Unter der Leitung von Janne Bach Steehl werden auf dem Erlebnishof in Gerhardsbrunn über 300 Tiere gepflegt. Der gemeinnützige Verein ist auf Spenden angewiesen, um monatliche Fixkosten und unvorhergesehene Tierarztrechnungen zu decken. Das Team steht vor der Herausforderung, Tierleid zu lindern und durch pädagogische Arbeit ein Umdenken in der Gesellschaft zu fördern.

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Begrüßung und Rundenvorstellung

00:05:30

Der Stream unter dem Titel "Der Gangster, der Junkie und die Herrin" wird auf dem ARD-Tanal gestartet. Maximilian Pauling begrüßt das Publikum und stellt die Runde vor. Er erwähnt Miss Nina Workhard, die sich als Domina vorstellt, und betont den Fokus des Formats auf offen und ehrlich angesprochene, oft tabuisierte Themen. Der political correctness wird explizit eine Absage erteilt, um von der Politik der Gegenwart abzulenken.

Roman Lemke: Persönliche Geschichte und Drogenkonsum

00:08:52

Roman Lemke, der Ex-Junkie, stellt sich vor und schildert seine 21-jige Drogenkarriere, die im Alter von 13 Jahren begann. Er reflektiert seinen Spitznamen "Tanki" und kritisiert die stigmatisierende Bezeichnung "Junkie", während er den Prozess der Konsumkompetenz betont. Er beschreibt, wie er sich kritisch mit seinem Substanzgebrauch auseinandersetzte und lernte, die Wirkungen seiner Drogen zu analysieren. Diese Selbstanalyse, so Lemke, sei jedoch kein Selbstverständlichkeit für alle Konsumenten.

Sozialarbeit und Sichtweisen e.V.

00:15:53

Maximilian Pauling berichtet von seiner Sozialarbeit, die er über den von ihm gegründeten Verein "Sichtweisen e.V." leistet. Der Verein hilft delinquenten Jugendlichen und ihren Familien. Anhand eines aktuellen Falles von Jugendlichen, die aus Not Lebensmittel und Kinderspielzeug stahlen, wird die Arbeit des Vereins erläutert. Der Verein konnte die Täter gerichtlich unterstützen und ihnen weitere Hilfe anbieten, um zukünftige Straftaten zu verhindern.

Vorstellung des Erlebnishofs Gerhardsbrunn

00:21:15

Als Gast wird Janne Bach Steehl vorgestellt, der den Erlebnishof Gerhardsbrunn betreibt. Der Hof ist ein Rückzugsort für Maximilian Paulings Familie und ein Ort, an dem Tieren ein Zuhause gegeben wird, ohne sie wirtschaftlich zu nutzen. Janne erzählt von seiner spontanen Entscheidung im Alter von 19 Jahren, auf den Hof zu ziehen und ihn zu einem Zentrum für Tierschutz zu entwickeln. Er schildert die Herausforderung, einen sanierungsbedürftigen Hof zu bewältigen.

Arbeitsschwerpunkt und Ausmaß der Not

00:29:18

Die tägliche Arbeit auf dem Erlebnishof wird als extrem intensiv und fordernd beschrieben. Mit bis zu 350 Tieren in der Spitze sind ständige Pflege, Fütterung und Betreuung notwendig. Janne Bach Steehl betont, dass der Hof täglich mit ausgesetzten Tieren konfrontiert wird, die nicht aus einer Urlaubsbetreuung stammen, sondern dauerhaft abgegeben wurden. Die Arbeit erfolgt als gemeinnützige GmbH und ist stark auf Spenden und ehrenamtliche Unterstützung angewiesen.

Jannes Motivation: Frühe Tierliebe

00:32:52

Janne Bach Steehl schildert die Ursprünge seiner Tierliebe, die er auf einen prägenden Moment im Alter von sechs Jahren zurückführt. Nachdem er erfuhr, dass sein Salami-Brötchen von einem geschlachteten Tier stammte, weigerte er sich, Fleisch zu essen. Diese Empathie führte dazu, dass er bereits im Kindergartenalter im örtlichen Tierheim arbeitete. Diese frühe und tiefe Verbundenheit zu Tieren motiviert seine aufopferungsvolle Arbeit bis heute.

