VTuber @asche @elliawald @shirahiko @himechiivt live bei MixTalk
VTuber diskutieren parasoziale Beziehungen
Es wurden die einseitigen Verhältnisse zwischen VTubern und ihrem Publikum erörtert. Dabei wurde erklärt, dass nicht nur Zuschauer parasoziale Beziehungen aufbauen, sondern auch die Creator emotional stark vom Chat abhängig sein können. Die Gäste betonten die Notwendigkeit, zwischen dem Charakter und der realen Person zu differenzieren, um toxische Entwicklungen zu vermeiden.
Einführung und Gästevorstellung
00:20:09Der Stream beginnt mit einer Begrüßung der Zuschauer und einer humorvollen Auseinandersetzung des Moderators mit den technischen Herausforderungen des VTubing. Es werden die Gäste Asche und Elia Wald begrüßt und angekündigt, dass der Stream auch für Zuschauer am Ende geöffnet werden soll, um sich aktiv am Gespräch zu beteiligen. Zudem wird der Begriff VTuber als Personen erklärt, die mit einem Avatar anstelle ihres echten Gesichts streamen und dabei ihr Gesicht per Webcam tracken.
Anfänge und Entwicklung der VTuber-Szene
00:28:21Asche erzählt von ihren Anfängen im Mai 2021 in der deutschen VTuber-Szene, die zu dieser Zeit noch sehr klein war. Sie kam über das japanische Hololive zum VTubing, da sie damals selbst keine Streamer schaute. Sie beschreibt die Entwicklung von einer Nischenszene mit strengen Regeln und hohem Rollenspiel-Anteil zu einer breiteren Community, die auch mehr Normies anzieht. Das Technische und die kulturellen Barrieren haben sich im Laufe der Jahre deutlich gelockert.
Technische Aspekte und Kosten des VTuberings
00:37:57Die Gäste gehen auf die unterschiedlichen Arten von VTuber-Modellen ein, von 2D bis hin zu 3D, und erläutern den Rigging-Prozess, bei dem ein statisches Bild zum animierbaren Avatar wird. Die Kosten für den Einstieg werden als sehr unterschiedlich beschrieben und reichen von selbstgemachten, kostenlosen Modellen bis hin zu teuren Aufträgen bei professionellen Künstlern und Rigern. Es wird betont, dass gutes Equipment für den Ton wichtiger ist als das teuerste Modell.
Definition und kulturelle Einordnung von VTubing
00:52:28Es wird diskutiert, ab wann man als VTuber gilt. Während eine technische Definition das Verbergen des Gesichts durch ein Avatar-Bild umfasst, betonen die Gäste die kulturelle Komponente des Begriffs. Viele traditionelle Content-Fallen nicht unter die Selbstbezeichnung VTuber, obwohl sie die technische Definition erfüllen. Auch die Frage, ob VTuber zwingend Anime-Charaktere sein müssen, wird verneint, wobei der anime-lastige Ursprung jedoch prägend für die Szene bleibt.
Geschlechterverhältnis und Herausforderungen in der VTuber-Szene
00:56:18Das Gespräch thematisiert die Dominanz weiblicher VTuber und die geringere Anzahl männlicher Creators. Dies wird auf kulturelle Gründe im Anime-Bereich zurückgeführt, in dem mehr Künstler weibliche Charaktere zeichnen, sowie auf die schwierigere Marktsituation für männliche Modelle. Zudem werden die unterschiedlichen Herausforderungen von weiblichen und männlichen VTubern analysiert, von der Gewinnung von Zuschauern bis zu spezifischen Erwartungen der Community.
Parasoziale Beziehungen in der Streaming-Kultur
01:02:32Ein zentrales Thema sind parasoziale Beziehungen zwischen Streamern und ihrer Community. Es wird erklärt, dass ein gewisses Maß an Parasozialität für Streaming notwendig ist, da Zuschauer eine Verbindung zum Streamer aufbauen, die sie finanziell unterstützen. Besonders im VTubing-Bereich gibt es durch die Wifu-Kultur und den Idol-Hintergrund Tendenzen zu toxischen Entwicklungen, die bewusst thematisiert und differenziert werden müssen.
