Ist der Pride Month tot? @Maudado @NChiggi @Genosse_hamsti live bei MixTalk
Pride Month – zwischen Kommerz und politischer Notwendigkeit
Der Gesprächskreis analysiert die schwindende Sichtbarkeit des offiziellen Pride Months und stellt sie einer alarmierenden Zunahme queerfeindlicher Angriffe gegenüber. Unternehmen ziehen sich zurück, während CSDs als letzte Bastion des Aktivismus gelten. Die historischen Wurzeln der Bewegung und die aktuelle Bedrohungslage werden in einen Zusammenhang gestellt – und die dringende Frage aufgeworfen, wie queere Rechte dauerhaft verteidigt werden können.
Intro und Einstieg: Kritik an Unternehmensrepräsentation im Pride Month
00:00:0000:00:00 Verfasst mal eure krasseste Disline gegen die ARD. Haut mal einen raus, hätte ich richtig Bock drauf. ARD will mit Funk auf Jung machen und das kann ich nicht fassen, wie ein Anzugträger, der plötzlich Bro sagt.
00:00:28 Ihr könnt es auch gleich lassen. KF schreibt, die ARD-Dissen, was soll der Dreck? Zig Formate, aber immer noch kein Faktencheck. Zelda, Capgei schreibt, Jojo, ihr seid die ARD, ich werde euch jetzt hänseln, wo zum Fick kann ich meine GZ-Subscription canceln? Dirty Sanchez schreibt, ich gucke kein ARD, lieber gehe ich in die Natur und sage ARD. Die Sendung mit der Maus, ein Format, das viele Kinder mögen, aber so lieblos gestaltet ist wie der Bahnhof Kassel Wilhelmshöhe.
00:00:58 Aber doch bitte nicht gegen die Maus. Ist das anders als Frau im Battle Rap? Ich weiß nicht, weil ich war noch kein Mann im Battle Rap. Ich würde sagen, so in der Szene selbst, bei Live-Auftritten und so, muss ich sagen, kriege ich wenig Unterschiede mit. Ich fühle mich da immer sehr wohl auf den Events selber. Der größte Unterschied, wo ich vielleicht ein bisschen mehr oder anders zu kämpfen habe, sind, glaube ich, Kommentare auf YouTube von Leuten, die gar nicht...
00:01:24 Ja, genau, die aber eigentlich gar nicht so richtig Teil der Szene sind, sondern dem Internet angehören und das dann irgendwie auf ihre Seite gespült kriegen. Phil fragt, wie wird man Lotse auf dem Netzwerk da? Das klingt sehr interessant, aber ich stelle mir das auch sehr schwer und zeitaufwendig vor. Ja, das ist es auch. Es ist kein einfacher kurzer Zeit-Hustle, würde ich mal sagen, sondern es ist was, womit man sich aktiv auseinandersetzen muss.
00:01:48 Damit meine ich, dass man nicht einfach sich heute sagen kann, boah, heute Abend würde ich das mal machen. Also Katharina, könntest nicht heute Abend sagen, boah, ich will heute Abend noch da Frankfurt ein bisschen lotsen oder Düsseldorf, wie wir das am Anfang gesehen haben. Das würde nicht funktionieren. Du würdest dort richtig für ausgebildet werden, dass du das dann in ein paar Monaten, das ist ja damit sehr viel Wartezeit auch verbunden. Manchmal muss man da rechnen. Manchmal sogar Jahre.
00:02:11 Ja, es ist so ein großer Ansturm auf das Netzwerk und auf dieses Hobby. Es wollen so viele Leute Lotserinnen und Lotserinnen werden. Wie bist du denn zum Eurotruck Simulator gekommen? Durch den großen Zufall. Mein Sohn war irgendwie Wochenende zu Besuch und meinte, ob er mal mein Laptop haben könnte. Er hat mal Bock eine Runde Eurotruck Simulator zu spielen, habe ich gemacht. Ich war zu der Zeit krankgeschrieben. Das Wochenende war vorbei, mein Sohn ist wieder nach Hause und dann ging die Reise dahin. Habe ich angefangen zu spielen und relativ schnell die Community aufgebaut und gegründet.
00:02:37 Hast du nicht das Gefühl, dass es irgendwann langweilig wird? Ich muss ganz ehrlich verstehen, das ist ja gerade auch das Problem, was wir haben bei uns in der Community jetzt nach fünf Jahren und bei mir sind es mittlerweile über 15.000 Spielstunden im Eurotagsumulat. Natürlich ist da Langeweile reingekommen. Man war schon überall, man hat sämtliche Lkw gefahren, man hat sämtliche Frachten gefahren. Irgendwann kommt diese Eintönigkeit. Was ist für dich denn so das Spannende am Landwirtschaftssimulator? Also was hält dich dran? Also mich hält tatsächlich dran, dass es für mich persönlich so eine...
00:03:02 so eine Spielwiese an Möglichkeiten einfach ist. Das finde ich bei so vielen Simulatoren einfach so großartig, dass man dieses Spiel nicht straight auf einem Weg spielen muss, wie es in einem Story-Game vorgegeben ist oder so, sondern man kann es einfach genau so spielen, wie man möchte. Es gibt unendlich viele neue Karten, neue Modifikationen, es gibt super realistische Sachen, aber auch super unrealistische Sachen. Das heißt also, man hat irgendwie nie alles gesehen und es ist irgendwie immer ein neues Spiel, was man niemals durchgespielt haben kann und das finde ich toll.
00:03:30 Der Simulator bietet dir einfach diese Sandbox, um genau das zu machen, worauf du in dem Moment Bock hast. Ich finde auch, es gibt da kein richtig oder kein falsch spielen. Ey, wenn du Bock hast, da komplett realistisch zu fahren, dann ist das super. Aber wenn du halt Bock hast, das völlig unrealistisch zu machen und du tust damit keinem weh in irgendeinem Multiplayer oder so, dann go for it.
00:03:49 Ich glaube, gerade Euro-Taxon hatte mit so Trucker-Rollplay, das könnte, glaube ich, nochmal so einen richtigen Hype geben in dem Spiel, die Möglichkeiten, mehr zu machen in dem Spiel. Jetzt kommen die Busse erstmal, das wird, glaube ich, ein großer Hype. Wenn es ein bisschen noch ein Stück realistischer wird, dann wird es, glaube ich, einen neuen Hype geben. Matsi, man sagt, wenn Marvin fliegt, ist nur Zuschauen stressig.
00:04:08 Kleiner Tiss am Rande. Aber weil du gerade die Fluglosen angesprochen hast, wir können ja mal ganz kurz reingucken, wie das aussieht bei dir. Speedway 3 Delta Lima, Wind is not variable. Vielleicht stoppen wir auch direkt schon mal. Erklär uns doch mal, was genau sehen wir da alles? Was passiert? Ja, oben rechts ist so das, würde ich sagen, für alle Zuschauer, was so am erst mal klarsten ist. Man sieht irgendwie Flugzeuge stehen dort irgendwo rum und ich sage euch allen noch wo.
00:04:36 Es ist in Düsseldorf. Wir sehen hier den Düsseldorfer Flughafen mit seinen zwei Start- und Landbahnen. Sieht man direkt, ne? Sieht man direkt, wenn man draufguckt. Ist klar, ja. Genau, das ist es für uns in der Flugsimulation. Wir sehen jetzt vielleicht nicht diesen Holding Point, sagen wir, also diesen Haltepunkt vor der Startbahn, sondern wir sehen das da drunter und links davon diese Radarbilder. Und da wird jeder aus der Flugsimulationsszene, der schon mal ein bisschen in Deutschland unterwegs war, der weiß dann, ah ja, das ist Düsseldorf, das kennt man.
00:05:05 Ja, ganz klar. Wir sehen also mich unten links beim Lotsen der Tower-Station. Also ich kümmer mich darum, gerade dass diese Flugzeuge, die wir dort oben rechts sehen, dass sie irgendwie auf die Startbahn kommen und dann in die weite Welt fliegen auf dem Watzennetzwerk oder eben, dass sie landen. Und ja, das ist, was da passiert.
00:05:23 Nicht jeder Simulator, der im ersten Blick so trashig aussieht, muss es unbedingt sein. Zum Beispiel der Woman Simulator. Ich dachte auch, im ersten Moment ist das ein kompletter Quatsch. Aber eigentlich hat der eine ganz coole Botschaft, um eben genau diese krassen Vorurteile und für viele Frauen eben auch Realität aufzuzeigen.
00:05:40 Ich spreche aus der Matrix zu euch. Die AfD ist mich schon zensiert. AfD, ARD, das läuft super, ich gehe nach Hause. Das ist aber auch unfair. Zwei Buchstaben gleich. Das ist ja auch möglich. Wie soll man da nicht den Fehler machen als dumme Person? Das ist ja unglaublich. Im Flugsimulator kannst du auch...
00:06:07 alles simulieren. Also bei ganz vielen Flugzeugen gibt es extra auch Funktionen, dass du bestimmte Fehler aktivieren kannst. Also du kannst direkt einstellen, dass nach dem Start dir das erste Triebwerk abbraucht oder so, oder dass du einen Vogelschlag simulierst, also was. Es gibt auch einen Kollegen auf Twitch und auf YouTube, der ist echter Pilot und der zeigt dann und nimmt den Flugsimulator dann immer, um solche Sachen mal zu testen. In der Flugsimulation ist eben auch das möglich, dass ein echter Pilot, ein Professional solche Sachen simuliert und der Community zeigt, wie man damit umgehen könnte.
00:06:36 Ohne Mods wäre der Landwirtschafts-Simulator bei Weitem nicht so erfolgreich, wie er ist. Es gab im LS22 Mods für fliegende Teppiche, mit denen man sich fortbewegen konnte. Mit irgendwelchen Drohnen, die du durch die Luft fliegen kannst und irgendwelche Hubschrauber. Also völlig verrückte Sachen. Aber ich glaube, der relevantere Part bei Mods ist zum einen die Vielfalt, die dadurch geboten wird. Wir haben drei Standardkarten im Spiel und durch die Mods kommen gefühlt Hunderte noch mit dazu. Ich glaube, das ist ein großer Punkt.
00:07:04 Und eben auch nochmal allgemein auch eine Vielfalt bei Fahrzeugen, bei Feldfrüchten, bei dem Grad an Realismus, der geboten werden kann. Also jeder kann sich da aus diesem Baukasten an Mods eben sein persönlich perfektes Spiel zusammensetzen, eben genau in die Richtung, die man spielen möchte. Also ich glaube, ohne Mods wäre der Landwirtschafts-Semulator bei weitem nicht so erfolgreich, wie er ist.
00:07:27 Ich könnte mir auch wirklich vorstellen, dass viele Leute eben dann zum Beispiel sagen, ich spiele das Spiel jetzt mal so, wie ich will. Also vielleicht ist man irgendwie angestellt als Landwirt oder als Lkw-Fahrer und sagt, oh, jetzt fahre ich mal die Route, die ich will. Oder jetzt fahre ich mal in dem Tempo, wie ich will, ohne dass ich auf irgendwelche Ruhezeiten achten muss. Sondern ich mache jetzt einfach mal den Job, den ich liebe, aber auf die Art und Weise, wie ich es mir manchmal vielleicht erträumen würde. Wenn ich irgendwie...
00:07:54 als ich Landwirt bin und ich wollte aber schon immer mal Schafe haben, dann mache ich das vielleicht im Landwirtschaftssimulator. Ich habe mich 2019 direkt nach dem Abitur direkt bei der deutschen Flugsicherung beworben und bin auch in das Auswahlverfahren in Hamburg gekommen, aber bin dort am ersten Tag rausgeflogen. Also es ist so, dass man als Fluglotse oder Umfluglotse zu werden muss, man einen der ja doch schwersten Auswahlverfahren irgendwie, würde ich sagen,
00:08:20 Da war ich ein bisschen traurig damals, aber das Leben ging weiter. Arkane, das ist so für mich der heilige Gral, so grandios. Und ich finde, so Videospieloptionen brauchen so eine Existenzberechtigung. Und dass man sich nicht die Frage stellt, schaue ich jetzt den Film oder spiele ich das Spiel, sondern ich habe hier das Spiel, das ich spiele und ich kann mir noch den Film angucken. Und dass es keine Entweder-Oder-Frage dann gibt. Arkane ist für mich so sehr weit oben. The Last of Us.
00:08:47 Natürlich. Ich glaub, woran ich noch sehr viel Spaß hatte, war Pikachu, also Detective Pikachu. Den hat sich überraschend viel Spaß damals. Ab wann ist man denn ein VTuber? Also bin ich schon ein VTuber, wenn ich quasi ein statisches Bild in die Ecke von meinem Stream mache und mich nicht zeige? Ist das auch schon VTubing? Wo fängt das für euch an? Egal, ob du eine Erdnuss bist, ein sich nur leicht bewegendes Objekt oder auch einfach nur ein Bildchen.
00:09:11 Das ist für mich tatsächlich ein VTuber, 2D, 3D, PNG. Sobald du irgendwie dein Gesicht nicht zeigst und das durch irgendwas ersetzt, dann ist es ja quasi virtuell. Das ist halt wirklich total gruselig, wenn man sich überlegt, dass da jemand einen die ganze Zeit anstarrt, während du ihn an der Kamera schaust. Und dafür muss man ja auch erstmal irgendwie so ein bisschen den Mut für haben. Ich finde das jetzt nicht so einfach zu sagen, ich setze mich da jetzt hin, mache die Kamera an und sitze hier dann fünf Stunden.
00:09:40 Und das war für mich halt überhaupt keine Option, weil ich bin jemand, ich mag das nicht, ich will nicht, dass mich jemand die ganze Zeit anstarrt, aber ich will ja trotzdem irgendwie mich verkörpern. Ich bin unsicher, aber ist mir doch egal. Ich mache jetzt ein V-Tube. Also, also, ah, nein!
00:10:04 Einen wunderschönen guten Abend. Schön, dass ihr mit dabei seid bei Mixtalk. Ich freue mich sehr, dass ihr zu uns gefunden habt an diesem doch sehr, sehr heißen Sommertag. Gott ist bei euch auch so heiß. Hier im Studio ist es auf jeden Fall schon brutzlig warm. Und Chad, sag mal, lackert es bei euch auch, also bei mir? Interessant. Ja, schön, dass ihr da seid hier auf dem ARD-Kanal bei eurem Dialogformat Mixtalk. Und wir haben uns heute wieder ein heißes Thema vorgenommen. Und zwar...
Pride Month und CSDs: Aktuelle Bedeutung und Diskussionen
00:10:3300:10:33 geht es ums Thema Pride Month. Also es geht um den Monat, den Queer Communities nutzen, um Vielfalt zu feiern, aber auch um auf Diskriminierung und Ungleichheiten aufmerksam zu machen. Und ja, Monty sagt, es flackert.
00:10:48 Müssen wir mal gucken, ob wir da eine Lösung finden. Ich hoffe, ich bewege mich einfach nicht mehr und hoffe, dass das Problem nicht mehr vorkommt. Und ein bisschen lauter könnte ich sein. Ein bisschen näher rangehen, mal gucken, ob das was bringt. Schauen wir mal. Wo war ich stehen geblieben? Pride Month, genau. Und wir wollen uns heute der provokanten Frage annehmen. Ist der Pride Month tot? Im letzten Jahr wurde in den USA das vor allem diskutiert. Da gab es viele Videos bei YouTube auch dazu. Interessiert den Pride...
00:11:16 dass den Pride Months niemand mehr interessiere. Gott, jetzt haben mich Bild und Ton ein bisschen rausgebracht. So, auf jeden Fall fragen wir uns heute, wie geht es denn den Pride Months in Deutschland? Wie wichtig ist er tatsächlich noch? Was kann er bewirken? Wie geht es der queeren Community im Moment? Und was muss sich vielleicht noch verändern, damit der Pride Month noch mehr Wirkungskraft hat? Chat, sagt doch mal, was habt ihr denn bisher gesehen für Kampagnen, für Aktionen, Kooperationen? Schreibt mal, was euch aufgefallen ist in diesem Juni.
00:11:47 Packt es mal rein und ihr könnt wie immer mitdiskutieren heute. Kommt rein, lasst euren Take kurz da. Ihr könnt erzählen, was ihr von CSDs haltet, wie es euch gerade geht, wenn ihr Teil der Queeren Community seid, was für Kampagnen ihr entdeckt habt. Also alles Mögliche. Oder wenn ihr eine Frage an einen Gast habt, dann kommt einfach rein und stellt ihn ganz direkt. So, einfach den Anklingeln-Button dazu. Ihr kennt das, kommt rein, diskutiert mit. Ich würde mich sehr freuen.
00:12:17 Und Chat habt ihr Bock? Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf dieses Thema heute. Jetzt ist es ja auch schon, geht es ja auch langsam auf Ende Juni zu, deswegen genau der richtige Zeitpunkt, um mal ein bisschen Fazit zu ziehen, wie es dem Pride Month aktuell so geht.
00:12:37 Ah, interessant. Phantom schreibt, habe ich in der Schule vor drei Jahren schon eine Facharbeit zugeschrieben. Es braucht wieder viel mehr Aktivität und muss immer den Weg zurück zum Ursprung als Demonstration und Protest finden. Sky Corby sagt vor allem, dass behinderte Menschen kategorisch von Events ausgeschlossen werden, weil sie nicht inklusiv gestaltet werden und niemand Maske trägt. Also da auch die Frage, wahrscheinlich auch auf CSD ist, wahrscheinlich auch speziell bezogen, wie inklusiv die tatsächlich sind.
00:13:17 Schoko Kekse sagt, ich persönlich gehöre zur Community und für mich ist Pride Month eigentlich wie jeder andere Monat auch. Auf CSDs gehe ich aber sehr gerne. Da ist ja auch die Frage, inwiefern der Juni sich dann für euch von anderen Monaten unterscheidet. Und auf CSDs werden wir heute auch nochmal genauer schauen. Aber, Chat, habt ihr gar keine Kampagnen und Kooperationen gesehen? Weil das ist ja auch die These, dass es irgendwie weniger geworden ist. Ist euch da nichts untergekommen?
00:13:47 Sag doch mal. Oder schreibt rein, wenn ihr nichts gesehen habt. Okay, Chat? Bisher ist euch anscheinend noch nicht viel aufgefallen. Könnt ihr nochmal reinschreiben. Und ansonsten hole ich jetzt mal unseren ersten Gast heute Abend dazu.
00:14:12 Oh mein Gott, hallo! Hi! Hallo! Schön, dass du da bist. Ich stelle dich noch mal ganz kurz für alle vor. Maudado, du streamst Let's Plays Content auf Twitch und auf YouTube und bist online, wie man sieht, mit VTube Model unterwegs. Und als Teil der LGBTQIA plus Community setzt du dich für deren Rechte ein und klärst auch tatsächlich in deinen Streams über diese Themen auf. Schön, dass du da bist.
00:14:36 Dankeschön. Schön, dass ich eingeladen wurde. Ich habe mich vorbereitet. Ich habe für euch dekoriert. Ich hoffe, es gefällt euch. Ja, sehr schön. Also, wo manche irgendwie in diesem Pride-Jahr die Regenbogen irgendwie vermissen. Du hast einige mitgebracht. Sehr schön. Ja, ich habe einige mitgebracht. Ja, auf jeden Fall. Irgendwo müssen sie hierher kommen. Sehr, sehr schön. Wie beobachtest du denn das in diesem Jahr? Also, wie viele Unternehmen ziehen da noch mit? Wie siehst du das?
Unternehmensengagement und Tokenism: Ein ambivalentes Bild
00:15:0400:15:04 Ja, okay. Also erstmal muss ich sagen, der Pride Month ist natürlich nicht tot, so von Anfang an, so provokativer Titel. Aber irgendwie muss man ja die TikTok Brains herbekommen. So. Ja, nee, genau. Von den Unternehmen her, also erstmal, ja, also die CSDs und alles sind ja da, so. Das ist ja quasi das Rückgrat des Pride Months. Genau, aber wenn man jetzt auf die Unternehmen guckt, ist es natürlich weniger, so.
