Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz – ARD-Sommerinterview und Analyse
Kanzler Merz im Interview: Reformen, Kritik und niedrige Zustimmungswerte
Im Rahmen einer Live-Analyse wurden Aussagen des Kanzlers zu verschiedenen politischen Themen überprüft. Wirtschaftliche Potenziale, die Reduktion der Migration und der Verteidigungshaushalt standen im Fokus. Niedrige Zustimmungswerte und die anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wurden als Herausforderungen benannt.
Einführung und Struktur des Streams
00:15:0100:15:01 Herzlich willkommen zum Analyse-Teil und zum Faktencheck rund um das ARD-Sommerinterview. Wir haben heute Bundeskanzler Friedrich Merz zu Gast. Und es gibt eine kleine Besonderheit, die ist anders als in den letzten Wochen. Ihr könnt heute noch live Fragen an den Kanzler stellen, denn beide Interviews, das...
00:15:18 klassische Sommerinterview und der Community-Teil danach, die sind heute live. Das heißt, schreibt uns gerne mal, was ihr vom Kanzler wissen wollt. Das könnt ihr entweder bei YouTube auf dem Kanal der Tagesschau machen oder bei Twitch auf dem Kanal der ARD. Also nochmal zum Mitschreiben bei YouTube, bei der Tagesschau und bei Twitch auf dem Kanal der ARD. Und wie gesagt, zum zweiten Teil des Sommerinterviews kommen dann einige dieser Fragen an den Kanzler dran.
Interaktive Teilnahmeoptionen für die Community
00:15:4100:15:41 Wenn ihr euch im Chat beteiligen wollt, dann gilt, bleibt gerne respektvoll miteinander, seid lieb zueinander und behandelt euch mit Wertschätzung. Diskutiert aber trotzdem gerne kritisch miteinander.
Vorstellung des Faktencheck-Teams und Kontext
00:15:5200:15:52 Und ihr seht es vielleicht schon, ich stehe hier bei unserem Faktencheck-Team, das gleich zuhört und sich die wichtigsten Aussagen aus dem Interview genauer anguckt, schaut, was ist richtig, was braucht vielleicht noch ein bisschen Kontext und was stimmt nicht. Und das wollen wir hier alles dann gemeinsam besprechen mit Carla Rewe Land, Pascal Sigelko, Nicole Konert und Jakob Mayer. Und da freue ich mich drauf, ich habe auch schon im Chat gelesen, dass uns Jörn geschrieben hat, dass er glaubt, dass es ein spannender Abend wird. Das glauben wir auch.
00:16:20 Und spannend könnte es auch werden, weil Friedrich Merz in einer spannenden Situation aktuell ist. Denn seine Regierung, die hat sich viel vorgenommen. Die möchte einen Reformherbst machen und aus der eigenen Partei, könnte man sagen, gibt es aber an der einen oder anderen Stelle ein bisschen Kritik. Wie groß der Druck auf Friedrich Merz gerade ist, das wollen wir uns jetzt mal gemeinsam angucken.
Politische Lage und Regierungsziele
00:16:4100:16:42 Schluss mit Sommerpause. Das Kabinett und sein Chef in diesem Herbst wollen sie liefern, ist zumindest das Versprechen. Viele Reformen umsetzen, die aber umstritten sind. Der Chef fordert schon mal vorab mehr gute Laune. Wir müssen raus aus diesem Klima der Verdrießlichkeit und des Verdrusses. Wir müssen gemeinsam diesen weitverbreiteten Missmut abschütteln, der unser Land.
00:17:07 seit langer Zeit lähmt. Doch der Druck auf Merz steigt. Denn vor den drei Landtagswahlen im September steht die CDU in Umfragen nicht gut da. Vor allem in Sachsen-Anhalt ist die AfD stärker, präsenter, lauter. Die CDU-Wahlkämpfer hier spüren den Unmut auf die Bundesregierung und Merz persönlich. Mein Lieblingsbeispiel ist im Moment, wenn der Bundeskanzler sagt, er ist in der Mittelschicht und er hat eine siebenstellige Summe auf seinem Konto. Was bin ich denn dann?
Kritik an Merz' sozialer Position und Parteivertrauen
00:17:3600:17:36 und ich bin normal arbeitend, also ich bin nicht arm, da denke ich, da stimmt was nicht mehr. Sie werben dafür, nicht die Partei in Sachsen-Anhalt abzustrafen. Mir ist wichtig, einfach zu sagen, dass es hier um eine Landtagswahl geht, dass es um die CDU geht und dass das die Wahleinscheidung beeinflussen sollte und nicht, wie man vielleicht über die aktuelle Bundesregierung denkt. Das alles kratzt auch an Merz' Autorität, setzt der Koalition zu. Er wünscht sich für die kommende Zeit ... Kein Streit.
00:18:05 Noch sieht man es locker. Aber in diesem Herbst entscheidet sich, wie stabil ist Merz Kanzlerschaft. Wie stabil ist Merz Kanzlerschaft? Darüber will ich jetzt mit Nicole Konert sprechen. Nicole, du bist hier Korrespondentin im ARD Hauptstadtstudio, beschäftigt sich schon lange mit der Bundesregierung, mit der SPD und auch mit Finanzpolitik. Du warst ja auch dabei, als sich die Regierung jetzt in Neuhadenberg, also in Brandenburg, getroffen hat und noch mal geredet hat darüber, was jetzt alles so ansteht. Wie war denn da die Stimmung so?
Teambuilding und Regierungsklima in Neuhadenberg
00:18:3400:18:34 Ja, man hatte schon so den Eindruck, die verordnen sich jetzt selber auch Optimismus, also weniger Missmut, mehr Optimismus. Und man muss sich das so vorstellen, es war eine unglaublich schöne Kulisse, also ein Schloss in Neuhadenberg, 70 Kilometer von Berlin entfernt, also von hier vom Bundestag, von allem von der politischen Mitte hier, die hier immer diskutiert und wo es ganz viele Entscheidungen gibt. Also es war so eine Teambuilding-Maßnahme in Neuhadenberg mit einem schönen See davor.
00:19:01 Und da haben die sich mal zusammengesetzt und mal wirklich geredet. Also was müssen wir jetzt in Zukunft machen? Wie ist die Stimmung in Deutschland? Die haben sich auch Leute eingeladen. Also da gab es Startups, die erzählt haben, wie es geht es der deutschen Wirtschaft. Da gab es einen Drohnenhersteller, dann wurden Drohnen gezeigt, wie Drohnen funktionieren. Und da gab es immer auch welche auf dem Handwerk, die gesagt haben, die Stimmung ist gerade eigentlich gar nicht so gut. Und das alles war eben in den zwei Tagen, saßen die zusammen.
00:19:24 Sie sind dann rausgegangen und gesagt, jetzt werden wir es Ruder, oder zumindest sollte das das Signal sein, jetzt werden wir es Ruder rumreißen, jetzt wollen wir wirklich reformen und vor allem weniger Streit. Kein Streit. Ja, was kann man denn sagen, du hast jetzt gerade Teambuilding-Maßnahme gesagt. Hat sich denn irgendwas konkret jetzt verändert nach diesen zwei Tagen oder war das jetzt vor allem erstmal für die gute Stimmung in den nächsten Wochen? Teils, teils. Also es war eine Teambuilding-Maßnahme, die sind morgens joggen gegangen, Fahrradfahren zusammen. Da hat man auch geguckt, dass...
Kritik an Merz' Kommunikationsstil und Parteivertrauen
00:19:5100:19:51 sowohl welche aus dem SPD-Mitglieder, also SPD-Minister und auch CDU-Minister zusammen irgendwie was machen. Es gab auch ja, man muss dann Teambuilding-Maßnahmen machen, weil es waren ja auch komplett neue Leute da. Also plötzlich ist da ein Carsten Linnemann vorbeigelaufen an einem, der war aber eben, ist jetzt Gesundheitsminister oder eine Nina Magen, die ist nicht mehr Gesundheitsministerin, sondern Kanzleramtschefin oder ein komplett neuer Verkehrsminister, Herr Bilger.
00:20:17 Dieses Team musste sich erstmal finden, man musste sehen, okay, was machen wir jetzt neu in dieser Konstellation und man musste sich auch mal in die Augen gucken und sagen, okay, wir haben jetzt wirklich Kompromisse eigentlich vor der Sommerpause zusammen geschaffen. Schaffen wir es, diese Kompromisse auch wirklich umzusetzen bei den vielen Reformen? Ein Thema, was auch immer wieder kam, gerade auch in den Kommentaren, die wir so vorab bekommen haben, war der Urlaub von Friedrich Merz. Über den wurde viel gesprochen. Hier hat uns eine Person geschrieben bei Twitch, ich glaube ehrlicherweise nicht, dass Friedrich Merz im Oktober noch Kanzler sein wird.
Urlaub und politische Stabilität
00:20:4600:20:46 Zumindest wirkt er nach den vier Wochen Urlaub genauso angefasst und dünnhäutig wie davor. Was glaubst du denn, mit welchem Friedrich Merz können wir heute im Sommerinterview rechnen? Also es waren nicht vier Wochen Urlaub, es waren 23 Tage. Und wenn man dem Regierungssprecher und eben dem ganzen Team um den Kanzler zuhört, dann heißt das immer, wer hat eigentlich nicht nur Urlaub gehabt, der hat ja gearbeitet. Und das stimmt auch, also der hatte Konferenzen, Online-Konferenzen, der musste viele Entscheidungen treffen.
00:21:11 Wie entspannt ist er jetzt? Naja, also der hat schon sehr viel, der kriegt schon die Stimmung mit. Es läuft gerade nicht rund, es läuft gerade nicht gut in der Wirtschaft, die Stimmung ist nicht gut und es sind eben auch diese Landtagswahlen in Ostdeutschland, stehen vor der Tür und da kriegt er ganz schön Feedback von den Wahlkämpfern, was tatsächlich die Leute denken über die Arbeit der Bundesregierung, über die Arbeit des Bundeskanzlers und ja, das geht nicht so an ihn vorüber. Was ihm wahrscheinlich auch nicht so gute Laune macht, sind seine...
00:21:38 persönlichen Beliebtheitswerte. Da haben wir uns mal den ARD Deutschland Trend angeguckt vom August. Da sind 14 Prozent zufrieden mit der Arbeit von ihm als Bundeskanzler. Ist das jetzt ein besonders schlechter Wert, wenn man sich so andere Bundeskanzler anguckt? Ja, der ist ziemlich schlecht, sogar historisch schlecht. Also 14 Prozent, das ist überhaupt nicht gut. Es ist wirklich, dass man sich fragt, wie konnte das denn eigentlich passieren? Das ist normalerweise, wenn ein Kanzler eine Regierung antritt, dass dann die Zufriedenheitswerte...
Beliebtheitskrise und Koalitionsdruck
00:22:0600:22:06 sinken, das ist normal, weil dann alle erstmal wirklich sehen, okay, was kriegt diese Regierung, was kriegt dieser Kanzler hin. Aber 14 Prozent, ich sag mal so, das war auch nicht bei Ihnen Vorgängern so. Vorgänger, also wenn wir auf Olaf Scholz oder Angela Merkel gucken, dann ist Friedrich Merz mit Abstand derjenige, der da aktuell die schlechtesten Werte hat. Bei Olaf Scholz waren es 36 Prozent nach dem ersten Jahr. Das ist auch nicht toll und man hat auch gemerkt, Olaf Scholz...
00:22:29 Da fliegen jetzt nicht die Herzen zu unbedingt, aber so einen niedrigen Wert wie Kanzler Merz hat, das ist schon erstaunlich. Glaubst du, er steht deswegen noch mehr unter Druck aktuell? Oder kann man das so wegwischen und sagen, persönliche Beliebtheitswerte, am Ende zählt die Politik, die wir machen? Das geht auch nicht an ihm vorbei. Ich meine, ein Kanzler möchte auch irgendwie...
00:22:50 Dass die Bevölkerung zufrieden ist mit der eigenen Arbeit. Das ist das eine. Das andere ist aber auch tatsächlich, was macht es auch mit der Partei rund um Friedrich Merz und der Bundesregierung. Tatsächlich ist es ja so, dass auch die Partei merkt, okay, unser Kanzler kommt nicht gut an. Sie merken es im Landtagswahlkampf, dass man da eigentlich mit Friedrich Merz als Kanzler nicht punkten kann. Dass es eher belastend ist, als dass es gerade irgendwie viel Rückenwind für die Wahlkämpfer in den verschiedenen Bundesländern, wo eben Landtagswahlkampf...
Wahlen in Sachsen-Anhalt als Schlüsseltest
00:23:2000:23:20 jetzt ganz entscheidend sein werden. Der Rückenwind ist nicht da durch den Kanzler und deswegen ist der Kanzler auch unter Druck, weil er merkt, okay, man ist nicht zufrieden mit ihm als Person, mit der Arbeit der Bundesregierung gerade auch nicht und sie müssen einfach jetzt auch Landtagswahlen gewinnen. Ich schaue hier gerade immer mal wieder so parallel in den Chat und hier hat uns Avocado-Banane bei Twitch geschrieben. Bei historisch schlechten Umfragewerten, warum wird dann nicht die Vertrauensfrage gestellt?
00:23:43 Ja, da sind wir auch noch nicht. Wir sind noch nicht bei der Vertrauensfrage. Und im Moment versucht diese Bundesregierung ja auch einfach noch Reformen umzusetzen. Und man merkt auch immer wieder, der Kanzler und die Bundesregierung, die setzen sich so Deadlines. Also bis zum Herbst sollen eben Reformen, zum Beispiel Rentenreformen kommen. Der Kanzler hat in Neuhadenberg auch gesagt, naja, wir werden auch Ergebnisse bis zum Ende des Jahres präsentieren, die sich sehen lassen können. Also die Erwartungen sind so hoch. Und er verspricht, wir werden jetzt auch wirklich was machen.
00:24:13 Und man will auch einfach eine Stabilität in der Bundesregierung haben, weil was ist die Alternative? Wer wäre der andere Kanzlerkandidat? Was würde das mit der Bundesregierung bedeuten? Was ist, wenn neue Wahlen wären? Also man möchte einfach weitermachen, man möchte eine stabile Regierung weiterhin versuchen. Es ist kompliziert. Die Umfragen sind so, wie sie sind, aber im Moment steht das noch nicht zur Debatte. Das hast du gerade auch schon so ein bisschen angeteasert. Was auch kompliziert werden könnte, ist...
Reformen und politische Ziele
00:24:3800:24:38 die Wahl in Sachsen-Anhalt bzw. die Konsequenzen, die das potenziell für die Bundesregierung haben könnte, bzw. glaubst du, das hat Konsequenzen für die Bundesregierung, wenn die CDU in Sachsen-Anhalt jetzt erwartbar oder vielleicht ja auch noch ist noch die Wahl nicht geschafft, aber wenn die CDU da nicht so gute Werte am Ende mit nach Hause nimmt? Natürlich, also das hat sowohl für die CDU als auch die SPD natürlich Konsequenzen, weil man natürlich möchte eine stabile Regierung in Sachsen-Anhalt zum Beispiel haben.
00:25:04 Welche Konstellation, wer kann da mit wem zusammen tatsächlich eine stabile Regierung bilden? Welche Entscheidungen können sie treffen? Was heißt es auch für die Arbeit der Bundesregierung? Welche Reformen, welche Entscheidungen kamen da gar nicht an? Müssen sie vielleicht nochmal umsteuern? Also das kann eine richtige Kettenreaktion eben auch verursachen, je nachdem, wie das ausgeht. Auch welche Regierung man da am Ende haben wird, wer die absolute Mehrheit hat oder ob man es schafft, eine stabile Regierung zu gründen, wer da reinkommt.