Differenzierung zwischen Charakter und Person und Waifu-Kultur
01:07:06Die Gäste betonen die Wichtigkeit, zwischen dem VTuber-Charakter (Avatar) und der realen Person dahinter zu differenzieren. Sie erläutern die Waifu-Kultur, die aus der Anime-Szene stammt und in der man einen weiblichen Charakter besonders schätzt. Während Merchandise und Fan-Art zum normalen Leben dazu gehören können, wird kritisch hinterfragt, wie diese Grenzen in der VTuber-Szene gezogen werden sollten, um toxische Entwicklungen zu vermeiden.
Zweiteiligkeit parasozialer Beziehungen
01:08:33Es wird der Punkt eingeführt, dass parasoziale Beziehungen nicht nur vom Chat zum Streamer existieren, sondern auch umgekehrt. Streamer können emotional stark vom Chat abhängig sein und diesen als emotionale Stütze benötigen. Diese einseitige Abhängigkeit kann für den Streamer problematisch werden und zeigt, dass parasoziale Dynamiken von beiden Seiten zu toxischen Verhaltensweisen führen können, wenn sie nicht reflektiert werden.
Diskussion über Parasoziales Verhalten und Körperbilder
01:09:40Das Gespräch widmet sich den parasozialen Beziehungen im VTuber-Bereich, die sowohl vom Streamer als auch vom Publikum ausgehen können. Insbesondere weibliche VTuber stehen häufig unter dem Druck, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen, indem Körperproportionen angepasst werden. Dies führt zu einer ständigen Debatte über Sexualisierung, bei der VTuber fälschlicherweise pauschal abgestempelt werden. Es wird betont, dass Grauzonen existieren und die Motivation der VTuber, bestimmte Modelle zu wählen, vielfältig sein kann. Manche wählen das Ideal, weil sie glauben, es müsse für den Erfolg erfüllt werden, andere entscheidene sich aus persönlichen ästhetischen Vorlieben.
Asche's Persönliche Haltung zur Charaktergestaltung
01:14:55Asche teilt ihre persönliche Erfahrung mit der Gestaltung ihres eigenen Models, das sie selbst gezeichnet hat. Ihre Intention war, ein Avatar zu schaffen, den sie selbst als attraktiv betrachtet, da sie dauerhaft auf diesen schaut. Sie merkt an, dass ihr Geschmack sich zufällig mit dem deckt, was die Zuschauer attraktiv finden. Sie bekräftigt, dass die Entscheidung, ein bestimmtes Aussehen zu wählen, für jeden VTuber individuell getroffen wird. Während einige das Model ihrer tatsächlichen Körperform anpassen, tun es andere bewusst aus persönlichen ästhetischen Vorlieben, ohne dass das zwangsläufig eine Absicht hat, um eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen.
Asche's Wunsch: Weg von der VTuber-Bubble hin zu Streamern
01:15:21Asche äußert ihren Wunsch, dass sich die VTuber-Community vom Label 'VTuber' distanziert und sich primär als 'Streamer' sieht. Sie argumentiert, dass der Begriff 'VTuber' eine Art Blase geschaffen hat, die durch die gemeinsame Erfahrung von Mobbing in der Vergangenheit entstand. Diese Blase verhindert, dass sich die Community öffnet und mit anderen Streamer-Formaten wie Facecam-Streamern oder dem Rest der Streaming-Welt vernetzt. Sie betont, dass der Begriff 'VTuber' nur eine Beschreibung sein sollte, aber nicht die Identität definieren sollte. Ein fester Fokus auf den Begriff 'Streamer' würde die Community laut Asche inklusiver machen und Mauern einreißen.
Shirahikos Werdegang und Entscheidung für Englisch
01:20:22Shirahiko erzählt von ihrem zufälligen Einstieg in das Content Creating. Ursprünglich wollte sie nur lustige Clip-Videos auf YouTube erstellen und begann dann zu streamen, ohne dass ihr die VTuber-Szene bekannt war. Sie entschied sich bewusst dafür, auf Englisch zu streamen, da sie international aufgewachsen ist, hauptsächlich englischen Content konsumierte und ihre Freunde ebenfalls englischsprachig waren. Für sie erschien es sinnlos, auf Deutsch zu streamen, da ihre Zielgruppe und ihr Umfeld englischsprachig sind. Für sie ist die Wahl der Sprache direkt mit ihrem sozialen Umfeld verknüpft.