00:15:28 Das kann man schon sagen. Ich habe eine Nivea-Creme gesehen mit Regenbogenflaggen drauf. So, Bayersdorf macht das noch, aber kein Regenbogen-Labello mehr. Den habe ich mir mal gekauft. Lassen wir mal jetzt machen. An der Stelle muss man in der ARD ja immer sagen, es gibt noch sehr andere Buch-Labellos. Es gibt ja, es gibt andere Feuchtigkeitsstifte für eure Lippen. Das stimmt. Ich sehe gerade im Chat, sagt auch noch Phantom.
00:15:55 Zu dem Thema, ob es weniger geworden ist, was du ja auch gerade bestätigt hast, bin in einem Call mit ein paar Freunden und haben uns da gerade zu unterhalten, ist definitiv bedeutend weniger geworden. Auch Leonie sagt, lebe in Dessau und habe leider nichts gesehen. Und auch Ronny sagt, verfolge deutschen Pride-Monks nur aus der Ferne über Social Media und kommt mir definitiv weniger vor. Also da auch die beobachten. Ich habe auch das Gefühl, zum Beispiel, es gab ja mal dieses ...
00:16:19 diesen Trend, dass gefühlt man überall bei jedem Logo dann so einen Regenbogen gesehen hat, also dass die Logos ausgetauscht wurden von Firmen. Ja. Auch das ist weniger geworden, oder? Nein, natürlich. Also genau. Es ist natürlich, es ist natürlich, ist schon tragisch, so. Es waren auch nicht alle Firmen, so. Es war natürlich mehr. Und was man sich bei dem Ganzen natürlich überlegen muss, ist, dass...
00:16:42 für jedes Regenbogenprodukt, da waren ja in der Firma dann auch Leute unterwegs. So eine Firma macht das nicht von alleine. Das kam ja immer von intern und die haben auch dafür gekämpft. Ich weiß nicht ganz genau wie das läuft, aber in jedem Unternehmen ist es ja unterschiedlich. Bei der Unternehmensstruktur, da musst du dich ja hoch erweinern, ist ja eher erstmal nein. Das Anfang Ding und da muss man sich durchsetzen und dann haben die es halt irgendwann geschafft.
00:17:07 Und dann war das Produkt da. Und dann muss man sich halt auch denken, okay, und wenn die Firma das nach außen trägt, dann ist es für die Mitarbeiter auch besser, also für die queeren Mitarbeiter, weil ja, die Arbeiter verbringst du ja die größte Zeit deines Lebens mit anderen Menschen. Und wenn da alles besser ist, dann ist auch dein Leben besser. Deswegen ist es schon tragisch in der Richtung. Viele sagen ja auch, ja, die Firmen haben es nie ernst genommen, so, die haben es nie richtig gemeint. Und ja.
00:17:32 dass Firmen keinen Rückgrat haben, das ist jetzt nicht so überraschend, aber es ist trotzdem traurig. So, es ist trotzdem traurig, aber die CSDs sind ja da. Genau, damit, das ist ja quasi das Ding. Aber ja, das ist schon, ist schon schade. Hat einem immer gefreut, wenn man das im Alltag gesehen hat, so an einem ganz normalen Ort, so eine Pride Flag. Oh, ist das ja normal, ist akzeptiert. Das hat natürlich einen Boost gegeben und das ist weniger, wir tun natürlich ein bisschen weh, aber ja.
00:17:59 Man kommt auch irgendwann drüber weg. Du hast gerade eben auch angesprochen, dass dann auch die Unternehmen vielleicht rausfallen, die es gar nicht so richtig ernst meinen. Dedex schreibt auch, der Pride Months ist nicht tot. Er konzentriert sich jetzt einfach auf Unternehmen, welche wirklich LGBTQI unterstützen. Twit ist bei der Nummer raus, weil es zu Amazon gehört. Genau, Amazon, US-amerikanische Unternehmen, gucken wir später vielleicht auch nochmal genauer drauf.
00:18:25 DH schreibt, zumindest eine große Chemiefirma, BASF, hat noch Pride-Flaggen an seiner Firmenzentrale, aber mehr auch nicht. Ja, genau. Die Leute in den Firmen haben es halt immer schwerer. Der Widerstand ist stärker Kooperation gehen mit Trends. Und der Trend war ja die letzten Jahre leider zu mehr Intoleranz und auch Diskriminierung. Also würdest du sagen, der Trend ist erstmal vorbei?
00:18:51 Welcher Trend? Der Regenbogen, Flaggen, überall, alle schreiben sich Pride auf die Fahne, Trend.
00:18:57 Naja, was heißt Trend? Also ich denke, Firmen machen das weniger. Wir sehen es ja offensichtlich. Genau, ich würde Pride nicht als Trend bezeichnen. So meinte ich das auch gar nicht. Meint ihr jetzt hier vom Unternehmensseite aus? Ja, ich würde sagen, es ist einfach schwerer geworden. Es ist einfach schwer geworden, von intern zu bewirken, dass Pride-Produkte nach außen kommen oder Pride-Sachen. Also es ist halt einfach schwieriger geworden. Also keine Ahnung. Ja, weil es ist...
00:19:26 die politische Bewegung und der Trend ist halt zu mehr Intoleranz. Also ich würde eher sagen, der Trend ist zu mehr Intoleranz, nicht dass der Trend von Pride abnehmen würde. Es ist halt einfach schwerer geworden. Ja, verstehe. Vielleicht schauen wir zum Anfang dieses Streams auch nochmal auf die Anfänge der ganzen Bewegung, weil das ist ja vielleicht auch nicht jedem klar, wo das eigentlich herkommt. Und da schauen wir jetzt mal gemeinsam rein.
00:19:51 Begonnen hatte alles hier. Bei einer Razzia in der Stonewall-Bar wehrten sich die homosexuellen und transsexuellen Gäste erstmals gegen die Schikanen der Polizei. Der Barkeeper von damals erinnert sich genau. Wenn sie ganz normal reingekommen wären, wäre das nie passiert. Aber sie haben uns rumgeschubst und wollten uns Drogen unterschieben. Da haben wir Nein gesagt. Gehen wir da an der Stelle einfach mal rein.
00:20:16 Kurz zur Einordnung, das war 1969, was er da gerade beschreibt. Würdest du sagen, das kommt einem jetzt ganz schön weit weg vor oder würdest du sagen, 50 Jahre Kampf für Gleichstellung ist noch gar nicht so lange? Was für ein Gefühl hast du dazu? Also ich muss sagen, es kommt gar nicht so weit. Also es kommt mir vor, als wäre es nicht so weit weg. Und die Sache ist, ich habe da nicht gelebt. Deswegen ist es natürlich eine Sache, die hat existiert, bevor ich gelebt habe.
00:20:44 Deswegen ist es natürlich nicht verbindbar. Aber ich finde, 50 Jahre, so, vor 50 Jahren sind durch Läden Polizisten gegangen, haben mit allen Mitteln versucht, Homosexuelle und Transsexuelle zu gängeln, irgendwie in den Knast zu sperren, so, wenn sie keinen richtigen Grund hatten. Und es war ja auch illegal. So, da ging die Polizei durch, der Staat ist quasi reingegangen und hat die verprügelt, eingesperrt, misshandelt. Das ist crazy, vor 50 Jahren, so.
00:21:12 Und das hat dann, also gefühlt dann noch gar nicht so lange, wie du sagst. Nee, genau. Und in Deutschland war es ja gesetzlich bis dahin auch so. Das hat ja auch, glaube ich, dann 1969 angefangen, dass es sich langsam ändert. Genau, aber das hat dann auch in Deutschland, glaube ich, 20 Jahre gedauert, bis komplett entkriminalisiert war. Das war, glaube ich, 1994. Bin mir nicht ganz sicher. Da wurde ich geboren. Genau, 32 Jahre ist das jetzt her, ja. Wir gucken mal kurz weiter.
00:21:41 Aus diesem Nein entstand die Bewegung für Gleichberechtigung und Bürgerrechte. Ein Jahr später wurde die erste Pride Parade in der Christopher Street gefeiert. Genau, und da sind dann eben auch die Christopher Street Days entstanden und der Pride Month. So viel zur Geschichte. Was würdest du denn sagen, Mauda? Du hast es gerade eben schon so ein bisschen angedeutet. Was würdest du sagen, wo stehen wir denn jetzt heute? Ja, wir stehen...
00:22:10 An einem Punkt, wo wir natürlich ganz viele Rechte haben, die wir vor zehn Jahren noch nicht hatten. Wie gesagt, 1994 wurde es erst entkriminalisiert, davor wurden Homosexuelle und die wurden in den Knast gesperrt, wenn die Polizei es irgendwie geschafft hat. Es wurde ja, glaube ich, in Deutschland 1996, ne, 1969 haben sie ja auch angefangen.
00:22:32 Und dann habe ich auch gelesen, da war es ja immer noch so, dass selbst nachdem es langsam inkriminisiert wurde, es war der Polizei ja egal, die haben ja trotzdem, wir haben es ja gerade im Freitag gehört, das versucht. Was war die Ursprungsfrage, wie ich das gerade finde? Ja, wir haben ganz viele Rechte, die wurden sich erkämpft auf der Straße, so die sind nicht vom Himmel gefallen. Man sagt immer, oh, in Deutschland gibt es so viele Rechte für queere Menschen, es gibt so viele Frauenrechte, aber...
00:22:55 Die sind ja nicht vom Himmel gefallen. Auch in Deutschland sind die nicht vom Himmel gefallen. Die wurden sich hart erkämpft. Durch nett in der Wohnung sitzen und abwarten sind auch nie Rechte vom Himmel gefallen. Und deswegen gibt es ja auch die CSDs. Das sind tatsächlich Demonstrationen. Das sind Demonstrationen, wo gesagt wird, wo dran erinnert wird und gesagt, wir sind ja auch noch nicht fertig. Wir sind ja auch noch fertig. Homosexuelle haben immer noch nicht das gleiche Adoptivrecht. Da werden sie immer noch diskriminiert. Das ist immer noch nicht alles.
00:23:18 Genau, wir müssen weitermachen, sonst wird uns das auch ganz schnell weggenommen, wie man in anderen Ländern sieht. Man sieht es in der USA, man sieht es in der UK, die UK war vor 2015 oder so, war die in Europa noch das Land mit den besten Rechten, so jetzt ist es Mittelfeld, jetzt ist es eben Platz 22, so beim Rainbow Index oder wie das heißt. Moment, wenn du es gerade ansprichst.
00:23:41 Wir können uns auch einmal ganz kurz angucken, den Rainbow Index. 49 europäische Länder werden da verglichen, wie queerfreundlich sie sind. Von der ILGA ist das. Und wie du gerade gesagt hast, 2015, Wahnsinn noch Platz 1 und 2026 Platz 22. Also ein ganz schöner Absturz. Deutschland übrigens von 14 auf Platz 7 geklettert.
00:24:03 Ja, und da sieht man, wie schnell das geht. So in der UK gibt es so drei, vier politische Akteure, die da voll hinten dran sind, diese Rechte abzubauen. Und das reicht schon. Die haben halt das Geld, die haben den Einfluss und die machen alles. Und wenn man sich dagegen nicht wehrt, dann gewinnen sie halt auch. Weil, ja, keine Ahnung, wenn man keine Gegenbewegung hat, dann machen die natürlich einfach ihr Ding und es erodiert ganz langsam weg. Genau, deswegen, wir sind gerade so am Punkt, wo ich das Gefühl habe, die letzten Jahre...
00:24:31 Hat auch, ja, gerade haben Hasskommentare, sowohl online als auch, wie in der Politik teilweise über Transpersonen geredet, wird zugenommen. Genau, und ich finde das unberuhigend. Und ich bin dagegen. Ja, also das quasi, dass das auch sehr schnell, das, was man sich erkämpft hat, auch wieder einem genommen werden kann, was du gerade sagst. Ich sehe, Chad, ich sehe, ihr diskutiert auch noch da.
00:24:59 Ah, ich sehe gerade, Dedex schreibt noch, der Paragraf 175 wurde erst 1994 abgeschafft. Zu dem, was noch zu tun ist, Kai Katze schreibt, in Österreich ist bis heute Konversionstherapie nicht verboten. Oh, ich habe immer noch einen lustigen Fun, also was heißt lustig, ich habe immer noch einen Funfact, weil das richtig wenige wissen. Ich weiß nicht, ob es 2012 oder 2011 war, aber da hatte sich das Verfassungsgericht erst die Zwangsstehregisation von Transpersonen gekippt.
00:25:27 wenn sie ihren Personenstand ändern wollten. Bis dahin musste man sich sterilisieren lassen, um das machen zu lassen. Auch so spät erst. Ja, oder? Das ist verrückt. Und zwangsterilisation, also erzwungene Sterilisation ist ja keine Kleinigkeit. Das ist ja komplette Körperbestimmung.
00:25:46 Ja, also da auch nochmal auf der Zeitachse, jetzt haben wir so ein bisschen die Geschichte nachgezeichnet. Jetzt gucken wir vielleicht nochmal auf deine Geschichte. Du bist ja auf dem Dorf groß geworden und bist dann später nach Braunschweig gezogen und dann vor kurzem auch nach Hamburg. Das heißt, du hast so den direkten Vergleich von Stadt und Land. Was würdest du denn sagen, welche Erfahrungen hast du auf dem Dorf gemacht als queere Person? Was ist dir da begegnet? Welche vielleicht auch negativen Erfahrungen?
00:26:12 Ja, genau. Also als queere Person auf dem Land hat man es einiges schwerer als als als Person. So, man hat es halt schwerer. Die Sache ist, ich war da ja nicht out. Das ist das Ding. Man bekommt natürlich dann trotzdem mit, okay.
00:26:29 Darf ich Slurs sagen, damit man weiß, welche? So Transe, Schwuchtel, wurde natürlich die ganze Zeit als Beleidigung verwendet. Wenn man irgendwas in die Richtung gezeigt hat, wurde halt direkt drauf geschlagen, merkt man natürlich. Dadurch, dass natürlich auch Zeit verging und wir hatten ja auch einen Trend, Ernst Positive und ich vom Land in die Stadt gezogen bin, mit dieser Kombination von Zeit plus Umziehen, weiß ich nicht, wie gut ich das bewerten kann.
00:26:58 So mit der Kombo. Aber ja, in Hamburg, in Hamburg ist schon nahe. So, auf dem Land, in der Vergangenheit kann ich jetzt nicht so viel zu sagen, weil wie gesagt, ich war nicht geautet, man bekommt es halt mit. So, man weiß, es ist keine Toleranz da. So, es wäre keine Toleranz da, das ist einem klar. In Braunschweig war dann auf jeden Fall besser. Und in Hamburg, in Hamburg hatte ich noch keine negativen Erfahrungen. So, in Braunschweig wurde ich einmal Spruchtel genannt und so einmal ein bisschen nachts bedroht, so mehr es nicht passiert. Also mehr.
00:27:25 Genau, aber in Hamburg lebe ich ja jetzt auch über zwei Jahre und hatte noch keine negativen Erfahrungen. Und da weiß man ja auch so von den Wahlumfragen, AfD ist da nicht so groß, da fühlt man sich schon wohl da. Okay, weil du gerade sagst, du kannst es selber nicht so gut einschätzen. Jetzt gucken wir mal, Chad, woher kommt ihr denn, Stadt oder Land? Schreibt mal eine 1 rein, wenn ihr aus der Stadt kommt und eine 2 für Land. Gucken wir mal, wie hier so die Demografie ist. Und...
00:27:53 Gucken wir mal. Haben wir ein paar Dorfkinder da? Flächenland Deutschland. Ja doch, da sind einige. So, Chat, dann sag doch mal.
00:28:06 Wie war denn, wenn ihr aus der queeren Community kommt, was sagt ihr denn, ja aktuell und aufgewachsen zählt glaube ich beides, also wenn ihr quasi Erfahrungen habt, was würdet ihr sagen, habt ihr da negative Erfahrungen gemacht, wie einfach war es da aufzuwachsen oder jetzt zu leben, wie vielleicht sich auch wie frei sich zu zeigen, würde mich mal interessieren, was eure Erfahrungen da so sind. Schokokekse kann sich noch nicht entscheiden, irgendwie beides ein bisschen, okay.
00:28:35 Sehr schön. Okay, vielleicht können wir da gleich nochmal ein paar Erfahrungen mit dazu holen. Aber wenn du sagst, Hamburg, da wohnst du jetzt ja schon ein bisschen. Was würdest du denn sagen als non-binäre Person? Wie fühlst du dich aktuell in Deutschland? Also wie frei kann man sich zeigen? Und auch hast du das Gefühl, man wird auf eine bestimmte Art und Weise auch vorsichtiger an bestimmten Punkten?
00:28:58 Ja, also in Hamburg. Wie gesagt, ich habe in Hamburg, es ist halt eine große Stadt, so in den großen Städten ist mein genereller Annehmer, so Leute kümmert es weniger, was andere Menschen machen, so man hat so viele um sich herum, es kümmert einen weniger. Genau. Und ja.
00:29:17 Ich hatte halt keine negativen Erfahrungen. Ich hatte auch gute Erfahrungen mit Ärzten jetzt in Hamburg. Das ist auch immer wichtig. Das heißt, da gab es auch schon negative Erfahrungen, wenn du sagst. Das heißt, bei den Ärzten gab es auch schon negative Erfahrungen.
00:29:36 Das heißt, bei den Ärzten gab es auch schon negative Erfahrungen, wenn du das so in den Kontrast stellst? Ja, man muss halt immer einen Arzt finden. Natürlich gibt es Ärzte, die intolerant sind. Es gibt natürlich auch Ärzte, die Frauen gar nicht ernst nehmen. Genauso, wenn du da noch trans bist, dann ist es quasi genau nochmal so ein Faktor obendrauf. Wenn du ganz Pech hast, das sind ja Menschen.
00:29:58 so die irgendwann, je nachdem, vor 40 Jahren die Abschluss gemacht haben und seitdem keine Weiterbildung, dann ist da natürlich auch altes Gedankengut. Genau, da habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Vor allem ist es halt blöd, weil du bist, der Arzt ist quasi in der Machtposition, du bist abhängig von dem Arzt und wenn der dir dann irgendwelche komischen Sachen an den Kopf wirft, ja, dann ist ja blöd. Im schlimmsten Fall packt ihr dann noch irgendeine Diagnose plötzlich in deine Patientenakte, irgendeine F-Diagnose, die gar nicht richtig ist. Genau.
00:30:26 Und dann wechselt man an den Arzt und ja, dann ist meine beide traurig und dann läuft es vielleicht irgendwann mit dem nächsten Arzt.
00:30:34 Ich verstehe. Also da jetzt schön ja auch zu hören, dass es in Hamburg jetzt besser ist, also dass es in einer großen Stadt wie Hamburg da dann auch für dich irgendwie angenehmer ist. Ich sehe gerade, wir haben einige Berichte von ländlichen Gebieten oder aus den ländlichen Gebieten. DGE schreibt, zu meiner Zeit war es noch ein bisschen schwieriger aufzuwachsen, da das Thema doch sehr schwierig noch war, vor allem auf dem Dorf. Phantom schreibt, schwul war die Beleidigung Nummer eins auf dem Schulhof.
00:30:59 In der weiterführenden war es dann, dass die Regenbruggenflagge innerhalb von der ersten Stunde, nachdem sie aufgehängt wurde, wieder abgerissen wurde. Zum Glück hat die Schule darauf reagiert und als Reaktion noch vier weitere am nächsten Tag aufgehängt. Ach, wie schön.
