Es wurde eine Doku über das Aufstiegs- und Fallgeschichte von Vice gezeigt. Der Podcast 'Battle of the Nerds' von Journalistin Eva Schulz wurde vorgestellt, der als Gameshow angelegt ist. Dabei wurden sowohl die kulturellen Auswirkungen als auch problematische Praktiken des Konzerns thematisiert.

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Begrüßung und Vorstellung von Eva Schulz

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Der Stream beginnt mit einer herzlichen Begrüßung des Publikums durch den Host, der nach einem Urlaub zurückkehrt. Er begrüßt seine Gastgeberin Eva Schulz, eine Journalistin des Bayerischen Rundfunks, mit großer Freude. Es werden einige persönliche Quick Facts über Eva geteilt: Sie ist 23 Jahre alt, hat mit 19 Jahren ihre Karriere beim BR begonnen und einen Abschluss in Kommunikation, Kultur und Wirtschaft. Ihre Bachelorarbeit trug den provokanten Titel Innovation im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und wie sie verhindert wird. Der Host und Eva sprechen über den entscheidenden Impuls, den die Politik erteilte, um anstatt eines neuen Jugendfernsehsenders auf eine digitale Präsenz im Internet zu setzen, was letztlich zur Entstehung von ARD Funk führte.

Vorstellung des neuen Podcasts 'Battle of the Nerds'

00:06:56

Eva kündigt ihren neuen Podcast 'Battle of the Nerds' an, der seit gestern online ist. Es handelt sich dabei nicht um einen klassischen Podcast, sondern um eine Gameshow, die sie gemeinsam mit Ralf Kaspers moderiert. Das Konzept beinhaltet, dass die beiden gegeneinander antreten und von Experten, den sogenannten Nerds, in drei Runden zu Themen wie Star Wars, James Bond oder Game of Thrones aufgeschlaut werden. Eva gibt an, selbst keine Star-Wars-Fan zu sein und hat erst für den Podcast damit begonnen, die Filme zu schauen. Persönliche und berufliche Karriere-Momente von Eva, wie ihre frühe Karriere beim BR und ihre Rolle im Netzwerk für junge Journalisten, werden ebenfalls angesprochen.

Krasseste Interview-Erfahrungen und die ISS-Folge

00:13:06

Auf die Frage nach dem krassten Gast in ihrer Karriere nennt Eva eine bemerkenswerte Interview-Situation mit dem Astronauten Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation (ISS). Es handelte sich dabei um die erste Live-Übertragung eines Podcasts aus dem All, die für sie unvergesslich war. Sie schildert, wie Gerst während des Gesprächs die Erde umrundete und wie seine Perspektive das Thema Raumfahrt für sie neu belebte. Eva betont die enorme psychische und physische Belastung, die Astronauten aushalten müssen, und beschreibt die tiefgreifenden existenziellen Gedanken, die ein Blick aus dem All auf die Erde auslöst, darunter auch neue Perspektiven zum Thema Klimaschutz.

Analyse von Evas erstem TV-Beitrag und der Club-Concrete-Zeit

00:25:01

Der Stream zeigt einen Ausschnitt aus Evas allererstem Dreh fürs Fernsehen aus dem Jahr 2012. Sie und der Musiker Tom Henssler experimentierten darin mit der Produktion von Romantik aus anstößigen Songtexten. Für Eva war dies der Beginn ihrer TV-Karriere, der jedoch bei ihren Eltern für Verwirrung sorgte. Sie gibt Einblicke in ihre Arbeit bei 'Club Concret', einem Reportage-Talk-Magazin für junge Leute, das als Inspiration für ihre Abschlussarbeit diente und ihr zeigte, wie schwierig es war, junges Fernsehen im klassischen TV-Betrieb zu etablieren.

Karrierestationen Funk, Deutschland3000 und die Entwicklung der sozialen Medien

00:29:29

Eva blickt auf ihre Zeit bei ARD Funk zurück, wo sie von Anfang an mitwirkte. Sie beschreibt das Experiment 'Deutschland3000', das sie für die Bundestagswahl 2017 initiierte, und berichtet, wie sie das Format nach einer inspirierenden Reise in die USA vor der Trump-Wahl 2016 entwickelte. Sie vergleicht die Diskussionskultur der Anfangsjahre von Funk auf Facebook, die noch konstruktiv und divers war, mit dem heutigen Zustand auf Plattformen wie Instagram und TikTok. Dort seien Debatten oft polarisiert und die Algorithmen würden gezielt Meinungen bestätigen, was sie als 'gruselig' empfindet. Auch das Verhalten von Politikern sich verändert, nachdem die Wirkung sozialer Medien, z.B. durch das Rezo-Video, immer deutlicher wurde.