00:25:33 Also da ist so viel im Fluss und deswegen gucken alle sehr gebannt auf diese Landtagswahl. Und was würdest du sagen, das haben wir ja gerade auch schon kurz in dem Einspieler gesehen, ist da Friedrich Merz im Wahlkampf gerade jemand, der die Leute noch bewegen kann oder sollte der eigentlich für die Wahlkämpfer gerade lieber ein bisschen versteckt bleiben?
Migrationspolitik unter Druck
00:25:4900:25:49 Das, was man so hört aus dem Wahlkampf, ist, bitte Berlin, bitte alle aus Berlin, bleibt weg, lasst uns hier unsere Arbeit machen. Weil alles, was die Bundesregierung so beschlossen hat oder ins Schaufenster gestellt hat, also ob das jetzt zum Beispiel die Abschaffung der Frührente ist, also abflagsfreie Rente nach 45 Jahren oder erster Tag Krankschreibung oder eben auch Gesundheitsreform oder eben das Gefühl, wo sind eigentlich die Entlastungen, das alles kommt gerade in den Landtagswahlkämpfen nicht gut an, an den Wahlkämpfen.
00:26:18 auch in Sachsen-Anhalt und man merkt da, die wollen mit der Berliner Politik gerade nicht viel zu tun haben. Die wollen eigentlich wissen, was machen die vor Ort für uns. Und da hilft es nicht unbedingt, wenn dann so ein Kanzler vorbeikommt oder auch der Vizekanzler. Man versucht eher die Abgeordneten da, die da kandidieren. Die möchten eigentlich, möchten so gut wie möglich zeigen, wir machen es irgendwie anders und wir machen was für dich vor Ort. Und bitte Berlin, bleib zu Hause. Das ist das, was wir immer so hören.
00:26:44 Ich möchte noch einmal ganz kurz in den Chat mit dir gemeinsam gucken. Da hat uns Maik eine Frage gestellt. Und zwar hat Merz in der letzten Regierung nicht auch Druck gemacht, dass Scholz die Vertrauensfrage stellen soll, als es um die Umfragewerte ging. Vielleicht kannst du uns da einmal weiterhelfen. Das war, glaube ich, als Friedrich Merz in der noch Oppositionsführerwahl im Bundestag. Ja, und er hat viel gefordert.
00:27:06 Also es ist auch ganz interessant, wenn man sich so anschaut, was er da immer gefordert hat. Sie bringen es nicht, stellen Sie die Vertrauensfrage, Sie müssen zurücktreten, Sie haben nicht die Zufriedenheit oder die Rückendeckung der Bevölkerung. Also es gab sehr scharfe Kritik, eben auch so eine Forderung, dass Scholz das macht. Aber am Ende merkt er jetzt selber, der Kanzler Merz, wie es ist zu regieren und dass es nicht so einfach ist. Wir schauen noch einmal ganz kurz auf den Ablauf.
00:27:34 Wir schauen jetzt hier gemeinsam mit dem Faktencheck-Team gleich das ARD-Sommerinterview, den ersten Teil. Dann treffen wir uns hier nochmal ganz kurz. Es gibt aber nur eine ganz kurze Umbaupause dieses Mal. Das heißt, wenn ihr noch Fragen an den Kanzler habt, dann habt ihr jetzt noch einen Moment Zeit. Also stellt die gerne alle nochmal in den Chat. Wie gesagt, bei YouTube und bei Twitch geht das. Und dann haben wir danach Zeit, mit dem Faktencheck-Team nochmal in Ruhe zu reden. Und auch mit dir, Nicole, und auch mit Jakob, der auch hier Korrespondent im Haus ist. Das heißt, jetzt gleich gucken wir das lineare Sommerinterview und dann gibt es eine kleine...
Beginn des Interviews mit Merz
00:28:0300:28:03 und dann den zweiten Teil mit den Community-Fragen, die ihr jetzt gerne noch stellen könnt. Nicole, gibt es irgendein Thema, worauf du jetzt gleich im Sommerinterview mit Friedrich Merz nochmal besonders achten wirst oder irgendein Thema, was dich da jetzt besonders interessiert? Also ich bin gespannt, welche...
00:28:19 Welche Versprechen er wieder macht, der verkündet er immer Zeiten, Herbst der Reformen oder bis zum Ende des Jahres werden wir was spüren, wie konkret er tatsächlich ist. Mich persönlich interessiert auch, es gab ja eben die Vorfälle in Leipzig mit den Drohnen und den Angriffen, was er zum Thema Sicherheit macht. Er hat ja auch schon was angekündigt, dass man in Kürze sich irgendwie äußern möchte. Vielleicht wird er das, vielleicht auch nicht. Also da gucke ich auch gespannt drauf, bin gespannt, was da kommt.
00:28:48 auch wie er heute drauf ist, wie er kommuniziert und wie er den Menschen vielleicht auch zeigt, was er tatsächlich umsetzen will. Darauf sind wir sehr gespannt und wir schauen jetzt rein in das ARD-Sommerinterview mit Friedrich Merz und Markus Preiß. Herzlich willkommen live aus dem ARD-Hauptschutzstudio in Berlin zum Sommerinterview mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Es ist ein bemerkenswerter Kontrast, den man dieser Tage bestaunen kann. Wo immer der Kanzler auftritt, da beschwört er.
Wirtschaft und Zukunftsvisionen
00:29:1600:29:16 nahenden Aufschwung und besserer Stimmung. Zugleich aber fallen die Umfragewerte für seine Partei und auch für ihn selbst. Was ist jetzt sein Plan? Darüber wollen wir sprechen. Herzlich willkommen, Herr Bundeskanzler. Herzlich willkommen, Friedrich Merz. Und ob das, was hier gesagt wird, faktisch korrekt ist, das überprüfen wie bei allen unseren Sommerinterviews die Faktenchecker von Tagesschau.de. Und wir fragen auch am Ende dieses Interviews nochmal nach.
00:29:42 Herr Bundeskanzler, Sie haben diese Woche auf Schloss Neuhardenberg die vielleicht entscheidenden Monate Ihrer Kanzlerschaft eingeläutet. Wir müssen raus aus diesem Klima der Verdrießlichkeit und des Verdrusses, haben Sie gesagt, und Zitat, den Missmut abschütteln, der unser Land lähmt. Sie haben aber auch vor der Wahl oft gesagt, Deutschland ist nicht wettbewerbsfähig, ist zu teuer, ist verkrustet. Haben Sie den Missmut, den Sie jetzt beklagen, selber ein bisschen mit herbei geredet?
00:30:08 Ich habe versucht, die Lage zu beschreiben und wir haben eine intensive Diskussion in Neu-Hardenberg gehabt mit auch Vertretern der Wirtschaft. Da waren zum Beispiel zwei Unternehmensgründerinnen dabei, die ausgesprochen zuversichtlich waren und gesagt haben, wir wollen in einem gut aufgestellten, liebenswürdigen Land leben.
00:30:28 Wir haben hier Unternehmen gegründet und wir wollen den Erfolg dieser Unternehmen. Und das motiviert mich. Aber die schlechte Laune haben Sie da auch ein bisschen mit Schulter, weil Sie auch vor der Wahl sehr, sehr oft die Probleme Deutschlands hingewiesen haben. Sie haben auch die führenden Repräsentanten, zum Beispiel Bundeskanzler Scholz, als den Klempner der Macht damals bezeichnet. Wir haben ja ungelöste Probleme in Deutschland und dies schon seit ziemlich langer Zeit. Und wir haben uns mit dieser Regierung jetzt auf den Weg gemacht, diese Probleme zu lösen. Und das zu einem Zeitpunkt, wo wir zusätzliche internationale...
00:30:56 Herausforderungen zu bestehen haben, Krisen, Zollkonflikte mit den USA, Krieg im Iran, der Krieg Russlands gegen die Ukraine, alles das macht uns die Arbeit ja nicht leichter. Und deswegen glaube ich trotzdem oder denke, genau aus diesem Grund müssen wir doch auch das Gute mal zeigen, was wir können. Wir können viel. Die Potenziale unseres Landes sind größer, als wir sie zurzeit nutzen. Um neue Zuversicht, wie Sie sich das gewünscht haben, entstehen zu lassen, braucht es auch ein Zukunftsbild.
Staatsobershaupt und Geschlecht
00:31:2400:31:24 Ich sage mal ganz vorsichtig, vielleicht sogar eine Vision. Wohin wollen Sie mit diesem Land? Das würden wir gerne etwas genauer verstehen. Und ich stelle Ihnen mal drei Fragen zu diesem Thema. In der Vergangenheit war die Autoindustrie die dominierende Industriebranche in Deutschland. Welche Branche wird das in Ihrer Vorstellung in zehn Jahren sein? Das wird vermutlich nicht eine Branche sein, sondern das wird sich an der Frage...
00:31:46 entscheiden, ob wir in der Lage sind, modernste Technologien in Deutschland anzuwenden, zum Beispiel künstliche Intelligenz, ob wir große Speicher haben, ob wir große Energiezentren haben und ob wir in der Masse der Unternehmen bis in den Mittelstand künstliche Intelligenz richtig einsetzen. Darüber ging es übrigens in der Klausurtagung im letzten Jahr, in der letzten Woche zwei Tage lang, mit dem Mittelstand oder mit dem Handwerk. Welche wächst am stärksten aus Ihrer Sicht? Welche sehen wir jetzt noch nicht, die sehr wichtig wird? Ich sehe große Chancen im Handwerk, im Mittelstand.
00:32:15 Ich sehe große Chancen in der Medizintechnik, in der Pharmazie, Gott sei Dank langsam wieder. Wir haben das lange vernachlässigt. Die Gesundheitsbranche insgesamt ist die am schnellsten wachsende Branche unserer Volkswirtschaft. Dienstleistungen am Menschen, die wir können und die wir ausbauen wollen. Zweite Frage. Bisher finanziert sich der Staat in Deutschland sehr stark über die Besteuerung von Arbeit und Lohn. Müssen in der Zeit, in der wir jetzt leben, wo Technologie so wichtig ist, künftig?
00:32:44 Vermögen und Kapital einen größeren Beitrag dazu leisten? Das ist eine ganz interessante und spannende Frage, die ich ehrlich gesagt heute noch gar nicht beantworten kann. Zunächst einmal ist richtig, wir besteuern natürlich Arbeit, aber wir besteuern heute auch schon Kapital. Wir besteuern Kapitalerträge und zwar nicht gerade gering.
00:33:01 Die entscheidende Frage wird sein, woher kommt die Wertschöpfung in den nächsten Jahren? Was sind sozusagen die Treiber unseres Wohlstandes? Was garantiert uns unseren Wohlstand? Und da bin ich der Auffassung, wir brauchen Vermögensaufbau, auch in Arbeitnehmerhand. Das ist übrigens das letztendlich eingelöste Versprechen der christlichen Soziallehre. Das machen wir jetzt mit der Rentenreform. Und diese Fragen, die werden wir im Laufe der Zeit...
00:33:23 vermutlich stärker gestellt bekommen als heute. Aber ich kann und ich will sie auch noch nicht beantworten, weil ich diese vierte technologische Revolution in der ganzen Dimension versuche zu verstehen und dies auch in der Bundesregierung zur Diskussion stelle. Eine Frage sozusagen zur gesellschaftlichen Frage, wenn es um Veränderungen in Deutschland geht, wird das nächste Staatsoberhaupt erstmals eine Frau.
00:33:46 Es ist kein Geheimnis, dass ich viele Sympathien dafür habe. War es trotzdem, dass wir einen Staatsoberhaupt brauchen, das die Gesellschaft zusammenhält und auch eine hohe Integrationskraft in unser Land hinein hat? Und da ist die Frage nach dem Geschlecht weniger wichtig als die Persönlichkeit des nächsten Staatsoberhauptes und die Anforderungen sind hoch. Sehen Sie eine Frau, die diese Qualifikation trotzdem erfüllt?
00:34:09 Und die Sie auch empfehlen wollen. Nicht überpreist das doch das falsche Wort. Was heißt trotzdem? Natürlich können das Frauen. Und wir haben in der Union einige, denen ich das zutraue. Und deswegen habe ich dafür viel Sympathie. Ich habe es eben nur deswegen gesagt, weil Sie gesagt haben, es geht nicht um eine Frau, sondern es geht um jemanden, der die Qualifikation hat. Ja, aber das ist doch nicht trotzdem. Wird die nächste Bundespräsidentin logischerweise eine Frau sein?
00:34:32 Nochmal, ich kann mir das sehr gut vorstellen, aber darüber entscheidet die Bundesversammlung und deren endgültige Zusammensetzung wird auch mit den Landtagswahlen im September entschieden. Vielen Dank, Herr Merz. Und jetzt geht es um Sie persönlich. Denn mit viel Selbstbewusstsein ist Friedrich Merz einst angetreten als CDU-Chef, als Kanzler, als Macher mit klarer Sprache und konservativem Kompass.
Beliebtheitskrise und Kommunikation
00:34:5600:34:56 Mittlerweile aber ist das öffentliche Bild ein anderes. Wir schauen mal auf die Beliebtheitswerte. Nach einem Jahr Kanzlerschaft lag Angela Merkel bei 57 Prozent Zustimmung, Olaf Scholz bei 36 und Friedrich Merz rekordtief bei 16 Prozent. Tina Handel hat sich überall dort umgehört, wo die CDU gerade schwierigste Wahlkämpfe führt.
00:35:17 Sie reden, sie klingeln, sie kämpfen. Werben für die CDU gerade keine leichte Aufgabe. In Parchim, Mecklenburg-Vorpommern, in Berlin-Lichtenberg, mitten in Magdeburg und in der Kleinstadt Gröningen, Sachsen-Anhalt. Würden Sie sagen, Kritik Merz ist eine Wahlkampfhilfe in Sachsen-Anhalt?
00:35:38 Na ja, Sachsen-Anhalt, das ist ja eigentlich fast schon das Tragische. Sachsen-Anhalt war immer die stärksten Stürme für Friedrich Merz. Und jetzt ist der Kanzler eine Belastung im Wahlkampf. Land auf, Land ab. Der Bundeskanzler, was er vor der Wahl versprochen hat und was er jetzt in den letzten Monaten eingelöst hat, das sprechen viele an. Sie meckern alle auf ihn. Also man merkt, dass er bei 13 Prozent Beliebtheit liegt.
Migration und Wirtschaft
00:36:0700:36:07 Wir haben ja jetzt im Bund leider oftmals einen Kommunikationsstil gehabt, der nicht so gut angekommen ist. Kanzlerkommunikation seit über einem Jahr. Deutschland wird bei all dem spüren, es bewegt sich etwas. Es geht voran. Der Alltag wird leichter. Unser Land muss jetzt spüren, dass es besser wird. Und dass wir auch zum Jahresende eine Bilanz ziehen können, die sich sehen lassen kann. Die CDU-Wahlkämpfer finden Zuversicht gut.
00:36:33 Aber auch Glaubwürdigkeit. Und die sei weg. Man will, dass man das etwas spürt. Und das nicht spüren, das führt zu einer großen Unzufriedenheit. Immer nur Ankündigungen, Ankündigungen, aber es passiert nichts. Es ist ein Ankündigungs-Bundeskanzler. So will ich es mal vorsichtig ausdrücken. Und von den Bürgern vor Ort hören sie. Wenn der Bundeskanzler sagt, er ist in der Mittelschicht und er hat eine siebenstellige Summe auf seinem Konto, was bin ich denn dann?
00:37:02 und ich bin normal arbeitend, also ich bin nicht arm, da denke ich, da stimmt was nicht mehr. Es ist einer der schwierigsten Wahlkämpfe, die sie je erlebt haben, sagen CDU-Leute, auch weil ihr Kanzler keine Hilfe ist.