00:31:10 The Shadow That Lives schreibt, bin nicht in dieser Community, man hört aber diese Wörter, die als negativ Schimpfwort genutzt werden, Schul und so immer. Also da quasi die Erfahrung, wie sich das in der Sprache quasi widerspiegelt. Dino Nuggets Partei schreibt, in unserem Dorf wird das akzeptiert, egal ob Jungs Jungs lieben oder Mädchen Mädchen, ist es relativ egal bei uns und wird auch behandelt, wie man es halten möchte und es kommt auch keine handgreiflichen Probleme.
00:31:39 Und so bei uns ist eigentlich ganz normal, das ist ja sehr schön zu hören, also da auch mal ein positiver Begriff, positive Erfahrung. Monty schreibt, als Cis-Frau hatte man es einfach, wenn man zum Beispiel Bi war, da war das immer sehr fetischisiert, weil das immer sehr fetischisiert war. Ich bin dann doch nach dem Abi vom Dorf nach Hamburg gezogen und hier juckt es keinen gefühlt. Gleiche Erfahrung wie bei dir, auf wen man steht, aber das kommt krass aufs Umfeld an, denke ich.
00:32:06 Oh, jetzt ist mir der Kontakt gerade rausgeflogen. Aber wir haben mit Hamburg schon eine sehr tolerante Stadt im Vergleich zu anderen Teilen Deutschlands. Deckt sich ja mit dem, was du sagst, Maudado. Ja. Das ist auf jeden Fall ja schön zu hören, dass es auch das gibt.
00:32:22 Schoko Kieke schreibt, an sich höre ich immer wieder queerfeindliche Aussagen, aber ich selbst werde akzeptiert. Es fühlt sich etwas nach Doppelmoral an. Ich habe aber nicht keine direkte Diskriminierung mitbekommen im Sinne von Ausschließen von Personen oder Ähnlichem. Nur hin und wieder Kommentare, wo ich mir denke, das muss jetzt nicht. Also so viel zu euren Erfahrungsberichten da. Ja, ich meine, das ist ja genau die Sache. Ich habe mich auf dem Land auch nicht sehr gefühlt, mich zu outen.
00:32:48 Weil einfach, man hört es ja im Alltag, okay, es wird durchgehend beleidigt, wenn irgendjemand, wenn sich, keine Ahnung, anders zeigt als zu dem zugeordneten Geschlecht, so, wird direkt beleidigt. Also man checkt schon, so. Man checkt schon, dass da irgendwas nicht stimmt. Genau. Ja, es ist schade alles. Und natürlich auch gerade die CSDs sind ja, wie gesagt, es sind ja Proteste, sind ja in größeren Städten meistens.
00:33:15 Es liegt halt auch einfach daran, dass es da sicherer ist. Und auch im Land was zu organisieren. Das ist bestimmt richtig hart. Genau darauf wollte ich gleich auch nochmal kommen. Aber bevor wir auf CSDs auf dem Land kommen, würde ich gerne nochmal unseren nächsten Gast mit dazu holen. Oh, gerne. So, dann erweitern wir mal unsere Runde.
00:33:38 Hallihallo. Einen wunderschönen guten Abend. Vicky, schön, dass du da bist. Ich stelle dich auch noch mal ganz kurz vor. Viele kennen dich wahrscheinlich, unser Genosse Hamsti. Du bist Streamer, Content Creator, auch auf Instagram und bezeichnest dich selbst als Gender Questioning und lebst in einer Partnerschaft mit einer nicht-binären Person. Und ich freue mich sehr, dass du heute Abend da bist.
Persönliche Erfahrungen und regionale Unterschiede der queeren Community
00:34:0000:34:00 Dankeschön. Danke, dass ich dabei sein darf. Geht's dir gut bei der Hitze? Ja, ich habe eine Klimaanlage, die mir angenehm in den Nacken bläst, also ich kann mich nicht beschweren. Ach, sehr schön. Okay, das macht es natürlich leichter. Die habe ich hier nicht. Vielleicht fangen wir mal ein bisschen mit deiner Geschichte an und mit dem, was du erlebt hast. Also du bist ja als CIS-Mann aufgewachsen. Gab es für dich irgendeinen Schlüsselmoment oder wo du gemerkt hast, ich fühle mich irgendwie nicht der Gender-Norm zugehörig?
00:34:27 Ach, irgendwie hat sich das schon immer durchgezogen. Ich habe irgendwie nie so ganz in die Norm-Gender-Rollen reingepasst. Ich habe nie gemacht, was Jungs so machen und mich nie interessiert für Dinge, die Jungs so machen. Und ja, mit meiner Partnerperson halt dann in dieses Queer-Umfeld gekommen und dann lernt man durch Repräsentation eben, es gibt dann Label für. Und da passe ich irgendwie besser rein als alles, was mir bisher so angelabelt worden ist.
00:34:54 Also quasi da auch ein Prozess dahinter. Mich würde mal interessieren, weil wir gerade, Mordado hatte gerade schon CSDs angesprochen. Das heißt, du warst früher ja quasi als CIS-Mann auf CSDs unterwegs. Wie war da deine Erfahrung? Ja, ich war als CIS-Mann unterwegs auf CSDs und habe deswegen auch eher am Rand gestanden, weil man sich selber auch die Frage stellt, gehöre ich da dazu? So auch als Ally. Man will ja keinen Raum einnehmen, der der Bühne für Betroffene darstellt praktisch.
00:35:23 ja, ich weiß nicht, mit diesem Prozess in die Gender-Questioning-Sicht rein, hat man sich da immer besser aufgehoben gefühlt, weil es egal war, wie weit man mit diesem Prozess ist oder was man sich gerade für Gedanken macht, man hat da irgendwie Akzeptanz gefunden einfach. Und hat das dann jetzt, wenn du da jetzt hingehst, du hast gerade Akzeptanz schon angesprochen, was bedeutet das denn für dich, wenn du da, also nimmt dich das auch emotional mit, wenn du da heute hingehst?
00:35:52 Ja, also das hat mich damals schon mitgenommen. Ich mache schon länger politischen Content, auch intersektionalen Content und keine Ahnung, bei meinem ersten CSD in Nürnberg, das war so der große CSD, auf dem ich erst mal war, da stand ich am Rand und habe richtig tolle geheult einfach, weil ich gedacht habe, man macht es irgendwie für die richtigen Leute und es sind halt ganz viele Menschen, die einfach nur ihr Leben leben wollen und lieben wollen, wen sie nicht tun und da ist ja nichts dabei und für die setzt man sich ein und man macht es halt einfach für die richtige Sache.
00:36:23 Ja, also das ist schön, wenn das dann einen irgendwie auch so erfüllt. Und Maudado hat ja gerade eben auch schon die Bedeutung der CSDs betont. Was würdet ihr denn sagen, oder was rechnet ihr mehr Impact zu, den Pride Months als Aufklärungsmonat oder tatsächlich den CSDs? Was würdest du sagen, Michi?
00:36:45 Also ich denke, das geht Hand in Hand. So, es ist wichtig, von Unternehmensseite da irgendwie Repräsentation zu kriegen. Halt natürlich nur welche, was nicht Tokenism ist, wo ich sage, ich ändere mein Logo auf Twitter damals, heute X, und spende dann hintenrum an queerfeindliche Organisationen. Also schon richtiger Aktivismus oder Repräsentation. Und in der Zivilgesellschaft natürlich...
00:37:10 Wichtig da, Solidarität und auch Repräsentation eben, wie Maudado vorhin gesagt hat auch, das ist ja ein Protest und ein Kampf, wir sind da nicht am Ende und das ist auf jedem Gleis, wo es läuft, wichtig und wertvoll.
00:37:24 Maudardo, wenn du darauf eingehen willst, würdest du dazu stimmen? Achso, ich darf antworten. Gerne, fühl dich frei. Ja, genau. Ich denke auch, es ist beides wichtig. Wie gesagt, der CSD ist ein Protest und die CSDs, die haben ja auch alle eine Forderung. Es ist pro Stadt natürlich unterschiedlich. Zum Beispiel dieses Jahr in Hamburg ist die Forderung, dass Genderidentitäten und sexuelle Sexualität in Artikel 3 aufgenommen werden. Vor dem Gesetz sind alle gleich.
00:37:52 So, da wurden ja auch schon mal, also zum Glück wurden da Frauen und Behinderte aufgenommen. Ähm, genau. Und das ist zum Beispiel die Forderung von diesen. Ja, also die haben ja einen Sinn. So, die haben tatsächlich eine Forderung, mit der man Fortschritt erreichen will. Ich will Fortschritt. Und natürlich der Pride Month, der ist ja nicht von nur von, äh, willst du eigentlich die Zwischensprache-Frage stellen? Mach erstmal weiter. Okay, und der Pride Month, der ist ja nicht nur von Unternehmen. So.
00:38:18 Irgendwie ganz viele Leute tun sich zusammen. Es ist ein ganzer Monat. Künstler posten ihre Kunst online oder auch was weiß ich wo. Genau. Und es ist ja gut, wenn man einen ganzen Monat hat, weil Menschen erinnern sich dadurch. So funktionieren ja auch Feiertage zum Beispiel. So ein ganzer Monat, wo man immer wieder erinnert wird, so kommt es ja auch irgendwann langsam an. Man kann gerne ganz viele Monate haben für alles Mögliche.
00:38:45 Für Frauen, für behinderte Menschen, für Migranten, für People of Color, für alle. Genau. Und das hilft, das hilft. So kommst du den Köpfen an. Und die CSDs, die sind die Proteste. So mit dem, bam, da sind die ganzen Leute. Man hat eine Forderung. Man sieht auch, oh, ich bin ja gar nicht allein. Das sind ja ganz viele anderen. Was ja auch sehr wichtig ist, weil, ich glaube, jeder kennt es so über die letzten Jahre, wenn man immer den Nachrichten folgt, so eine gewisse Art von Hilflosigkeit stellt sich ein. Und da muss man gegen ankämpfen. Und so funktioniert es ja. Genau.
00:39:14 Das heißt, ich höre so ein bisschen raus, würdest du sagen, dass eins von den beiden wichtiger ist? Könnte man das sagen, weil du die CSDs ja jetzt auch schon sehr in den Vordergrund gehoben hast? Ich würde sagen, die CSDs sind schon das Rückgrat, aber der Pride Month gehört ja dazu, das gehört ja irgendwie zusammen. Die CSDs sehen ja meistens beim Pride Month. In Hamburg ist es dieses Jahr am 1. August, aber meistens fallen die ja übereinander. Es passiert gleichzeitig.
00:39:38 Also es greift hier ineinander. Und es ist ja auch gut, dass es gleichzeitig passiert. So, da versteckt sich ja gegenseitig. Okay, jetzt kommt gerade noch eine Frage aus dem Chat, weil wir wollen natürlich auch hier nicht mit Begriffen um uns werfen, die vielleicht nicht alle von uns verstehen. Und deswegen können wir ja auch noch ein bisschen Bildungsauftrag erfüllen. Green fragt, was nochmal, Cis, kennen mich mit den Termini nicht genau aus, findet die Diskussion aber gerade tatsächlich spannend. Möchte einer von euch beiden das erklären?
00:40:04 Ich lasse dir gerne den Vortritt, aber okay, weil du gerade eben schon darüber geredet hast. Ja, cis heißt einfach nur, dass du bei deiner Geburt zugewiesenen Geschlecht dich zugeordnet fühlst. So, du bist cis, genau. Ende. Mehr ist es eigentlich gar nicht.
00:40:27 Also ja, der Großteil der Menschen in Deutschland ist CIS. Und gut, ist nichts Schlechtes. Herzlichen Glückwunsch. Aber dann haben wir das jetzt an der Stelle auch mal geklärt. Ich würde gerne noch mit euch beiden beim Thema CSDs bleiben. Und zwar haben die Kolleginnen und Kollegen von da oben sich mal ein Video angeschaut, wie bedroht die queere Community gerade ist und haben da auch über die CSDs gesprochen. Und wir schauen da mal kurz gemeinsam rein.
00:40:51 Wenn es um die CSDs geht, gibt es durch die Bedrohung sogar eine andere Entwicklung, nämlich mehr CSDs in ganz Deutschland. Was ich positiverweise aber auch sehe, ist, wie krass eine Organisation und auch Solidarisierung gerade da, wo ich herkomme, nämlich aus Ostdeutschland funktioniert. Also gerade im letzten Jahr und auch in diesem Jahr wird es extrem viele neue CSDs geben in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Brandenburg, Sachsen und auch in meinem Heimatbundesland Sachsen-Anhalt. Besonders im ländlichen Raum haben Aktionsbündnisse...
00:41:17 Genau, also quasi es gibt immer mehr CSDs, aber vor allem auch in bestimmten Regionen gibt es immer mehr CSDs. Würdet ihr sagen, CSDs sind in unterschiedlichen Regionen unterschiedlich wichtig? Michi, was meinst du?
00:41:31 Also ich denke, dass CSDs gerade in Regionen, ich sage jetzt mal auf dem Ostdeutschland, ist ja die Solidarität in der Zivilgesellschaft, denke ich, nochmal ein bisschen sparsamer gestreut, dass gerade da Repräsentation und Solidarität in der Zivilgesellschaft sehr, sehr wichtig sind. Und ich denke auch, dass diese ganzen kleinen CSDs auf Dörfern und kleineren Gemeinden und Städten wichtig sind, weil gerade da, hat man ja vorhin auch im Chat, einfach die Repräsentation weniger ist.
00:42:01 Man kommt weniger mit Leuten aus dieser Community in Kontakt und ich glaube, genau da ist es wichtig, eine Möglichkeit und eine Bühne zu bieten.
Steigende Bedeutung von CSDs im ländlichen Raum trotz politischer Widerstände
00:42:1100:42:11 Oder was meinst du? Ja, nee, ich finde das absolut auch, ich finde das beeindruckend, so, dass gerade im Osten in den ländlichen Gebieten, wenn das, so wurde ja gerade gesagt, oder? So Sachsen, Sachsen-Anhalt, dass dort jetzt mehr CSD sind, wo es natürlich auch nötiger ist. AfD, gigantisch viele Wähler, wenn es nach der AfD gehen würde, die wünschen sich ja quasi gerade, was in den USA passiert.
00:42:36 auf dem Land, wo es eh am gefährlichsten ist quasi für queere Menschen. Da ist es am nötigsten. Super mutig, super stark. Ja, wenn das da was hilft, mega gut. Also mega gut. Riesen Respekt.
00:42:51 Also eigentlich sehr schön, ich sehe hier gerade noch ein westliches Beispiel. DH schreibt, wir haben hier in der Region Mannheim-Heidelberg die Dorfpride, die jedes Jahr in einem anderen Dorf hier ist. Sehr tolles Konzept. Das klingt ja schön. Wird quasi immer die Pride woanders zelebriert. Das ist ja schön. Genau, wir gucken mal kurz weiter. In den letzten Jahren darauf aufmerksam gemacht.
Queere Repräsentation und Identitätsfindung als zentrale CSD-Funktion
00:43:1400:43:14 Hier müsste man Präsenz zeigen, auch um junge queere Personen auf dem Land nicht allein zu lassen. Die Präsenz alleine da zu sein und sich da hinten hinzustellen, gibt dann den closeted queer people, die da auf dem Land irgendwo aufwachsen und absolut niemanden haben, einfach eine Hoffnung und ein Event, wo sie vielleicht dann hingehen können und Leuten sich auch anvertrauen können und sich sicher fühlen. Und ich glaube, das ist total wichtig. Und ich glaube, gerade natürlich an den Orten, wo man damit aneckt, bewirkt es auch was.
00:43:41 Chat, seht ihr das genauso? Können CSDs im ländlichen Raum da was Besonderes bewirken? Was meint ihr, Michi, im ländlichen Raum? Welche Kraft und vielleicht auch welchen Einfluss können die CSDs da haben? Ganz konkret, was denkst du?
00:43:58 Ich denke, das Größte, was ja auch bei mir so der Fall war, ist nicht unbedingt ländlicher Raum, aber den Leuten zeigen, dass es dann eine Möglichkeit gibt, dass es ein Label dafür gibt, dass es halt nicht alles Gendernorm laufen muss. Wie Maudado gesagt hat, ist ja fine for you, wenn du cis bist und dich mit dem Geschlecht identifizierst, dass at birth assigned es so passt.
00:44:19 Aber für alle, die das eben nicht fühlen und ganz oft ist es dann so ein diffuses Gefühl von ich passe irgendwo nicht rein, denen ein Label zu geben und eine Zugehörigkeit ist super wichtig und ich glaube, da liegt eben die Kraft von CSDs, dass man den Leuten einfach sagen kann, hey, wir sind hier, wir können das bieten und du hast hier auch einen Platz. Ja, also dass man sich da auch wiederfindet. Maudado? Ja.
00:44:45 Ja, nö, auf jeden Fall. Du lebst auf dem Dorf, das einzige was passiert ist, dass queere Menschen die ganze Zeit beleidigt werden. Dann hast du eine CSD und denkst, oh Mensch, wurde ich die ganze Zeit nur angelogen. So einen Anhaltspunkt zu haben, okay, es muss nicht alles genauso sein, wie ich es in der Schule die ganze Zeit mitbekommen habe, das kann ja auch sehr befreiend sein. Das hilft der Person, dass sie quasi Bescheid weiß. Es hilft dir natürlich dann,
00:45:17 Über sich Bescheid zu wissen, im Alltag ist natürlich dann schwierig, so kann sie sich outen, ist er sicher. Genau, das wäre der nächste Schritt, dass diese Orte auch sicher sind, dass man da Toleranz aufbaut. Genau, die Frage ist, wie man das dann macht. Aber das ist der erste Schritt und das ist doch super.
Wachsende Angriffe auf CSDs und polarisierte gesellschaftliche Stimmung
00:45:3200:45:32 Übrigens, apropos sicherer Ort, Mixed Zwerge schreibt, Cis-Heteropersonen sind auch sehr willkommen auf Pride Marches und CSDs. Unterstützung von den sogenannten, in Anführungsstrichen, normalen Menschen ist unglaublich wichtig für die Queer-Community. Allies-Unterstützer sind immer willkommen. Das an der Stelle auch nochmal. Und übrigens, egal ob ihr zur Queeren-Community gehört oder nicht, ihr könnt euch weiterhin dazuschalten, falls ihr Bock habt mitzudiskutieren. Einfach über den Anklingeln-Button könnt ihr euch mit dazu wählen. Kommt rein, diskutiert mit, lasst euren Take da. Wäre doch schön.
00:46:02 Und beim Thema CSDs gibt es ja noch eine Sache, die sich verändert hat. Und zwar gab es einen Bericht im Oktober 2025 der Amadeu Antonio Stiftung. Und die haben gesagt, dass 2025 fast die Hälfte der CSD-Paraden Ziel von Angriffen, Störungen oder Verhinderungsversuchen geworden ist. Besonders in Ostdeutschland. Und sie sprechen da auch von einem Rekordniveau bei diesen Aktionen gegen die CSDs. Ist euch das schon begegnet, dass sich die Stimmung verändert hat? Oder habt ihr da selber was erlebt?
00:46:32 Also ich habe letztes Jahr, sorry. Nee, nee, tut es erst, tut es erst, nach dir. Letztes Jahr in Nürnberg habe ich erlebt, dass praktisch Rechte außerhalb des CSDs unterwegs waren und dann Pride-Flaggen abgehängt und Deutschland-Flaggen aufgehängt haben. Das war sowas, was ich mitbekommen habe.
00:46:50 Und was man halt so in den Medien mitkriegt oder auch Social Media, also gerade im Osten Deutschlands, dass da halt teilweise blockiert wird, dass da ganze Faschoblöcke anreisen mit den Öffentlichen, die dann im Bahnhof eingekesselt werden müssen, sage ich mal. Also man merkt auf jeden Fall, dass diese Polarisierung und die Angriffe auf CSDs zunehmen.
