#einsnull Podcast Recording mit Gaming Prof. Ninaus - Experte für Digital Technologies & Psychology
#einsnull: Gespräch mit Prof. Ninaus über Game-Psychologie
In einem vertieften Austausch wurden die kognitiven Vorteile und die emotionale Tiefe von Spielen thematisiert. Es wurde erläutert, wie unterschiedliche Genres spezifische psychologische Grundbedürfnisse befriedigen. Zudem wurde die ethische Verantwortung im Game Design, insbesondere im Bereich der manipulativen 'Dark Patterns', kritisch beleuchtet und der Wert von Spielen für Bildung und Therapie diskutiert.
Begrüßung und Ankündigung der Professur
00:22:39Der Stream beginnt mit der Begrüßung der Zuschauer und eines technischen Checks. Anschließend gibt es eine große Ankündigung: Die Streamerin, Prof. Dr. Johanna Birker, teilt mit, dass sie ab Juli eine volle Professur an der TU München antritt und somit bayerische Beamtin wird. Dies ist für sie ein unerwartetes und riesiges persönliches sowie berufliches Achievement, da die TU München im Bereich Informatik weltweit zu den Top-Universitäten zählt. Sie wird sowohl in München als auch in Graz tätig sein.
Podcast-Start und Vorstellung des Gastes
00:28:02Nach einer kurzen Vorbereitung und einem technischen Check wechselt der Stream in den Podcast-Modus. Die Hosts begrüßen die Zuschauer zur neuen Folge des '#einsnull' Podcasts und stellen den Gast, Manuel Ninaus, vor. Manuel Ninaus ist Professor für Digital Technologies mit einem Fokus auf Psychologie an der Karl-Franzens-Universität Graz. Er forscht im Bereich spielbasiertes Lernen, Gamification und die positiven Effekte von Videospielen. Die Du-Form wird beibehalten, und es wird ein lockeres, akademisches Gespräch angekündigt.
Karriereweg und Forschungsschwerpunkte des Gastes
00:36:30Manuel Ninaus stellt seinen beruflichen Werdegang vor. Er ist in der Steiermark geboren und aufgewachsen, hat in Graz Psychologie studiert und ist anschließend nach Deutschland gewechselt, um sich auf digitale Technologien und Bildungstechnologien, insbesondere im Bereich Games, zu spezialisieren. Seine Forschung konzentriert sich auf die positiven Aspekte von Spielen und Gamification. Eine seiner bekanntesten Arbeiten ist eine systematische Analyse der empirischen Evidenz zum Einfluss von Videospielen, die in einem großen EU-Netzwerk entstanden ist.
Diskussion um negative und positive Spieleffekte
00:43:34Ein zentrales Thema des Podcasts ist die wissenschaftliche Einordnung der Wirkungen von Videospielen. Zunächst wird auf die traditionelle Fokussierung der Forschung auf negative Effekte, insbesondere gewalthaltige Spiele, eingegangen. Manuel Ninaus erläutert die methodischen Schwierigkeiten bei der Untersuchung von Aggression und die Erkenntnis, dass die Effekte oft sehr klein und für den Alltag irrelevant sind. Anschließend werden die positiven kognitiven Effekte wie verbesserte visuelle Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit, insbesondere durch Ego-Shooter, diskutiert. Die Bedeutung des Motivs beim Spielen wird hervorgehoben: Spiele können Grundbedürfnisse nach Kompetenz, Autonomie und sozialem Bezug befriedigen.
Ethische Bedenken und Dark Patterns im Game Design
00:58:56Die Gesprächspartner wenden sich kritischen und ethisch bedenklichen Aspekten der Spieleindustrie zu. Es wird die Nähe zu Mechaniken aus der Glücksspielindustrie thematisiert, insbesondere im Kontext von Free-to-Play-Spielen. Der Begriff der Dark Patterns wird eingeführt; das sind Design-Elemente, die Spieler gezielt dazu verleiten, mehr Geld oder Zeit in ein Spiel zu investieren, als es für sie gesünde oder sinnvoll wäre. Diese Themen, wie z.B. Lootboxen, werden als problematisch eingestuft und fordern eine stärkere Regulierung. Gleichzeitig wird betont, dass nicht alle Spiele von diesen Mechaniken betroffen sind und die Industrie vielfältig ist.