Finanpolitik und Schulden
00:37:1700:37:17 Herr Bundeskanzler, wenn Sie das sehen, sind Sie eine Belastung für Ihre Partei? Ich versuche zu zeigen, was wir erreicht haben in den letzten 15 Monaten. Ich nehme mal ein Beispiel. Eines der Hauptthemen des letzten Bundestagswahlkampfes war die Migrationskrise. Wir sind mit der Bundesregierung in der Lage gewesen, innerhalb von gut einem Jahr die Zahlen um über 60 Prozent herunterzubringen. Das Thema Migration spielt in diesen Wahlkämpfen zurzeit keine Rolle mehr. Es war das Hauptthema des Bundestagswahlkampfes 2025.
00:37:46 Ich sehe, dass die Wirtschaft langsam tritt fast, dass wir wieder langsam Wachstum haben. Es braucht mehr Zeit, auch als ich gedacht und gehofft habe. Aber ich habe von meinen Zielen nichts aufgegeben, von meinen Grundüberzeugungen nichts aufgegeben. Wir sind ein Land mit vielen Chancen und die müssen wir nutzen. Ein Grund, den man draußen immer wieder hört als Kritik an Ihnen, ist die Tatsache, dass Sie die vielen Schulden gemacht haben, obwohl Sie das vor der Wahl immer ausgeschlossen haben. Die Gründe haben Sie oft genannt.
Verteidigungshaushalt und EU-Kritik
00:38:1400:38:14 Die Wünsche der SPD bei der Regierungsbildung, der Eklat zwischen Trump und Zelensky. Wir sehen aber auch, die Leute nehmen das Ihnen nicht voll ab. Haben Sie unterschätzt, dass die Deutschen Ihnen das nicht verzeihen? Nein, das habe ich nicht unterschätzt. Ich habe im Übrigen ja schon im November vor der Bundestagswahl einmal gesagt, dass wir über die Schuldenbremse noch mal sprechen müssen. Das hat damals eine Riesendiskussion ausgelöst. Ich habe das vor der Wahl gesagt.
00:38:37 Ich musste nach der Wahl eine ganze Reihe von Entscheidungen treffen, auch im Hinblick auf die Zusammensetzung des Deutschen Bundestages. Wir hatten auch mit den Grünen zusammen nur noch für wenige Wochen eine Zweidrittelmehrheit zur Änderung des Grundgesetzes. Ich hätte das mit der AfD und der Linkspartei nicht hinbekommen.
00:38:54 Olaf Scholz hat vorher schon das Sondervermögen gefordert. Die Grünen haben vorher schon sozusagen eine Lockerung der Schuldenbremse gefordert. Sie waren immer die ganze Zeit dagegen. In Ihrem Wahlprogramm heißt es, die Schulden von heute sind die Steuererhöhungen von morgen. Und dann eine Woche danach kommt schon der Vorschlag, das zu machen. Wir haben ein Sondervermögen mit der früheren Bundesregierung gemeinsam beschlossen. Das war unmittelbar nach dem Kriegsbeginn.
00:39:18 in der Ukraine die Verabredung, 100 Milliarden Euro zusätzlich für die Bundeswehr zur Verfügung zu stellen. Und dann haben wir gesehen, dass das nicht reicht. Wir haben die Auseinandersetzung, Sie haben es angesprochen, im Weißen Haus gesehen. Wir haben gesehen, was da in diesem Krieg passiert. Und wir haben gesehen, dass wir nur noch wenige Wochen Zeit haben, das mit einer ausreichenden Mehrheit im Deutschen Bundestag auch auf den Weg zu bringen. Ja, natürlich, ich habe das immer wieder gesagt, das ist eine erhebliche Hypothek für meine persönliche Glaubwürdigkeit. Das kann ich auch nur dann begründen, wenn wir wieder Wachstum bekommen.
Ukraine-Krieg und Nato
00:39:4700:39:47 Und das bekommen wir langsam, langsam, noch längst nicht da, wo wir sein müssen. Aber wir sind auf diesem Weg und den müssen wir jetzt nur konsequent weitergehen. Dann wird sich wahrscheinlich auch diese Glaubwürdigkeitslücke wieder schließen. Ich frage das genau aus dem Grund, denn Sie sagen, Sie möchten der Reformkanzler sein. Kann man das sein, wenn die Bevölkerung so wenig hinter einem steht? Kann man dann unangenehme Entscheidungen treffen? Gehen dann auch die eigenen Leute im Bundestag, ihre Abgeordneten, Kollegen, gehen die dann mit und heben die Hand für die Pläne von Friedrich Merz?
00:40:16 Für mich ist das eher eine zusätzliche Motivation und Ermutigung, diesen Weg jetzt zu gehen. Ich muss Entscheidungen treffen, die wir in Deutschland eigentlich schon vor Jahren, wenn nicht Jahrzehnten hätten treffen müssen. Schauen Sie sich unser Allsatz-Sicherungssystem an. Die Rentenversicherung ist so nicht mehr zukunftsfähig angesichts der Demografie. Und das kennen wir, wissen wir seit Jahren, dass es so nicht geht. Wir machen das jetzt. Und jemand, der dem Land Veränderungen zumutet, der ist natürlich zu Beginn,
00:40:46 nicht populär. Ich schaue auch nicht, ich beschäftige mich damit, was ist nicht der Maßstab meiner Politik. Der Maßstab meiner Politik ist, führen wir in dieser Bundesregierung das Land in eine stabile, friedliche, freiheitliche Zukunft. Haben meine Kinder, ihre Kinder, unsere Kinder in Deutschland noch die gleichen Chancen, wie wir sie in meiner Generation gehabt haben. Das ist der alleinige Maßstab.
Energiepolitik und Atomausstieg
00:41:1200:41:12 nach dem ich mich ausrichte und es wird am Ende zusammengezählt, nicht zwischendurch. Ob sie es schaffen, das Platz zu wenden, auch für sich persönlich, für diese Regierung, für die Zustimmungswerte, hängt auch davon ab, ob sie es schaffen, ganz konkrete Sachthemen zu bearbeiten und Lösungen zu finden. Und wir wollen mal auf zwei in diesem Sommerinterview gucken, die sehr viele Menschen in Deutschland beschäftigen. Wir beginnen...
00:41:34 Mit den hohen Energiepreisen in Deutschland. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag schreibt im Juli in seinem Energiebarometer, Zitat, die Energiekosten entwickeln sich zunehmend zu einem der größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Die Industrie stöhnt und gerade heute lesen wir in einer Vergleichsstudie, auch für Privathaushalte liegen die Strompreise in Deutschland doppelt so hoch wie im Durchschnitt der G20-Staaten. Herr Bundeskanzler, seit Jahren werden hohe Strompreise beklagt. Wie viel Prozent müssen die billiger werden, damit die Strompreise in Deutschland
00:42:03 die deutsche Wirtschaft nicht mehr darunter leidet? Die Kosten müssen runter, keine Frage. Aber wir haben ja auch die ersten Entscheidungen getroffen, um das zu ermöglichen. Wir haben eine entsprechende Strompreisbremse beschlossen. Wir haben beschlossen, dass wir einen Industriestrompreis bekommen. Wir haben eine Kraftwerkstrategie im Kabinett verabschiedet und in Brüssel genehmigt bekommen. Nur, Herr Preiss, darf ich das sagen?
00:42:27 Ich bin für die Abschaltung der Kernkraftwerke in Deutschland nicht verantwortlich. Das hätte ich nicht gemacht. Wir haben in Deutschland abgeschaltet, bevor wir die Alternativen aufgebaut haben.
00:42:37 Und das müssen wir jetzt sehr mühsam machen. Ich habe die Einspeisevergütungen nicht für 15 Jahre gesetzlich zugesagt. Das kann ich nicht korrigieren. Das ist entschieden. So, und jetzt versuchen wir mühsam, Schritt für Schritt das Angebot zu erhöhen. Und der Weg hin zu niedrigen Energiepreisen führt nur über ein höheres und besseres Angebot. So, wir machen Gasbezugslieferverträge. Nicht für ein Jahr, für zwei Jahre, sondern für zehn, für 15 Jahre mit Ländern in der ganzen Welt, um die Gasversorgung zu machen.
00:43:07 Das ist eine mühsame Arbeit, aber wir leisten diese Arbeit. Aber nochmal gucken wir darauf, wie viel muss es runter, damit es kein Problem, wir haben es am Anfang gezeigt, für den Standort Deutschland ist. Ja, es muss natürlich runter. Ich will hier keine Zahlen, ich kann nicht 10, 20, 30 Prozent sagen. Wir müssen ein international wettbewerberfähiges Energiepreisniveau haben, sodass die Unternehmen in Deutschland die Energie verbrauchen.
00:43:29 preislich damit leben können. Aber das ist nur eins von drei, vier, fünf verschiedenen Aspekten unserer preislichen Wettbewerbsfähigkeit. Die Bürokratiekosten, die Arbeitskosten, die Steuern, alles das gehört zusammen. Lassen Sie uns trotzdem kurz bei der Energie bleiben. Ich verstehe, dass Sie Dinge vorgefunden haben. Trotzdem werden jetzt weiter Investitionen in...
00:43:46 Milliardenhöhe, jeden Monat getätigt zum Thema Energieerzeugung, erneuerbare Energien, Netzausbau, Gaskraftwerke. Gibt es in der Bundesregierung eine Kalkulation, wo das am Ende preislich hinfällt? Das ist unmöglich, eine solche Kalkulation zu machen. Und es wäre wirklich Scharlatanerie, so etwas zu tun. Wir wissen nicht, wie sich der Ölpreis entwickelt. Wir sind davon abhängig.
00:44:10 Aber wir haben es nicht in der Hand. Wir haben heute einen um 50 Prozent höheren Ölpreis als noch vor einem Jahr. Das hängt mit dem Krieg.
Energiemarkt und Internationale Abhängigkeit
00:44:1800:44:18 Im Mittleren Osten zusammen. Wenn der Krieg beendet wird und die Straße von Humus wieder geöffnet wird, werden die Ölpreise runtergehen. Zurzeit liegen sie bei über 90 Dollar pro Barrel. Sie lagen mal bei 60. Das sind Dinge, die wir nicht in der Hand haben. Und der Preis, deswegen können Sie von mir nicht erwarten, dass Sie jetzt mit dem Blick auf internationale Energiemärkte Prognosen für Deutschland abgeben. Es geht mir nicht um den Ölpreis, aber um die Frage, Unternehmen müssen ja auch diese Entscheidung treffen und ungefähr wissen, was erwartet uns in Deutschland, wenn wir uns auf 20 Jahre jetzt mit einer Investition festlegen. Ich möchte einer...
00:44:47 einen Punkt noch ansprechen, den Sie auch selber schon mal gemacht haben. Eine Möglichkeit, den Strom, weil es sozusagen die Investitionen schon gibt.
00:44:54 billiger vielleicht zu halten ist, die Kohlekraftwerke länger laufen zu lassen. Sie haben das auch schon angesprochen. Für die Zuschauer, der Ausstieg aus der Kohlekraft ist für 2038 verabredet, in Nordrhein-Westfalen schon für 2030. Also wenn man es ändern wollen würde, müsste man sich schnell entscheiden. Und Sie, Herr Bundeskanzler, haben im März gesagt, ich bin nicht bereit, den Kern unserer Energieversorgung aufs Spiel zu setzen, bloß weil wir da vor Jahren Ausstiegsdaten beschlossen haben. Läuft die Kohle weiter?
00:45:21 Bis 2038, ja. Ob einzelne Bundesländer andere Entscheidungen treffen, liegt in der Verantwortung der Bundesländer. Nordrhein-Westfalen ist das große Industrieland mitten in Europa.
00:45:32 Und dieses Land ist wie kaum ein zweites auf verlässliche, preisgünstige Energieversorgung angewiesen. Also wir werden das jetzt versuchen zu erreichen. 2038 ist eine gesetzliche Vereinbarung, die steht im Bundesgesetzblatt. Und natürlich versuchen wir das zu erreichen, aber wir brauchen Ersatz, wir brauchen Energieversorgung. Deswegen bauen wir Wind und Solar weiter aus. Wären Sie dafür, es noch länger zu laufen zu bleiben? Nein, wir müssen darüber im Jahr 2026 nicht diskutieren. Wir haben zwölf Jahre Zeit, um dieses Ziel zu erreichen. Aber bis dahin müssen die Ersatzkraftwerke stehen.
Energiewende und CO2-Bepreisung
00:46:0100:46:01 Die Ausschreibungen laufen. Wir haben das in der Koalition beschlossen. Wir haben das in Brüssel genehmigt bekommen. Wir müssen jetzt diese Kraftwerke bauen. Also eins nach dem anderen. Aber das Ziel ist klar. Jetzt haben wir auf den Bereich der Energiepreise geguckt, wo es vor allem um die Wirtschaft geht. Viele Bürger gucken aber natürlich auch auf die Energiepreise, wenn es ums Tanken geht. Es gab in Deutschland für zwei Monate den Tankrabatt von 17 Cent. Den soll es nicht weitergeben. Trotzdem, ihr ...
00:46:29 CSU-Kollege Markus Söder, der saß vor genau vier Wochen genau auf dem Stuhl, wo Sie da jetzt sitzen. Und der hat gesagt, sollte das Zitat über Monate weitergehen, dann muss man sich nochmal überlegen, zum Beispiel ob die hohe CO2-Bepreisung, übrigens auch 18 bis 20 Cent, je nach Diesel oder Benzin, ob man da nochmal rangeht. Sind Sie dafür, über den CO2-Preis in Deutschland nochmal zu sprechen? Wir können jederzeit über jedes Thema miteinander sprechen. Nur klar muss auch sein, wir können die hohen Weltmarktpreise.
00:46:58 in Deutschland nicht auf Dauer korrigieren mit nationalen Maßnahmen. Deswegen, wir haben das gemacht für zwei Monate. Sie haben es richtig zitiert. Das ist am 30. Juni ausgelaufen. Wir verlängern es im Augenblick nicht. Wir können das auch nicht bezahlen. Deswegen müssen wir beobachten, was auf den Märkten passiert. Wir versuchen, unser Angebot zu erhöhen und dafür zu sorgen, dass wir ein höheres Energieangebot haben, damit wir die Preise einigermaßen unter Kontrolle behalten. Halten Sie es für nicht wegsubventionierbar, sozusagen hohe Benzinpreise?
00:47:26 Sie können einen Ölpreis von 100 Dollar in Deutschland nicht wegsubventionieren.
00:47:33 So ehrlich muss die Politik sein. Das muss man der Bevölkerung sagen. Das können wir nicht. Aber wir können zum Beispiel alle Anstrengungen unternehmen, auch zum Beispiel mit den europäischen Partnern zusammen, Beiträge dazu zu leisten, dass der Krieg im Iran aufhört, dass die Straße von Hormuz wieder geöffnet wird. Darum bemühen wir uns. Und die Öffnung der Straße von Hormuz würde bedeuten, dass wir sofort eine sinkende Preisgestaltung auf den Energiemärkten auch in Deutschland hätten. Also wir hatten fest, wir haben über die Vision gesprochen.
00:47:59 Ein Land mit billiger Energie wird Deutschland in absehbarer Zeit auf jeden Fall nicht wieder. Herr Preiss, das weiß keiner von uns. Natürlich können wir, wenn wir das Angebot haben, auch die Energiepreise wieder senken. Wir müssen das erreichen, aber Energiepreise sind nur ein Teil des ganzen Bildes. Ich habe eben gesagt, Arbeitskosten, Bürokratiekosten, Steuern, viele Dinge haben wir in der eigenen Hand besser.
