 15-Jährigen gestimmt. Hier folgt noch eine Abstimmung im Senat. Dann können es ab Herbst gelten. Griechenland und Dänemark, die arbeiten auch an einem Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15. Und zumindest in Dänemark sollen Eltern dann aber ihren Kindern ab 13 den Zugriff auf bestimmte Plattformen erlauben dürfen. Also alle überlegen sich so ein kleines eigenes Süppchen. Und auch in Spanien hat der Regierungschef einen Gesetzentwurf zur Einführung eines Social Media Verbots nach australischem Vorbild angekündigt.

01:56:26 bis 16. Das sind nur so ein paar Beispiele. Und da frage ich mich jetzt mal ganz kurz an der Stelle aus Australien, wenn so viele EU-Länder das auch wollen. Ich meine, warum macht man so kompliziert? Warum sagt man nicht eine europäische Lösung? Ja, das ist ja ich meine, das ist ja das sind ja so viele Initiativen. Ich glaube, am Ende wird es ja auf diese europäische Lösung ankommen.

01:56:46 Das Thema ist ja jetzt erst so richtig da. Und das, sag ich mal, aus den Parteienstimmen kommen erst mal. Also es musst du erst mal ja hinbekommen, dass du irgendwie Beschlüsse hinbekommst. Und ich am besten, ja, die Gefahren sind ja auf jeden Fall ja da. Also es ist jetzt nicht so, dass man voll und frei handelt. Und man muss ja auch, man muss, man muss ja auch einfach.

01:57:13 Nein, man muss doch jetzt auch mal sagen, man muss das regulieren. Nein, man muss nicht einfach mal was machen, sondern man muss halt regulieren. Und wir können es nicht so laufen lassen, wie es bisher war. Das bin ich auch so. Und wenn andere Staaten auch auf diese Idee kommen, dann bin ich doch nicht als Einzige mit der SPD-Fraktion, die sagen, dass diese Meinung ja komplett falsch ist. Also viele haben ja diese Probleme erkannt und am Ende, ich bin mir sicher, es wird zu einer europäischen Lösung ja nicht.

01:57:43 dann kommen zu einem Vorschlag, weil wir sind ja ein Teil von Europa alle. Warum machen dann alle ihre eigenen Papiere erstmal? Weil man sich positionieren muss, weil das doch innerhalb der Parteien doch auch ein Diskussionsprozess ist. Es ist jetzt nicht so, dass wir alle irgendwie morgens aufgestanden sind und sofort gedacht haben, ah ja, ich bin jetzt für oder gegen irgendeine Social Media oder für eine Regulierung. Das ist ja ein Prozess, der ja entsteht, ist doch bei allen Themen so. Genau, aber der, denke ich, dadurch entsteht, dass gerade generell gesellschaftlich drunter und drüber geht und dass man da auch oft die Hoffnung

01:58:12 hat, wie gesagt jetzt nicht bei dir persönlich oder vielleicht bei Parteien, aber in der Bevölkerung in der Diskussion haben viele wahrscheinlich die Hoffnung, dass sich da die Wogen glätten, dass alles wird so wie früher. Du meintest ja auch, die Kinder würden dann wieder rausgehen, was ich mir überhaupt nicht vorstellen kann. Aber in die Richtung müssen wir doch gehen. Ja, aber wieso denn? Weil früher alles besser war? Nein, aber dass Bewegung für Kinder zum Beispiel was Gutes ist. Ich will noch mal kurz anländern, dann kommen. Ich prognostiziere, falls es wirklich zu

01:58:41 einem Social Media Verbot kommen sollte, auch wie ihr es vorschlagt. Es wird eine Zweiklassengesellschaft geben, es wird Kinder geben und zwar sehr, sehr viele, wo die Eltern das einfach unter der Hand erlauben. Entweder, weil sie gar keine Zeit haben, das hat es schon auch gesagt, weil sie halt arbeiten müssen, vielleicht bald auch noch mal mehr als acht Stunden am Tag arbeiten müssen, weil sie vielleicht überfordert sind, weil sie vielleicht mehrere Geschwister haben, wir auch immer krank sind, was auch immer. Aber es wird eine Zweiklassengesellschaft geben, denn es ist bei weitem nicht so, dass die Eltern da mitziehen werden. Ganz viele werden nicht mitziehen. Das kann ich aus meiner Erfahrung auch sagen. Das wird nicht passieren.

01:59:10 Jetzt will ich Florian kurz fragen, weil der hat ja schon Erfahrung in Australien. Ich muss dich kurz unterbrechen. Florian, wie ist das denn? Was können wir hier sozusagen lernen? Stimmt das? Also zeigt sich das auch schon, diese Zweiklassengesellschaft, die jetzt gerade Nico angesprochen hat? Oh, dein Mikro? Entschuldige.