00:47:10 Mordado, ist dir da schon was begegnet konkret? Ja, nö, zum Glück nicht. So, man sieht natürlich als, ach so, nee, also in Verbindung mit CSD ist nicht, natürlich in den News und dass es immer mehr Gegenproteste gibt, dass diese halt angemeldet werden. Genau, das ist halt schon eine Veränderung. Das ist tatsächlich eine Veränderung. Vielleicht gab es davor so drei Personen so in der Stadt, die sich da hingestellt haben und dann so, ich bin dagegen.
00:47:36 waren. Aber genau, dass das jetzt immer wieder, dass immer gegen Demonstrationen angekündigt werden, das natürlich neu und das ist natürlich schade und auch ein bisschen traurig und tut ein bisschen weh. Aber genau, ich hatte jetzt selbst keine Konflikte. So, ja genau, man sieht halt vielleicht mal jemanden in der Stadt rumstehen, der so sagt, so ein Schild hat, so Homosexualität ist eine Sünde, aber man hat ja meistens pro Stadt hat man so jemanden, der das viel macht. Genau, aber ansonsten hatte ich zum Glück
00:48:06 Keine negativen Erfahrungen bei den CSDs. Genau, aber gerade im Osten, die Familie, die da lebt, die bekommen schon mit. So, die bekommen schon mit. In Thüringen in dem Fall. Ja, genau. Und vor allem, dass auch die ganzen Gelder da gestrichen wurden für Queerenhilfen, Transpersonenhilfen. Dem wurde alles gestrichen. Und die Gegenstimmung ist da. Und man fühlt sich auch nicht immer sicher, dass es auf jeden Fall da ist. Also das habe ich gehört von Verwandten so, aber...
00:48:35 Ja, mehr habe ich persönlich nicht erlebt. Da hatte ich Glück. Ich wollte gerade sagen, ist ja auch schön. Hier kam gerade noch eine Frage aus dem Chat und zwar Elle Woods fragt, darf man sich als nicht-querie Person selbst als Ally betiteln oder wäre das zu vermessen? Auf jeden Fall.
00:48:52 Du darfst, du darfst dabei sein, mach mit. Ja, mega, jede Unterstützung ist nice. Allein, dass du dich mit beschäftigst, mehr Bildung verbreiten über queere Personen, so, dass da alles chillig ist. So, keine Ahnung, es ist eine starke, auch verwirrende Kampagne, so von anderen Seiten. Cis sind Schimpfwort, Cis ist kein Schimpfwort, das wurde ja gefragt, so. Es ist einfach, Cis ist einfach, ihr seid einfach Cis, so.
00:49:20 So nice. Eben, genau.
00:49:25 Ich sehe gerade im Chat kam dazu zu den CSD-Erfahrungen auch noch was, aber schön, da haben wir diese Frage schon mal abgearbeitet. Len Narians schreibt, letztes Jahr war der Besuch des CSDs für mich auf jeden Fall mit dem Gedanken, hey, das könnte dich in Gefahr bringen, verbunden. Bin trotzdem gegangen, aber es war ein komisches Gefühl dabei. Also da an der Stelle die Erfahrung, wenn Kai Katze schreibt, für viele sind CSDs auch noch immer der einzige Ort, sich mal authentisch zeigen zu können, aufgrund von Sicherheitsbedenken, die sehr begründet sind, entsprechend der Statistiken zu haben.
00:49:55 Hassverbrechen. Das wäre jetzt nämlich auch meine nächste Frage, weil Maudadu, du hast es gerade eben schon angesprochen, diese Gegenstimmung. Wie würdest du denn das einschätzen, die Stimmung der queeren Community gegenüber? Wie hat sich das in den letzten Jahren entwickelt, Michi? Was meinst du?
Queerfeindlichkeit als Teil globaler politischer Entwicklungen
00:50:1400:50:14 Also ich denke, dass die Polarisierung halt immer weiter fortschreitet in der Gesellschaft. Irgendwie so die extreme Rechte ist auf dem Vormarsch. Und das ist ja gerade die ganze Queer-Community-Feindlichkeit, sag ich mal, ist ja Teil des Kulturkampfes, der von denen halt auf den Banner getragen wird. Und dahingehend hat sich das auch entwickelt. Das wird mehr. Je mehr die Polarisierung fortschreitet, desto mehr...
00:50:41 queerfeindliche Straftaten gibt es und so weiter und Angriffe etc.
00:50:47 Ja, genau. Also ja, die queerfeindlichen Straftaten steigen. Die Sprache wird immer schlimmer. Ich finde es persönlich unheimlich. Wir sollen ja über uns selbst reden immer hier. Deswegen mache ich das mal. Ich finde es sehr unheimlich, weil ich finde auch in den letzten so sieben Jahren hat man extrem gesehen, wie schnell das passiert, dass eine Personengruppe entmenschlich werden kann. Man hat es an Migranten gesehen und...
00:51:15 Personen mit Migrationshintergrund, wie krass die entmenschlicht wurden. In den Medien, in den sozialen Medien, wie über den gesprochen wird. Es wird über die teilweise nicht mehr so gesprochen, als wären es Menschen, sondern einfach Dinger, die man unbedingt abschieben muss. Als ich jung war, da waren Abschiebungen was Schreckliches. Das ist was Schreckliches. Du liegst in deinem Bett, da kommt plötzlich ein Polizisten rein, reißt dich aus deinem Bett, trennen Vater, Kind, Mutter.
00:51:44 ein komplettes Leben wird zerstört. Und jetzt wird, müssen abschieben, müssen abschieben. Und es wird über diese Menschen gar nicht mehr so geredet, als wären sie Menschen. Es wurde komplett entmenschlicht. Und das zu sehen in den letzten Jahren und jetzt, dass halt auch bei den queeren Menschen die Sprache immer krasser wird, das ist sehr, sehr unheimlich. Also wirklich, das verursacht natürlich Angst. Hast du auch das Gefühl, dass da unterschiedliche Minderheiten gegeneinander ausgespielt werden in den Debatten?
00:52:15 Lustig, dass du es fragst. Ja, nein, also es wird versucht, es wird versucht, es wird natürlich immer versucht, Gruppen, denen es gerade schlecht geht, gegeneinander auszuspielen. Ich sehe es ab und zu online, dass man irgendwie versucht, Homosexuelle gegen Migranten auszuspielen oder Frauen gegen Transpersonen, so, das passiert natürlich. Aber ja, die Leute dürfen sich nicht verarschen lassen.
00:52:42 So, sie werden verarscht, die wollen euch verarschen. Jede Stärkung von Menschenrechten stärkt die Rechte von allen. Wenn Frauenrechte gestärkt werden, dann stärkt es die Rechte von Transmenschen. Wenn die Transrechte gestärkt werden, dann stärkt es Frauen, weil die sich plötzlich komplett ausdrucken dürfen. Die haben es plötzlich schwarz auf weiß, dass sie sich nicht jede Scheiße anhören müssen, wenn sie, keine Ahnung, plötzlich Körperbehaarung am Arm haben. Ja, es ist ganz schlimm. Es ist ganz schlimm.
00:53:10 Migrantenrechte, wenn ihr mehr Rechte habt, wenn jeder Mensch mehr Rechte hat, dass er einfach nicht plötzlich aus dem Land geworfen werden kann, dann stärkt das die Menschen von queeren Rechten auch. So, wow, queere Menschen können plötzlich, also es gibt Migranten, die sind queere Menschen. Deswegen, ja, ich finde das ganz schlimm, dass das versucht wird. Ich glaube auch, es fallen nicht so viele darauf ein. Es gibt online natürlich immer zwei, drei Personen, die davon irgendwie profitieren können, indem sie daraus eine TikTok-Karriere machen. Genau, aber...
00:53:38 Ja, nee, das wird probiert, aber lasst euch nicht verarschen, jeder das Menschenrecht stärkt jeden Menschen. Also deswegen ist es so wichtig zusammenzuhalten. Und der Angriff auf all diese Gruppen kommt ja von der genau selben Richtung. Das kommt von den Rechten, das kommt von der AfD, das kommt von den Superreichen, die die finanzieren. Das ist ja dieselbe Seite. Haltet zusammen!
00:54:06 Chat würde mich mal interessieren.
00:54:10 Ich wollte nur kurz den Chat fragen. Chat, wie seht ihr das? Habt ihr das Gefühl, die Stimmung hat sich da verändert in letzter Zeit oder vielleicht auch schon in den letzten Jahren? Michi, entschuldige, bitte. Alles gut. Nee, ich wollte das nur nochmal unterstreichen. Also dieser Kulturkampf von Menschengruppen werden gegeneinander ausgespielt, ist ja integraler Bestandteil von der extremen Rechten, von den Überreichen, damit man praktisch auf jeden irgendwie ein Augenmerk entwickelt, außer auf die, die die Entscheidungen finden. Und wie Maudado richtig sagt, man soll sich da nicht verarschen lassen.
00:54:40 Ich sag mal, die Gegner von jedem von uns, von den Interessen, sitzen nicht im Schlauchboot und nicht auf dem CSD-Paradewagen. So lässt sich das, glaube ich, zusammenfassen. Ach so, und weil es grad jene... Genau, genau, sorry. Weil es jemand im Chat gemeint, genau, Behinderten auch. So, Behindertenrechte. Wenn ihr irgendwo eine Rampe habt, ich freue mich im Alter, eine Rampe hochlaufen zu können. Behindertenrechte werden auch viel zu kurz geschrieben. Die Regierung will daran auch irgendwie in allen Kleinigkeiten gerade wieder sägen.
00:55:09 An den Transrechten, Selbstbestimmungsgesetz, die CDU ist voll dabei. Wir müssen jede Transperson die Polizei übermitteln. So, das probieren sie gerade mit Selbstbestimmungsgesetz, dass, wenn man seinen Eintrag ändert, dass man automatisch der Polizei übermittelt wird, der Name und alles. Man kommt in eine Datenbank. Absolut crazy auch. Ist mir bisher aus Baden-Württemberg bekannt, richtig?
Rechtliche Rückschritte und politische Angriffe auf queere Menschen in Deutschland
00:55:3000:55:30 Es ist noch nirgends aktiv. Also es wurde abgelehnt vom Bundesrat jetzt tatsächlich. Die CDU hat danach gemeint, wir probieren es weiter. Wir sind dran, Leute. Genau, absolut verrückt. Auch mit der Hintergrundgeschichte von Deutschland. Queere Menschen wurden ebenfalls verfolgt, getötet und in Konzentrationslager gesteckt. Ja, und jetzt stell mir doch wieder eine Liste her. Das wäre ganz praktisch.
00:55:59 Für keine Ahnung wen. Wir müssen natürlich aufpassen mit Konzentrationslagervergleichen. Aber nur kurz zur Einordnung, weil du es gerade eben gesagt hast. Ich habe es auch gelesen, dass das vom Bundesrat abgelehnt wurde. Es gab aber bereits im November in Baden-Württemberg vom Innenminister Thomas Strobel per Verordnung wurde beschlossen, dass frühe Vornamen und Geschlechtseinträge automatisch an Polizeibehörden weitergegeben werden sollen. Die Verordnung beinhaltete mehrere Änderungen im Meldewies. Das war der Punkt, woran ich gerade gedacht habe. Das nur kurz zur Einordnung.
00:56:27 Ich gucke noch mal kurz in den Chat, was ihr so zur Stimmung sagt. Gon sagt, die Stimmung gegenüber queeren Minderheiten hat sich auf jeden Fall verändert.
00:56:41 Jumon schreibt, Leute, es ist bald wieder 33, also wen wundert, dass das Pendel in die andere Richtung schlägt. Irgendwann sind die Roaring Twenties halt vorbei. Also da der Vergleich mit der Geschichte. Uri dann sagt, in letzter Zeit herrscht eher eine Anti-LGBTQ-Plus-Stimmung, vor allem von den Rechts initiiert. Aber ich würde da nicht sagen, dass die AfD da besonders vorsticht. Da sind die Heimat JNECR auf der Liste.
00:57:09 Und Xino sagt, oh ja, die Stimmung hat sich definitiv geändert. Als ich in den Nullerjahren und frühen Zehnerjahren aufgewachsen bin, wurde darüber geredet, queeren Personen mehr Rechte zu geben. Es wurde offener, freier, gleichgestellter und jetzt sind Parteien auf dem Vormarsch, die das alles rückgängig machen wollen. Also da auch die ähnliche Erfahrung. Michi, du hattest vorhin mal das Wort Polarisierung genannt. Wo genau oder was konkret beobachtest du da? Also woran machst du das fest?
00:57:37 Das würde mich noch interessieren. Ich habe irgendwie das Gefühl, wenn man mit Leuten, also wenn ich mit Leuten in Kontakt trete, mit denen ich jetzt mir nicht im Klaren bin, wie die zur LGBTQ-Szene stehen. Und ich spreche das an, dann kriegt man entweder uneingeschränkten Support oder Hass entgegen. Es gibt keine Curiosity, keine Neugierde irgendwie, sondern es sind teilweise so ganz festgefahrene Dinge und Weltbilder, wo man auch ganz schwer irgendwie beikommt in einem Gespräch.
00:58:07 Und es ist irgendwie nicht, ja, ich habe da wenig Meinung dazu, ich habe keine Berührungspunkte dazu, sondern es ist, wenn dann, ja, diese ganze Vogue-Gender-Gaga-Agenda kann ich mir nicht mehr anhören, so Stammtischparolengeschichten. Und es ist irgendwie halt ganz tolerant oder ganz intolerant, so in der Erfahrung, die ich jetzt die letzten Wochen und Monate und auch in meinem Content gemacht habe. Es kommt entweder sehr viel Verständnis, sehr viel Liebe einem entgegen oder halt Dinge, die ich anzeigen kann auf Social Media, sage ich mal so.
00:58:37 Mordado, beobachtest du das auch so?
00:58:40 Okay, ich habe gerade recherchiert, ob ich Fake News verbreitet habe, deswegen habe ich die Anfangsfrage nicht ganz mitbekommen. Ist alles gut, so könntest du die Frage nochmal wiederholen? Ja klar, es ging um das Thema Polarisierung und Michi hat gerade erzählt, dass er in Gesprächen das Gefühl hat, dass Leute entweder komplett pro und auf der Seite von queeren Menschen sind oder komplett dagegen. Also das ist, Michi, korrigiere mich bitte falsch, falls ich das falsch wiedergebe, aber dass es wenig dazwischen gibt, sondern nur quasi so zwei Fronten.
00:59:07 Ja, man muss halt sagen, es wird halt auch geschickt gemacht. Es gibt quasi, Mensch lernt ja quasi Sachen. Ich würde sagen, das Ganze mit den queeren Personen, mit den LGBTQI+, das ist ja eine Sache, die kennt man aus seinem Alltag nicht. Viele kennen das nicht. Und dann ist natürlich die Frage, was ist das Erste, was du lernst? Weil das menschliche Gehäne ist dann so, oh mein Gott, ja, ich habe was gelernt.
00:59:35 Und wenn natürlich die ersten Impulse immer die negativen sind, was ja leider der Default gerade ist, und dann noch irgendjemand kommt und dir sagt, die machen das und das und die ganz sind ganz schlimm und alles Mögliche, dann hast du so ein Schlagwort, was du raushauen kannst und wirst du so, ich habe ein Schlagwort, ich war gerade so cool, wow, dann ist das natürlich das Problem. Deswegen ist natürlich, wenn man als zweite Person kommt, nachdem den Leuten da schon alles erzählt wurde, ist natürlich super schwer.
01:00:01 Das ist natürlich super schwer und dann erzählen die sich das auch untereinander weiter am Stammtisch, hat man das von seinen Freunden, wenn man denen sagt, ja die Schwuchtel, dann lachen alle. Und dann ist, wenn man das sagt, was Gutes. Deswegen ist es sehr viel Arbeit. Die Politisierung nimmt natürlich dadurch zu, weil das ist halt ein Effekt und der wird auch immer weiter bespielt. Wir sehen es in den Springer-Medien und alles Mögliche. Es kommen ja immer wieder...
01:00:27 Sachen, die das verstärken und verstärken und verstärken, ist ja nicht so, als würde das von nichts fallen, also kommen. Also es ist ja nicht so, als würde nicht...
01:00:36 die ganze Zeit mal bespielt werden aus den Medien mit negativen Sachen. Das hat ja schon ein System. Deswegen ist es ja so wichtig, dass man sich bewusst ist, okay, das ist gerade ein Angriff. Also es passiert irgendwas. Die versuchen, das richtig schlimm zu reden und dass man sich da bewusst ist und da bewusst gegen arbeitet. Aber natürlich ist es schwer. Was will man sagen? Es ist schwer. Ich weiß auch nicht, man kann nicht jeden erreichen. Manche...
01:01:03 kann man nicht erreichen, aber man kann ja probieren, die erreichen, die man kann. Und vielleicht erreicht man die, die man kann. Und die, die man erreicht hat, die kennen dann Leute, die man persönlich nicht erreichen würde. Vielleicht sind die mit denen verwandt, dann haben sie ja einen besseren Draht. Es ist schwierig, aber ich glaube, es ist nicht hoffnungslos. Das hoffe ich mal. Eine mögliche Strategie und ein bisschen Hoffnung am Ende ist ja auch nicht schön. Auch ganz schön. Maudado, vielen Dank, dass du vorbeigeschaut hast. Danke dir, dass du da warst. Danke auch. Und noch?
01:01:30 Viel Erfolg, euch beiden. Und einen schönen Abend. Tschüssi. Ciao. Und wir holen unseren nächsten Gast mit dazu. Hello.
01:01:46 Hallo! Einen schönen guten Abend, Nathalie. Schön, dass du da bist. Ich sage auch noch mal ein, zwei Worte zu dir. Du bist Journalistin, Dokumentarfilmerin, Moderatorin. Du arbeitest unter anderem für das ZDF und für Arte. Du warst zum Beispiel in Straßburg auch stellvertretende Redaktionsleiterin bei Arte Info. Und du legst einen Fokus auf investigativen Journalismus und beschäftigst dich schwerpunktmäßig mit frauenpolitischen und queeren Themen. Schön, dass du da bist. Ja, schön, dass ich da sein darf.
01:02:13 Wir haben jetzt schon, ich weiß nicht, ob du gerade eben schon ein bisschen zugehört hast, schon einige Aspekte. Oh, vielen Dank für den Raid, Orken Spalter TV. Vielen Dank dafür an alle, die neu dazugekommen sind. Wir sprechen heute darüber, ob der Pride Month tot ist. Also mit einer ganz provokanten Frage. Wir wollen drauf gucken, wie geht's dem Pride Month aktuell? Wird er noch gebraucht? Was kann er bewirken? Und wo sind vielleicht noch die großen Baustellen? Wenn ihr Lust habt, mitzudiskutieren, dann schaltet euch gerne über Stream Together mit dazu. Einfach über den Anklingeln-Button. Genau.
01:02:43 Und an der Stelle auch noch mal ein paar Hausaufgaben. Wenn ihr uns noch nicht gefolgt seid, wäre das jetzt auch ein ausgesprochen guter Moment dafür. Und wir haben gerade Nathalie hier in unserer Runde begrüßt. Und ja, Nathalie, wir haben gerade schon einige Punkte abgearbeitet. Was würdest du denn sagen aus deiner Arbeit heraus, wie real und alltagsnah ist die Gefahr für queere Menschen in Deutschland aktuell? Wie schätzt du das ein?