Bundeswehr und Sicherheit
00:48:2600:48:26 zur Gestaltung als zum Beispiel die Energiepreise, von denen wir auch sehr abhängig sind. Zum Thema, wir haben das Geld nicht, zu einem Thema, wo wir sagen müssen, da haben wir es aber ausreichend. Und wir wollen nämlich auf ein zweites Thema gucken, was sehr viele Bürger beschäftigt und wo sehr viele Deutsche darüber diskutieren. Die Bundeswehr wurde über Jahrzehnte verkleinert und manche sagen kaputt gespart. Mit Beginn des Ukraine-Kriegs änderte sich das jetzt.
00:48:53 fließen die Milliarden. In diesem Jahr plant die Bundesregierung Ausgaben von 82 Milliarden Euro, im kommenden dann schon 109 Milliarden Euro für den Wehretat. 2028 153 Milliarden und im Jahr der nächsten Bundestagswahl 2029 162 Milliarden Euro im Jahr. Dazu nochmal jährlich 10 Milliarden Euro direkt für die Unterstützung der Ukraine. Herr Bundeskanzler, können Sie den Bürgern solche gigantischen Summen vermitteln?
00:49:20 wenn Elterngeld gekürzt wird, wenn Frühverwendungen gestrichen werden sollen, wenn die Zuzahlungen für Medikamente steigen? Wir haben über diese Fragen im Kabinett ja auch lange diskutiert. Und das ist ja keine alleinige Entscheidung von mir, aber ich halte sie für richtig. Sie haben es selber gesagt, wir müssen die Defizite der letzten 15 Jahre korrigieren. Die Bundeswehr ist nicht da, wo sie sein müsste. Wir müssen uns verteidigen können in Deutschland. Die Notwendigkeit ist offensichtlich.
00:49:48 Und was nützt uns das schönste Elterngeld, wenn wir unsere Freiheit verlieren und der Frieden in Europa gefährdet ist? Freiheit und Frieden sind die Priorität, die wir erfüllen müssen, die wir erreichen müssen, damit wir ein Land sind, in dem sich auch wirtschaftliche Entwicklung zeigen kann. Die Bürger würden sich aber fragen, ob Verteidigungsfähigkeit so direkt mit solchen Summen in Euro gemessen werden kann.
00:50:13 Wenn man sich in der Branche umhört, dann hört man Worte wie Goldgräberstimmung, Champagnerlaune. Sehen Sie da ein Problem, dass man viel zu teuer solche Beträge gerade ausgibt? Das ist eine Diskussion, die ich natürlich sehe. Wir haben deswegen auch mit dem Verteidigungsminister verabredet, dass wir jetzt noch einmal die gesamten Beschaffungsverfahren und die Beschaffungsvorhaben überprüfen. Wir wollen...
Beschaffung und Effizienz
00:50:3500:50:35 eine moderne Bundeswehr haben. Wir wollen nicht auf alte Waffensysteme zurückgreifen. Wir sehen, dass sich die technologische Entwicklung in rasantem Tempo zeigt, auch in der Verteidigungsindustrie. Wir sehen, dass an den Universitäten, in den Forschungseinrichtungen viele neue Ideen entstehen. Wir haben eine große Zahl von Unternehmensgründen. Das muss überhaupt nicht so teuer sein. Die Ukraine zeigt uns.
00:50:58 Im Übrigen, wie man es sehr viel preisgünstiger machen kann. Deswegen kooperieren wir ja auch mit der Ukraine. Deswegen haben wir gemeinsame Rüstungsunternehmen ermöglicht. Wir müssen das sehr viel kosteneffizienter noch machen. Und die Strukturen sind wir gerade dabei einzuziehen, sodass wir das wirklich mit gutem Gewissen verantworten können. Der größte Teil der Ausgaben, das ist, glaube ich, den meisten Bürgern auch gar nicht so klar, sind neue Schulden, weil es die Ausnahme für den Bereich Verteidigung gibt.
00:51:25 Mehrere hundert Milliarden Euro werden das allein in dieser Legislaturperiode an neuen Schulden sein, nur für das Thema Verteidigung. Wird das Deutschland der Zukunft auch deutlich höher verschuldet sein? Die Verschuldung ist ein Problem. Nur ich erlaube mir den Hinweis. Wir sind damit immer noch eines der am wenigsten verschuldeten Länder Europas. Wir sind immer noch ein Land, das mit Abstand das beste Rating...
Schulden und Finanzmarkt
00:51:5000:51:50 aller europäischen Länder hat. Es gibt niemanden, der an der Schuldentragfähigkeit unseres Landes, unserer Volkswirtschaft, zweifelt. Wir bewegen uns hier in einem vertretbaren Rahmen. Wahr ist, die Schuldenlast und die Zinsen werden den Bundeshaushalt natürlich auch einschränkt. Deswegen möchte ich, dass wir auch wieder runterkommen von diesen hohen Schulden. Aber zunächst einmal sind sie richtig gewesen, trotz der Annahmen, die ich einmal hatte.
00:52:18 Und wir werden sie auch tragen können. Noch einmal an der Schuldentragfähigkeit unseres Landes gibt es keinen Zweifel. Und das sind auch alle internationalen Beobachter sich einig. Deutschland ist nach wie vor ein wirklich erstklassiger Schuldner. Letzte Frage zu dem Komplex. Ganz kurz noch. Wenn die Bundeswehr wieder in einem modernen Zustand ist, wird sich der deutsche Bundeskanzler bei der NATO dafür einsetzen, dass das Ausgabenziel von 5 wieder auf 2 Prozent zurückgeführt wird? Das entscheidet die Bedrohungslage. Wir haben zunächst einmal 3,5.
00:52:47 Gemeinsam beschlossen, letztes Jahr in Den Haag auf dem NATO-Gipfel. Plus 1,5 für die Infrastruktur, die ja auch allen zivilen Nutzungen zugute kommt. Und sobald sich die Bedrohungslage wieder geändert hat, können wir das auch wieder reduzieren. Nur im Augenblick sehe ich es nicht. Die Bedrohungslage ist da. Übrigens nicht mit Panzerarmeen, nicht mit Kriegsführung, wie wir uns das früher einmal vorgestellt haben, sondern mit hybrider Bedrohung.
Sicherheitslage und hybride Bedrohungen
00:53:1200:53:12 täglich auch in Deutschland stattfindet. Ich will nur an den Vorgang in Leipzig erinnern. Wir sehen, dass wir Angriffe aufgesetzt sind in Deutschland. Dagegen müssen uns wehren. Am 4. August wurden am Flughafen Leipzig mit Sprengstoff bestückte Drohnen entdeckt. Minister Dobrindt sprach von fremden Mächten, die dahinter stecken könnten. Viele Experten sagen ganz klar Russland.
00:53:34 Sie haben diese Woche ziemlich deutlich angekündigt, die Angreifer würden einen Preis bezahlen. Gehört zur Ehrlichkeit, wenn Russland dahinter steckt, dann können Sie gar nicht angemessen reagieren. Warten wir mal ab, was angemessen reagieren heißt. Wir sind dabei, die Ermittlungen abzuschließen. Wir haben eine weitgehende Einigung in der Bundesregierung, wie wir reagieren. Und das werden wir in den nächsten Tagen auch klar zum Ausdruck bringen. Es wird nicht mehr lange dauern.
00:54:02 Wird das eine Reaktion rein deutscher sein oder werden Sie die mit EU und NATO abstimmen? Die ist abgestimmt. Die wird in diesen Tagen auch final abgestimmt mit der Europäischen Union, mit den NATO-Partnern. Es wird eine Reaktion aus Deutschland sein, aber die Partner in der Europäischen Union und in der NATO werden davon nicht überrascht. Herr Bundeskanzler, jetzt kommen wir natürlich noch zum Thema Sachsen-Anhalt. Dort wird am kommenden Sonntag ein neuer Landtag gewählt.
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
00:54:2700:54:27 Wir schauen kurz auf die Ausgangslage. Nach unseren letzten Zahlen lag die AfD dort bei 42 Prozent, die CDU bei 22 Prozent. Sachsen-Anhalt hat rund 2,1 Millionen Einwohner. Das heißt, nur gut 2,5 Prozent der Deutschen leben dort. Und dennoch gilt die Wahl als Schicksalsmoment für unser Land. Herr Merz, aus Ihrer Sicht, was steht denn da auf dem Spiel? Da steht die Regierungsfähigkeit eines Bundeslandes auf dem Spiel.
00:54:55 Und ich will das hier deutlich sagen, wenn das so kommt, wie das in den Umfragen möglich erscheint, dann wird dieses Bundesland erhebliche Probleme bekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass noch internationale Investoren mit einem AfD-Ministerpräsidenten zu einem Spatenstich kommen, um neue Werke zu gründen und neue Unternehmen in Sachsen-Anhalt anzusiedeln. Das ist aber eine Entscheidung, die die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt zu treffen haben.
00:55:22 Das Land wird erheblichen Schaden nehmen, wenn es so kommt, wie wir es jetzt befürchten müssen. Deswegen werden wir in den letzten Tagen alles tun, um genau das zu verhindern. Und wir werden es den Wählerinnen und Wählern in Sachsen-Anhalt auch sagen. Übrigens, von denen sind nach wie vor rund 20 Prozent unentschieden.
00:55:39 in den letzten Tagen die finale Entscheidung erst sehen und die Umfragen sind noch keine Wahlergebnisse. Wenn ich das richtig im Kopf habe, sind bei uns die Zahlen etwas enger, also dass schon sehr viele Wähler doch auch entschieden sind. Aber Sie haben jetzt gesagt, der Wähler hat die Wahl, auch die CDU hat die Wahl. Wenn an dem Abend sozusagen die AfD keine absolute Mehrheit hat, wird die CDU dann versuchen, eine Regierung zu bilden? Die CDU ist an der Regierung in Sachsen-Anhalt. So, und da muss zunächst einmal jemand anders gewählt werden.
Koalitionsregeln und AfD
00:56:0800:56:08 Und das wird man dann nach dem Wahltag entscheiden. Bis dahin kämpfen wir um den Erfolg in Sachsen-Anhalt, auch wenn er unter schwierigen Bedingungen nur zu erzielen ist. Aber ich spekuliere heute nicht über den Tag danach. Ich frage Sie trotzdem, weil Sie haben einen Unvereinbarkeitsbeschluss mit der AfD und Sie haben auch einen mit der Linken. Das heißt, rechnerisch ist eigentlich kaum was möglich. Werden Sie es trotzdem probieren, eine Koalition oder eine Regierung zu bilden, auch wenn die AfD klar mehr Prozente hat? Herr Preiss,
00:56:35 Noch einmal, das entscheiden zunächst einmal die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt und nicht der Parteivorsitzende der CDU. Und dann schauen wir uns das Wahlergebnis an und überlegen, was wir damit machen können. Aber das ist nicht der Tag heute, um über Wahlergebnisse zu spekulieren, die es erst am nächsten Sonntag geben wird. Ich will ja nur wissen, ob die CDU, auch wenn sie zweitstärkste Kraft ist, einen Versuch starten wird, eine Regierung zu bilden, oder ob sie dann sagt, bitte, der Wahlsieger soll es selber probieren. Noch einmal.
00:57:02 Wir werden das im Lichte des Wahlergebnisses anschauen und wir werden alles tun, um zu verhindern, dass Sachsen-Anhalt an die Radikalen fällt. Und das gilt sowohl für die AfD als auch für die Linkspartei. Sie haben immer gesagt, Sie wollten die AfD halbieren. Jetzt bei dieser Umfrage ist es genau andersrum. Gilt dieser Wunsch bei Ihnen, dieses Versprechen noch? Und bis wann, sagen Sie, ich glaube, es klappt nicht mehr? Herr Preiß, ich habe das nicht immer gesagt. Ich habe das zuletzt 2018 gesagt.
Migrationspolitik und Kritik
00:57:3100:57:31 Und seitdem hat sich sehr viel verändert. Und wir hätten im Jahr 2018 auch noch einiges korrigieren können, was zum Beispiel mit der Migrationskrise damals erst begonnen hat. Wir haben den Kurswechsel in der Regierung eingeleitet mit der Migrationspolitik. Das hätte die Regierung damals schon tun können. Sie hätte es auch gar nicht so weit kommen lassen dürfen. Es hat 2017 Entscheidungen gegeben, die aus heutiger Sicht falsch waren. Und die auch 2017 schon falsch waren.
00:58:00 Wir müssen das heute korrigieren. Und deswegen sind wir mit einer Last im Augenblick konfrontiert, die wir nur Stück für Stück abtragen können. Und ich habe das eben gesagt, wir haben die Migrationswende vollzogen. Das ist keine Ankündigung von Friedrich Merz, sondern es ist konkrete Politik der Bundesregierung der letzten 15 Monate. Vielen Dank, Herr Bundeskanzler, für Ihren Besuch hier bei uns beim ARD-Sommerinterview. Und ich habe es vorhin angekündigt.
00:58:26 Wie bei jedem ARD-Sommerinterview haben auch heute die Faktenfinder der Tagesschau und die Korrespondenten hier im ARD-Hauptstadtstudio genau zugehört. Celine, was habt ihr besonders im Blick?
Faktencheck und Community-Fragen
00:58:3600:58:36 Also wir schauen natürlich auf die Themen, die sich konkret überprüfen lassen. Also heute zum Beispiel die Zahlen, die da beim Thema Migration genannt wurden, die Verteidigungsausgaben, aber auch die Energiepreise. Und das machen, das hast du schon gesagt, die Faktenfinder der Tagesschau und die Korrespondenten hier aus dem Haus. Und die schauen sich jetzt eben an, was stimmt, was stimmt nicht und was braucht vielleicht noch Kontext. Und über all das sprechen wir gleich noch weiter in unserer Live-Analyse über den QR-Code. Kommen Sie direkt dorthin und können noch weitergucken und auch mitdiskutieren, wenn wir hier gleich nochmal in die Analyse und zum Fakten...
00:59:05 und checkt zu eurem Sommerinterview gehen. Danke, Celine. Und bei Tagesschau24 bei Instagram, YouTube und Twitch beantwortet Friedrich Merz gleich auch noch mal Fragen direkt aus der Community. Danke dafür schon mal. Morgen schauen wir im Podcast Berlin Code noch einmal ausführlich auf dieses Sommerinterview. Ich sage danke, Friedrich Merz und Ihnen noch mal zu Hause. Danke und tschüss.
00:59:33 Willkommen zurück war das ARD-Sommerinterview mit Friedrich Merz und bei euch im Chat habe ich gerade schon so ein bisschen mitgelesen. Mich interessiert aber vor allem, was glaubt ihr, wie hat sich Friedrich Merz gerade im ersten Teil des ARD-Sommerinterviews geschlagen? Das eins schreibt gerne in den Chat für, das war besser, als ich jetzt erwartet hätte, zwei gerne für, das war genauso, wie ich es erwartet habe oder drei für, das war schlechter, als ich es erwartet habe.
00:59:59 Neben mir sitzt Jakob Meier, Korrespondent hier im ARD-Hauptschirrt-Studio. Und Jakob, wir haben noch einen ganz kurzen Moment, bis es gleich weitergeht mit den Community-Fragen. Sag mir gerne einmal kurz, was war dein Eindruck gerade von Friedrich Merz? Ich würde sagen, er hat sich so gegeben, wie wir ihn auch zuletzt auf Schlosser-Hardenberg erlebt haben. Er hat versucht, ein bisschen für Optimismus zu werben, hat natürlich versucht, zu sagen, was schon halbwegs gut gelaufen ist. Das wirkt etwas defensiv, weil seine Umfragewerte einfach so sind, wie sie sind, nämlich grottenschlecht. Für mich war...