01:59:26 Dein Mikro, Florian? Die Eltern. Ah ja, perfekt, jetzt haben wir dich ja. Also wenn man gerade an die Eltern denkt, dann ist das natürlich ein Thema, weil die Eltern, die hatten sich davon wirklich viel versprochen, von diesem Social Media Verbot, weil ja in allen Familien immer die Diskussion aufkommt, wenn man Kinder im Teenageralter hat. Ich möchte auch Snapchat, Instagram haben, das haben alle in meiner Klasse, alle meine Freunde haben das, bitte, bitte. So, und da waren Eltern immer in einer schwierigen Situation.

01:59:54 Jetzt, wo das Gesetz da ist, können die Eltern sagen, pass mal auf, das ist verboten, genau wie Rauchen und Alkohol mit 16 verboten sind, du darfst es nicht, Punkt. Und das hat den Eltern eine Sicherheit gegeben und sie haben gesagt, okay, dann haben wir da auf jeden Fall eine Grundlage. Aber jetzt ist es so, also...

02:00:12 Wie gesagt, es sind erst zweieinhalb Monate, man kann auch nicht so viel sagen, aber natürlich spüren jetzt auch manche Eltern, ja okay, offensichtlich sind immer noch viele Jugendliche auf Social Media unterwegs und es gibt andere Eltern, die das erlauben. Das heißt, die sind dann jetzt doch wieder so einen Tick verunsichert und desillusioniert, weil es eben nicht konsequent und hart durchgesetzt wird. Das ist schon so.

02:00:36 Was würdest du sagen, so als letzte kurze Frage an dich, unterm Strich ist das jetzt bisher, du hast ja auch viele negative Aspekte schon gesagt, ein erfolgloses Projekt, ein erfolgreiches oder ist es noch viel zu früh für so eine abschließende Analyse schon? Also die Regierung hat ja einmal eine kurze Bilanz gezogen, hat sie gesagt, sie hätte 5 Millionen Accounts gesperrt. Das klingt erstmal viel, aber weil ja auch viele Leute mehrere Accounts haben.

02:01:05 Auf verschiedenen Plattformen muss man das ein bisschen relativieren. Und viele sehen das auch so, auch wir, wo wir da so drauf gucken, regelmäßig. Das ist jetzt einmal ein Versuch der Regierung, das zu...

02:01:19 regulieren und zu regeln. Und die Regierung sagt auch in Australien, wir gucken jetzt erst mal, wie das läuft. Und die lassen sich alle paar Wochen von den Plattformen die Zahlen zeigen, wie viele Konten gesperrt wurden und haben auch explizit gesagt, sie wollen da immer nachregulieren und immer noch mal nachstellen. Das ist jetzt also kein Gesetz, was einmal verabschiedet wurde und dann soll das laufen, sondern die haben sich bewusst offen gehalten, da noch mal zu korrigieren. Die Haltung dahinter ist einfach, wir machen jetzt einfach erst mal was und können dann immer noch sehen,

02:01:48 wie wir das verfeinern und justieren. Und das ist einfach spannend zu beobachten, wie das jetzt weitergeht im Alltag konkret. Vielen Dank. Darf ich eine Frage stellen, weil wir eben auch das Thema Minderheiten, über Minderheiten gesprochen haben? Wie wird dieses Thema dort diskutiert?

02:02:06 Das ist wie bei den meisten Jugendlichen auch, die lehnen das Verbot ab. In Australien muss man auch sehen, das ist ja ein riesengroßes Land, ein riesengroßer Kontinent. Gerade im Outback ist das total einsam. Also da sind die einzelnen Städte und Orte teilweise 200, 300 Kilometer voneinander entfernt. Und da ist einfach Social Media eine...

02:02:29 gute Gelegenheit, sich zu vernetzen und sich auseinanderzusetzen. Da kann man sich nicht mal eben besuchen gehen und zu den Nachbarn gehen. Deswegen sind da einfach viele dagegen und gerade bei Randgruppen, also bei Menschen mit Behinderung oder in der LGBTQ-Community, da wird das einfach auch kritisch gesehen, weil die meisten das Gefühl haben, hier sind wir eher unter Gleichgesinnten, hier können wir uns besser vernetzen. Also da ist die Haltung eher dagegen.

02:02:55 Vielen Dank, Florian. Ja, ähnlich wie gerade in unserer Diskussion hier in unserem Stream. Vielen Dank, Florian Barth, ARD-Korrespondent, unter anderem für Australien. Vielen Dank fürs frühe Ausstehen vor allem und ganz liebe Grüße und schönen Tag. Gerne. Ja, euch auch. Schönen Abend. Danke. Ciao. Ja, spannend irgendwie. Die zwei Stunden sind fast rum.

02:03:16 Hat sich eure Meinung, Janina Nico, so ein bisschen verändert jetzt nach diesen zwei Stunden Diskussionen? Hat sich da irgendwas justiert? Oder was nehmt ihr so mit? Also bei mir hat es auf jeden Fall so, wie komplex dieses Thema ja auch tatsächlich ist und dass viele Einzelaspekte da auch da sind, die vielleicht noch ein bisschen stärker beleuchtet werden müssen. Also gerade so das Thema Teilhabe von Minderheiten, das bewegt mich ja jetzt schon etwas. Also ich hatte diesen Aspekt schon auf dem Schirm, aber heute haben wir ihn ja noch mal so ein bisschen deutlicher hervorgehoben.