Crazieste Social-Media-Accounts von Politikern

00:33:15

Die Diskussion wendet sich den sozialen Medien von Politikern zu. Eva findet den Account von Außenminister Annalena Baerbock sehr stark, weil dieser kreativ ist, Videos mit Tarot-Karten macht und stark auf visuelle Inhalte setzt. Als Lieblingsaccount nennt sie jedoch den von Markus Söder. Er beschreibt sein Auftreten als 'Gastropopulismus' – eine Strategie, die sich stark über Alltagskultur und Identifikationsmerkmale wie die Wiesn bedient, um die Jugend direkt anzusprechen und sich ihr anzubiedern.

Interaktives Spiel 'Wer hat's gesagt?'

00:35:29

Zur Unterhaltung des Publikums wird das Spiel 'Wer hat's gesagt?' eingeführt. Dabei geht es darum, Zitate von Friedrich Merz und Mr. Burns aus den Simpsons zu unterscheiden und den Sprecher zu erraten. Der Host und Eva raten gemeinsam mit dem Chat und geraten in einer Runde über den Namen 'Kevin' in Schwierigkeiten, wobei die Szene komödiantisch und interaktiv gestaltet ist. Es wird ein weiteres Zitat präsentiert und gemeinsam geraten, wobei die Verwechslungsgefahr zwischen den beiden Persönlichkeiten humorvoll thematisiert wird.

Zitaten-Runde mit politischen Provokationen

00:38:57

Die Streamer beginnen eine Zitaten-Runde, bei der sie berühmte Aussagen identifizieren müssen. Ein erstes Zitat von Friedrich Merz aus dem Jahr 2001 über einen schwulen Politiker sorgt für Diskussion, da Merz sich dafür entschuldigt hat. Danach folgt eine provokante Aussage zur Hässlichkeit von Windkraftwerken, die auf Markus Söder oder Alice Weidel hindeuten könnte. Ein drittes Zitat über den Kampf der Natur wird Mr. zugeschrieben, was die Teilnehmer überrascht.

Der Aktenkoffer-Fall und Merz' Buchgeschenk

00:43:06

Es geht eine Anekdote über Friedrich Merz im Umlauf, der angeblich seinen Aktenkoffer mit Gegenständen im Wert von einer Million Euro im Zug vergisst. Der Finder schickt dem Politiker daraufhin eines seiner Bücher zurück. Die Streamer diskutieren über den Wahrheitsgehalt der Geschichte und finden die Handlung ironisch. Die Zitaten-Runde endet, und die Zuschauer stimmen richtig ab.

Reflexion über die ARD-Mediathek und Content-Kuration

00:48:06

Die Streamer wenden sich der ARD-Mediathek zu. Sie bemängeln, dass Plattformen wie Netflix bessere Daten sammeln können und Inhalte personalisierter ausliefern. Die öffentlich-rechtlichen Mediatheken hingegen müssten ohne diese Daten auskommen, weshalb viele Nutzer den reichen Content verpassen. Dennoch wird die Mediathek in letzter Zeit für ihre Vielfalt und Qualität gelobt, insbesondere im Vergleich zu anderen Streaming-Anbietern.

Ankunft und Thema der Vice-Dokumentation 'Weiß'

00:55:03

Die Streamer starten die Betrachtung der VICE-Dokumentation 'Weiß' über das legendäre Magazin. Sie stellen fest, dass die Doku sehr unterhaltsam ist, aber aufgrund von Nacktszenen für Twitch problematisch sein könnte. Die Dokumentation zeichnet den Aufstieg von Vice, das sich aus einem DIY-Punk-Magazin zu einem globalen Medienimperium entwickelte. Sie porträtierte eine Generation, die 'Tu dummes auf schlaue Weise, tu schlaues auf dumme Weise' als Lebensmotto verfolgte.

Gonzo-Journalismus und die dunklen Seiten von Vice

00:58:42

Die Streamer erklären den Begriff 'Gonzo-Journalismus', der für Vice typisch war: eine sehr persönliche, risikoreiche Berichterstattungsweise aus der Ich-Perspektive. Gleichzeitig werden die dunklen Seiten von Vice beleuchtet, darunter Vorwürfe gegen den Mitgründer Gavin McInnes, der später als rechtsextrem gilt und die Proud Boys mitgründete. Die Redaktion stand unter großem Druck und wurde halbiert, als die Kapitalisten einstiegen.