Gemeinsames Engagement mit Partnerin Sina

00:37:16

Janne Bach Steehl stellt seine Partnerin Sina vor, die ebenfalls fest in der Arbeit des Erlebnishofs engagiert ist. Er erzählt, wie sie sich kennenlernten und wie Sina schließlich sein Leben bereicherte und ihm als Partnerin zur Seite steht. Ihre gemeinsame Arbeit zeichnet sich durch eine positive Energie und das Vermögen aus, die niemals endende Arbeit zu genießen und als Teil des Lebens zu akzeptieren, statt auf ein zukünftiges "Ende" zu hoffen.

Begriffsklärung: Erlebnishof, Tierheim und Gnadenhof

00:40:19

Janne Bach Steehl klärt die Begriffe, die den Erlebnishof Gerhardsbrunn beschreiben. Der Hof ist eine Mischung aus einem Lebenshof, wo Tiere bis zu ihrem Lebensende bleiben, und einer tierheimähnlichen Einrichtung, die Tiere aufnimmt, pflegt und vermittelt. Der Name "Erlebnishof" wurde gewählt, da der Hof auch Bildungs- und Erlebnisangebote für Kinder und Erwachsene bereitstellt. Die Arbeit mit den Tieren basiert auf Respekt und akzeptiert deren freien Willen, anstatt ihn als "Sturheit" zu interpretieren.

Die Geschichte von Gary: Ein leidendes Pony

00:45:54

Der Stream erzählt die bewegende Geschichte von Gary, einem 38-jährigen Pony, das vor fünf Jahren in einem Hinterhof gehalten wurde. Das Tier war extrem vernachlässigt; es wurde für 15 Jahre allein gelassen und die letzten fünf Jahre sogar mit einem Feuerwehrschlauch an den Beinen gefesselt. Die Folge war eine schwere Hufverformung, die das rundgewachsene Gewächne seiner Hufe dazu brachte, sich umzuschlagen, sodass Gary nicht mehr laufen konnte. Es wurde der Einsatz von acht Personen nötig, um das leidende Tier in einen Anhänger zu heben und es zu retten.

Abschied und Erlösung: Der schwierige Trost

00:49:06

Der Umgang mit schwerkranken und sterbenden Tieren ist eine emotionale Herausforderung. Ein zentrales Beispiel ist die alte Stute Lola, die mit einem trüben Blick und stark untergewichtig eintraf und kurz darauf verstarb. Die Erlösung ist in solchen Fällen eine notwendige, aber schmerzhafte Entscheidung. Der Schmerz verstärkt sich, wenn man das Gefühl hat, zu spät gekommen zu sein. Die Hoffnung, dem Tier wenigstens noch ein paar schöne Tage geschenkt zu haben, und die Gewissheit, alles versucht zu haben, sind die stützenden Gedanken in diesen traumatischen Momenten.

Das Schicksal der Kaltblüter Max und Moritz

00:51:10

Ein weiteres ergreifendes Schicksal ist das der beiden Kaltblüter Max und Moritz. Die schweren Pferde dienten früher als Rückepferde und standen danach zwei Jahre auf engstem Raum mit zu wenig Futter und Wasser. Sie wurden wie Zwillinge gehalten und bildeten eine enge Lebensgemeinschaft. Als Max sterben musste, war dies für Moritz, seinen Lebenspartner, ein traumatischer Verlust. Man bemerkte seinen Verlust noch lange, und der Abschied ist ein Prozess, den sowohl die Menschen als auch die verbleibende Tierherde miterleben.

Finanzielle Herausforderungen des Tierschutzhofs

00:57:06

Der Betrieb des Tierschutzhofs, als gemeinnützige GmbH, ist spendenbasiert und muss hohe Fixkosten von 4.000 bis 5.000 Euro pro Monat stemmen. Diese Summe deckt Grundkosten wie Heu und Miete. Zusätzliche, immense Kosten von 3.000 bis 5.000 Euro entstehen bei unvorhergesehenen Tierarztrechnungen, besonders wenn Tiere von Besitzern abgegeben werden, die die Kosten nicht tragen können. Um dies zu kompensieren, werden regelmäßige Programme wie Eselwanderungen und Kindergeburtstage angeboten, deren Einnahmen jedoch schwankend sind.