Vergleich von deutschen, englischen und japanischen Communities
01:23:46Anhand einer Statistik zur Zuschauerherkunft von Top-100-VTubern wird diskutiert, wie sich die Communities unterscheiden. Der japanische Raum dominiert mit 82 % der Zuschauerstunden, gefolgt von den englischsprachigen Ländern. Shirahiko bestätigt, dass der englische VTuber-Raum im Vergleich zum japanischen riesig ist und bereits ein starkes Wachstum zeigt. Elia merkt an, dass der deutsche Raum aufgrund der geografischen Nähe und gemeinsamen Kultur enger vernetzt ist. Im internationalen Raum hingegen sei die Community durch Zeitzonen und kulturelle Unterschiede weniger direkt miteinander verbunden.
Die Vielfalt der Wege in die VTuber-Karriere
01:34:45Die Gäste diskutieren ihre unterschiedlichen Wege, Content Creator zu werden und den VTuber-Weg einzuschlagen. Shirahiko ist Video-Editor und Motion-Graphic-Designer und brachte diese beruflichen Fähigkeiten direkt in ihre Creator-Tätigkeit mit. Sie lernte autodidaktisch und hinter die Kulissen des Contents. Himichi hingegen wurde von HoloLive inspiriert, nutzte ihre kreativen Fähigkeiten wie Zeichnen und Singen und verband diese mit der Rolle eines VTubers, um sich als Charakter auszudrücken. Der Wunsch, sich hinter einer Figur zu verstecken und nicht das eigene Gesicht zu zeigen, war für beide ein wesentlicher Grund für den Wechsel zum VTubing.
Herausforderungen bei Product Placements für VTuber
01:46:40Ein zentrales Thema ist die Schwierigkeit, als VTuber Product Placements anzubieten. Während Facecam-Streamer Produkte einfach in die Hand nehmen können, benötigen VTuber alternative Methoden wie Handcams oder das digitale Einblenden von Produkten auf ihren Avatar. Die größte Herausforderung ist, bei potenziellen Werbepartnern das Verständnis zu wecken, dass diese Methoden ebenso effektiv sind. Während es für deutsche VTuber langsam besser wird, ist es für internationale Streamer wie Shirahiko besonders kompliziert, da ihr Publikum in unterschiedlichen Zeitzonen sitzt und das Marketingbudget oft nur für den lokalen Markt gilt.
Vergleich von VTuber-Agenturen und Managements
01:52:09Es wird zwischen regulären Managements und speziellen VTuber-Agenturen wie Hololive oder Bishoujo unterschieden. Shirahiko ist in einem regulären Management, das sie als Influencer behandelt, ohne spezifische VTuber-Regeln. Es wird die historische Bedeutung von Bishoujo hervorgehoben, das einen freieren, nicht-idol-lastigen Ansatz auf Twitch etablierte und die Szene maßgeblich prägte. Im Vergleich dazu wird Hololive auf YouTube als stärker idol-geprägt wahrgenommen. Der Konflikt um den Ausstieg von Iron Mouse aus Bishoujoe wird kurz erwähnt und unterstreicht die problematische finanzielle Lage der Agentur, die die gesamte Szene beeinflusste.
Kontroverse um Vichurjuf Agentur
01:57:46Es wurde der Vorwurf laut, dass die VTuber-Agentur Vichurjuf über 500.000 US-Dollar aus einem Charity-Stream hinterzogen haben. Nachdem sie erfolglos versuchte, Informationen von der Agentur zu erhalten, entschied sie sich, den Fall öffentlich zu machen. Daraufhin meldeten sich weitere VTuber der Agentur zu Wort und berichteten von ähnlichen Vorfällen, was den Druck auf das Unternehmen erhöhte und zum Verlassen weiterer Creator und Forderungen der Fans nach Aufklärung führte. Der CEO Justin Ignacio äußerte sich später auf X und räumte die unrechtmäßige Geldverwendung ein.