01:00:28 Ein Satz entscheidend, zusammengezählt wird am Ende, nicht zwischendurch. Das ist das, woran er seine Hoffnung festmacht. Es ist ja vieles jetzt im Fluss. Die Regierung hat einiges auf den Weg gebracht an Reformen, die, sagt er selber, werden Zeit brauchen, bis sie wirken. Darauf setzt er, dass sie wirken, möglicherweise bis zur nächsten Bundestagswahl oder bis vorher, kurz vorher. Und dass die Bürgerinnen und Bürger dann merken, okay, da...
Zustimmung und Kommunikation
01:00:5201:00:52 Da geht wirklich was voran. Er hat gesagt, Migrationswende haben wir gerade gehört, was er für seine Regierung in Anspruch nimmt. Das werden die Faktencheckerinnen und Checker überprüfen. Das schauen wir uns gleich nochmal genauer an. Genau, bin ich auch gespannt. Zur Wahrheit gehört auch, das ist eben nicht nur Politik der Bundesregierung, sondern Migrationspolitik wird im EU-Rahmen gemacht. Es gibt einen Asyl- und Migrationspakt, worauf sich die EU nach...
01:01:14 jahrelang im Streit verständigt hat, der wirkt natürlich auch. Und zeitigt erste Ergebnisse, also das spielt auf jeden Fall mit rein. Und das Zweite ist, wie gesagt, dass er darauf setzt, dass irgendwann die Änderungen, die jetzt in den nächsten Monaten auf uns zukommen, also bei der Rente, bei der Gesundheit, Steuerreform, die nächste Woche schon im Bundeskabinett ist, dass davon dann wirklich was bei den Leuten ankommt und die merken, hoppla, geht ja doch was.
01:01:40 Ich kann dir mal so ein bisschen das Bild hier aus dem Chat spiegeln. Also ich habe das Gefühl, es ist durchmischt. Es sind schon einige Dreien mit dabei, also schlechter als erwartet. Und auch einige genauso wie erwartet. Wenig habe ich jetzt gesehen, besser als erwartet. Das spricht ja vielleicht auch so ein bisschen ganz, ganz grob dafür, dass die Umfragewerte und Beliebtheitswerte für Friedrich Merz gerade nicht so gut sind. Gibt es jetzt noch irgendein Thema, wo du das Gefühl hast, das könnte gleich im Community-Format nochmal spannend werden?
Klimaschutz und Energie
01:02:0501:02:05 Also ich könnte mir tatsächlich vorstellen, die Migrationsnummer, dass das interessant wird, dass da nochmal konkreter dazu gefragt wird. Und das mit den Energiepreisen ist natürlich etwas, was die Leute direkt angeht. Also das ist etwas, was jeder und jede merkt. Die Energiepreise sind hoch, sie sind auch im EU-Vergleich, da liegen wir deutlich über dem EU-Durchschnitt in Deutschland, mit dem, was die Bürgerinnen und Bürger zahlen, aber auch was die Wirtschaft zahlt. Und das ist ein ständiger...
01:02:29 ein ständiger Punkt des Ärgernisses, was immer wieder angebracht wird. Und da nur darauf zu sagen, wir warten darauf, dass die Straße von Humus irgendwann wieder frei wird, ist dann vielleicht ein bisschen wenig. Ja, danke dir, Jakob. Wir sprechen gleich nochmal ganz in Ruhe weiter. Jetzt kommen aber erstmal eure Fragen an den Kanzler. An Friedrich Merz, die stellen Amelie Marie Weber und Markus Preiss. Viel Spaß.
01:02:51 Bundeskanzler Friedrich Merz nimmt sich jetzt noch Zeit für Ihre und eure Fragen. Wir haben diese Fragen vorab eingesammelt, zum Beispiel auf unseren Social Media Kanälen der Tagesschau und auch vom Hauptstadtstudio. Außerdem gibt es heute die Möglichkeit, die Fragen auch live zu stellen bei YouTube und Twitch, da in den Chat schreiben und ich habe den hier im Blick. Herr Merz, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen. Sind Sie bereit? Ja klar.
01:03:16 Super, dann legen wir los. Sie fordern regelmäßig, in Deutschland müsse mehr gearbeitet werden. Sprechen von Lifestyle-Teilzeit. Damit stoßen Sie gerade auch bei jungen Menschen auf Unverständnis. Luca fragt zum Beispiel, warum bin ich faul, wenn ich nicht mein Leben für die Arbeit aufgeben möchte? Ich will zunächst einmal sagen, das Wort faul, das Wort Lifestyle kommt nicht von mir. Das habe ich nie verwendet. Die Menschen in Deutschland sind nicht faul.
01:03:46 Aber die durchschnittliche Arbeitsleistung pro Jahr ist in Deutschland 200 Stunden weniger als in der Schweiz. Und so unterschiedlich sind wir nicht zueinander. Ich will uns mit anderen Ländern gar nicht vergleichen. Ich denke, wir werden uns darüber verständigen müssen. Sind wir bereit, in Deutschland alle zusammen mal die Ärmel aufzukrempeln und richtig ordentlich, ich sag's jetzt mal etwas salopp, reinzuhauen? Und die Frage, die stelle ich, die stelle ich uns.
Arbeitsmarkt und Anreize
01:04:1601:04:16 Die stelle ich der Regierung, die stelle ich aber auch dem Land, unserer Gesellschaft, den Tarifvertragsparteien. Und schauen Sie in die Automobilindustrie. Da gibt es jetzt viele Unternehmen, die sagen, wenn wir von 35 auf 40 Stunden zurückgehen würden, dann wären große Teile unserer Wettbewerbsfähigkeit wiederhergestellt. So, und diese Frage, die müssen wir als Gesellschaft beantworten. Aber haben Sie das Gefühl, es liegt an fehlendem Arbeitswille oder müssten vielleicht auch Anreize geschaffen werden, dass die Menschen wieder mehr arbeiten können und wollen? So denke ich immer.
01:04:45 Und ich will Ihnen ein Beispiel sagen, wir haben zum Beginn des Jahres in Deutschland etwas eingeführt, was gerade für die Älteren einen Anreiz gibt, länger im Job zu bleiben. Und davon machen eine immer größer werdende Zahl von älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Gebrauch, weil sie sagen, 24.000 Euro zusätzlich steuerfrei im Jahr.
01:05:06 will ich gerne haben, will ich gerne mitnehmen und arbeiten über die Regelarbeitszeitgrenze hinaus. Das sind Beispiele, wie ich sie für richtig halte, die richtigen Anreize zu setzen und zu sagen, wir wollen die Leistungsfähigkeit unserer Volkswirtschaft wieder erhöhen. Darf ich dazu nochmal die Perspektive von jüngeren Menschen einnehmen, die jetzt vielleicht auf einen schwieriger werdenden Arbeitsmarkt gucken, die sagen, jetzt wird auch noch quasi die ältere Generation, arbeitet jetzt steuerfrei noch als meine Konkurrenz hier.
01:05:31 Wir haben in großen Teilen der Wirtschaft Fachkräftemangel. Es geht ja sogar so weit, dass Zahlen von 200.000 bis 400.000 Zuwanderern genannt werden, um diesen Fachkräftemangel in Deutschland auszugleichen. Also ganz so kann das nicht stimmen. Es ist wahr, vor allem KI wird vieles verändern, das wir noch gar nicht richtig verstehen. Aber trotzdem ist auch richtig, es fehlen uns Pflegekräfte, es fehlen uns Ärzte.
01:05:59 Es fehlen uns Ingenieure, es fehlen uns qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in vielen Betrieben. So und für die muss man altersunabhängig doch die richtigen Anreize setzen, dass sie Freude daran haben, in diesen Unternehmen und in diesen Berufen zu arbeiten.
Jugend und Zukunft
01:06:1201:06:12 Bleiben wir mal bei der Perspektive der jungen Menschen. Die werden natürlich von hohen Wohnkosten, hohen Steuern, schleppender Digitalisierung, auch fehlender Infrastruktur stark betroffen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass jeder fünfte junge Mensch in Deutschland konkret darüber nachdenkt, auszuwandern. Dazu eine Frage von Lukas bei Instagram. Was bietet Deutschland mir als junge Menschen, das nicht in unseren Nachbarländern besser läuft? Warum sollte man hierbleiben und sich das als qualifizierter Mensch antun? Und ein PS kommt von...
01:06:41 Lukas, Deutschland ist schön, zählt nicht. Also das Letzte lasse ich nicht gelten, dass wir ein schönes Land sind. Ein lebens- und liebenswertes Land ist ein Faktor. So und ich möchte nicht in einem beliebigen Land leben, was diese Eigenschaften nicht hat. Das gehört ja auch zur Lebensqualität dazu. Richtig ist trotzdem, dass wir sagen müssen, was unser Land bietet. Wir bieten zum Beispiel eine hervorragende duale Ausbildung an. Ich würde kein zweites Land
01:07:12 spontan nennen können, was eine bessere Ausbildung im Handwerk, im Mittelstand bietet als Deutschland. Wir haben eine solche Vielzahl von Berufen, die möglich sind. Wir haben eine tolle Universitätslandschaft, wir haben Fachhochschulen, Universitäten. Ich glaube, die Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland, trotz aller Defizite, die wir nach wie vor haben, sind hervorragend. Und deswegen sind auch so viele junge Menschen in Deutschland und werden hier gut ausgebildet. Und wie erklären Sie sich dann, dass jeder Fünfte darüber nachdenkt zu gehen? Immerhin sind es dann vier von fünf nicht.
01:07:40 die der Meinung sind, dass es sich lohnt, in Deutschland zu arbeiten und dass viele darüber nachdenken, ob sie vielleicht irgendwo anders hingehen, ist ja völlig in Ordnung. Ich stelle immer nur die Gegenfrage, wohin denn? Wo würdet ihr denn dann gerne hingehen, wenn es anderswo so viel besser ist als in Deutschland? Schreibt es doch mal in den Chat. Welche Länder sind denn nicht schön?
Hitze und Klimaanpassung
01:08:0001:08:00 Ich grenze mich doch nicht ab, indem ich andere herabsetze. Ich sage, Deutschland ist ein fantastisches Land mit großen Chancen. Wir sind jetzt 75 Jahre in Frieden, in Freiheit, im ständig steigenden Wohlstand. Jetzt haben wir einige Probleme, aber unsere Eltern haben sie doch auch gelöst. Und warum trauen wir uns das denn nicht gemeinsam zu, diese Probleme, die wir jetzt haben, auch gemeinsam zu lösen? Ich tue es jedenfalls und ich möchte gerade die junge Generation motivieren, daran mitzuwirken.
01:08:27 Kommen wir zu einem dieser aktuellen Probleme. Es war ein außergewöhnlich heißer Sommer in Deutschland und dazu möchte Sunny Flower bei TikTok wissen. Gibt es Absichten, einen Aktionsplan für die kommenden Sommer zu entwickeln? Was macht der Staat, um vulnerable Gruppen zu unterstützen bei extremer Hitze? Ja, wir haben darüber gesprochen. Wir haben sogar im Bundeskabinett darüber gesprochen. Wir haben bereits 300 verschiedene Maßnahmen zum Teil mit den Ländern zusammen auf den Weg gebracht, um unsere Bevölkerung gegen...
01:08:56 übermäßige Klimaerwärmung, Hitze zu schützen. Wir haben umfangreiche Beschlüsse gefasst, vieles mit den Ländern zusammen. Wir wissen, dass wir hier noch mehr tun müssen, aber ich erlaube mir zu sagen, das kann der Staat allein auch nicht leisten. Das muss die ganze Gesellschaft tun. Ich will ein simples Beispiel sagen. Dafür zu sorgen, dass ältere Menschen genug trinken, das ist eine ganz banale, triviale Geschichte. Das kann der Staat nicht alleine tun.
01:09:22 Die Nachbarschaft hinschauen, da muss die Familie hinschauen, da müssen die Kinder hinschauen, wenn sie Eltern im Altenheim haben, wie ich zum Beispiel. Meine Eltern leben noch. Und ich frage sie jedes Mal, wenn ich mit ihnen telefoniere, habt ihr genug getrunken? Kann der Staat nicht machen, aber ich kann das als Sohn machen. Und das müssen wir in den Familien machen, das müssen wir in unseren Gemeinschaften tun. So und dann können wir das auch bewältigen. Das sind natürlich viele Anpassungen an die Hitze, die schon da ist. Wie sehen Sie, wie viel die Regierung tut für das, was man...
01:09:51 dafür tut, dass es nicht noch heißer wird in den nächsten Jahren.
01:09:55 Zu leben mit dem Klimawandel ist das eine, aber den Klimawandel als solche zu bekämpfen, ist das andere. Wir tun das, wir bekennen uns zu allen unseren internationalen Zielen. Wir gehen auf alle internationalen Konferenzen. Deutschland ist auf vielen internationalen Konferenzen mit Schrittmacher. Das hat sich unter meiner Bundesregierung nicht geändert. Wir versuchen beizutragen, dass das auf der ganzen Welt akzeptiert wird. Das ist übrigens nicht einfacher geworden, seitdem wir in Amerika eine Regierung haben, die den Klimawandel.
Israel und Außenpolitik
01:10:2401:10:24 Die größte Volkswirtschaft der Welt, die das nicht mehr mitmacht, macht die Sache für uns nicht leichter. Wir gehen von unserem Kurs jedenfalls nicht ab. Aber den Eindruck kann man schon haben, auch wenn man auf die europäische Ebene guckt. Sie gucken, dass der Verbrenner doch quasi in einer anderen Form nochmal eine Zukunft bekommt. Sie bremsen auch, sage ich jetzt mal, als...
01:10:46 was im Bereich Gebäudeemissionen und Einbeziehung in den CO2-Handel hat. Das wird ja quasi alles gerade nach hinten verschoben und ist dann im Prinzip etwas, was dem Klimaschutz, soweit man den überhaupt erreichen kann in der Form, doch auf jeden Fall nicht positiv gegenübersteht. Nein, das stimmt nicht, Herr Preis, wenn ich das so deutlich sagen darf. Das, was wir mit dem Verbrenner auf der europäischen Ebene tun, hat nichts mit CO2-Ausstoß zu tun. Wir wollen das klimafreundliche und klimaneutrale Auto.
01:11:14 Aber wir wollen nicht die Technologie festlegen. Das ist nicht Sache der Politik, das zu entscheiden. Entscheidend ist, wie viel CO2-Emissionen aus einem solchen Auto herauskommen. Und die CO2-Bilanz der Elektromobilität ist nicht so rosig, wie das immer wieder dargestellt wird. Also wir wollen es insgesamt, technologieoffen, aber mit dem ganz klaren Ziel, dass wir wirklich CO2-freie Mobilität ermöglichen. In Deutschland rätselt man, was ist ein hocheffizienter Verbrenner? Lernen wir gerade, ist einer, der trotzdem null CO2 ausschließt. Die Definition...
01:11:43 Ist längst gegeben. Das sind zum Beispiel sogenannte Range Extender, also Autos, die einen kleinen Verbrenner haben, um einen großen Elektromotor dauerhaft auch für lange Strecken mit Energie zu versorgen. Die Frage ist beantwortet. Kommen wir mal vom Sommer zum Winter, würde ich sagen. Da gibt es eine Frage von Cassandra bei YouTube, die fragt.
01:12:04 Der Füllstand der Gasspeicher liegt unter 50 Prozent. Bis wann werden sie aufgefüllt sein, damit wir im Winter nicht frieren müssen? Dazu muss man sagen, als die Frage reinkam, was noch unter 50 Prozent. Inzwischen sind es ein bisschen mehr als 50 Prozent, aber am 1. November sollen es eigentlich 70 Prozent sein. Und die meisten Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass das nicht erreicht wird. Also müssen wir im Winter frieren? Nein, wir tun alles, um die Gasspeicher ausreichend zu befüllen.