Aktuelle Bedrohungssituation: Realitätscheck durch Hasskriminalitätsstatistken
01:03:0701:03:07 Also ich glaube, auf der politischen Ebene ist es schon gravierend. Also man sieht auch immer bei den CSDs jetzt, dass sie auch die Sicherheitsmaßnahmen erhöht haben und dass da durchaus auch negatives Potenzial ist. Parallel dazu gibt es aber auch immer wieder, wenn man so die gesellschaftliche Sicht betrachtet, durchaus rechtliche Bedingungen, die gut laufen.
01:03:36 Da muss ich daran denken, dass jetzt bei der Pride, bei der Rainbow Map, genau, bei der Rainbow Map einmal im Jahr, gibt es da Informationen darüber, wie weit gewisse Länder sind. Und da ist Deutschland auf Platz 8. Du, Nathalie, lass uns da doch mal reingucken. Wir haben das zufälligerweise vorbereitet. Perfekt. Genau, wir sind auf 7 aktuell.
01:04:04 Ja genau, 7, 8, genau. Genau und wir hatten hier nochmal UK oben mit genannt, weil die ziemlich abgestiegen sind, aber du hast es gerade angesprochen, Deutschland steht da erstmal gar nicht so schlecht da. Ja dazu muss man aber sagen, die rechtlichen Privilegien, die wir haben, das bedeutet nicht gleich eine Gleichsetzung zur gesellschaftlichen Akzeptanz.
01:04:30 Ah, also da würdest du quasi unterscheiden, dass das eine nicht das andere bedingt quasi automatisch? Nicht automatisch, nein. Leider. Aber das kann sich halt durchaus noch ändern. Okay, verstehe. Wunderbar. Ich würde, wenn wir auf die Gefahr gucken, es wurde vorhin schon mal genannt, irgendwie auch die Zahlen, was die Bedrohung angeht. Und da gibt es zum Beispiel jährlich die Zahlen des Bundeskriminalamts. Wir gucken einmal da drauf.
01:04:55 um auch da das Bild nochmal zu vervollständigen, das sind die Zahlen zu queerfeindlicher Hasskriminalität. Hasskriminalität bedeutet in dem Fall politisch motivierte Straftaten, die aufgrund von Vorurteilen gegen bestimmte Gruppen begangen werden. Und hier sehen wir eben einmal die Zahlen zu geschlechtsbezogene Diversität. Das definieren sie wie folgt. Gegen Menschen, deren geschlechtliche Identität vom biologischen Geschleck abweicht, sowie intersexuelle Menschen bzw. das Geschlecht gerichtet, welches nicht eindeutig als männlich oder weiblich zu bestimmen ist.
01:05:24 nur um es einmal eingeordnet zu haben, und dann eben die Zahlen zur sexuelle Orientierung. Und wir sehen, 2025 liegt das bei 1294 Fälle oder 2070 Fälle. Und wir sehen einen klar steigenden Trend. Das BKA ordnet das selber auch so ein, dass die Zahl der Straftaten im Bereich sexuelle Orientierung und geschlechtsbezogene Diversität tatsächlich seit 2010 sich nahezu verzehnfacht hat. Muss man dazu sagen, Sie sagen selber, das kann auch...
01:05:51 zum Teil auch daran liegen, dass es eine bessere Erfassung queerfeindlicher Straftaten geht. Aber sie sagen auf der anderen Seite auch wieder, es gibt eine hohe Dunkelziffer. Aber wir sehen auf jeden Fall einen Trend. Michi, überrascht nicht solche Zahlen noch?
01:06:05 Wenn ich mir die Entwicklung der extremen Rechten, also nicht nur national, sondern global anschaue, wundert mich das nicht, ehrlich gesagt. Es ist ja das eine bedingt das andere. Und ich muss aber sagen, es ist für mich alles so surreal. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, wo ich mir nicht hätte vorstellen oder nicht hätte, ja, nicht vorstellen hätte müssen, dass ich aufgrund von meinem Status Gender Questioning oder von meiner Partnerperson Non-Binarität
01:06:30 vielleicht irgendwann dieses Land mal verlassen muss. Wenn das mit dem politischen Trend so weitergeht, das macht massiv Angst einfach, bin ich ehrlich. Und an welchen Punkt wäre für dich der Punkt gekommen, dass du sagst, ich gehe, ich kann nicht mehr?
01:06:45 Das ist die Frage, ja. Das ist die Frage, die sich immer wieder stellt und die ich auch immer wieder mit meiner Partnerperson diskutiere oder wo wir immer wieder drüber reden. Man will nicht die Zelte abbrechen und die Solidarität und die Reichweite, die ich mir auch aufgebaut habe, sich rausziehen aus der ganzen Geschichte und sagen, naja, ich bin jetzt privilegiert, ich kann jetzt gehen, ich habe die Möglichkeit. Man will aber halt auch nicht dann, wie das vorhin mit Maudado...
01:07:10 thematisiert worden ist, auf irgendwelchen Listen landen und dann mit faschistoiden Strömungen in Deutschland, dass die dann diese Listen in die Hand kriegen und vielleicht in eine Regierungsverantwortung kommen. Also es ist schwierig, da den richtigen Zeitpunkt für sich selber, für ein Familiengefüge abzupassen. Es ist ja nicht irgendwie, man fährt vier Wochen in Urlaub, sondern man würde dieses Land verlassen, hier die Zelte abbrechen und eine neue Lebensrealität beginnen. Das ist natürlich keine Entscheidung, die man sich leicht machen kann.
01:07:37 Also schwierig, den Punkt zu finden. Ja, Nathalie, erlebst du das auch, dass sich da jetzt manche Fragen, kann ich mein Leben hier so fortführen oder vielleicht auch ihr Leben verändern, dass sie vorsichtiger werden, dass sich das Verhalten ändert?
01:07:52 Also ich habe schon durchaus mitbekommen, dass in meiner Community gerade Frauen untereinander etwas vorsichtiger sind. Aber ich habe das selbst noch nicht so krass erfahren müssen, Gott sei Dank. Es ist aber eine, ich würde sagen, eine Vorsichtsmaßnahme. Es muss ja gar nicht so weit kommen, aber man ist schon etwas vorsichtiger im Allgemeinen.
01:08:21 Chat, sagt ihr doch mal, wie geht es euch damit? Habt ihr so Gedanken wie Michi, dass ihr sagt, vielleicht geht ihr? Oder habt ihr auch in eurem Alltag das Gefühl, ihr müsst vorsichtiger sein? Chat, sagt doch mal, würde mich auf jeden Fall interessieren. Ich sehe gerade schon, Monty schreibt, ich habe schon große Sorgen, wie lange ich hier noch sicher leben kann und mache mir viel Gedanken über Alternativen und Auswandern. Chat, was sagen die anderen?
01:08:49 Hidan sagt, nein, eigentlich nicht. Auch das ist ja schön zu hören.
01:08:55 Darf ich da noch eine Kleinigkeit zu loswerden? Lass mich noch den einen Kommentar vorlesen. Ja, man denkt auf jeden Fall auch über Optionen nach. Bitte. Ich denke, da ist auch nochmal der Unterschied zwischen Menschen, die jetzt, gut, ich bin Gender Identity Questioning, bin aber Male Presenting. Wenn heute meinen Mund halt, meine Social Media Profile offline nehmen, dann kann ich in einer queerfeindlichen Gesellschaft existieren, sage ich mal. Aber es gibt Menschen, die haben dieses Privileg nicht.
01:09:24 Und ich denke, für die ist es nochmal deutlich unsicherer, wenn man so in die Zukunft blickt. Und da ist auch der Unterschied, wo man sich dann die Gedanken macht, gehe ich hier weg, kann ich hier bleiben und unter welchen Bedingungen?
01:09:35 Genau, das wollte ich noch dazu loswerden. Ja, auf jeden Fall, hier kommen auch noch einige andere Sachen rein. Kai Katze schreibt, vorsichtiger sein definitiv, auswandern ist aktuell keine Option. Schokokeks schreibt, ich selbst lebe meine Queerness aus, solange ich kann, aber es fühlt sich immer mehr so an, als ob das nicht so bleiben wird und Einschränkungen kommen.
01:09:55 Louis schreibt, ich werde zum Glück in keinster Weise angefeindet, aber ich denke, dass es auch sehr auf die Umgebung ankommt, wo man genau aufwechst, in welcher Stadt oder auf welchem Dorf. Das ist etwas, was wir vorhin auch schon mal thematisiert hatten. Hier kam gerade eben noch eine Frage und zwar, das bezog sich wahrscheinlich auch auf den Vergleich zwischen anderen europäischen Ländern. Philo fragt, vielleicht sind wir beim allgemeinen internationalen Rechtsruck auch einfach nicht so stark abgestiegen wie andere Länder. Kann das sein? Nathalie, was sagst du?
01:10:23 Also ich glaube schon, dass Deutschland eigentlich an sich, ich würde nicht sagen, wir machen einen guten Job, aber sie sind unter dem besten Top Ten und es könnte uns definitiv auch schlimmer treffen. Also wenn man jetzt auf Aserbaidschan oder Russland schaut, das soll aber jetzt nicht so ein Goodie sein, bei dem irgendwie die Rechte alle schon geklärt sind, sondern man muss schon für die Rechte einstehen und deswegen ist es ja auch wichtig, dass es den Pride Month gibt.
01:10:52 Da muss immer noch was getan werden. Also noch ordentlich was zu tun. Und hier kam gerade auch noch die Frage, was sich denn bisher getan hat. Wie sind denn die rechtlichen Bedingungen momentan vielleicht im Vergleich zu vor zehn Jahren? Wir können ja mal ein bisschen sammeln.
01:11:09 Nathalie, möchtest du vielleicht anfangen? Ja, also die gleichgeschlechtliche Ehe ist gekommen. Ich weiß gar nicht, ob das in den letzten zehn Jahren reingepfallen ist, aber ich denke schon. Moment, Ehe für alle war 2017. Ah, okay. Genau, die Trans-Thematik ist ja auch total wichtig. Da gibt es auch schon positive Entwicklungen.
01:11:38 Noch lange nicht genug, finde ich. Und ja, ein großes Thema ist natürlich auch die Adoption, was auch sehr, sehr schwierig ist für queere Familien. Da muss auch noch was getan werden. Aber im Gegensatz zu zehn Jahren ist schon was passiert. Eine dauerhafte Baustelle, ja. Kannst du vielleicht einmal kurz erklären, was da die Baustelle ist oder was sich da ändern müsste?
01:12:07 Also es fängt schon damit an, dass lesbische Paare es wahnsinnig schwierig haben, wenn sie sich zu einer Adoption entscheiden. Oder wenn eine Frau das Kind austrägt, muss die andere Frau das Kind erst mal adoptieren und dafür muss ein riesen Fragenkatalog abgerattert werden. Und da sind so hohe Maßnahmen dran, die irgendwie...
01:12:33 einfach alles nur noch erschweren. Deswegen schaut man da, also die queere Community schaut immer so ein bisschen nach Dänemark. Man heißt dann immer so, oh, Dänemark, Baby, ja oder nein? Weil da die Queer-Freundlichkeit einfach sehr gut ist und offen ist und es da auch, was Gesammbanken angeht und so weiter, alles ein bisschen unkomplizierter ist.
01:12:58 Also da mal wieder die Skandinavier als Vorbild. Ich reiche noch schnell nach, was der Chat so sagt zum Thema Erfolge der letzten zehn Jahre. Naja, die rechtlichen Bedingungen sind besser, Blutspenden, Selbstbestimmungsgesetz, Ehe für alle, darauf bezieht sich das wahrscheinlich. The Shadow That Lives sagt, geht es bei diesem Ranking um die queerfreundlich Gesetze sind oder wie auch die gesellschaftliche Situation einbezogen. Das bezieht sich wahrscheinlich wieder auf den Rainbow Index.
01:13:25 Da geht es tatsächlich um, ganz so wie ich es gesehen habe, um sehr viele Faktoren, die damit einbezogen werden. Also es ist ein sehr komplexes Bild, was da geschaffen wird.
01:13:36 Louis sagt, das Selbstbestimmungsgesetz war eine mega Idee, zwar nicht ganz zu Ende gedacht, aber der Ansatz ist total toll. Und Godzilla sagt, die größten Fortschritte der letzten zehn Jahre in Deutschland sind 2017 Ehe für alle, 2018, 2019 Divers als Geschlechtseintrag und 2024 Selbstbestimmungsgesetz. Ich finde das sehr schön, wir haben vorhin ja mal auf die Anfänge geguckt, jetzt schreiben wir langsam die Timeline fort an der Stelle. Wo wir bisher noch gar nicht so explizit drauf geguckt haben, ist die Rolle der USA.
Internationale Einordnung: Wie positioniert sich Deutschland im globalen Vergleich?
01:14:0501:14:05 Weil die Frage ist ja auch, inwiefern die veränderte Stimmung hierzulande, jetzt auch in Bezug auf Pride Month, also dass zum Beispiel nicht mehr so viele Unternehmen mitmachen, ist ja auch die Frage, inwiefern ist das auf die Politik in den USA zurückzuführen. Michi, welche Rolle spielt die USA? Was denkst du? Also ich denke, die USA spielt bei ganz viel auch außerhalb der Pride in Deutschland eine Rolle. Aufgrund dieser, ich sag mal, notwendigen, also aus einem wirtschaftlichen Standpunkt notwendigen transatlantischen Freundschaft ist,
01:14:34 die USA immer so vier, fünf Jahre vor Deutschland mit den Trends, die es so gibt im politischen Spektrum. Und ich denke, dass sich das auch in der Pride eben aus bemerkbar macht einfach. Man merkt, US-amerikanische Unternehmen haben früher beim Pride Month, wie ich vorhin gesagt habe, wie ehrlich das ist, kann man sich wieder darüber unterhalten, aber halt die Logos gewechselt und da mal eine Pride Collection rausgebracht etc. pp. Das nimmt alles ab. Und ich denke,
01:15:01 dass das jetzt so ein bisschen verzögert, verspätet auch in Deutschland Fuß fasst oder Gestalt annimmt.
01:15:10 Natalie, geht da gerne direkt drauf ein. Fühlt euch frei. Ja, okay. Ich stimme dem zu. Es ist aber so, dass ich von diesem ganzen Queer-Watching gar nichts halte. Also die ganzen Unternehmen, die damals so aufgeploppt sind und überall queere Fahnen hatten, das war interessant zu sehen.
01:15:35 dass sie aber eigentlich überhaupt in der Unternehmensphilosophie recht wenig für queere Menschen machen. Das wurde dann auch relativ schnell deutlich. Und gerade jetzt bei der USA und einfach die Rechtslage, die da politisch so queere Menschen einschränkt, dass das so ein bisschen hier rüber schwappt und die Leute aus, also die Unternehmen aus der Angst heraus
01:16:02 sich irgendwie politisch zu positionieren, weil das wäre ja auch schon ziemlich schwierig, wenn man das machen würde, aus Sicht der Unternehmen. Davon halte ich halt einfach gar nichts. Also entweder gehst du den Weg oder auch mal den Weg des Unbequemen für mehr Gleichberechtigung für alle, für queere Menschen, für Menschen im Migrationshintergrund und whatever, oder halt nicht. So, da bin ich ganz klar.
01:16:27 Das heißt, du würdest sagen, lieber weniger Unternehmen, die mitmachen, wenn sie dann ehrlich dabei sind? Genau. Also wenn, dann pickt man sich die richtigen raus oder die richtigen stehen dann auch trotzdem an vorderster Front oder den Rest kann man sich schenken. Michi, würdest du da mitgehen oder würdest du eher sagen, mehr Unternehmen gleich mehr Sichtbarkeit?
01:16:50 Nee, ich habe das ja vorhin auch anfangs schon mal gesagt, dass ich denke, dass diese Pride-Repräsentation kein Token sein sollte, wo ein Unternehmen sich irgendwie ein Gewinde von verspricht und dann hinterrücks an queerfeindliche Organisationen eben spendet oder das nicht in der Unternehmensphilosophie verankert ist. Und ich denke, da ist, ja...
01:17:12 Es ist ein Streitpunkt, denke ich. Natürlich ist mehr Repräsentation gut und wichtig, dass mehr Menschen auf dieses Thema überhaupt mal aufwendig werden und diese Pipeline gehen von ich kläre mich selbst auf vielleicht, man wird da exposed dazu, aber auf der anderen Seite kann man sich so halbherziges, halbgares nur im Profitinteresse natürlich sparen. Das sehe ich auch so.
01:17:32 Was wir jetzt noch gar nicht, wir haben jetzt in dieser ganzen Diskussion heute Abend viel natürlich auch auf die Sicht aus der Community heraus geguckt. Aber wie ist es denn von außen, also wenn man nicht in der queeren Community ist? Habt ihr das Gefühl, dass der Pride Bund da noch als relevant angesehen wird? Was denkt ihr, Nathalie?
01:17:53 Also ich glaube, es gibt in meinem Freundeskreis durchaus empathische Menschen, die großes Interesse haben und auch irgendwie in den Austausch gehen wollen. Wenn man das so grob gesellschaftlich betrachtet, dann sieht man vielleicht auch nur eine Riesenparty und denkt, sag mal, das ist doch eigentlich alles schon geklärt, warum Frauen, Männer, whatever, können leben so, wie sie wollen.
01:18:19 Aber dahinter steckt ja eigentlich sehr viel mehr, sehr viel Geschichte. Und es gibt ja auch durchaus politische Treffen und da sind alle willkommen, auch CIS-Personen. Und da merkt man schon, dass ein bestimmter Teil der Gesellschaft gerne irgendwie auf Partys geht und denkt, das ist ganz nett. Es wurde ja auch immer mehr. Aber ich denke, da gibt es auch wieder einen kleineren Kern.
01:18:48 der oder die sich dafür interessieren und allgemein für die Gleichberechtigung einstehen wollen. Michi, würdest du da mitgehen oder siehst du das anders?
01:19:01 Kannst du die Ursprungsfrage nochmal wiederholen? Gerne. Es ging darum, wie der Parade-Mann von außen, also wenn man nicht in der queeren Community drin ist, wie der gesehen wird und ob da das Ganze noch als relevant angesehen wird. Wie würdest du das einschätzen? Und Chad, ihr könnt auch gerne mal eure Meinung dazu reinschreiben. Also ich denke, was heißt relevant, ob man das von außen so einschätzt? Ich denke, diese Party-Zuschreibung ist schon was, was gesellschaftlich auf jeden Fall stattfindet. Das sehe ich auch so.
01:19:29 Aber ich denke, es ist alleine relevant. Gut, aber ich bin ja auch wieder aus der Community. Ich denke halt, es ist für viele der erste Berührungspunkt, wo man sagt, es ist breit aufgestellt und da fange ich diese Pipeline an. Es ist ja alles ein Prozess, sich da aufzuklären. Auch ich bin diesen Prozess gegangen. Ich habe ja...
01:19:44 Mein Standpunkt von vor vier, fünf Jahren ist ein ganz anderer als heute. Ich komme aus einem eher misogynen, konservativen Umfeld und bin halt jetzt diese Pipeline gegangen. Und für mich war das auch so ein kleiner CSD das erste Mal dabei gewesen. Dann queere Menschen kennengelernt, mit denen in Austausch gegangen. Und so wandelt sich das alles. Und ich denke, dass das schon wichtig ist und für mich damals auch, vielleicht hätte ich es nicht als wichtig eingestuft, aber es war im Endeffekt für mich wichtig.
01:20:13 Auch spannend. Chat, sagt ihr doch mal, wenn ihr nicht in der Queer-Community seid, wie ihr das einschätzen würdet. Und ich schmeiße noch schnell einen spannenden Gedanken, wie ich finde, zum Thema Rainbow-Washing ein. Xino schreibt, Rainbow-Washing ist in dem Sinne schön, dass man daran die positive Meinung zum Thema in der Gesellschaft sieht. Daher ist besonders schade, dass es so abgenommen hat. Finde ich einen interessanten Gedanken an der Stelle. Nathalie nicht.
