Was braucht eine Feenwelt für ein Tatort-Szenario? Eine Worldbuilding-Session mit Mháire, Steffen, Melanie und Robert
Feen, Recht und Mordintrigen: Ein Fantasy-Tatort entsteht in München
Am 13. Juli 2026 präsentieren Mháire Stritter, Steffen Grziwa, Melanie Ratjen und Tatort-Autor Robert Löhr ein einzigartiges Pen&Paper-Abenteuer: Ein Münchner Tatort-Fall wird in eine fantastische Feenbibliothek verlegt. Die Juristische Bibliothek dient als zentraler Schauplatz, in dem Bücherwesen mit magischen Kräften Recht und Ordnung aufrechterhalten – bis ein Mord die Balance stört. Kreativ entwickelt die Runde ein Setting, das Literatur und Rechtsprechung mit Fantasy-Elementen verbindet.
Einführung und Themenvorstellung des LiveStreams
00:00:01Der LiveStream beginnt mit einer Vorstellung der vier Teilnehmer: Mháire, Steffen, Melanie und Robert. Ziel ist es, ein Szenario für einen Feen-Tatort zu entwickeln, der möglicherweise Elemente der beliebten TV-Krimireihe *Tatort* mit Fantasy-Elementen verbindet. Die Idee eines Fantasy-Tatort-Szenarios wird vorgestellt, wobei insbesondere mystische Todesarten und das Milieu als zentrale Elemente diskutiert werden. Robert Löhr, Autor von *Tatort*-Drehbüchern, betont, dass Krimi-Settings oft durch ihr Milieu geprägt sind, während Melanie Rathien, Bibliotheksmitarbeiterin und Rollenspielevent-Organisatorin, die Verbindung zwischen Bibliotheken und Fantasy thematisiert.
Rollenspiel-Erfahrungen und Setting-Entwicklung
00:00:42Steffen, der ebenfalls über Rollenspiel-Erfahrungen verfügt und an mehreren Projekten mitwirkte, erklärt, wie wichtig es ist, einem Setting eine prägnante Besonderheit zu verleihen – etwa durch unerwartete Twists, die die Erwartungen der Spieler untergraben. Er verweist darauf, dass Überraschungen sowohl im Rollenspiel als auch in Drehbüchern essenziell sind, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu halten. Im Chat wird diskutiert, welche Aspekte eines Fantasy-Settings besonders überraschen können, etwa die Körpergröße von Feen (menschgroß vs. klein) oder ihre visuelle Gestaltung (z.B. Jabba the Hutt-Feen).
Feen als Wesen: Vielfalt und Eigenschaften
00:08:09Die Diskussion der Gruppe dreht sich um die Definition von Feen: Soll es sich um klassische, kleine Wesen mit Insektenflügeln handeln oder um menschengroße, gottgleiche Figuren? Melanie schlägt vor, Feen mit Büchern zu verknüpfen, etwa durch Rituale, bei denen sie mit einem personalisierten Buch als Identität verbunden werden. Robert erwähnt, dass Feen auch als Schutzgeister für Bibliotheken fungieren könnten, die über bestimmte Büchersektionen wachen. Die Gruppe einigt sich darauf, dass Feen durch Medien entstehen – und sterben, wenn diese Medien zerstört werden. Debattiert wird auch, wie viele Kopien eines Buches nötig sind, damit die dazugehörige Fee überlebt.
Struktur und Regeln der Feenwelt: Bibliothek als Zentrum
00:12:03Der zentrale Ort der Feenwelt soll die juristische Bibliothek in München sein, die als Knotenpunkt verschiedener Feenwelten fungiert. Die Bibliothek dient als Schnittstelle, in der sich Feen aus unterschiedlichen Büchern und Medien versammeln können. Diskutiert wird, ob die Feenwelt global oder lokal organisiert ist – etwa als separate Königreiche pro Abteilung. Zudem wird die Idee einer "Masterliste" (Nullerliste) eingeführt, die alle in der Bibliothek anwesenden Feen erfasst, um Vermisstenfälle zu erkennen. Ein besonderer Anlass, wie die jährliche Katalogisierung, könnte den Mordfall auslösen.