Fazit der Diskussion: Komplexität und Forschungsbedenken

02:03:45

02:03:45 Das ist tatsächlich was, aber ich muss darauf anknüpfen, das ist ja das, weil ich einfach auch mit so vielen Eltern auch in Gesprächen bin. Und das ist ja das, wo diese Hoffnung ja dann auch da ist, dass einfach auch die Eltern mal irgendwie auch ihren Kindern auch sagen können, so, das ist dann halt verboten. Und ich weiß, dass dieses Gesetz...

02:04:04 Natürlich. Also wie alle Gesetze. Es ist jetzt nicht so, dass irgendwie alle Gesetze total dicht sind und dass irgendwie, ja, wir haben, ich sage jetzt mal, Cannabis ist auch verboten. Noch ist ja noch gar kein Gesetz. Und trotzdem wird es konsumiert. Also so, noch ist es auch kein Gesetz. Aber ich finde, wir sollten beim Thema Social Media Verbot unter 14 nicht irgendwie den Anspruch haben, dass das jetzt...

02:04:24 zu 100 Prozent so perfekt ist. Ja, weil bei anderen Gesetzen hast du auch immer Gruppen, die das ja dann auch ausnutzen. Mir ist ganz wichtig, dass wir eben den Kinder- und Jugendschutz, vor allem den Kinderschutz, weil es etwas kürzer fassen, dass wir den einfach im Blick haben. Und deswegen, ich bleibe bei meiner Position. Ich bleibe dabei, aber ich bin da total auch offen, dass wir die anderen Entwicklungen jetzt in Australien, finde ich total spannend, wie dann vielleicht nach einem Jahr oder nach

02:04:53 nach zwei Jahren tatsächlich die Entwicklung ist und wieder auch irgendwie noch mal nachgefasst wird, dass man das auf jeden Fall weiterhin beobachtet. Vielen Dank. Ja, das wäre wirklich sehr, sehr wichtig. Nico ist jetzt für ein Verbot plötzlich. Nein, das tatsächlich auch nicht. Ich habe jetzt auch den letzten Teil vom Prosponenten überhaupt nicht gehört, deswegen kann ich darauf nicht mehr zugreifen. Aber grundsätzlich, genau, jetzt bin ich tatsächlich ein bisschen rausgekommen. Was hast du mitgenommen? Also jetzt von den zwei Stunden hast du ein bisschen auch was an der Position noch mal verändert. Was nimmst du mit?

02:05:22 Oder war es dann so spannend? Ja, also spannend fand ich jetzt vor allen Dingen hier aus der Community, das zu hören und auch im Chat die Nachrichten, die du gelesen hast. Und da wirklich mal die Perspektiven. Und ich glaube, das war ja auch für dich sehr interessant. Also für mich ist es genauso interessant, da den Blickwinkel zu erweitern. Grundsätzlich, aber und das finde ich wirklich auch das Wichtigste, neben dem Fakt, dass Plattformen Geld verdienen wollen. Und das glaube ich das Hauptproblem ist, dass es einfach nicht genug wissenschaftliche Untersuchungen gibt. Und deswegen ist es sehr gut, dass jetzt auch dann Australien irgendwann mal untersucht wird und dann mal geguckt wird.

02:05:52 was wir bei Christian Montag mitgenommen haben. Es korreliert, aber die Frage ist, was ist zuerst da? Gehen die Leute auf Social Media, weil es vielleicht schlecht geht oder wird denen durch Social Media schlecht? Ihr wisst, was ich meine. Es gibt viel zu wenig Zahlen. Die Politik magst du jetzt nicht, aber da müsste man mehr Geld reinstecken und mehr forschen.

02:06:21 Vielen Dank, Jasmina Hostert, Nico Kappert für euren Besuch. Und wenn ihr da draußen weiter diskutieren wollt, auch vielen Dank an den Chat, viele spannende Kommentare. Ihr habt sie unglaublich bereichert, auch die Zuschaltung. Ich bin ganz begeistert. Wenn ihr direkt weiter diskutieren wollt morgen Abend, da geht es beim Mixed Talk um die Frage, gehört Politik in Videospiele? Auch ein spannendes Thema. Ja, auch interessant. Die beiden sind vielleicht auch dabei.

02:06:43 Und zum Schluss gibt es allerdings auch noch eine sehr, sehr traurige Nachricht jetzt sozusagen in eigener Sache. Politik und wir gibt es leider nicht mehr lange. Das hier war der vorletzte Stream und für mich tatsächlich heute auch der allerletzte Stream.

02:06:55 Ja, danke euch, liebe Community, für ganz viele spannende Streams, wie auch heute Abend ganz viele tolle, kluge Kommentare, Zuschaltungen, Ideen. Ich habe immer selber ganz viel mitnehmen dürfen in der Zeit, auch ganz viele verschiedene Perspektiven auf Themen kennengelernt. Vielen Dank euch. Ja, bleibt neugierig und vor allem dem ARD Twitch-Kanal auch weiter treu. So, jetzt erstmal einen schönen Abend. Tschüss.