01:20:39 Also ich habe mich auch mit anderen mal so drüber unterhalten und die meinten, ja, sind wir jetzt hier irgendwie in einem Marketing-Gag oder was soll das dann eigentlich sein? Und klar, also die Sichtbarkeit an sich, wenn man die Masse betrachtet, vielleicht von außen, wenn man sich nicht so damit beschäftigt, wirkt es so, als wäre dann überall Rainbow und die Freiheit für alle ganz normal. Aber dem ist ja leider dann nicht so.
01:21:08 weil man dann schnell gemerkt hat, das ist eher ein Gag oder auch ein finanzieller Gewinn für die Ehe war. Also der Kapitalismus hat da auch ordentlich zugeschlagen.
01:21:22 Aber ich wollte vielleicht noch sagen, dass wenn es irgendwie Menschen gibt, die nicht aus der Community kommen und da auch so ein bisschen Vorbehalte haben, zum Beispiel hatte ich jetzt vor kurzem ein Gespräch mit einem guten Freund, der zu mir gesagt hat, Mensch, warum gibt es überhaupt noch den Weltfrauentag? Ist doch eigentlich alles geregelt. Also ihr habt doch alle Gleichberechtigung und in der Führungsposition seid ihr doch auch überall vertreten.
01:21:50 Und dann bin ich nicht frontal in die Konfrontation und habe versucht, ihn zu schütteln und zu sagen, Mensch, hör mir doch mal zu, ich erkläre dir das jetzt mal, sondern ich habe ihn einfach empathisch gefragt, woran es liegt, dass er so denkt. Und dann kam da einfach sehr viel Unsicherheit. Und ich glaube, diese Unsicherheit kann man ganz oft im besten Fall mit Kommunikation aufklären.
01:22:16 Ja, Kommunikation. Etwas, was wir hier auch groß versuchen und Xino hat auch noch mal kommunikativ was hinterher geschossen. Ich habe es vielleicht nicht gut formuliert. Ich meine damit, dass ich gut finde, dass die Firmen es für profitabler gehalten haben, sich mit queeren Personen zu assoziieren als mit Gegnern dessen. Das vielleicht nur mal kurz an der Stelle. Genau, Leute, es kommen so viele schöne Kommentare. Wenn ihr Lust habt, euch dazu zu schalten und eure Meinung zum Thema zu sagen, kommt kurz rein. Einfach anklingeln. Geht ganz easy.
01:22:44 Kommt kurz dazu. Ihr könnt auch einfach eine Frage an einen Gast stellen, wenn ihr Lust habt. Kommt gerne kurz rein. Und an dieser Stelle würden wir einmal weiter wechseln. Michi, vielen Dank, dass du da warst. War sehr schön. Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte und euch noch viel Spaß. Danke dir. Vielleicht bleibt ihr ja noch im Chat dabei. Schönen Abend noch. So, und wir holen jetzt Nico mit dazu, wenn alles klappt. Hi.
01:23:13 Hi Nico. Hallöchen, na? Hello, wie geht's dir?
01:23:18 Ja, ich hatte einen langen Tag heute, aber ich freue mich hier zu sein. Schön, dass du noch so lange durchgehalten hast, dass du jetzt noch bei uns bist. Ich stelle auch dich noch mal kurz vor. Du bist seit über sechs Jahren Streamer und Content Creator, hast mit deinem Freund zusammen auch eine eigene gemeinsame Produktionsfirma für Film- und Livestreamproduktion. Und queere Themen begleiten eigentlich deinen Content eigentlich schon von Anfang an und du engagierst dich sehr für Sichtbarkeit und gegen Stereotype Darstellung. Schön, dass du da bist. Ich versuche es zumindest.
01:23:45 Ob es mir gelingt, weiß ich nicht, aber ich versuche es, ja. Okay, mich würde mal interessieren, ein Begriff, der bisher noch nicht gefallen ist, ist Pride-Fatigue, also die Müdigkeit, Erschöpfung, wenn es ums das Thema geht. Wie beobachtest du denn das? Nimmst du das wahr, dass das aktuell so ein bisschen eintritt?
Pride-Fatigue: Erschöpfung und Rückzug aus der Sichtbarkeit
01:24:0201:24:02 Was soll ich sagen? Ich finde das ganz witzig, weil wir vor genau drei Jahren in der ähnlichen Konstellation hier waren. Richtig, der aufmerksame User oder die aufmerksame Userin kann sich vielleicht erinnern. Eins in den Chat, wer dabei war. Mal gucken, wie viele es waren. Schauen wir mal.
01:24:21 Ja, auf jeden Fall. Und ich habe halt im Laufe, in der Vorbereitung für heute halt viel drüber nachgedacht, so was war die Stimmung. 23, ich würde auch sagen 23 war so das Hochjahr von Pride, auch eben von Firmen und so. Und es war schon fast eine, sollen wir sagen, verklärte Pride-Bewegung, auch eben von Firmen, von Konzernen, von CSDs. Und ich weiß noch, ich saß dann hier und habe gesagt, nein Leute,
01:24:47 Also wir aus der queeren Community, wir wissen, dass pinkwashing a thing ist und wir sind auch vorsichtig deswegen. Und jetzt, drei Jahre später sitzen wir hier, ja...
01:24:57 Da ist es nun. Das war ja viel so eher Pustekuchen. Und ja, das Problem ist halt, es war dann viel so Party, Commerz und so. Aber halt die Aufklärungsarbeit, das auch Ankämpfen gegen Hass, das blieb ja immer den queeren Menschen auf dem Nacken eigentlich. Und quasi mit dem Wegziehen der Firmen, auch ein bisschen der allgemeinen Aufmerksamkeit, wurde es ein bisschen ruhiger. Aber der Hass blieb ja und wurde dann immer weniger.
01:25:26 Das hat zur Folge, dass immer mehr Leute aus meinem Umfeld sich zurückziehen, einfach die Energie auch nicht mehr haben, aufzuklären, auch im Content-Bereich viele Leute aufgehört haben oder große Pausen machen. Und das hat so für mich das Ganze so ein Gefühl, man wird immer, also das ist ein Gefühl natürlich, immer einsamer. Ein bisschen alleingelassen.
Ausgebranntheit und Energiemangel in der queeren Community
01:25:4701:25:47 Ja, allein gelassen. Das klingt ja so ein bisschen, als würde ich das ihnen zum Vorwurf machen. Sie sind einfach ausgebrannt, also vertiegt eben. Also Energie ist nicht mehr da, der Optimismus geht flöten, Leute kriegen Angst. Das Thema war ja mit Auswandern eben auch schon dabei. Und das alles zusätzlich zu eben dem, naja, einfach den Alltag trotzdem schaffen. Job ist da, Leben ist da. Ja.
01:26:12 Da ist dann einfach am Ende des Tages nicht mehr viel Energie für Aufklärung oder für auch Repräsentation da. Und ja, das fühle ich. Und das ist aber gleichzeitig irgendwie ein bisschen kontrovers, weil auf der einen Seite haben wir noch so viele CSDs wie noch nie. Auf der anderen Seite müssen einige queere Vereine um ihre Finanzierungen kämpfen oder müssen immer mehr halt um Spenden bitten. Ja, das ist alles so ein bisschen ambivalent alles.
Doppelte Herausforderung: Sichtbarkeit vs. Engagement
01:26:3601:26:36 Ja, also da die Entwicklung, die du siehst. Und übrigens waren auch schon einige beim letzten Mal mit dabei. Also wir sind nicht alleine. Ich würde gerne mal ein bisschen drauf gucken, wo wir jetzt gerade stehen, auch was die Bekanntheit und so weiter angeht. Und zwar gab es da eine Umfrage in diesem Jahr von YouGov zwischen Haltung und Wirkung Marken in Pride, der Check von 2026. Die haben Online-Interviews geführt und das ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung 18 Jahren. Und die haben gefragt, ist Ihnen der Begriff Pride Month bekannt?
01:27:05 Und 48 Prozent sagen nein. 22 Prozent haben es schon mal gehört, wissen aber eigentlich nicht so richtig, was das ist. Und 28 Prozent sagen ja, ich weiß genau, was das ist. Wenn man sich das jetzt anguckt und wir reden schon so lange über Pride und Pride Month, da ist noch ganz schön Luft nach oben. Oder wundert euch das, Nico?
01:27:26 Ein bisschen schon. Lustigerweise jetzt auch, wenn du, wir hatten es ja vorhin auch schon, Thema Kulturkampf. Also es war ja zumindest auch manchmal unfreiwillig ein großes Thema für einige öffentliche Outlets. Das zu hören sagt aber auch, dass zum einen es noch genug Aufarbeitung nötig ist. Auf der anderen Seite, dass auch vielleicht viele Sachen, die laut klingen, auch viele negative Sachen, auch vielleicht gar nicht so bei den Leuten ankommen, wie wir befürchten.
01:27:57 Natalie, was sagst du zu der Zahl?
01:27:59 Ja, ich sehe das irgendwie auch so. Also wenn so wenig Menschen, also wenn man die Gesamtheit betrachtet, wenn so wenig Menschen eigentlich den CSD so mal gehört haben. Pride Month war es in dem Fall. Achso, den Pride Month, entschuldige. Ja, klar, selbstverständlich. Den Pride Month, dann ist das eigentlich ein Riesenpotenzial, was man gut nutzen kann, gerade um super gut aufzuklären und den Weg ins Positive.
Repräsentation und kommerzielle Nutzung des Pride Month
01:28:2801:28:28 drehen zu können, anstatt so dieses Ohnmachtsgefühl und dieses, es wird alles schlechter, weiter nach vorne zu bringen. Würdet ihr denn sagen, es muss jeder den Pride Month kennen? Also ist das das Ziel?
01:28:43 Prinzipiell schon. Also wenn man für die Gleichberechtigung aller Menschen, finde ich den Pride Month irgendwie schon, wenn, also ich glaube, wenn die Gleichberechtigung für alle Menschen ist, wenn man das nicht mehr erklären muss, warum zwei Frauen Händchen halten auf der Straße oder Männer heiraten oder Transmenschen mit Respekt behandelt werden, dann braucht man den Pride Month auch nicht mehr. Dann ist das fair enough. Aber bis dahin ist es ja noch ein langer Weg.
01:29:15 Ja, spannend. Ich fand das auf jeden Fall eine ganz interessante Sache, um auch zu gucken, wie weit sind wir eigentlich mit dem Pride Month gekommen bisher, um so ein bisschen eine Bestandsaufnahme auch nochmal jetzt zum Ende zu machen. Und wir haben vorher schon, du hast es gerade eben auch wieder angesprochen, CSDs. Wir haben schon viel über CSDs gesprochen. Lass uns da doch nochmal drauf gucken am Ende. Denn Nathalie, wir wissen ja noch gar nicht, was du zu den CSDs sagst. Wie politisch sind die denn für dich oder sagst du zu viel Party? Was sagst du zu den CSDs? Wie sinnvoll und beziehungsweise vor allem, wie wirkungsvoll sind sie?
Die politische Dimension von CSDs und Pride
01:29:4501:29:45 Also zuallererst mache ich auch gerne Party. Da bin ich auch gerne dabei. Aber im Vorfeld finde ich die politischen, also die Agenda, die die Community hat, echt gut. Also ich war des Öfteren auch in Sitzungen mit dabei, fande das Netzwerken total gut und wichtig. Dann gibt es auch noch den Dike March. Das ist der Tag vor dem Pride Lauf. Das ist durchaus politischer.
01:30:11 Und ich bin immer für eine politische Veränderung, für mehr Sichtbarkeit, für also dahingehen und auch ansprechen, wo es knirscht und auch ein bisschen was einfordern. Also die Rechte kommen ja nicht von ungefähr, das muss man auch schon klar benennen können. Und je mehr wir da sind und je klarer wir das äußern, desto im besten Fall bekommen wir dann das, was wir wollen. Und da kann ich jetzt nochmal zum politischen...
01:30:40 Dimension sagen, als ich in Straßburg war, war dann ganz kleiner CSD, kein Kommerz, keine großen Förderer, Sponsoren. Das waren so kleine Wagen, in denen alle das irgendwie halb selbst organisiert haben, aber auch sehr politisch waren. Ich meine, die Franzosen sind sowieso sehr politisch. Aber das war sehr schön zu sehen und das hat mir auch so ein bisschen Hoffnung gegeben, dass die Leute auch richtig Bock dazu haben.
01:31:11 Aber wenn du jetzt auf die Mehrheit der CSDs guckst, würdest du sagen, die sind politisch genug oder überlagert da die Party auch gerne mal den Rest? Also ich finde in Deutschland, wenn wir weder auf dem Punkt Platz 7 oder Platz 8 sind, dann würde ich es schon besser finden, wenn wir da vor den skandinavischen Ländern sein würden. Und wenn es da ein bisschen politischer wird, finde ich das auch in Ordnung.
01:31:37 Party an sich kann auch mal ein bisschen gedämpfter sein, aber sie sollen komplett nicht wegfallen. Chad, sag doch mal, wie seht ihr, das sind die CSDs politisch genug? Eins für ja, zwei für nein. Würde mich mal eure Meinung interessieren. Und ich gebe es mal elegant weiter an Nico. Was sagst du?
01:31:53 Jetzt möchte ich noch was gleiches sagen. Was war die Grundfrage nochmal? Sehr schön, gut aufgepasst. Genau, die Frage ist, weil ja auch immer wieder, wenn man über CSD diskutiert, immer wieder die Frage kommt, sind sie politisch genug? Ist das nicht alles nur Party? Was sagst du dazu? Hat sich da was für dich verändert oder wie ist deine Meinung?
01:32:12 Ich bin ja mal der Meinung, dass ja auch ein Feld, das ein CSD ist, eine Veranstaltung, in der Menschen sich größtenteils sicher fühlen und einfach sie selbst sein können, ohne Kompromisse, ist ja auch schon ein Akt des Politischen. Das ist eine. Und auch einfach feiern, also einfach ohne Sorgen haben zu müssen, auch eben vielleicht so sehr viel Schlagermusik oder was auch immer man da gerade zelebrieren möchte.
01:32:41 Also die CSD selbst, auch wenn sie dann vor Außenstehende erstmal wie eine große Party wirken, dass so eine Party in der Form existiert und nicht im Kleinen, in kleinen Clubs oder damals noch sogar im Verborgenen, das ist schon ein Achievement, das man einfach betrachten muss. Auf der anderen Seite sage ich natürlich auch, dass bei alledem die politischen Forderungen, die einfach noch da sind, wir haben ja schon geklärt, ein paar Sachen gibt es noch da zu tun auf jeden Fall, innerhalb der Community und
Gemeinschaft als Schlüssel zum Aktivismus
01:33:1001:33:10 für die Community im Vergleich zur Gesellschaft, dass die halt auch immer wieder hervorgebracht werden. Dass man auch Ziele hat, dass es nicht nur so ein, ja wir sind bunt, das ist schön, aber es muss auch vorangehen. Gerade wenn man halt merkt, so ja gradiell, Jahr für Jahr geht es gerade eher so wieder in eine eher dunklere Richtung, dann finde ich es auch wichtig, dass man dann sagt, okay, wie kommen wir auch da wieder raus, weil wir immer noch jedes Jahr sagen, okay, wir feiern, wir sind bunt.
01:33:39 dann hört es irgendwann auf, weil dann andere sich weiterentwickelt haben. Aber leider halt die falsche Richtung. Ja, also ich sehe auch, der Chat sagt auch, die CSDs könnten politischer sein. Phantom fasst das nochmal zusammen. Wir müssen definitiv die bisherigen Errungenschaften feiern, aber müssen wieder mehr zum Politischen zurückfinden, meiner Meinung nach. Also da gibt es anscheinend doch einige, die sagen, könnte doch politischer sein.
01:34:03 Meppo sagt, CSD ist mittlerweile nur noch Kommerz, Springerpresse wagen, CDU macht mit, die Bundeswehr und Polizei werben da alle mit, alle genannten haben queerfeindliche Strukturen oder verschlimmern aktiv die Lage der Queers. Also ist es zu kommerziell, wäre ja auch noch eine andere Frage, die sich da stellt.
01:34:22 Ja, das sehe ich auch so, dass es zu kommerziell ist. Also dass es im Großen und Ganzen bei der Party schon, also bei der Pride schon darauf ankommt, dass da gewisse Unternehmen wie die Haspa und Co. auf einmal da vor Ort sind. Und wenn sie da mit ihrer Philosophie wirklich etwas für queere Menschen machen, das ist ja vollkommen in Ordnung, aber ob die Gewichtung da ist und wer das überhaupt überprüft.
01:34:51 Das ist dann eher eine andere Frage. Nico, was meinst du?
01:34:59 Wenn du mich vor drei Jahren gefragt hättest, ist das zu viel Commerz? Vielleicht hab ich dich das auch gefragt, ich bin mir nicht mehr sicher. Ja, lange, lange ist es her. Trotzdem, bei jeder Art von einer, sagen wir mal, Firmenteilhabe bei Pride und bei CSDs, sollte man das immer kritisch hinterfragen. Weil so eine Teilhabe eh mit einer Verantwortung kommt. Und eben mit einer Message.
Kommerz vs. politische Verantwortung – die Doppeldeutigkeit von Firmenpräsenz bei Pride
01:35:2601:35:26 Sag mal so, wenn es dann passiert, hat man erstmal so vielleicht den Benefit of the doubt, so wo man sagt, okay, vielleicht ist es doch nicht nur Commerz, vielleicht wollen sie wirklich ein Zeichen setzen, auch für ihre eigene Belegschaft. Da finde ich es auch immer, ich finde es einfach gut, so einfach abzuwägen und einfach die Entwicklung abzuwarten. Aber das Ding ist halt, wenn wir jetzt so wie gesagt 23, 22, 23 hatten, wo halt das, wo so viele Firmen ihre Logos geändert haben, Pride Werbekampagnen aufgestellt haben und so weiter und so fort und jetzt in Zweck 26 nichts machen.
01:35:54 dann merkt man halt, okay, dann war die Prämisse von damals nicht viel wert. Und das sorgt ja auch dann dafür, dass wir immer, sagen wir mal, misstrauischer werden und ja sagen, okay, ihr braucht gar nicht mitmachen, weil, seien wir ehrlich, ihr macht es nur halt, um euch zu profilieren. Und ja, und dann hat man irgendwie als queere Community am Ende einfach nur noch Bock unter sich zu sein. Und das ist irgendwie ja auch dann schade, wenn man schon eine Art Verbitterung erleben muss.
01:36:20 Ja, ist total schade. Ich finde auch, dass durch die Sichtbarkeit und dass so viele Leute auf der Pride sind, es ja auch durchaus Gewalttaten stattfinden. Also dadurch, dass ja die Rechtsgrundlage und allgemein die Rechte nicht klar sind, wird die queere Community immer weiter diskriminiert.
01:36:45 Und bloß sichtbar zu sein, aber dann nicht politisch zu sein, hat eigentlich dann auch keinen Zweck.
01:36:53 Ich glaube, dass die Menschen in der Welt sind. Ich glaube, dass die Menschen in der Welt sind. Ich glaube, dass die Menschen in der Welt sind. Ich glaube, dass die Menschen in der Welt sind.
01:37:17 Wir tragen das Wissen weiter und ich glaube, da ist wirklich dieses Gemeinsam sind wir stark Motto unfassbar wichtig. Bevor es irgendwie heißt, so ja, es gibt ja leider auch, ich bin jetzt, ja, 33 und ich habe ja auch schon in meiner Generation halt eben schwule Männer zum Beispiel, die sagen, ich brauche den Kampf nicht mehr oder für mich ist schon alles erreicht, ich will das nicht mehr mitmachen. Und da ist halt dann wichtig, die trotzdem irgendwo abzuholen und zumindest zu sagen, warum es wichtig ist, damit sie
01:37:46 Ja, auch einfach von selbst drauf kommen, auch wenn es jetzt gerade ein bisschen negativ flinkt, dass der Kampf nie aufhört als Minderheit. Deswegen, ja.