Medienvielfalt: Bücher, E-Books und digitale Feen
00:18:13Die Teilnehmer erweitern das Setting umdigitale Medien wie E-Books und Hologramme, die Feen mit neuen Fähigkeiten ausstatten, etwa der Möglichkeit, mit Cyberspace zu interagieren. Feen aus digitalen Medien gelten als besonders mächtig, da sie schwerer zu "töten" sind – selbst wenn ihr physisches Medium zerstört wird, lebt ihre Geschichte in anderen Formaten weiter. Dies führt zu absurden Szenarien wie zersplitterten Geschichten, die als Fragmente in anderen Medien auftauchen. Die Gruppe überlegt, wie Feen mit Medien unterschiedlicher Formate interagieren und welche Rechte Ermittler in dieser Welt haben.
Rechtliche und soziale Strukturen der Feenwelt
00:22:31Die Diskussion vertieft sich in die sozialen und rechtlichen Strukturen der Feenwelt: Gibt es offizielle Ermittler oder sind die Feen selbst für Gerechtigkeit verantwortlich? Die Rolle von Bibliothekaren als neutrale Instanzen wird vorgeschlagen, die Aufträge an Feen mit Gerechtigkeitsdrang vergeben. Zudem wird über spezifische Feenarten nachgedacht, etwa Richter-Feen aus Gesetzestexten oder streitsüchtige Schwinge, die über juristische Auslegungen diskutieren. Es wird betont, dass die Feenwelt die gesellschaftlichen Normen der Menschen spiegelt – mit allen Hierarchien und Konflikten.
Besonderer Anlass und mögliche Mordmotive
00:27:54Als besonderer Anlass für den Mordfall wird die jährliche "Nullerliste" vorgeschlagen – eine Überprüfung aller in der Bibliothek vorhandenen Feen. Der Tod einer Fee könnte durch die Makulatur (Entsorgung alter Medien) oder durch absichtliche Zerstörung eines Buches ausgelöst werden. Diskussionen entstehen um die Frage, ob der Mord an einem Buch oder direkt an einer Fee verübt wird – und welche Folgen dies für das Medium und die lebenden Feen hat. Die Gruppe überlegt, ob die Leiche einer Fee als Lücke im Regal auffindbar ist oder ob nur Hinweise auf ihr Schicksal in Verzeichnissen verbleiben.
Mysterium und Ermittlung: Verschwundene Geschichten
00:34:21Im Zentrum des Szenarios steht das Verschwinden einer mächtigen Fee, deren Geschichte – etwa ein Märchen oder ein klassischer Roman – in unzähligen Kopien existiert. Die Ermittler müssen herausfinden, welcher Text zerstört wurde, indem sie Zitate und sekundäre Medien untersuchen. Paradoxerweise könnten selbst Fragments aus Fanfiction oder Reddit-Diskussionen Hinweise liefern. Die Gruppe diskutiert, wie sich solche Spuren rekonstruieren lassen und ob Feen aus religiösen Texten als besonders mächtig gelten. Als möglicher Handlungsstrang wird vorgeschlagen, dass die Mörderin gezielt Feen aus Hochglanzmagazinen (mit geringem kulturellen Kapital) eliminiert, um eine neue Fee zu erschaffen.
Sprachliche und symbolische Feen-Designs
00:45:30Feen sollen nicht nur durch ihr Medium, sondern auch durch visuelle und verbale Merkmale geprägt sein. Eine Käpt’n-Ahab-Fee etwa trägt ein Holzbein, während andere ihre Form aus Zitaten ihrer Bücher ableiten. Vorschläge wie Bildbuchfeen (stumme Pantomimen) oder Kochbuchfeen (beständig fütternd) zeigen die kreative Bandbreite. Ein zentraler Diskussionspunkt ist, ob Feen ihre Identität aus ganzen Sätzen oder nur aus Halbsätzen ableiten – etwa dem Sprichwort: "Blut ist dicker als das Wasser des Schoßes" (mit der ironischen zweiten Hälfte). Die Gruppe betont die Bedeutung von Symbolik für die Spieler bei der Rolleninterpretation.