Image von VTuber-Agenturen
01:59:12Diskutiert wurde über das Image von Agenturen und Managements im VTuber-Bereich nach der Skandale. Shira merkte an, dass oft anfängliche Pessimismus und 'Doom'-Stimmung in eine vorsichtigere Haltung umschlage. Sie betonte, dass es nicht schlecht sei, sich Verträge genau anzusehen und kritisch zu hinterfragen, anstatt blind das Beste zu erwarten. Dies führe zu einer größeren Vorsicht bei der Auswahl von Agenturen.
Technische Aspekte des VTuber-Modells
02:04:45Es wurden die technischen und finanziellen Aspekte von VTuber-Modeln besprochen. Hime erklärte, dass das Erstellen und Anpassen von 3D- oder 2D-Modellen sehr teuer sein kann und oft eine langfristige Investition darstellt. Sie selbst habe in fünf Jahren nur vier Model genutzt, da die Kosten hoch sind und Künstler oft auf Wartelisten stehen. Stattdessen setze sie eher auf verschiedene Outfits und Assets, um ihren Avatar zu variieren, was kostengünstiger und flexibler ist.
Einstellungen und Parametrisierung
02:08:16Hime zeigte im Detail, wie sie ihr 3D-Model in YouTube Studio einstellt. Sie erklärte, dass es sich dabei um die Endnutzer-Ebene handelt, auf der man Parameter wie Physik-Stärke, Augenöffnung oder Mundbewegung anpassen kann. Diese Werte sind trying-and-error-mäßig herauszufinden und müssen oft an das eigene Gesicht angepasst werden, um eine optimale Ausdrucksfähigkeit zu erzielen. Ein guter Rigger hilft hierbei, die Werte passend vorzugeben.
Tipps für angehende VTuber
02:18:07Hime gab angehenden VTubern den Rat, nicht viel Geld am Anfang auszugeben. Sie empfahl, zuerst mit kostengünstigen, anpassbaren Avatares wie V-Royd zu experimentieren, um zu prüfen, ob das VTubing das Richtige ist. Der wichtigste Punkt sei ein gutes Mikrofon, da die Audioqualität für jeden Content Creator entscheidend ist. Man solle aus Spaß an der Sache starten und die Technik in den Hintergrund stellen.
VTubing als sicherer Raum
02:28:31Ein weiterer Gast berichtete, dass VTubing für sie als neurodiverser Person ein sicherer Raum sei. Da sie sich in echten sozialen Situationen schwer tue, ermöglicht ihr das VTuber-Modell, authentisch zu sein und mit der Community zu interagieren, ohne sich beobachtet oder missverstanden zu fühlen. Sie braucht keinen Augenkontakt und kann soziale Gepflogenheiten umgehen, was ihr eine große Erleichterung und Freiheit verschafft.
Die Bedeutung des Avatars
02:34:44Ein weiterer VTuber, Kor, erklärte, dass sein Avatar eine Kunstfigur ist, die ihn seit 20 Jahren begleitet und Teil seiner Identität ist. Sein Avatar repräsentiert ihn im Internet und ist ihm persönlich sehr nah. Für ihn ist es mehr als nur ein Alter Ego, sondern ein wichtiger Teil seines Lebens, mit dem er sich emotional stark verbunden fühlt und dessen Integrität ihm wichtig ist.
Abschluss und Ausblick
02:43:02Der Stream endete mit einem Dank an die Community und die Gäste, die viele Einblicke in die VTuber-Welt ermöglichten. Der Moderator betonte, dass VTuber auch Streamer sind und eine engagierte Community haben. Es wurde erwähnt, dass nicht alle Themen vertieft werden konnten, aber die Möglichkeit bestehe, diese in zukünftigen Streams aufzugreifen. Als Ausblick wurde angekündigt, dass nächste Woche über Simulatoren gesprochen wird, und die Zuschauer wurden zum Folgen und weiteren Mitmachen eingeladen.