01:37:57 Es ist unter anderem so ein bisschen eine Verantwortung, die anderen mitzunehmen und nicht nur quasi einzufordern, sei politisch, sondern politisch zu sein ist erstmal fucking anstrengend. Entschuldigung für die Wortwahl. Deswegen, ja, da finde ich es wichtig, sich untereinander zu unterstützen, weil gemeinsam ist es weniger anstrengend, politisch zu sein, als halt alleine dann gegen die große Masse.
01:38:19 Das ist ein schöner Punkt. Gemeinsam ist es weniger anstrengend, politisch zu sein. Das ist ein sehr schöner Satz. Ich sehe aus dem Chat, Mina Dirndl schreibt, ich verstehe, was Nico meint. Trotzdem muss ich auch ehrlich sagen, ich vermisse das Rainbow Washing. Denn jetzt ist die queere Community wieder völlig unsichtbar.
01:38:35 Fühlig, ich habe auch einige queere CreatorInnen gesehen, die gesagt haben, ja, also natürlich ist es eine bittere Erkenntnis, was ich gerade gesagt habe, dass die vielen Firmen das eigentlich nur zur Profilierung gemacht haben. Aber gerade auch einfach fürs Feeling, es hat ja trotzdem eine Signalwirkung, wenn die Firmen mitmachen. Und da haben halt einige auch schon den Take gebracht, sie vermissen einfach, so blöd es klingt, diese ganzen Kampagnen, auch wenn sie halt eher oberflächlich waren.
01:39:02 Weil man sich dadurch einfach ein bisschen weniger allein gefühlt hat. Und natürlich kam mit viel Pride auch viel Gegenwehr und man musste auch viel gegenarkommentieren. Wie gesagt, ich ändere an 23 zurück. Aber es war einfach ein anderes Movement. Es war eine andere Dynamik. Und da hat man sich ein bisschen beflügelter gefühlt, als jetzt wieder eher so zu erklären, ja, wir sind übrigens immer noch da. Ja, ich weiß, es ist WM. Es ist toll, Fußball, total toll und so.
Queere Kultur zwischen Sichtbarkeit und Unterdrückung
01:39:3001:39:30 Wir haben auch unseren Pride Moms hier und irgendwie ist das dann komisch, wenn jetzt, Achtung salopp gesagt, alle Pride-Fan jetzt gegen Deutschland-Flaggen und auch Deutschland-Artikel ausgetauscht werden.
01:39:42 Ja, stimmt. Gerade mit der WM. Ich meine, wir erinnern uns an Katar. Da war die Regenbogenbinde und was da diskutiert wurde. Und bei dieser WM ist das auf jeden Fall nicht mehr so großes Thema. Ich habe noch einen kritischen Take zur CSD. Ich würde interessieren, was ihr dazu sagt. Mimi mal anders sagt, ich persönlich muss auch sagen, dass ich manche Abwandlungen auf den Demos nicht nachvollziehen kann. Liebe, oh jetzt verrutscht dir gerade eines. Liebe, wen du willst, aber warum werden dort auch Fetische ausgeübt? Ich nenne als Beispiel mal Hundemasken und Leine führe ich.
01:40:11 Ist das noch Pride? Was sagt ihr dazu?
01:40:15 jedes Jahr. Also wenn man auf Social Media aktiv ist und queere Aufklärung macht, dann lese ich das immer wieder, diesen Take. Das ist so ein Ding, warum ich zum Beispiel sage, ja, deswegen braucht man den Pride Months auch, weil queere Geschichte und auch die Geschichte der queeren Befreiungskämpfe damals sehr, sehr eng mit eben auch der Fetisch-Szene, also eine Überschneidung gibt es ja, verzahnt ist und die auch an vollerster Front mitgekämpft haben damals, auch in Stormwall. Und
01:40:44 Ja, das Problem ist halt eben, es ist halt eine andere Dimension. Wir haben halt eben Sexualität, auf wen stehe ich oder wen liebe ich, dann Geschlechtsidentität, wer bin ich überhaupt, wie identifiziere ich mich und dann kommt eben noch oben drauf, das ist sowieso schon ein Thema, was auch einfach in unserem eher prüden Deutschland schon immer schwierig war, so generell Kings, Fetische, offen darüber zu reden. Das ist halt so ein Ding dadurch, dass wir diese Vorbehalte haben gegen das Ganze.
01:41:10 und sich auch die meisten Menschen nicht jetzt in diese Communities, es sind auch Communities hinter diesen Fetischen und Kings, sich einarbeiten wollen, das auch vielleicht verstehen wollen oder auch in Kontakt treten, um das Ganze mal mit Berührungspunkten zu versehen. Es ist halt immer einer der ersten Punkte, die halt Leute aufnehmen, um Pride zu delegitimieren. Und dann im Ganzen auch, weil ich sage, okay, die laufen da mit, was sind diese, die Hunde oder eben die Ledertragenden und so, wo ich sage, ja, aber das ist...
01:41:35 Ja, da ist wieder ein guter Punkt einfach da, dass das Wissen verloren geht wieder aus der Pride Liberation. Und da so anstrengend es ist, sage ich ja immer so, ey, befasst euch mit queerer Geschichte, befasst euch damit bitte, weil dann wird einiges deutlich klarer. Und was auch, glaube ich, Michi schon vorher gesagt hat,
01:41:56 ja, mehr Rechte für, auch in diese Richtung, hilft uns allen, weil ich glaube auch im Thema Kings und Fetische, auch einfach unter Heteros oder einfach, ne, ich glaube, da haben wir generell noch ein bisschen, ich glaube, da hatten wir auch mal eine Zeit, wo wir ein bisschen freier waren, I remember, da bin ich zwar nicht auf der Welt gewesen, aber, ja.
01:42:16 Wir hatten mal so Sachen, wo Leute einfach, mir nichts, mir nichts, ganz selbstverständlich nackt rumgelaufen sind. Und dann jetzt, wenn es irgendwie die Queeren machen, jetzt in der moderneren Zeit, dann ist es wieder ein, dann heißt es plötzlich wieder, aber die Kinder, die TV-Aufnahmen gibt es noch, von diesen ganzen Kommunen und Stuff und so. Und da hat aber keiner was mit Kindern und so gesagt, dass die von dem bewahrt werden müssen. Also ja, ich verwische viel, aber ich glaube, mein Punkt wird klar.
01:42:39 Nathalie, nickt. Ja, ich sehe das genauso. Also gerade mit der Korean History sieht man einfach diese Schnittstellen und wenn man da aber noch keine Berührungspunkte mit hatte, entstehen anscheinend Vorurteile und ja, es ist einfach wichtig, darüber zu sprechen.
01:43:01 Ah, ich sehe gerade, Mimi mal anders schreibt, danke für die Aufklärung. Ich hätte dann immer Sorge, dass es noch eher als abartig abgestempelt wird, was es meiner Meinung nach nicht ist. Und sich dann junge Leute eher weniger dazu bekennen, das nur da als Rückmeldung dazu. Scham, generell Scham ist ein großer Faktor, um die queere Bewegung zu delegitimieren. Also, ja.
01:43:27 Also da auch ein wichtiger Punkt, den wir heute noch nicht hatten. Jetzt würde ich gerne mal zu unserer Ausgangsfrage zurückkommen, weil wir haben ja so diesen Stream gestartet mit der provokanten Frage, ist Pride manns tot? Ich habe zwar so eine kleine Ahnung, was ihr sagt, aber was würdet ihr auf diese Frage jetzt am Ende antworten, Nathalie?
Ist der Pride Month tot? – Eine Bestandsaufnahme
01:43:4501:43:45 Nein, natürlich ist der Breitmanns nicht tot. Er verändert sich bestenfalls. Er verändert sich und wird hoffentlich mehr politischer, führt dazu, dass die Rechte für queere Menschen mehr eingefordert werden, führt dazu, dass wenn Unternehmen sich mit der Philosophie
01:44:06 mit kreeren Menschen irgendwie mit integriert sind, dann ist das vollkommen in Ordnung und dann dürfen sie auch gerne bei der Pride mit dabei sein und Sichtbarkeit ist gut, aber nur unter diesen Bedingungen und nicht für irgendwie eine Pride-Washing-Aktion. Und ja, also es ist wichtig, auf die Straße zu gehen. Es ist wichtig, darüber zu sprechen. Es ist wichtig, Flagge zu zeigen und ein bisschen Party darf auch sein.
01:44:36 Nico, was sagst du auf die Frage? Ich möchte darauf verschiedenen Ebenen antworten. Also der Pride Month wurde ja von vielen eben nur auf der kommerziellen Ebene gelesen. Ich würde sagen, aktuell ist dieser Teil auf jeden Fall am Sterben und auf maximalen Beatmungsgerät. Aber das ist für viele natürlich ein Setback, also ein Rückschlag. Aber gerade eben für die Inhalte, die der Pride Month vermitteln möchte, ist es halt eine Chance, weil
01:45:04 wir halt dann sehen, auf wen man sich halt wirklich verlassen kann. Und in dem Punkt ist es noch lange nicht tot, weil, naja, ich traue mich es kaum zu sagen, aber es wird wieder aktueller denn je, weil halt das globale Klima eher wieder in eine andere Richtung geht. Und deswegen ist es umso wichtiger, dass man sich dann immer noch auf die Werte zurück befindet, auf denen halt der Pride Month aufbaut.
01:45:31 Ja, ich sehe gerade, Goss Mir sieht das ja ähnlich, er ist nicht tot und wird wieder kämpferischer, allein weil wir von rechter Politik und Othering bedroht werden, sowie steigender Gewalt ausgesetzt sind. Ihr habt es gerade eben schon angedeutet, also was würdet ihr, wenn ihr es nochmal zusammenfassen müsstet, Natalie, was würdest du sagen, was braucht es, damit er quasi noch wirkungsvoller wird?
01:45:57 Ach, da gibt es so viele Ebenen. Zuallererst würde ich sagen, dass aus der Sicht intern von der Community, weiß ich ja, dass politische Agenda da ist und dass die Leute sich vernetzen und so, aber dass das nach außen getragen wird, dass nicht queere Menschen verstehen, was der Pride Month eigentlich für eine Bedeutung hat, welche History dahinter steckt, das wäre wichtig.
01:46:23 Und also nicht eine belehrende Aufklärung, sondern einfach ein empathisches Miteinander, in dem man ja schon sehr viel bestenfalls mitnehmen kann. Und das sollte mehr Sichtbarkeit bekommen, gerade in diesen politischen Unruhen, die wir jetzt nun haben. Oder ob es jetzt von der USA so ein bisschen rüberschwappt, dem was entgegenzusetzen, also so proaktiv eigentlich schon.
01:46:50 was dagegen zu setzen, damit man hier nicht einfach so durchlaufen kann. Genau. Nico Nickt?
Queere Geschichte und ihre Bedeutung für heutiges Engagement
01:47:0001:47:00 Ich würde sagen, es braucht mehr Gemeinschaft noch. Da kann ich sagen, da geht es einfach nie genug. Das ist, was ich vorhin schon propagiert habe sogar. Findet zusammen, sowohl Queers als auch Allies. Sucht die Gemeinsamkeiten. Gerade in dieser jetzigen Zeit, wo man auch eben durch laute soziale Medien und auch durch rechte Kampagnen immer die Leute nach ihren Unterschieden bewertet.
01:47:28 Da ist die Devise, ich kann es sogar Pride Month mäßig, aber die Devise nach den Gemeinsamkeiten zu suchen, ist so eine starke Message, wenn man sich darauf besinnen kann und daraufhin dann die Gruppen bildet, kleine wie große oder auch eben Vereine findet oder sich einbringt, vielleicht auch Sachen selbst kreiert, die Gemeinschaft bilden. Ich glaube, das würde vielen helfen, weil ich glaube, auch unabhängig...
01:47:56 angelehnt an eine Sendung von euch vor ein paar Monaten zum Thema Einsamkeit. Und da gibt es auch Einsamkeit im Sinne von Jugendzentren und so, aber es gibt auch queere Zentren und so. Deswegen da glaube ich, dass Gemeinschaft und Gemeinsamkeit am Ende in allen Punkten uns weiterhilft.
01:48:16 Ich fang gerade fast schon ein bisschen nach Schlusswort. Ja, genau. Lass mal ein bisschen Liebe da, Chat. War das nicht schön gesagt? Aber wir machen an der Stelle noch nicht Schluss. Allerdings verabschieden wir uns an dieser Stelle von Nathalie. Nathalie hakt auch gerade bei mir. Irgendwas steht es? Ich wollte mich gerade noch von ihr... Internet hat sich schon verabschiedet. Aber Nathalie, du hörst mich noch. Ich höre dich noch, aber ich sehe auch, dass ich nicht mehr...
01:48:42 Also, dass ich eingefroren bin. Vielleicht hat das Internet doch einen Hitzschlag gekriegt. Vielen Dank, dass du da warst. Das war sehr schön. Jetzt bin ich plötzlich alleine. Okay, jetzt gehen hier die Dinge durcheinander. Nathalie, vielen Dank, dass du da warst. Einen schönen Abend wünsche ich noch. Danke, euch auch.
01:48:59 Ciao. Und an der Stelle, Nico hat es gerade eben angesprochen, wir haben natürlich noch ganz viele andere spannende Debatten und Diskussionen, die wir hier bei Mixtalk führen. Wenn ihr Lust habt, folgt uns doch mal rein, dann verpasst ihr nichts davon. Und ich habe hier noch ein paar Fragen aus dem Chat gesehen. Übrigens, wenn ihr Lust habt mitzudiskutieren, geht immer noch einfach anklingeln.
01:49:20 Und The Shadow That Lives, The Shadow That Lives hat vorhin, vorhin hast du mal Scham erwähnt. Und The Shadow That Lives fragt, was meinst du genau mit Scham? Dass es peinlich sei, zum CSD zu gehen? Kannst du das noch mal... Ich glaube, darauf war es nicht bezogen. Nein, es war ja auch eben die Scham bezüglich Nacktheit, bezüglich sexuelle Themen überhaupt aufzuklären, zu thematisieren. Es ist ja auch immer ein großes Thema, so wann...
01:49:48 Sollen Kinder mit dem Thema überhaupt in Berührung gebracht werden? Auch eben zur Prävention gegen Straftaten auch. Das ist jetzt ein ganz anderes Thema und ein ganz, ganz großes Fass, was ich jetzt nicht aufmachen will. Aber eben dieses Thema Scham und Prüde, Gesellschaft und Co. ist halt ein Faktor, der halt auch der Queer-and-Community halt zusetzt. Weil eben die Auslebung dessen und auf CSDs eben auch...
01:50:11 nicht in der Ausübung, aber halt eben in der Identifikation zum Beispiel mit Fetischen und Kings, sorgt ja für viel Unbehagen und Irritationen. Und dann muss ich, wie gesagt, jedes Jahr oder sogar alle paar Monate kommt der Take so, ja, ist das überhaupt Pride? Gött das dazu? Was soll das? Ja, und ich glaube, da müssen wir auch sehr, sehr, sehr, sehr deep in generell unsere Gesellschaftsrollenbilder und auch unsere Sexualitätsbilder reinarbeiten.
01:50:40 Und das finde ich halt auch spannend, gerade für Allies und so, selbst wenn ihr selbst nicht queer seid oder eben halt gar keine Behörungen mit der Community habt, gerade eben zu sehen, dass es halt viele, viele Menschen gibt, die auch Sexualität, unabhängig jetzt von Schwul oder Lesbisch oder Co, anders ausleben, da kann man ja eigentlich nur davon sich gegenseitig bereichern und sich selbst vielleicht hinterfragen und vielleicht, ja.
Gesellschaftliche Prüderie und ihre Auswirkungen auf queere Sichtbarkeit
01:51:0401:51:04 Wie gesagt, wir hatten mal eine Zeit, wo das so ein total einfaches Thema war zu sagen, ich entdecke meine eigene Sexualität und ich experimentiere und jetzt sind wir wieder so irgendwie zurückgefallen auf, ja, aber was machen die Queeren da eigentlich? Wie gesagt, auch bei Heteros war das ein viel, viel offeneres, tabuloseres Thema. Meinst du, wir sind schruder geworden? Ja, definitiv.
01:51:24 Wenn ich jetzt ganz böse wäre, würde ich sagen, ja, die Heteros gucken einfach neidisch auf die Queers und sagen so, ja, das wollen wir eigentlich auch, aber wir trauen uns nicht, das zu sagen, aber das wäre jetzt, wie gesagt, das ist ein bisschen ein gemeiner Take, das ist manchmal nicht ernst. Übrigens sagt die Age, hat schon sehr viele tolle Kommentare heute gebracht. Irgendwann traue ich mich mal anzuklingen, ey, komm doch rein.
01:51:45 Wäre doch schön. Würde mich sehr freuen, wenn wir das Vergnügen hätten. Trau dich. Trau dich. Wir beißen auch nicht. Und man muss ja auch kein Experte sein. Wir wollen eure Meinung zum Thema hören. Und hier kommt noch eine Frage. Xinlu schreibt, ich habe eine Frage. Ich bin eine Person, die sich auf Demos und auf CSDs meistens nicht wohl fühlt. Lärm etc. Was kann ich tun, damit der Pride-Mans nicht stirbt?
01:52:06 Das eine ist, also wir reden oft über die CSDs, weil es einfach so für viele Queers das Highlight im Jahr ist. Weil es eben halt mal eine Demonstration, der eben einfach ein Tag ist, in dem halt einfach ganz viele zusammenkommen und dadurch eben einen queeren Space bilden, in dem man sich selbst sein kann. Aber das ist ja nicht der einzige Space. Wie gesagt, ich habe es ja vorhin schon gesagt, es gibt queere Vereine, es gibt ja auch digitale Angebote. Ich meine, ich bin auch Twitch-Streamer und meine Community ist ja auch dadurch sehr, sehr bunt durchgemischt.
01:52:34 Auch das kann eine Art Gemeinschaft sein und auch da kann man Leute finden, Gleichgesinnte finden. Also nicht nur bei mir, auch bei anderen Sprache. Ich möchte jetzt keine Eigenwerbung machen. Ja, man kann sich aber auch in Vereinen engagieren. Also es muss ja nicht immer das große Highlight CSD sein. Das ist ja sowas, würde ich so sagen, ich kann nur bei Rock am Ring Musik hören. Das geht zum Glück auch auf kleineren Konzerten, auch mal nebenbei Straßenmusik. Also wenn man die Fühler ausbreitet, findet man Wege.
01:53:00 Oder wenn ich ein bisschen jetzt hier den Mut machen darf, wenn du denkst, es gibt noch nicht den Space für dich, dann guck doch mal, was du selbst auf die Beine stellen kannst. Das kann ja erstmal ganz klein anfangen und danach kann sich was entwickeln. Da möchte ich mal so ein bisschen, ich werde nicht gecancelt, ich möchte ein bisschen so der queere Lindner sein, sagen, ey, bau doch mal mehr so kleine queere Spaces digital als auch analog auf und guck, was draus wird. Startups sind ja in Deutschland auch schon genug gescheitert, also komm, dann können wir jetzt auch mal ein paar queere Sachen aufbauen, Leute.
01:53:28 Wenn wir jetzt gerade schon im Politikersprech sind, was würdest du denn sagen, was ist so die größte Baustelle in Deutschland, wenn es um die Queer-Community geht? Was würdest du sagen, was macht dir am meisten Sorge oder wo müssen wir auf jeden Fall als nächstes ran? Hui! Das ist eine schwere Frage, bin ich ehrlich.