Berlin als kreative Metropole und Vice-Feeling

01:07:07

Die Dokumentation zeigt Berlin nach der Maueröffnung als aufstrebende, kreative Metropole mit großen Freiräumen. Vice Deutschland erfasste diese Aufbruchsstimmung und schuf ein spezifisches Lebensgefühl. Die Streamer reflektieren über den Mythos der 'armen' Gründer, der ihrer Meinung nach romantisierend übertrieben wird. Sie diskutieren, welche Städte heute diesen kreativen 'Hype-Zyklus' durchlaufen, wie z.B. Sarajevo, Tiflis oder osteuropäische Metropolen.

Lifestyle und Kontroversen von Vice und Peaches

01:19:37

Im Stream wird über den angespannten Lebensstil von Vice und der Sängerin Peaches diskutiert. Die Moderatorin beschreibt Peaches als eine ehemalige Garderobe, die nun ein ganzes Stockwerk in Berlin-Kreuzberg bewohnt, nachdem sie eine Nachbarnwohnung erworben hat, wodurch eine kurdische Familie verdrängt wurde. Erinnerungen an das internationale Flair von Berlin im Kontext von Peaches-Konzerten und die erste deutsche Weiß-Ausgabe mit Katze auf dem Cover werden geteilt. Pete Doherty und seine provocative Persönlichkeit werden ebenfalls erwähnt.

Vice-Kultur und Ausbeutung der Mitarbeiter

01:22:11

Die Generation, die bei Vice aufwuchs, fühlte sich von der Marke aufgehoben und erlebte eine Kultur voller Hedonismus auf Partys in London und Berlin. Vice expandierte rasant und wuchs zu einem Medienmonster. Jedoch wird auch die Ausbeutung der Mitarbeiter kritisch beleuchtet. Erzählt wird, wie eine Mitarbeiterin nach Recherchearbeit für eine Ausgabe nie ihr Geld bekam und sich aus der Not heraus nicht getraut hat, die Reisekosten einzureichen. Der Herausgeber soll ihr zudem ihre Visitenkarten als „Schenkelöffner“ bezeichnet haben.

Gonzo-Journalismus und die Schwedt-Ausgabe

01:26:26

Die Ära von Vice wird als eine Zeit des Gonzo-Journalismus beschrieben, in dem Journalisten loszogen, ohne Vorrecherche, um Geschichten zu finden. Als Beispiel dient die sogenannte „Schwedt-Ausgabe“, eine Armutreportage. Ohne Budget für weiteres Reisen, fuhr das Team in die Stadt Schwedt, um über Jugendliche und Landflucht zu berichten. Die Reporter tranken mit den Leuten auf dem Marktplatz und wurden ungewollt in Geschichten verwickelt, wie die Begegnung mit einem Mann, der 19 Jahre inhaftiert war.

Nazi-Recherche und journalistische Fehler

01:47:06

Es wird über eine Kontroverse um die Recherche für Vice berichtet, bei der Journalisten in einer Disco Neonazis trafen. Ein Neonazi lud einen Reporter zu sich nach Hause zu Kaffee und Kuchen und erzählte ihm eine Geschichte über einen Mann aus Schwedt, der angeblich mit Aids infizierte Frauen über ein Porno-Video ansteckte. Vice schrieb diese Geschichte, stellte später aber fest, dass die Anschuldigungen auf Hörensagen basierten und der Mann weder Aids noch in einer Irrenanstalt war. Dies führte zu Kritik an den fragwürdigen journalistischen Standards.

Vice im digitalen Zeitalter und sein Verkauf

01:53:03

Im weiteren Verlauf des Streams wird erläutert, wie Vice im digitalen Zeitalter durch aggressive Geschichten und durch das Nichtbezahlen von Mitarbeitern wachsen konnte. Der Stil von Vice, der als befreiend empfunden wurde, ermöglichte es Journalisten, ihre eigene Tonalität zu finden. Das Unternehmen bekam Geld von MTV für seinen YouTube-Kanal und expandierte rasant. Schließlich wurde Vice für 4,6 Milliarden US-Dollar von Disney aufgekauft, was viele überraschte.

Podcastankündigung und Streamende

01:56:50

Zum Ende des Streams kündigt der Host die Podcasts „Battle of the Nerds“ mit Co-Host Ralf Kaspers und „Deutschland3000“ an. Es gibt einen Hinweis auf das anstehende Pen & Paper-Spiel „Freunde der Sonne“, mit dem das Streamende geraidet wird. Die Verabschiedung erfolgt mit der traditionellen „dummen deutschen Verabschiedung“. Der Stream endet abrupt mit dem Wort „Bye.“.