01:12:31 Darüber wird im Bundeskabinett regelmäßig berichtet. Wir machen das nicht öffentlich, weil wir die Märkte nicht sozusagen stören wollen im Sinne von jetzt kauft die Bundesrepublik Deutschland Gas, also lass uns mal die Preise nach oben setzen. Sondern das geschieht in Absprache mit den Unternehmen, die das können. Ich habe eben in unserer Sendung die Lieferverträge angesprochen. Wir haben jetzt mit einer ganzen Reihe von Ländern langfristige Lieferverträge gemacht, die die frühere Bundesregierung nicht wollte.
01:13:00 weil sie nach ein oder zwei Jahren aus den Gaskraftwerken aussteigen wollte. Das wollen wir nicht, das halten wir für falsch. Und deswegen ist das jetzt ein Prozess. Wir wissen, dass wir hier was tun müssen, aber wir machen das so, dass wir alle Vorkehrungen getroffen haben, um im Winter die Gasspeicher so befüllt zu haben, dass wir auch einen harten Winter überstehen können. Trotzdem, die, die den Gasspeicher befüllen, die Unternehmen, wenn die das nicht schaffen, im Gesetz steht ja nicht drin, ihr sollt das bis 70 Prozent befüllen, wenn es billig ist.
01:13:27 sondern ihr sollt ihn da befüllen. Kommen die dann ihren gesetzlichen Verpflichtungen nicht nach? Bis jetzt gehen wir davon aus, dass das so ist. Und wir haben im Augenblick, das kann sich morgen ändern, aber wir haben im Augenblick keinen Grund daran zu zweifeln, dass diese Füllstände erreicht werden.
Gesellschaft und Integration
01:13:4101:13:41 Blicken wir mal in den Nahen Osten. Deutschland genehmigt Rüstungsexporte nach Israel. Dazu fragt Paul bei Instagram, was motiviert sie, weiterhin Waffen an Israel zu schicken? Israel ist die einzige Demokratie in der gesamten Region des Mittleren Osten. Es ist ein Land, das von einer ganzen Reihe von Nachbarstaaten in seiner Existenz bedroht wird. Nicht zuletzt vom Iran und von den Terrorgruppen, die der Iran finanziert.
01:14:10 Und deswegen haben wir seitdem es die Bundesrepublik Deutschland gibt, Israel in seinem Existenzkampf unterstützt. Und die Existenz des Staates Israel ist für uns, für die Bundesrepublik Deutschland nicht verhandelbar.
01:14:27 Ich gebe zu, ich habe im August letzten Jahres eine Entscheidung getroffen, die sehr kritisiert worden ist, zu einem Zeitpunkt, wo die israelische Armee massiv gegen die Zivilbevölkerung im Gazastreifen vorgegangen ist, diesem Teil der Armee keine Munition mehr zu liefern. Also es gibt keine unkonditionierte Lieferung an Israel, aber das Existenzrecht des Staates Israel, das werden wir jedenfalls, solange ich in der politischen Verantwortung stehe, immer auch...
01:14:55 militärisch unterstützen, weil sonst gäbe es diesen Staat heute schon nicht mehr. Ich glaube, der Punkt wird auch nicht bestritten. Die Frage ist, ob Israel alles, was wir da jetzt in den vergangenen Monaten und Jahren gesehen haben, ist das alles Selbstverteidigung?
01:15:10 Nein, und ich habe ja in der vorletzten Woche auch mit einer ganzen Reihe von weiteren Staats- und Regierungschefs aus der Europäischen Union einen sehr klaren Brief an den israelischen Ministerpräsidenten geschrieben. Ich habe mit ihm darüber mehrfach gesprochen. Die Siedlungspolitik im Westjallanland, insbesondere in diesem sogenannten E1-Gebiet, wird von uns hart und öffentlich kritisiert. Und Sie haben es wahrscheinlich bemerkt.
01:15:38 Auch Netanjahu hat mittlerweile gegenüber den gewalttätigen Siedlern reagiert und merkt, dass er seine internationale Reputation auf Spiel setzt, wenn er diesem Treiben dort weiter zuschaut und den Eindruck erweckt, als ob er es zulässt. Deswegen gibt es auch hierzu eine ganz klare Position der Bundesregierung. Das, was dort geschieht, ist völkerrechtswidrig und das benennen wir auch sehr klar und sehr deutlich beim Namen.
01:16:05 den Staat Israel so klar trennen von einer Regierung, wo ein Minister sagt, es wäre gut, wenn da jeder nach dem Palut erschossen wird? Auch zu diesem Minister haben wir eine klare Meinung. Es wird in der Europäischen Union Entscheidungen gegeben, auch gegen diese Personen, die sind vorbereitet. Das hat schon einmal in einem Außenministertreffen eine entsprechende Beschlussfassung gegeben. Und wir unterscheiden sehr wohl zwischen einzelnen Repräsentanten des Staates Israel in der Regierung.
01:16:32 und dem Existenzrecht des ganzen Staates. Und das sollten gerade wir Deutschen tun, denn die Aussöhnung zwischen Deutschland und Israel ist eine der großartigsten Dinge, die wir nach dem Zweiten Weltkrieg erreicht haben. Es war alles andere als selbstverständlich, dass Israel Deutschland die Hand gereicht hat nach den schrecklichen Dingen, die da passiert sind. Aber umso mehr müssen wir heute das Existenzrecht dieses Landes verteidigen und da werde ich keinen Millimeter zurückweichen.
AfD und Parteiverbot
01:17:0201:17:02 Das war jetzt viel zum Thema Außenpolitik. Sie gelten auch, manche bezeichnen Sie als Außenkanzler. Dazu gibt es eine Frage von Nico Locker bei Instagram. Wie kann man andere Leute und Länder unterstützen und fördern, wenn es bei uns genug Baustellen gibt? Wir unterstützen und fördern ja nicht andere Länder und vernachlässigen dabei gleichzeitig unsere eigenen Aufgaben. Beides hängt miteinander zusammen. Die Frage, wie frei, friedlich Deutschland lebt.
01:17:30 Liegt nicht allein an uns. Und deswegen investiere ich viel Zeit in die europäische Politik. Deswegen engagiere ich mich auch in der NATO. Wir sind mit eines der größten und wichtigsten Länder in der Europäischen Union. Wir sind das mit Abstand bevölkerungsreichste Land. Wir sind ein großes Land in der NATO. Und gleichzeitig...
01:17:52 ist meine Arbeitskraft und meine Arbeitszeit in den letzten Wochen allzu mal sehr viel stärker auf die Wirtschaftspolitik, die Sozialpolitik, die Innenpolitik ausgerichtet gewesen. Es gehört beides zusammen.
01:18:02 Gut, dann kommen wir jetzt zu einem innenpolitischen Thema, über das Sie vorhin auch schon gesprochen haben. Und zwar geht es um die AfD. Da schreibt Niklas, sehen Sie sich mit in der direkten Verantwortung für die hohen Prozentzahlen dieser Partei? Wir müssen uns alle fragen, woher es kommt, dass wir eine so hohe Prozentzahl sehen bei dieser Partei.
01:18:26 Ich will mich auch nicht damit herausreden, dass es in vielen anderen Ländern auch diese Form des Rechtspopulismus gibt. Wir sehen das auf der ganzen Welt, in vielen Demokratien. In Deutschland hat das immer noch etwas ganz Besonderes, wenn eine Partei, die zum Teil völkisches, nationalistisches Gedankengut äußert, eine so hohe Zustimmung bekommt. Ich verstehe vielerorts den Frust, die Enttäuschung. Ich weiß auch, dass eine Koalition mit der SPD zusammen bei vielen auf Widerspruch stößt.
01:18:55 Weil viele sagen, ihr hättet doch mit denen zusammen die Mehrheit für eine ganz andere Politik und macht trotzdem mit der SPD. Ich sage ja, wir machen es mit der SPD, weil in den Fragen der Außenpolitik, der Europapolitik, der Russlandpolitik, es mit der AfD keinerlei Gemeinsamkeiten gibt. Und wenn wir da vielleicht in der einen oder anderen Frage übereinstimmen sollten, das ist so dominant und die Widersprüche sind so eklatant, dass ich nicht daran denke, mit dieser Partei zusammenzuarbeiten.
01:19:23 Das muss man erklären. Das ist nicht ganz einfach. Und da müssen wir durch eine schwierige Zeit durch. Aber ich versuche, das jeden Tag zu überprüfen. Können wir das noch besser machen? Müssen wir das besser erklären? Ja, wir müssen es besser erklären. Wir versuchen es. Es wird uns nicht so gelingen, wie wir es uns vielleicht vorstellen. Aber auf die längere Frist wird nur erfolgreiche Politik.
01:19:43 dieses Dilemma auch lösen, nachzuweisen, dass man trotzdem in der Lage ist, in der politischen Mitte die Probleme unseres Landes zu lösen. Sie haben jetzt gerade gesagt, nur erfolgreiche Politik. Hier kommt gerade ganz aktuell eine Frage bei YouTube rein. Was ist denn mit einem AfD-Verbotsverfahren?
01:19:59 Es gibt eine intensive Diskussion darüber. Es hat jetzt auch einen großen Namensbeitrag gegeben von Manuel Hagel und Cem Özdemir, die begründet haben, dass man wenigstens den sogenannten völkischen Teil der AfD verbieten sollte. Ich will mich dem nicht verschließen. Ich will darauf hinweisen, die Hürden für ein Parteienverbot sind in Deutschland sehr, sehr hoch. Die Bundesregierung ist damit schon mal gescheitert.
01:20:26 Das Bundesverfassungsgericht wird sich lange Zeit nehmen für eine Prüfung. Und ich fühle mich sehr unwohl bei dem Gedanken, mit einem laufenden Verbotsverfahren gegen die AfD zum Beispiel in die Bundestagswahl 2029 zu gehen. Ein Verbot einer politischen Partei ist immer nur eine Hilfslösung. Ist im Grunde genommen die zweitbeste Lösung. Die beste Lösung wäre, man würde es politisch erfolgreich bekämpfen, das durch einen Extremismus in Deutschland.
Rechtsextremismus und Demokratie
01:20:5001:20:50 Sie haben eben gerade beim Thema Israel gesagt, wie wichtig Ihnen und wie viel Ihnen die Aussöhnung zwischen Deutschland und Israel nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Holocaust bedeutet. Die langjährige Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, hat gesagt, man kann die AfD nicht mit der NSDAP gleichsetzen, man muss vieles mittlerweile vergleichen. Macht Sie das gerade mit dem, was Sie gerade gesagt haben, nicht auch nachdenklich? Sie hat gesagt, man muss dann auch konsequent sein.
01:21:18 Ich habe mit Charlotte Knobloch darüber auch mehrfach gesprochen. Sie hat jetzt gerade ein wirklich lesenswertes Buch geschrieben. Sie hat mir dazu auch einen persönlich sehr offenen und sehr nachdenklichen Brief geschrieben. Ich habe ihr sehr schnell zurückgeschrieben. Wir treffen uns auch demnächst wieder einmal und werden genau darüber reden. Ich will nur auf das Risiko hinweisen. So ein Verbotsverfahren läuft ja nicht mal einfach eben so. Und dann ist das Ergebnis klar.
01:21:46 Sondern es wird ein langwieriger Prozess. Übrigens ganz nebenbei. Wir müssten in dem Augenblick, wo wir ein Verbotsverfahren beantragen, sämtliche Beobachtungen der AfD von innen einstellen. Ich weiß nicht, ob wir zurzeit solche Beobachtungen machen. Das will ich auch nicht wissen. Ich gucke mir nur die Ergebnisse an. Aber unsere nachrichtendienstlichen Möglichkeiten gegenüber der AfD würden in dem Augenblick nicht größer, sondern kleiner.
01:22:13 Und da stehe ich einfach vor dem Dilemma oder vor der Frage, was ist jetzt klüger, was ist besser? Was wird uns am Ende des Tages den Erfolg bringen? Ein solches Verbotsverfahren, möglicherweise ein Scheitern?
01:22:25 Und ein Gütesiegel des Bundesverfassungsgerichtes, so wird es interpretiert, für die AfD oder eine erfolgreiche politische Auseinandersetzung mit dieser Partei. Schauen wir mal. Kommen wir zu einem anderen Thema. Vor wenigen Wochen gab es hier in Berlin einen islamistisch motivierten Anschlag auf den CSD. Und dazu passt jetzt die Frage, die live bei YouTube reinkam von Velia. Was tun Sie für die queere Community in Deutschland?
01:22:51 Ich bin ja an dem Tag, nachdem es passiert ist, auch hier gewesen. Ich bin in der Marienkirche bei dem Gottesdienst dabei gewesen. Ich habe dort auch gesprochen und ich habe der Community gesagt, ich möchte alles tun, damit auch in Zukunft diese Community weiter fröhlich feiern kann.
01:23:11 Und ich habe das an einem Tag voller Trauer gesagt, wo hier eine Frau aus Polen ums Leben gekommen ist und viele Menschen verletzt worden sind. Und ich habe dafür viel Beifall in der Kirche bekommen. Und das hat mich auch ermutigt, genau das immer wieder zu sagen. Wir müssen, wir dürfen uns die gute Stimmung dieser Community, die in solchen...
Soziale Sicherheit und Reformen
01:23:3401:23:34 Ereignissen wie dem Christopher Stitter, natürlich nicht nur in Berlin, auch in Köln und vielen anderen Städten findet das ja statt. Wir dürfen uns diese Freiheit nicht nehmen lassen. So und dafür werde ich jederzeit einstehen und das habe ich bei dieser Gelegenheit auch sehr klar und sehr deutlich gesagt. Aber dann gibt es noch eine Nachfrage und zwar von Anna, glaube ich. Ich muss die gerade mal noch schnell finden. Warum stellt sich die Union dann gegen die Aufnahme des Schutzes sexueller Identitäten ins Grundgesetz?
01:24:02 Wir stellen uns nicht dagegen. Das steht bereits im Grundgesetz. Im Grundgesetz Artikel 3 Absatz 1 Satz 1 steht der ganz einfache Satz. Alle Menschen sind gleich. So und in diesem Satz steht alles drin. Ich glaube nicht, dass wir das weiter interpretieren müssen und um weitere Fallgruppen erweitern müssen. In diesem einen Satz steht alles. Und dazu zählt jeder, unabhängig von seinem Glauben, von seiner sexuellen Identität.
01:24:30 Darunter fallen alle Menschen. Und das ist auch Geschlecht, Herkunft, Glaube wird eingegangen. Auf den Punkt nicht. Könnte man ja machen, wenn es sowieso keinen Unterschied macht. Aber ich glaube nicht, dass wir durch eine Grundgesetzänderung die Lage dieser Community verbessern, sondern ganz praktische Politik hilft und nicht abstrakte Debatten über das Grundgesetz. Okay, dann kommen wir jetzt zu einem weiteren Thema, das ganz oft nachgefragt wird. Und das ist das Thema Psychotherapie, zum Beispiel bei YouTube von Fungimax.
01:24:59 Welche Maßnahmen werden Sie angesichts der geplanten Psychotherapie-Kürzungen ergreifen, um die Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland weiterhin zu gewährleisten? Wenn ich es richtig sehe, haben wir im internationalen Vergleich eines der größten Budgets für psychotherapeutische Betreuung aller Bevölkerungsgruppen. Dieses System kann sehr viel besser und effizienter werden. Da kommt es nicht alleine auf Geld an. Das ist ein Thema, was wir im...