Die Rolle der Politik und dringende Handlungsfelder
01:53:5101:53:51 Ich glaube, einer der größten Probleme, die wir aktuell haben, ist, dass wenn man zum Beispiel Politik auf dem Rücken queerer Leute macht und das halt eben sehr einfach ist, ich gucke auf einige Parteien, die in Wahlumfragen blaue und auch schwarze und manchmal auch gelbe Balken haben, dass das halt, ja, es sollte nicht funktionieren. Deswegen ist es schade, wenn du merkst, okay, jetzt...
01:54:17 suchen sich wieder, wie gesagt, Transpersonen raus, die suchen sich wieder, was weiß ich, raus, die CSDs oder, ne, wir hatten ja dann auch die Diskussion mit dem Zirkuszelt, auch diese kleinen Sticheleien, wo nicht so 100%, aber irgendwie auch schon einfach eine Beleidigung sind und dann diskutieren wir darüber und wie es gemeint ist und Frau Glöckner und so und dass halt die Obersten unseres Landes gerade so mit uns spielen, als wären wir halt eben für ein paar Prozentpunkte einfach gut genug.
01:54:46 Das ist halt schade, dass es funktioniert. Und ich würde mir wünschen, dass da noch mehr Zivilcourage analog wie digital existiert, um zu sagen, nee, dafür ist kein Platz.
01:55:00 Ich könnte jetzt was sagen, aber ich sage es nicht so. Also, Merz, ja, ihr kennt den Satz, ihr habt ihn oft genug im Internet gehört. Dann sage ich noch was und zwar ein Einwand dazu, wie man CSDs vielleicht auch erleben kann, wenn man mit Lärm nicht so klarkommt. Mixed Zwergi sagt, es gibt in großen Städten auch ruhige Busse oder wie die heißen, da kann man auch mitmachen, wenn man sensibler ist und mit dem Lärm nicht kann. Also vielleicht eine Möglichkeit, trotzdem teilzunehmen.
01:55:29 Du hast vorhin ja schon mal 2023 angesprochen und da warst du ja auch Teil einer offiziellen Twitch-Pride-Kampagne. Was mich jetzt interessieren würde, wie nimmst du das denn wahr? Wie hat sich denn Pride oder der Pride-Manns auf der Plattform verändert? Welcher Pride? Also, okay, ich bin ja ein vollster Freund dabei, pass auf. Ja, gar nicht mal so viel. Also, 2023 war ich unter anderem das Gesicht mit drei wundervollen anderen Personen auf Twitch.
Wie Twitch und andere Plattformen queere Inhalte unterstützen – oder nicht
01:55:5801:55:58 Das war ja richtig groß aufgesetzt mit Startseiten-Streams, mit Ankündigungen zu uns, Vorstellungsclips. Jeder von uns hatte eine Woche das Gesicht von uns auf dem App-Store. Wenn du die Twitch-App runterladen wolltest, ist unser Gesicht da den Leuten aufgeploppt. Mein Beileid für die Leute, die mich sehen mussten. Und das war dann schon nächstes Jahr, 24 war das schon gar nicht mehr so groß. Da wurde dann nur noch so eine Handvoll Leute.
01:56:20 Queerer CreatorInnen genommen, die dann zwar ein eigenes Raster gefunden haben auf der Startseite, aber nicht mehr dieses große Plop, wenn du die Startseite aufmachst, dass dann da jemand dir aufkommt. Das war vielleicht eher Glück. Das war gar nicht mehr gegeben, so wie es bei mir der Fall war. 25 war es dann nur noch ein Instagram-Beitrag, wo drei, vier queere CreatorInnen, auch ich,
01:56:43 die zwar gefeatured wurden, aber ich wusste gar nicht, dass dieser Clip irgendwie der Mache ist. Also plötzlich sehe ich da einen Clip und dann sehe ich da irgendwie so eine Holla und mich und denke so, okay, cool, happy pride. Und dieses Jahr ist es maximal gewesen, dass es einen Instagram-Beitrag gab von Twitch Deutschland mit der Frage, wer ist eure Lieblings-queere Creatorin? Und dann sollten Leute kommentieren, also gar nicht mehr so. Das war eine sehr offene Frage und Leute haben darunter kommentiert. Ich muss aber dazu sagen, das ist in Deutschland so der Fall.
01:57:11 In Amerika gibt es die Pride-Kampagne noch. Das ist spannend, weil Leute immer dann sagen, ja, Twitch gehört zu Amazon und deswegen ist es hier in Deutschland nicht der Fall. In Deutschland hat es sehr stark abgenommen, in den USA gibt es das aber immer noch. Ich weiß nicht mehr, in welcher Ausführung, weil ich es nicht so, also ich kriege es jetzt nur so über, ich habe ein bisschen vernetzt und ich kriege es bei einigen Leuten mit, dass es halt noch existiert und dass es auch irgendwie auch Twitch, Twitch, wie heißt das, Twitch Rivals gibt es immer auch so, so eine Pride-Edition jedes Jahr.
01:57:41 Also es ist schon da, aber halt nicht in Deutschland. Deswegen ist der Take, dass dann alle sagen, ja Twitch ist wegen Amazon und wegen Unternehmenssachen gar nicht mehr so dran, ist nur die halbe Wahrheit. Und ich frage mich dann immer so, okay, sind einfach die Kapazitäten nicht da? Oder die Gelder auch? Oder was weiß ich? Also deswegen tue mich das schwer, es zu beantworten. Trotzdem natürlich als Teil der deutschen Queeren Community tut es mir natürlich weh.
01:58:07 Weil ich weiß, wie cool es mal war und wie nice es war. Aber ich kann dir auch nicht 100% sagen, was jetzt da... Da musst du mal an Twitch direkt fragen. Hallo, Plattform. Moin, hat jemand da? Vielleicht dann für den nächsten Stream in drei Jahren, wenn wir wieder drauf gucken. Mich würde aber interessieren, abgesehen von Twitch, generell die Plattform, also generell Social Media. Hast du das Gefühl, dass queerer Content da mittlerweile anders behandelt wird? Auch Stichwort Algorithmus?
01:58:37 Also je nach Plattform musst du dein Wording schon sehr bedacht wählen.
01:58:48 weil es dann halt sein kann. Es ist das Ding, es gibt keine Faustregel. Schreibst du queer in deine Texte oder in deine Untertitel, dann ist der Post direkt weg. Das ist nicht der Fall. Es gibt auch immer einige queere CreatorInnen, die auch auf Instagram, TikTok und YouTube schon ihren Content machen können und es auch eigentlich recht gut geht.
01:59:09 Aber es häufen sich schon die Fälle, dass halt Leute einfach wieder diese Schleichende, dass ihre Reichweite nach und nach, obwohl sie immer mehr Follower bekommen, weniger wird. Und dann, ja, wenn man halt das immer häufiger hört, stellt man sich ja schon die Frage, okay, irgendwas ist ja schon da, was das schon begrenzen möchte. Aber das ist ja das Problem, die Algorithmen können wir nicht reingucken und solange da keiner das offiziell, ja, bestätigt, ist es halt so ein Gefühl.
01:59:36 Aber ich würde auch sagen, ja, man hat es schon schwieriger als vor ein paar Jahren als queerer Person. Gerade wenn man auch Aufklärung macht. Wenn man, sagen wir mal, blöd gesagt, nur so Unterhaltungscontent macht und eben sagt, ja, übrigens, ich bin noch queer, dann wird man da weniger von betroffen. Aber wenn man eben gegen Kulturkampf geht, gegen Misinformationen oder halt eben auch generell Aufklärung macht und vor allem, wenn man dann auch über sexuelle Themen aufklärt.
01:59:59 dann ist man da sehr schnell der Gefahr, dass die Posts oder sogar manchmal der ganze Account dann weniger Reichweite bekommen. Ja, Chad, wenn ihr eine Frage an Nico habt, stellt sie gerne, ich erreiche sie gerne weiter. Jetzt ist ja quasi die Plattform auf der einen Seite, aber auch wie gehen die Creatorinnen mit dem Thema um? Hast du das Gefühl, dass die teilweise auch zurückhaltender werden, wenn es zum Beispiel um Profilbeschreibungen oder sowas geht? Also hast du das Gefühl, dass die auch mit so einem...
02:00:27 wie stark sie dieses Thema Featuren auch teilweise zurückhaltender werden? Ja und nein. Es geht in beide Richtungen. Für einige sorgt es zu Unsicherheit und sie halten sich wieder bedeckter. Ja, das ist das eine. Auf der anderen Seite...
02:00:44 Ja, gibt es auch die, die dann extra lauter werden und radikaler werden. Das erlebe ich halt auch. Aber im gesamten Thema wieder auch Queer Fatigue wird es gerade eher wieder leiser. Oder ja, weil die Leute einfach nach und nach einfach mit dem Content aufhören. Die, die vielleicht jetzt schon so eine Größe erreicht hatten, die davon leben konnten.
02:01:13 die existieren weiterhin, denen geht es noch gut, aber die, die vielleicht so auf der Kippe waren oder vielleicht noch auf dem Aufbau waren, viele haben da jetzt das eingestellt, eben aufgrund eben des Hasses, der ihnen zu sehr zusetzt oder eben auch, weil sie einfach merken, ja, es führt zu nichts mehr und jetzt ist halt die Zeit nicht mehr wert, weil Content Creation ist sehr, also sehr aufwendig und auch wenn man...
Queer Fatigue: Rückzug aus Aktivismus und Content Creation
02:01:3602:01:36 das z.B. neben dem Beruf macht, aber irgendwie schon mit dem Ziel rangeht, irgendwie größer zu werden, neue Leute zu erreichen, da muss man schon einiges machen und dann halt zu merken, dass dann man vielleicht noch die Algorithmen gegen sich hat und dann auch irgendwie mit mehr, trotzdem aber auch mit mehr Hass kämpfen muss, ja, das hält man nicht auf Dauer durch und dann auch so nach und nach fallen sie halt und das ist sehr traurig zu sehen. Also das macht mir auch echt Sorgen und super schade und es tut mir so einfach leid für viele, die da so struggelt.
02:02:05 Wenn dann Stimmen plötzlich nicht mehr präsent sind quasi.
02:02:09 Mir fällt keine gute Überleitung ein. Ich streue mal den nächsten Kommentar ein. Und zwar eine Frage. Trappos sagt, ich bin jetzt bald auf meinem ersten CSD in Köln. Ich freue mich zwar sehr irgendwie, aber irgendwie habe ich auch ein unwohles Gefühl. Habt ihr Tipps, wie ich mich da nicht so viel innerliche Panik mache? Geh nicht alleine. Nimm dir jemand mit, sei es queer oder ally und zieh die mit.
02:02:36 feier nicht allein, also sei einfach in der Gruppe, dann ist es deutlich weniger, ich sag mal, schlimmer, so das erste Mal, dass du es haben. Und dann kannst du dich halt mal rantasten, dann kannst du gucken, okay, ist das was für dich, also auch die Parade oder auch die Demonstration, magst du die Musik, magst du die Menschenmassen, ist ja auch, wie gesagt, hatten wir schon auch schon ein Thema, ist ja auch nicht für jede Person was. Aber geht auf gar keinen Fall alleine, weil, das darf man halt auch nicht vergessen, der Weg zum CSD, da gibt es leider...
Sicherheit und erste Schritte zum queeren Engagement
02:03:0202:03:02 bei jedem CSD oder bei jeder CSD-Saison gibt es halt Berichte, wo dann Leute auf dem Weg zum CSD dann eben Opfer von queerfeindlicher Gewalt werden. Oder es gibt auch die Leute, die dann mit der S-Bahn dann eben aus dem Dorf in die Stadt fahren und dann aber auch in der S-Bahn so totale Straßenklamotten haben, komplett grau, grau und erst dann sich trauen, erst in der Stadt umzuziehen. Also passt auf euch auf, trotz alledem, so schön CSDs sind, aber natürlich ist man auch da einfach vulnerable, wenn man sich so offen zeigt. Und ja.
02:03:31 Deswegen mein Tipp immer für Leute, die zum ersten Mal hingehen, geht nicht alleine, sucht euch Leute, geht gemeinsam, feiert gemeinsam und trinkt bitte genug, ist ja meistens im Hochsommer. Wasser meinst du? Ja, ja, oh Gott, ja. Ein Spaßgetränk darf ja sein, aber ich habe genug Wasser dabei.
02:03:50 Okay, ich würde gerne zum Schluss jetzt noch ein kleines Fazit ziehen. Und zwar ist es ja so, dass der Pride Month ja auch etwas erreichen will, sich einsetzen will für mehr Gleichberechtigung gegen Ungerechtigkeiten und so weiter. Und Nico, wenn wir uns in den drei Jahren hier wiedersehen, können wir ja mal gucken, wo wir dann stehen. Deswegen wäre meine Frage, Chad, das interessiert mich auch, was ihr dazu sagt. Chad, was würdet ihr denn sagen?
02:04:12 Wir hatten ja vorhin mal diese Rainbow Map, wo Deutschland platziert wurde. Was würdet ihr denn sagen auf einer Skala von 1 bis 10? Wie gut schneiden wir denn aktuell ab bei Diskriminierung, Gleichberechtigung und so weiter? Was würdet ihr sagen von 1 bis 10? Also 10 wäre das Beste, 1 wäre ganz schlecht. Wo würdet ihr uns ranken aktuell? Mal gucken, was da so kommt. Und Nico, mich würde interessieren, was sagst du, wo stehen wir denn aktuell?
02:04:42 Ja, ich sag mal so, ich sag's mal als erst mal das Gute. Es gibt noch einige Länder, in denen ich einfach für das, was ich bin, verhaftet und sogar manchmal getötet werde. Also, ne? Man darf bei all dem, was hier auch an Problemen gibt, darf man nicht vergessen, dass man schon Privilegien hat.
Deutschland im LGBTQ+-Index: Zwischen Fortschritt und Rückschritten
02:05:0102:05:01 So, deswegen. Aber auf der anderen Seite sehe ich ja auch, was wir schon erreicht haben, wo wir schon mal standen und wo sich es gerade hinbewegt. Und die Tendenzen, auch in westlichen Ländern, machen da schon Sorgen. Das Lustige ist ja, der Rainbow Index ist ja in Platzierung. Das Lustige ist ja, es ist ja schon lustig, wenn Deutschland theoretisch auf Platz 1 wäre, aber halt, weil es trotzdem, keine Ahnung...
02:05:25 Platz 1, weil es das queerfreundlichste Land ist, aber halt trotzdem irgendwie kann es ja in den einzelnen Wertungen heißen, dass wir trotzdem, keine Ahnung, ja, Schwule einsperren. So ein Ranking ist ja nur so gut wie auch dann der Overall, was dann 1 heißt. Ich zweife ab. Ich würde sagen, wir sind aktuell beinahe...
02:05:46 7, aber ja, Tendenz ist gerade sinkend. Okay, eine 7 ist ja jetzt nicht so schlecht. Okay, verstehe. Ist nicht so schlecht, aber das hat aber auch an Teilen halt damit zu tun, dass es nicht nur die rechtlichen Sachen sind. Also viele stützen dann immer die Frage, so was haben wir queeren Menschen, so rechtlich geht es uns doch gut, die Schwulen haben doch schon alles. Aber es ist ja trotzdem auch, wie mit uns umgegangen wird.
02:06:10 Und auch wenn wir dann auch rechtlich Schutz genießen, das ändert ja nichts daran, dass Leute trotzdem Vorbehalte haben, dass ich immer noch Kommentare lese, dass ich krank sei und dass ich irgendwo sein soll. Also es gibt eben auch Leute, die sich mutig genug fühlen, offen zu sagen, ja, ich...
02:06:25 Mit mir sollen Dinge passieren, die nicht so geil sind, so körperlich. Und solange dieser Mut existiert, solange dieser Samen noch gedeihen kann, dass das queere Hass irgendwie noch cool sei oder auch salonfähig sei, haben wir halt noch viel zu tun.
02:06:48 Also wir reden jetzt halt darüber, so okay, haben wir vielleicht noch in Deutschland die Meinung, ja, okay, heiraten, okay. Aber es gibt halt noch Menschen da draußen, auch in Deutschland und auch Deutsche, wohlgemerkt, die halt einfach noch generell meine Existenz hinterfragen und bewerten, wo ich sage, ja gut, wir haben noch ein bisschen was zu tun.
02:07:07 Ich sehe auch die Meinung im Chat gehen sehr auseinander. Ich sehe sieben bis acht, acht, fünf, sechs, hier ist sogar eine vier dabei. Dedex unterscheidet sehr ähnlich, wie du das gerade gemacht hast. Staatlich sieben, privat vier. Also auch diese Unterscheidung, die du gerade gemacht hast, das geht in eine ähnliche Richtung. One Beautiful Night in Paris sagt zehn von zehn, also sehr optimistisch, was das angeht. Aber die Meinungen gehen schon sehr auseinander, würde ich sagen. Ja.
02:07:34 Dann lassen wir das doch mal so stehen und gucken, wenn wir das nächste Mal über Pride und Pride Month sprechen. Mal gucken, wo wir dann stehen. Nico, vielen Dank, dass du vorbeigeschaut hast. Das war sehr schön. Ich danke dir. Danke für die Einladung. Hat mir wieder viel Spaß gemacht. Bis in drei Jahren. Hier kam gerade eben schon die Anmerkung. Vielleicht machen wir es früher. Mal gucken. Ich danke dir. Tschüss. Ciao. So. Leute, wie fallet ihr es? Was sagt ihr? Lasst gerne mal Feedback da. Hat euch was gefehlt?
02:08:03 Was nehmt ihr mit? Ah, die Edge schreibt, du hättest dich getraut, aber die Technik wollte nicht. Nächstes Mal vielleicht. Wäre doch schön. Das wäre doch schön beim nächsten Mal. Gucken wir mal. Vielleicht klappt es ja dann. Genau, sagt mal, lasst mal ein bisschen Feedback nach. Feedback da. Wir freuen uns immer, wenn wir noch an was schrauben können. Ah ja, hier kam schon der Wunsch. Kai wünscht sich jährlich den Talk zum Thema Pride Month. Schreiben wir uns auf.
02:08:43 Schön. Ja doch, ihr konntet was mitnehmen, das freut mich sehr. Ah, hier werden auch direkt Noten verteilt. Solide sieben oder sechs? Ja, sechs. Okay, dann müssen wir wohl noch mal ran. Aber...
02:08:58 Das sieht doch gar nicht so schlecht aus. Und ich verweise jetzt an der Stelle nochmal auf nächste Woche, wenn ihr Lust habt, wieder bei Mixtalk mit dabei zu sein. Da geht es nämlich um das Thema Fußball-WM mit meinem großartigen Kollegen Chris. Denn so viel steht fest, Deutschland steht in der K.O.-Phase und wir schauen nächste Woche ganz genau hin auf die Highlights, die großen Geschichten, die entscheidenden Momente des Turniers. Und mit dabei sind echte Hochkaräter, Markus Babbel, Lena Kassel, der Gaucho, also ...
02:09:23 Es lohnt sich auf jeden Fall reinzuklicken. Außerdem schalten wir in die USA und hören dort von einem ARD-Kollegen von vor Ort, was der zu berichten hat. Und ihr könnt wie immer mitdiskutieren, wenn ihr Lust habt. Schaltet euch rein. Das nächste Woche an dieser Stelle. Und wir raiden. Man könnte sagen, jetzt now to something completely different. Wir raiden zu Hübi. Der spielt gerade The Legend of Zelda Ocarina of Time, und zwar Randomizer.
02:09:51 Ja, lasst liebe Grüße da. Und ansonsten danke ich allen im Chat. Vielen, vielen Dank für eure vielen Kommentare. Danke an alle Gäste, die sich dazu geschaltet haben. Es war sehr schön mit euch. Und jetzt sage ich, kommt gut durch die Hitze und habt noch einen wunderbar entspannten Abend.