Definition und Entstehung von Feen durch Bücher
01:04:15Die Diskussion kreist um die Frage, ab wann ein Buch als Fee existiert und wie sich reale Buchbestände auf diese Wesen auswirken. Ein zentraler Vorschlag besagt, dass Feen erst durch die Aufnahme eines Buches in eine Bibliothek entstehen – also durch die bewusste Entscheidung eines Bibliothekars. Dies markiert die 'Geburtsstunde' einer Fee: Nicht das physische Bestehen des Buches ist entscheidend, sondern seine aktive Nutzung im bibliothekarischen Kontext. Parallel dazu wird der Einfluss von Zensur thematisiert, etwa wenn Bücher aus Bibliotheken verbannt werden: Analog zur literarischen Überlieferung könnten Feen im Moment ihrer Löschung aus den Katalogen sterben. Ein symbolträchtiges Beispiel wäre ein Buchwunsch, der eine neue Fee erschafft – sofern die Buchhandlung den Titel tatsächlich beschafft.
Regeln der Bibliothek und der Umgang mit KI-generierten Texten
01:09:32Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verankerung der Feenwelt in realen Bibliotheksstrukturen. Melanie, als anwesende Bibliothekarin, klärt auf: Buchwünsche bereichern den Bestand, sofern der Titel nicht bereits vorhanden ist. Bei der Frage nach KI-generierten Inhalten betont sie die Skepsis solcher Texte – sie würden nur in Ausnahmefällen gesammelt, da sie häufig urheberrechtlich fragwürdig zusammengestückelt seien. KI-Texte könnten stattdessen als 'Fanfiction-feenähnliche' Protagonisten fungieren: unberechenbar, halluzinatorisch und voller Eigeninterpretationen der Originalwerke. Der Chat spekuliert, ob diese 'selbstbewussten' KI-Feen eine Herausforderung für Ermittler darstellen – etwa als überaktive Verkäuferinnen, die Hinweise unter falschen Vorzeichen preisgeben.
Magische Fähigkeiten und physische Manifestation der Feen
01:13:49Die Gruppe einigt sich auf ein Regelwerk, das Feen einzigartige Kräfte verleiht – allerdings stets abgeleitet aus ihren jeweiligen Büchern. Eine 'Moby-Dick-Fee' könnte etwa Salzwasserfluten auslösen, müsste dafür aber einen Sarg als Altar nutzen. Jede Fähigkeit wird explizit an einen narrativen Nachteil geknüpft, um Machtmissbrauch zu verhindern. Frankfurtssche Analogien drängen sich auf: Feen nutzten Bücher zugleich als Herkunfts- und Wohnort, was Zerstörungsmethoden im Mordfall verkompliziert. Chemische Zerstörung eines Buches in der magischen Bibliothek tötet die Fee – doch bei Entnahme aus der Realbibliothek könnte eine wiedergeborene Fee ohne Erinnerungen entstehen. Diskutiert wird zudem die physische Dimension der Welt: Sollen Bücher überdimensional sein, um Feen Größenverhältnisse zu erlauben? Oder umgekehrt – perforieren Booknooks in Regalwände Miniaturwelten, die wie 'Elfentüren' funktionieren?