01:25:27 zweiten Durchgang der Gesundheitsreform im Herbst auch noch einmal aufrufen werden. Wir wollen allerdings auch, wir müssen mit den Ressourcen unseres Gesundheitssystems sparsam umgehen. Und diesen Weg, den müssen wir, diese Kompromisse, die müssen wir jetzt auch in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung finden, nicht nur im Bereich der Psychotherapie. Herr Merz, wir kommen zur letzten Frage. Kommt von Woodblood bei Instagram. Wenn Sie auf Ihre bisherige Amtszeit zurückblicken, gibt es Dinge, die Sie heute anders machen würden und welche sind das?
Persönliche Reflexion und Fehler
01:25:5701:25:57 Ja, hinterher ist man häufig klüger und weiß, was man hätte besser machen müssen oder sollen. Aber ich sage mal, insgesamt bin ich der Meinung, stimmt der Kurs der Bundesregierung. Wir müssen besser erklären, wir müssen uns vielleicht auch mehr Zeit nehmen, aber wir müssen Entscheidungen treffen. Die Zähflüssigkeit des Systems, um es mal etwas salopp zu sagen, beschwert mich.
01:26:25 Wir sind nicht schnell genug. Wir laufen der Zeit hinterher. Und wir hätten manches vielleicht auch früher erkennen müssen. Also ich sage mal zum Beispiel die Diskussion, die wir letztes Jahr um das Bundesverfassungsgericht gehabt haben, die hätten wir uns sparen können. Aber manche Dinge kommen, wie sie kommen. Und dann muss man Entscheidungen treffen. Und deswegen hoffe ich, dass es uns gelingt, das auch in den nächsten Wochen und Monaten so zu tun, dass die Bevölkerung wieder etwas zufriedener ist mit der Bundesregierung.
01:26:53 Herr Bundeskanzler, wir haben vorhin darüber gesprochen, über Ihre Zustimmungswerte. Und Sie haben selber Olaf Scholz in einem Tweet mal geschrieben, wenn ein Kanzler solche Zustimmungswerte hat und dann nicht an seinem Stil, seiner Kommunikation oder seiner Politik etwas ändert, dann lässt er die Menschen allein, und das ist, ich weiß nicht mehr genau das Wort, aber verantwortungslos. Wenn das bei Ihnen so bleibt, die Zustimmungswerte.
01:27:19 Ziehen Sie dann Konsequenzen oder machen Sie es wie Olaf Scholz? Ich bin der Kanzler und ich gehe auch an die nächste Wahl. Also die nächste Wahl steht in zweieinhalb Jahren an, dass man zur Mitte der Wahlperiode oder im ersten Drittel einer Wahlperiode, und erst da sind wir, auch mal mit Kritik konfrontiert wird, ist normal. Zum Ende der Wahlperiode muss das anders sein. Aber ich bemühe mich jetzt darum, gute Politik zu machen, sie besser zu erklären und dem Land zu zeigen, dass wir solche Veränderungen, solche Reformen.
01:27:47 damit wir ein solches Land, wie ich es mir vorstelle, bleiben. Ein Land in Frieden, ein Land in Freiheit. Ich zitiere noch mal die beiden Unternehmerinnen, die letzte Woche bei uns gewesen sind, ein liebenswürdiges Land zu sein. Und genau darum bemühe ich mich. Aber tut Ihnen das im Nachhinein ein bisschen leid, dass Sie das so scharf formuliert haben damals? Oder ist das einfach, was eine Opposition zu reib macht? Ich habe das zum Ende der Wahlperiode gesagt, zu einem Zeitpunkt, wo Olaf Scholz, anders als wir heute,
01:28:15 eine Regierung hatte, die ihm nicht mehr gefolgt ist. Das war ja der Befund. Olaf Scholz hat eine Regierung geführt, wo die FDP monatelang praktisch um den eigenen Rausschmitz missgebeten hat. Es war eine komplizierte Regierung. Unsere ist heute, ich meine zu sagen, weniger kompliziert. Wir sind eine Regierung aus zwei Koalitionspartnern. Aber wir sind erst im ersten Drittel. Und ich gebe nicht auf.
Zusammenfassung und Ausblick
01:28:4101:28:41 Vielen Dank, Herr Merz. Vielen Dank, Markus Preiß, dem Leiter des Hauptstadtstudios. Vielen Dank vor allen Dingen euch zu Hause fürs Fragestellen. Und im Stream mit Celine Schmock geht's jetzt weiter.
01:28:53 Willkommen zurück nach diesen beiden ARD-Sommerinterview-Teilen mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Und ich freue mich total, denn ich habe gerade schon bei YouTube im Chat gelesen, wo bleiben Analyse und Faktencheck zu diesem Interview? Die kommen jetzt. Ich freue mich total, dass ich darüber jetzt mit den Faktenfinder der Tagesschau und den Korrespondenten hier aus dem ARD-Hauptstadtstudio sprechen kann. Und ich wende mich mal in deine Richtung, Carla. Du bist Faktenfinderin hier im Faktencheck-Team.
01:29:18 Gibt es schon irgendwas, was ihr Fakten checken konntet nach diesen beiden Interviewteilen? Also wir sind unter Hochdruck dabei, alles Mögliche zu checken. Was ich direkt einfach einmal sagen kann, das sind jetzt eher so Kleinigkeiten, aber Merz hat gesagt, dass er weder das Wort faul noch das Wort Lifestyle selbst benutzt hat. Und das können wir recht klar widerlegen. Also er hat das Wort Lifestyle...
01:29:47 Tatsächlich exakt so genutzt am 18. Februar 2026 beim politischen Aschermittwoch der CDU. Da hat er gesagt, Lifestyle und Viertagewoche, alles schön, kann man alles machen. Aber wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen, dann müssen wir jetzt alle mal zusammen ins Rad packen. Also da hat er tatsächlich genau das Wort genutzt. Und bei faul sieht es so aus, er hat das Wort Faulheit.
01:30:14 Ich würde sagen, das gilt als benutzt und zwar im Februar 2025 beim Wahlkampfabschluss der CDU-CSU. Da hat er gesagt, Leistung wird wieder im Vordergrund stehen und nicht Behäblichkeit, Bequemlichkeit, Faulheit und alle möglichen Ausreden.
01:30:33 Und da möchte ich einmal noch in Richtung Chat sagen, wenn ihr jetzt noch Fragen habt an das Faktencheck-Team, dann stellt uns die jetzt gerne, dann gebe ich die hier direkt weiter. Kalla, eine Frage hätte ich noch. Wie guckt ihr euch denn jetzt an, welche Aussagen überhaupt in die engere Auswahl zum Faktenchecken kommt? Also es waren jetzt ja wie gesagt fast eine Stunde Interview. Wie priorisiert ihr da jetzt? Wir schreiben live mit, hören natürlich ganz genau hin und tatsächlich ist eine generelle...
01:30:58 Oder ein Ausweihkriterium, es müssen Tatsachenbehauptungen sein. Danach schauen wir ganz konkret und dann ist es wirklich so, dass wir alles aufschreiben, was als Tatsachenbehauptung gefallen ist, oft schnell quasi anrecherchieren, ob es korrekt ist, ob das eventuell irreführend ist oder...
01:31:18 komplett falsch ist. Und dann gehen wir tiefer rein und verteilen dann in unserem Team die einzelnen Punkte, wo wir dann genauer reinschauen, genauer in die Recherche gehen, was
01:31:31 wie korrekt ist oder wo eventuell, du sprachst da am Anfang auch von Kontext fehlt, den wir dann liefern können. So gehen wir vor. Eine Frage, die jetzt gerade frisch bei Twitch reingekommen ist. Warum macht man dann den Faktencheck nicht eigentlich direkt, simultan sage ich jetzt mal, zum Interview? Was sagst du dazu?
01:31:50 Das liegt daran, dass es komplexer ist, als man es vielleicht so auf den allerersten Blick meint. Also das, was ich dir gerade genannt habe, ist ja recht eindeutig. Hat er es gesagt, hat er es nicht gesagt. Dann gibt es aber eben Aussagen, die sind deutlich komplexer. Da müssen wir uns genauer angucken, was meint er denn eigentlich mit Migration? Sind das nur die Asylerstanträge oder...
01:32:12 kommen da noch andere Zahlen mit rein. Und da gucken wir dann eben ganz genau rein. Und das muss man sagen, kann eine KI so bisher nicht liefern. Wer weiß, vielleicht ist es in einem Jahr schon ganz anders, wenn wir im nächsten Jahr zu den Sommerinterviews da sind. Aber aktuell ist es einfach so, dass wir sozusagen, es nennt sich
01:32:31 mindestens mal human in the loop quasi benötigen und eigentlich brauchen wir wirklich Leute, die sich eben damit auskennen, die direkt sagen können, ah, das ist falsch, das ist richtig und dann da tiefer reingehen und nicht nur diesen ersten oberflächlichen Blick einem geben, sondern genauer reingehen, genauer schauen, was für Studien gibt es da, gibt es da mehrere Studien von unterschiedlichen Instituten und so weiter und so fort.
01:32:55 Wir sprechen gleich nochmal weiter. Ich habe eine Frage, die ich gerne nochmal in Richtung unserer Korrespondenten hier im ARD-Hauptstadtstudio weitergeben möchte. Nämlich haben wir bei YouTube die Frage bekommen, warum schafft es denn Herr Merz, trotz seiner Medienberater, oftmals in Fettnäpfchen zu treten und ungeschickt impulsiv zu kommunizieren? Erlebt ihr das auch so, wie der Fragesteller bei YouTube? Oh ja. Ja, ich glaube, dass er ist ja ein...
01:33:18 Mann aus der Wirtschaft, Friedrich Merz. Und ich glaube, dass er sich schlicht und einfach in manchen Sachen nicht sagen lässt, beziehungsweise da nicht beratbar ist. Und er ist ja ein guter Rhetoriker. Wenn man seine Reden im Bundestag anhört, der ist ja schlagfertig, kann wirklich gut reden. Aber da haut er dann ab und zu einen raus. Ich finde zum Beispiel auch in Neuhartenberg, ich weiß nicht, Nicole, wie du siehst.
01:33:40 Neuer Handwerk nochmal für alle, die jetzt gerade erst drei Minuten reden. Das war die Klausur jetzt gerade der Bundesregierung mit Ministerinnen und Ministern, die sich ihren Reformkurs abgesprochen haben. Aber dass er am Ende dann nochmal in der Pressekonferenz sich selbst nochmal zu dem ganzen Druck, den er ohnehin hat, nochmal sagt, am Ende werden wir eine Bilanz ziehen können, die sie sehen lassen kann, frage ich mich.
01:34:01 Du hast genug Druck auf den Schultern, muss das sein. Ja, das habe ich genau in der Situation auch gedacht, weil er hat ja, ihm wird ja vorgeworfen, sie werden es spüren. Das war ja eine seiner ersten Sätze im Bundestag, dass er gesagt hat, ihr werdet es spüren, welche Maßnahmen wir ergreifen, es wird besser.
01:34:17 Und dann wird er viel kritisiert, auch Herbst der Reformen und so weiter. Man wird es bis zum Sommer spüren, bis zum Herbst. Und jetzt wieder die Ankündigung, am Ende des Jahres wird was stehen, was wirklich... Der zweite Herbst der Reformen. Das lässt sich wirklich sehen, das ist das eine. Und ich erinnere mich auch an Situationen. Ich glaube, manchmal weiß der gar nicht, was er...
01:34:36 Was er für eine Welle oder was er da so verursacht. Also ich erinnere mich auch, da war ich auch dabei, beim Bankenverband über die Rente gesprochen hat. Und dann sagt er im Prinzip so etwas wie, naja, das wird am Ende ja nur noch so eine Basisrente sein, dass er da eine Welle an Empörung auch bei seinem Koalitionspartner auslöst, dass eben die gesetzliche Rente nicht nur so ein Basisding sein kann, sondern tatsächlich eine Rente sein muss, womit man auch leben kann. Ich glaube, der hat in dem Umfeld gar nicht gemerkt, was er da auslöst. Also manchmal...
01:35:06 weiß er nicht, was er da so wirklich tut. Ich würde da, die Frage stelle ich euch beiden auch gleich, deswegen könnt ihr schon mal überlegen, was eure Antwort darauf ist. Ich würde den Chat gerne einmal fragen, wie zufrieden seid ihr denn mit den Aussagen von Friedrich Merz auf einer Skala von 1 für geht so bis 10 mit bis total zufrieden. Schreibt das gerne einmal in den Chat, das würde mich interessieren. Und jetzt stelle ich die Frage direkt schon mal an euch beide, damit der Chat sich das in Ruhe nochmal überlegen kann. Was sagt ihr denn, 1 bis 10, wie hat Merz heute auf euch gewirkt?
01:35:36 Ich würde sagen, es war ein typischer März. Es waren keine Ausreißer. Es war eben so eine Aussage, die, über die wir gerade geredet haben, waren nicht dabei. Also insofern sechs, fünf bis sechs. Ich kann schon mal verraten, der Chat liegt drunter. Ja, also er ist auf jeden Fall, er hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Es gab ja schon andere Interviews, da hat er sich aus der Ruhe bringen lassen, das nicht. Er hat viel versucht zu erklären.
01:36:03 Steht auch für manches, aber es war jetzt, also er hat zumindest keine falschen Erwartungen erweckt, würde ich mal sagen, oder? Dass er ein Versprechen gemacht hat und man dachte, oh, kann er das wirklich halten, sondern Sie werden das schon sehen. Das hat er schon mal gesagt, auch vor ein paar Monaten schon. Er sieht selber, dass das Erklären fehlt, hat er jetzt am Schluss im Interview auch nochmal gesagt. Da merkt man deutlich, dass er versucht, sich zu ändern.
01:36:31 besser eben auszuführen, wozu das Ganze dient, wo das hinführen soll. Und das ist ja das, was die Leute erwarten. Wobei ich mich schon gefragt habe, warum er gesagt hat, das Wort faul und Lifestyle habe ich nie benutzt. Habe ich nie benutzt, ja. Also ohne Not hätte er nicht sagen müssen. Also interessant.
01:36:48 Ja, ich möchte wie gesagt das nochmal bestätigen, der Chat ist ein bisschen weniger zufrieden als ihr mit der Performance von Friedrich Merz und einen Kommentar kann ich da direkt einmal bei YouTube noch vorlesen und zwar hat jemand geschrieben, es fühlt sich an, als hätte ich dieses Interview schon mal gesehen, es sind fast die gleichen Fragen und die gleichen Antworten von Friedrich Merz. Habt ihr das auch so wahrgenommen, dass es mit Friedrich Merz häufig ein bisschen more of the same ist? Ich finde, dass sich sein...
01:37:14 Tatsächlich, wenn man es über die Monate verfolgt, dass sich schon was geändert hat. Also jetzt, seit Mai bis jetzt, finde ich, ist tatsächlich erkennbar, dass er versucht, besser zu erklären, dass er eben, es gibt ja dieses komische Wort Erwartungsmanagement. Also das ist genau das, dass er viel ankündigt, was dann nicht so schnell kommt, wie man es erwarten könnte nach dem, was er versprochen hat. Dass er da versucht, zurückzuschalten, das, finde ich, merkt man schon.
01:37:39 Also insofern würde ich sagen, über die Zeit schon eine Veränderung. Aber es stimmt, also das, was er heute gesagt hat, stimmt natürlich im Wesentlichen überein mit dem, was wir in den vergangenen Wochen von ihm gehört haben. Ehrlich gesagt, wenn es anders wäre, dann würde man ihm vielleicht auch Wankelmütigkeit vorwerfen. Es ist ja auch einfach typisch, Politiker haben auch so manche Textbausteine oder manche Sätze, die sie immer wieder sagen. Also auch beim Thema Klimaschutz, 300 Maßnahmen. Wobei es war,
01:38:07 Müssen wir nochmal darüber reden, weil das hat er schon in Neuhartenberg bei der Klausur gesagt und ich habe es immer noch nicht verstanden. Ich glaube, wo die 300 Maßnahmen herkommen, wenn man nämlich guckt, die Bundesregierung hat in ihrem Klimaschutzprogramm 90 Maßnahmen aufgeführt, 8 Milliarden Euro bis 2030. Da sind neue Windräder mit drin, E-Mobilität, die Förderung derselben. Aber wo die 300 herkommen, ich glaube, er wirft Hitzeschutz.