Psychische Gesundheit und der Umgang mit Trauma

01:00:47

Die ständige Konfrontation mit Tierleid führt bei den Tierpflegern zu erheblicher psychischer Belastung und ist kein Tabuthema. Der Betreiber berichtet offen über seine eigenen Panikattacken, die durch seine traumatisierenden Erlebnisse ausgelöst wurden. Er beschreibt, wie er eine professionelle Hilfe angenommen hat, um zu verstehen, was sein Körper ihm mitteilen will. Sein Ziel ist es, ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass es in Ordnung ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen, um den damit verbundenen Stress und Traumen zu begegnen.

Die umstrittenen Waschbären auf dem Hof

01:08:36

Der Tierschutzhof pflegt auch Waschbären, die oft negativ als invasive Art und Ungeziefer dargestellt werden. Ihre Anwesenheit wird damit begründet, dass sie als verwaiste oder verletzte Tiere bei ihnen landen. Man wehrt sich gegen die Jagd auf sie, da diese nachweislich zu einer vermehrten Fortpflanzung und einer Verlagerung des Geschlechterverhältnisses zu Gunsten der Weibchen führt, was die Population sogar weiter ansteigen lässt. Der Förderer setzt sich stattdessen für eine Kastration der Tiere ein, um die Population auf humane Weise zu regulieren.

Hass und Konfrontation mit Tierhaltern

01:14:38

Die Mitarbeiter des Hofs sind oft der Kanal für den Frust von Menschen, deren Tiere ihnen durch Behörden weggenommen wurden. Diese Menschen wenden sich oft mit Wut und Hass an den Hof, obwohl die Mitarbeiter nichts mit der Beschlagnahmung zu tun haben. Sie sind manchmal sogar persönlicher Angriffen ausgesetzt. Der Stream beschreibt, wie man versucht, solche Situationen zu deeskalieren und zu verstehen, aber es ist eine immense emotionale Belastung, ständig als Zielscheibe für die Wut anderer dienen zu müssen.

Das Ehrenamt als wichtigste Stütze

01:19:37

Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, ist der Tierschutzhof auf freiwillige Helfer angewiesen. Es gibt festangestellte Bundesfreiwilligendienstleistende, die auf dem Hof leben, sowie circa zehn festes Ehrenamtliche, die in regelmäßigen Abständen kommen. Jeder hat einen festen Bereich, wie die Pferdepflege oder die Katzenaufsicht. Diese ehrenamtliche Arbeit, kombiniert mit pädagogischen Ansätzen, ist für den Hof unverzichtbar, kann aber eine professionelle Betreuung nicht vollständig ersetzen und erfordert ein hohes Maß an Engagement und Zuverlässigkeit.

Rechtliche Regelungen im Katenschutz

01:23:05

Es gibt bereits einige Landkreise mit sogenannten Katzenschutzverordnungen, die das Füttern von Katzen an die Kastrationspflicht binden. Verstöße können zu Verfügungen des Ordnungsamtes führen. Eine flächendeckende Umsetzung dieser Verordnungen würde die Arbeit im Tierschutz erheblich erleichtern, da es aktuell nur in vereinzelten Gemeinden, wie zum Beispiel im Landkreis Kaiserslautern, praktiziert wird. Ebenso wichtig ist die Einführung einer allgemeinen Kennzeichnungspflicht mittels Mikrochip für Katzen. Dies würde es ermöglichen, Tiere schneller ihren Haltern zuzuordnen und den Besitz oder Ursprung eines Tieres schnell zu klären.

Maul- und Klauenseuche und wirtschaftliche Interessen

01:24:21

Ein bedrohliches Thema ist die Maul- und Klauenseuche, deren Ausbrechen innerhalb eines Kilometers eine Tötung aller gehaltenen Tiere erfordert. Dies trifft besonders Tierhalter, die ihre Tiere als Familienmitglieder betrachten und für deren Einzelschutz kämpfen würden. Die Seuche selbst ist für die Tiere nicht tödlich, aber wirtschaftliche Interessen stehen im Vordergrund, da die Milchleistung oder die Fleischqualität sinkt. Die Kampagne 'Testen statt Töten' fordert daher, dass nur erkrankte Tiere getötet werden und gesunde Tiere durch Tests geschützt werden dürfen, was jedoch oft nicht der gesetzlichen Praxis entspricht.