Mordmechaniken, Leichen und die Rolle des Cyberspace
01:24:10Als kriminelle Grundlage wird ein Mordfall etabliert, für den eine 'Fee-Leiche' konzipiert werden muss. Vorschläge reichen von devastierten Buchstabenhalden über Kreideumrisse handlungsrelevanter Zitate bis hin zu Flügelresten, die in der Fantasywelt als Relikte ihrer Identität übrigbleiben. Ein entscheidender Plotpoint liegt im vergessenen Gedächtnis der heimischen Feen: Stirbt eine Fee, verlieren die meisten Überlebenden ihre Erinnerungen an sie – nur fragmentarische Hinweise (wie ein prägnantes Zitat) bleiben zurück. Der Cyberspace ermöglicht sodann Fernleihverbindungen zwischen Bibliotheken, wobei die Gruppe spekuliert, dass gerade unerforschte Bibliotheken als Fallstränge dienen könnten. Die juristische Aufarbeitung des Mordes offenbart politische Spannungen: Beispielsweise könnte der 'Giftschrank' des Archivs als Bibliotheksgefängnis fungieren, in dem verdrängte Bücher – und damit outcast Feen – einsitzen.
Sozialstruktur und Konflikte in der Feenbibliothek
01:34:21Die discussion entwirrt die soziale Ordnung der Feenwelt: Neben Salonfeen (die viktorianische Hoflichkeit pflegen und unter Verfallsängsten leiden) gibt es Arbeiterfeen (die Regale warten), Kochbuchfeen (die Restaurants in Booknooks betreiben) und sogar Jagdfeen (die Silberfischchen bekämpfen). Genre-Spezifische Fraktionen – Romantasy-Feen vs. Krimi-Feen – streiten um Regalplatz und Relevanz, ähnlich wie reale literary canons. Ein spezielles Dilemma betrifft Plagiatsfeen: Wesen, die sich durch das Abschreiben fremder Werke nähren und dabei heimlich deren Inhalte appropriieren. Diese Antagonistenform könnte als moralische Grauzone den Fall versinnbildlichen – oder als redaktionelle Replik aufytułische Debatten rund um geistiges Eigentum.
Infrastruktur und Alltagsleben in einer 'Miniaturwelt'
01:43:27Die Gruppe konkretisiert die Lebensrealität der Feen: Booknooks – kleinste Buchinseln – beherbergen alles von Arcades bis zu Garküchen, sodass das Bücherregal zugleich Township ist. Kochbuchfeen bewirtschaften winzige Foodcourts, während Game-Up-Feen Arcade-Bereiche bevölkern. Die leeren Regalfächer darunter symbolisieren die 'Innenstadt', überdimensionale Räume entstehen durch magische Verzerrungen (TARDIS-Prinzip). Handwerk fehlt ebenfalls nicht: Regalbauer-Feen und Putzkräfte erhalten die Infrastruktur. Selbst die Toiletten werden als Mikroarchitektur diskutiert – etwa als elfische Wohnungen in präferierten Regalwinkeln. Melanie bestätigt, dass reale Bibliothekszonen wie Aufenthaltsräume oder Cafeterias tatsächlich als soziale Knotenpunkte fungieren könnten, ideal für Ermittlungssettings.
Zusammenfassung der Weltregeln und Ausblick auf das Pen&Paper-Adventure
01:50:53Zum Abschluss werden die Kernregeln der Feenbibliothek konsolidiert: 1. Eine Fee existiert, solange ihr Buch in der magischen Bibliothek bewusst existiert. 2. Feen sterben unnatürlich durch Buchzerstörung (Magische Bibliothek) oder gezielte Gegenstände (ihre jeweilige Geschichte). 3. Der Cyberspace verbindet Bibliotheken – doch Zugriff löst unangenehme Erinnerungen aus. 4. Booknooks bilden Mikrogesellschaften ab. Melanie betont, dass die Welt eine 'idealisierte Stadtbibliothek' als Vorlage nutzt: ausgewogen zwischen Romanen, Fachliteratur und esoterischen Texten. Die Gruppe resümiert: Alle Spieler könnten lokal agierende Protagonisten sein, die zwischen Genres wechseln müssen. Ein Tier-Arcade-Bereich für Game-Up-Feen steht zur Debatte. Den Streampartnern wird gedankt, besonders Robert für die Lazy-RegelIdeen und Mháire für die lebendige Moderation. Das nächste Live-Event am 13.07. in Münchens juristischer Bibliothek wird angekündigt –Ticketlink via ARD-Discord.