01:38:32 Anpassung an die Folgen des Klimawandels und Klimaschutz. Hat er dann auch gesagt, wir sind auf den Klimakonferenzen Schrittmacher, das stimmt. Aber er wirft alles in einen Topf, glaube ich. Plus die Länder. Also er hat noch die Bundesländer und wenn man natürlich alle Maßnahmen in den Bundesländern, das, was die Bundesregierung beschlossen hat und alles zusammen.
01:38:52 Dann kommt man womöglich auf 300. Möglicherweise, ich kann es nicht nachvollziehen. Dazu haben wir auch gerade bei Twitch noch eine Frage bzw. eine Meinung zu dem Interview bekommen. Amda schreibt da bei Twitch, ich habe heute mitgenommen bei der nächsten Hitzekatastrophe, einfach mehr trinken. Geht das euch auch so? Prost. Das war auf jeden Fall auch Thema, auch wieder auf der Kabinettskase, ein Satz, den er auch gesagt hat, und das hat sich jetzt wieder wiederholt.
01:39:18 Lernen von anderen Ländern, also dass es Länder gibt, bei denen dann die Eltern den Kindern jeden Morgen eine Flasche Wasser mitbringen, dass das da Usus wäre und das ist der Appell, Leute, ihr müsst auch selber für euch sorgen. Also trinkt mehr Wasser, der hat ja das auch auf der Kabinettsklausur gesagt, oder Eltern, die einfach ihren Kindern Wasser mitgeben sollen in die Schule. Habe ich mich gefragt, okay, wer macht das nicht, aber gut. Ich glaube, das ist der Versuch dieses...
01:39:43 Wir können nicht alles bezahlen und wir können nicht alles für euch machen. Der Staat kann nicht alles machen. Das ist der Versuch von Merz, kümmert euch auch ein bisschen um euch selber. Wir können nicht alles zahlen. Ich lese hier im Chat gerade parallel, der Wunsch nach noch mehr Faktencheck ist groß. Deswegen gucke ich nochmal in deine Richtung, Carla. Was kannst du mir erzählen, wie weit steht ihr jetzt gerade beim Faktencheck zu den beiden Interviews?
01:40:08 Also ich kann auf jeden Fall einen weiteren Faktencheck liefern, wo Merz nicht korrekt war. Er hat an einer Stelle gesagt, wo es darum ging, warum Deutschland so hohe Verteidigungsausgaben hat und es um die Schulden.
01:40:31 Im internationalen Vergleich ging, hat er gesagt, wir sind damit immer noch eines der am wenigsten verschuldeten Länder Europas. Wir sind immer noch ein Land, das mit Abstand das beste Rating aller europäischer Länder hat. Und da kann man sagen, wir sind tatsächlich ein Land, was zur Spitzengruppe bei den Finanzratings gehört. Aber wir sind nicht mit Abstand ganz vorne.
01:40:57 Wir haben eine Schuldenquote von 63,5 Prozent, um es mal auf Zahlen quasi wirklich uns dingfest zu machen. Und Länder wie beispielsweise Irland, Dänemark, Schweden, Kroatien oder Polen haben eine geringere Schuldenquote als Deutschland. Und man kann sich dann auch noch...
01:41:19 so Ratings, quasi Finanzratings anschauen und auch da gibt es andere EU-Staaten wie zum Beispiel Luxemburg oder die Niederlande, die vor uns liegen. Das heißt, wie schon gesagt, wir sind wirklich gut, aber eben nicht die Besten und auch überhaupt gar nicht, also mit Abstand kann eigentlich nicht die Rede sein.
01:41:41 Vielleicht könntest du mich noch einmal mitnehmen, beziehungsweise auch alle Leute, die jetzt nicht Teil von eurem Faktencheck-Team sind. Wie geht denn jetzt, unsere Sendung geht jetzt ja nicht mehr den kompletten Abend lang. Wie geht das jetzt für euch heute noch weiter? Wie viele Fakten checkt ihr? Was steht da noch mit drauf, was vielleicht noch nicht ganz klar ist? Wie geht das jetzt weiter?
01:41:59 Also ich habe jetzt keine konkrete Zahl, die ich dir nennen kann. Ich kann dir sagen, wir haben vier DIN-A4-Seiten quasi mit Fakten, die wir gerade gegenchecken. Also wir haben einiges, was wir gegenchecken und die Quintessenz dessen.
01:42:15 werden die Sachen aufschreiben in dem Artikel, wo Merz eben nicht ganz korrekt war. Und diesen Artikel findet man bei tagesschau.de und wir werden den jetzt einfach laufend aktualisieren und erweitern, dass wir quasi blogartig jetzt unseren Stand der Recherche öffentlich machen.
01:42:42 Wir werden hier wohl noch einige Stunden sitzen, würde ich sagen. Das fließt dann alles in einen Artikel, den wir dann finden. Den Link finden alle, die bei Twitch und bei YouTube zuschauen, auch direkt im Chat. Aber für alle, die woanders zuschauen, tagesschau.de slash faktenfinder, da kommt der dann. Dann schaue ich hier noch einmal in den Chat. Hier schreibt jemand, hat Merz auch einfach irgendwo nicht gelogen? Also gibt es Aussagen, wo ihr vielleicht auch schon sagen könnt, das stimmt oder das...
01:43:10 Würde ich jetzt mal vermuten, sind wahrscheinlich, ist der Großteil von dem Ganzen, wenn du jetzt sagst, ihr schreibt euch minütlich auf, welche Aussagen es da gibt, sind wahrscheinlich die meisten tendenziell richtig oder gibt es da eine Quote, wo man sagen kann, eigentlich ist der Großteil bei jetzt eher falsch? Genau, also insgesamt würde ich sagen, ist es so, dass viele der...
01:43:29 die Merz getätigt hat, unserer Überprüfung standhalten. Ich kann ein konkretes Beispiel nennen. Er hat gesagt, dass die Gesundheitsbranche die größte wachsende Branche unserer Volkswirtschaft ist. Das ist korrekt. Es gibt zahlreiche weitere korrekte Aussagen, aber das wäre jetzt ein ganz konkretes Beispiel. Muss man ja auch sagen, es stand jetzt 19.13 Uhr. Das heißt, es ist noch nicht so lange her, dass das Interview stattgefunden hat. Eine Frage habe ich gerade noch von Twitch für dich. Wie checkt man denn als Faktenchecker die Richtigkeit der Daten von den Quellen?
01:43:58 die ihr da jetzt anführt. Also worauf bezieht ihr euch da? Was guckt ihr euch an? Was bewertet ihr auch als seriös oder als unseriös? Wie kann ich mir das so vorstellen? Also eine Sache, die wir grundlegend sagen können, ist, dass wir uns natürlich
01:44:14 Wenn es um, beispielsweise wir hatten hier jetzt gerade Klimamaßnahmen, Klimaziele, dann schauen wir uns natürlich konkret an, was steht denn in den Klimaschutzzielen der Bundesregierung. Also wir gucken uns die Primärquelle sozusagen an, wo diese Klimaschutzziele aufgelistet sind. Wenn es um Studien geht, schauen wir natürlich auch, dass das seriöse Unternehmen sind, die diese Studien machen.
01:44:42 Dann gucken wir, was Ämter beispielsweise bereitstellen. Also das, was wir nicht machen, so kann ich es vielleicht auch nochmal formulieren, ist, dass wir beispielsweise jetzt nur Medienberichterstattung oder so uns anschauen, sondern wir gehen wirklich tiefer rein und schauen uns das genau an. Und ja, also das wäre das, wie ich es jetzt zusammenfassen würde, dass wir uns eben versuchen.
01:45:10 die Primärquellen anzuschauen, die seriösen.
01:45:15 Institute, aber auch die Experten, die halt seit Jahren dann in diesen Themengebieten eben auch arbeiten und dazu veröffentlichen. Vielen Dank. Ich schaue nochmal in eure Richtung, Nicole und Jakob. Vielleicht so ein bisschen zusammengefasst. Wir haben, wie gesagt, jetzt fast eine Stunde lang Friedrich Merz erlebt. Habt ihr das Gefühl, der hat heute eine klare Botschaft mitgebracht und gesagt, das ist eine Sache, die ich heute den Leuten mitgeben will? Ist es vielleicht Optimismus gewesen und Zuversicht, dass jetzt im Herbst der Reform, der irgendwie ansteht, alles gut wird?
01:45:44 Habt ihr das Gefühl, das war nicht so ganz klar erkennbar? Es fehlt die Vision, oder? War das nicht die Frage am Anfang? Die Anweser, es ist die Vision von Deutschland. Wo Deutschland in fünf Jahren steht, das hat er uns irgendwie nicht so richtig mitgeteilt. Außer irgendwie wird es dann klappen mit den Reformen. Wir stehen ja erst im ersten Drittel. Es ist viel Prinzip Hoffnung dabei. Wenn man sich diesen Herbst mal anschaut, mit den Landtagswahlen, jetzt Sachsen-Anhalt ist der erste große Brocken, dann Mecklenburg-Vorpommern.
01:46:13 weiß man nicht, wie innerhalb der schwarz-roten Koalition die Statik sich dadurch verändert, durch die Wahlergebnisse. Vielleicht kommt dann viel ins Rutschen und dann noch dieses ohnehin schon enorme Arbeitspensum mit den ganzen Reformvorhaben, die dann durch den Bundestag müssen. Ist auch die Frage, wie man mit einer Zwölfstimmenmehrheit im Bundestag von Union und SPD das alles durchbringt. Also spannend bleibt es auf jeden Fall.
01:46:35 Also ich hätte den Eindruck, dass so ein bisschen Augen zu und durch ist mir doch egal, ob ich unbeliebt bin. Wir müssen diese Reformen jetzt durchziehen. Die sind nicht bequem. Wir haben sehr viel einfach nicht gemacht. Und das ist, glaube ich, vielleicht erst mal die Gangart der nächsten Monate. Und ich glaube, er hat sich schon, das hat man noch so ein bisschen gemerkt, er bereitet sich darauf vor, dass es noch sehr viel Gegenwind geben wird für die Reformen, weil die einfach teilweise sehr schmerzhaft sind für den einen oder anderen.
01:47:01 Das aber die Vision, also wenn du mich fragst, wo steht Deutschland in fünf Jahren, die Antwort habe ich vom Kanzler nicht gekriegt. Besser, das war es. Hoffentlich besser. Es bessern sich ja seiner Darstellung nach schon die Wirtschaftsdaten ganz zaghaft und irgendwie schaut es dann besser aus in fünf Jahren. Das habe ich auch mitgenommen. Und tatsächlich Augen zu und durch ist genau der Punkt. Also dass man jetzt erst mal...
01:47:26 möglicherweise damit rechnet, dass es noch schlimmer kommt. Aber ehrlich gesagt, was soll er auch machen? Es muss jetzt ja irgendwann mal Wirkung her. Versprochen hat er genug und lange genug. Und sie fangen jetzt an zu arbeiten. Eine Frage, die sich mir da direkt stellt, die ich jetzt hier auch schon so ein bisschen im Chat beobachte. Über die Beliebtheitswerte haben wir jetzt immer mal wieder an verschiedenen Stellen gesprochen. Was würdet ihr sagen, oder vielleicht du, Jakob, was, wie...
01:47:48 Fest sitzt Merz gerade im Sattel. Also weil ich jetzt auch hier immer wieder das Wort Neuwahlenrücktritt lese. Es gab ja auch in verschiedenen Medien immer mal wieder so Spekulationen darüber, dass vielleicht jemand nachrückt, ausgetauscht wird. Interessante Frage. Genau. Also die Umfragewerte sind desaströs. Und trotzdem glaube ich, dass er relativ fest im Sattel sitzt. Einfach aus zwei Gründen. Einmal sind die Hürden für einen Kanzlerwechsel in Deutschland sehr hoch, laut Grundgesetz.
01:48:15 Vertrauensfrage oder konstruktives Misstrauensvotum, da braucht ein neuer Kandidat, Kandidatin, eine absolute Mehrheit hinter sich und da sehe ich momentan niemanden. Also CSU-Parteichef und Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder wurde immer wieder genannt. Ob der noch Ambitionen hat, ist nicht so ganz klar. Und die größere Frage ist, ob die CDU für den Wahlplakate kleben würde, gerade in Nordrhein-Westfalen, dem stärksten Landesverband, ich glaube es nicht.
01:48:39 Und weil wir gerade bei NRW sind, Henrik Wüst, der dortige CDU-Landeschef und Ministerpräsident, der wird auch immer wieder genannt als tatsächlich ernsthafter Konkurrent von Friedrich Merz. Der muss jetzt erst im nächsten April meine Wahl gewinnen, um sich dann ernsthaft für höhere Ämter zu empfehlen. Also auch der ist momentan keine Gefahr für Merz. Also trotz der schlechten Umfragewerte sehe ich es nicht.
01:49:01 obwohl, das muss man auch sagen, er hat ja selber zu der hohen Verschuldung und zur Lockerung der Schuldenbremse, hat er am Anfang auf die Fragen von Markus auch deutlich gesagt, ja, ging nicht anders. Das sitzt immer noch in der Unionsfraktion auch tief. Viele haben da echt nach wie vor mit zu kämpfen, viele CDU, CSU-Abgeordnete, die eigentlich ja einen anderen Kurs wollten und jetzt das bekommen haben.
01:49:23 Morian bei Twitch glaubt, nach der ersten Wahl im Osten wird der Stuhl vielleicht doch stark wackeln. Also wir behalten das im Auge. Ich schaue hier noch einmal auf die Kommentare. Noch ein Kommentar bei Twitch. Joke007 hat geschrieben, die Botschaft aus den Sommerinterviews ist für ihn. Ich bin der Oberlehrer, ihr habt alle keine Ahnung. Also ich würde mal sagen, ein bisschen negativer. Und Susi hat uns noch geschrieben, sie hat nicht so richtig erkannt, welche Visionen, Ziele und Strategien, wie man das jetzt alles erreichen will. Das fehlt ihr alles.
01:49:52 Geht ja so ein bisschen mit dem einher, was auch euer Eindruck war. Ich würde sagen, wir lassen die Faktenchecker noch weiter arbeiten. Euren Artikel finden wir bei tagesschau.de.
01:50:00 Da kommt dann der Faktencheck zum Sommerinterview mit Friedrich Merz online. Danke, dass ihr heute alle mit dabei wart. Wir sind jetzt am Ende dieses Streams und auch am Ende der ARD-Sommerinterviews für dieses Jahr. Ich danke euch allen fürs Mitwachen, dass ihr heute mitdiskutiert habt, aber auch an alle, die sich in den letzten Wochen eingebracht haben, Fragen gestellt haben. Und auch heute, dass ihr mitdiskutiert habt und auch kritisch euch mit eingebracht habt. Wie gesagt, den Faktencheck zum Interview, den findet ihr online bei tagesschau.de. Wenn ihr noch tiefer einsteigen wollt, dann gibt es morgen noch eine Sonderfolge von Berlin Code.
01:50:30 Zum Sommerinterview, ich danke euch allen. Ich danke natürlich auch allen Leuten hinter der Kamera, die heute mit am Start waren, in den letzten Wochen mit dabei waren. Und vor allem danke euch da draußen fürs Zuschauen und fürs Mitdiskutieren. Macht euch noch einen schönen Sonntagabend. Bis ganz bald.