Der Mensch als Verursacher von Seuchen

01:27:09

Der Hauptverursacher für die Verbreitung von Tierseuchen, wie der Afrikanischen Schweinepest, ist der Mensch selbst. Durch das uneingeschränkte Wegwerfen von Müll werden Wildtiere angelockt, die als Überträger dienen. Der Mensch ist auch für die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche verantwortlich. Auch bei der Haltung von Hausschweinen wird oft keine ausreichende Aufmerksamkeit auf die Gefahr durch Wildschweine gelegt, was die unkontrollierte Verbreitung der Seuchen begünstigt und die Notwendigkeit von Zaunen und anderen Maßnahmen schafft.

Zusammenarbeit mit der Dorfgemeinschaft

01:30:01

Es gibt Sorge vor Ablehnung in einem kleinen Dorf, insbesondere durch Nachbarn, die die vegane Lebensweise ablehnen. Dennoch ist der Fokus langfristig darauf gerichtet, durch Vorbildwirkung zu wirken, besonders bei Kindern. Kinder, die den Hof besuchen und den Umgang mit den Tieren erleben, entwickeln ein natürliches Verständnis und fragen nach dem Warum, was zur nachhaltigen Veränderung des Denkens beitragen kann. Der direkte Kontakt mit den Tieren und das Miterleben von Leben und Tod schafft dabei eine tiefgreifende Wirkung, die durch Worte allein nicht erreicht werden kann.

Alternativen für Landwirte

01:34:15

Es gibt zunehmend Unterstützungsangebote für Landwirte, die den Ausstieg aus der konventionellen Landwirtschaft suchen. Vereine entwickeln Konzepte für den Übergang zu Lebenshöfen, die alternative Einkommensquellen wie Kuhkuscheln, Bauernhofpädagogik oder andere landwirtschaftliche Tätigkeiten anbieten. Dieser Schritt ist jedoch schwierig, da oft ganze Familien und langjährige Traditionen betroffen sind. Der Wille zur Veränderung und die Bereitschaft, sich mit eigenen Fehlern auseinanderzusetzen, sind hierfür jedoch essenzielle Voraussetzungen, die laut Janne jeder haben kann.

Hilfsbedürfnisse und Spenden

01:37:57

Der Erlebnishof Gerhardsbrunn ist auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. Es werden regelmäßig Katzenfutter, vor allem Nassfutter in Dosen, benötigt, von denen täglich 50 bis 80 Dosen verbraucht werden. Auch Trockenfutter für Hunde ist willkommen. Die Arbeit wird ehrenamtlich geleistet, Spenden sind jedoch für die Versorgung der Tiere unerlässlich. Es gibt eine Amazon-Wunschliste und ein Spendenkonto, auf die über die Webseite des Hofes zugegriffen werden kann. Abgelaufene Futtergaben werden in Absprache mit Tierärzten angenommen, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.

Pädagogische Arbeit mit Kindern

01:40:58

Die intensivste Wirkung entfaltet die pädagogische Arbeit, insbesondere bei Kindern, die am Ferienprogramm teilnehmen. Diese verbringen mehrere Tage auf dem Hof und erleben den gesamten Kreislauf des Lebens mit, von der Ankunft neuer Tiere bis hin zu Verabschiedungen und Todesfällen. Diese erlebnisorientierte Pädagogik schafft bei den Kindern ein tiefes, authentisches Verständnis und bewirkt eine nachhaltige positive Veränderung im Denken. Bei Erwachsenen ist der Ansatz anders, hier wird versucht, durch direkte Konfrontation und das Aufzeigen der Konsequenzen, ein Umdenken zu bewirken.

Persönliche Entwicklung und Reflexion

01:51:46

Die ständige Auseinandersetzung mit Tierleid und menschlichem Verhalten führt zu einer intensiven Reflexion und einem kritischeren Blick auf die Gesellschaft. Man lernt, die Absichten hinter den Worten und Handlungen anderer Menschen viel besser einzuschätzen und entwickelt eine ausgeprägte Menschenkenntnis. Dieser Prozess ist anstrengend und kann zu einem Gefühl der Erschöpfung führen, aber er ist auch essentiell, um authentisch zu handeln und die eigenen Energien gezielt einzusetzen. Janne konzentriert sich daher bewusst auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, da hier die Grundlagen für einen nachhaltigen Wandel gelegt werden können.