Überwindung von Vorurteilen und Vielfalt der Spiele
01:03:59Thomas und Manuel Ninaus diskutieren das anhaltende Stigma, das mit Videospielen verbunden ist, und wie es sich langsam aber sicher wandelt. Sie argumentieren, dass die wahre Vielfalt der Spielewelt oft ignoriert wird und das öffentliche Bild stark von negativen Stereotypen geprägt ist. Es wird der Vergleich mit anderen Medien wie Filmen gezogen, die ebenfalls sowohl positive als auch negative Vertreter haben. Das Ziel ist es, das breite Spektrum der Spiele zu zeigen, von den bekannten Blockbustern bis zu experimentellen Indie-Titeln und Cozy Games, die positive Emotionen oder Wissen vermitteln können.
Persönliche Beziehung zu Spielen und Gaming-Erfahrung
01:16:36Im weiteren Verlauf des Podcasts wird die persönliche Verbindung der beiden zum Gaming thematisiert. Manuel Ninaus gibt Einblicke in seine eigenen gamingpraktischen Anfänge mit einem Gameboy und klassischen Spielen wie Tetris. Er beschreibt sich als offenen Spieler, der gerne viele verschiedene Genres ausprobiert, darunter Rogue-likes, Final Fantasy und Indie-Spiele. Er betont, dass seine berufliche Tätigkeit ihn dazu führt, auch die psychologischen Mechaniken von Spielen zu analysieren, aber seine Spielzeit aufgrund anderer Verpflichtungen begrenzt ist. Anschließend wird eine lustige Anekdote über die Analyse seiner öffentlichen Steam-Daten erwähnt.
Spielgenres und psychologische Tiefe
01:26:44Der Stream beginnt mit einer Spielempfehlung, dem Horror-Dr. Who-Spiel 'Don't Blink', das nur eine Webcam benötigt. Es wird eine Unterscheidung zwischen kommerziellen, hedonistischen Spielen wie Call of Duty und Diablo sowie Spielen gemacht, die tiefere, psychologische Erfahrungen vermitteln. Beispiele hierfür sind 'Brothers: A Tale of Two Sons' für emotionale Geschichten, 'This War of Mind' für Themen wie Krisen und Kriege sowie 'Eco-Games', die Nachhaltigkeit thematisieren. Der Experte betont, dass letztere Kategorie zur Einstellungsänderung beitragen kann und damit einen über den reinen Spaß hinausgehenden Zweck erfüllt.
Psychologische Grundlagen des Gamedesigns
01:33:02Im Kern des Gamedesigns stehen psychologische Bedürfnisse, die Spiele bedienen. Ein zentraler Ansatz ist die Selbstbestimmungstheorie, die drei Kernbedürfnisse postuliert: Kompetenz, das Gefühl, schwierige Herausforderungen meistern zu können; Autonomie, die Möglichkeit, unterschiedliche Lösungswege zu wählen; und soziale Verbundenheit (Social Relatedness), die auch zu Fraktionen innerhalb von Spielen aufgebaut werden kann. Spiele sind daher vielfältig und befriedigen je nach Genre und Design unterschiedliche Motivationen, von der reinen Kompetenzerfahrung bis hin zur Entspannung.
Gamification und spielbasiertes Lernen
01:35:20Die Brücke von reinen Spielerlebnissen zu anderen Bereichen wie Therapie oder Bildung wird geschlagen. Das Konzept der Gamification wird kritisch gesehen, da es oft auf extrinsische Motivation (Belohnungen wie Punkte) setzt. Dem gegenüber steht das spielbasierte Lernen (Game-Based Learning), das auf intrinsische Motivation abzielt. Hierbei wird das Lernen selbst so gestaltet, dass es Freude bereitet und Bedürfnisse wie Kompetenz befriedigt. Die Forschungsgruppe 'Digital Psychology Lab' entwickelt Lernspiele, obwohl dies mit Herausforderungen wie begrenzten Budgets und dem hohen Bedarf an Interdisziplinarität verbunden ist.
Herausforderungen des Lernspiels im Unterricht
01:40:39Die Integration von Spielen in den regulären Schulunterricht stellt eine große Herausforderung dar. Einerseits fehlt es an qualitativ hochwertigen, lehrzielorientierten Spielen, andererseits fehlt es an den notwendigen Ressourcen für Lehrkräfte, um aufwendige Begleitmaterialien zu erstellen und sich selbst in die Spiele einzuarbeiten. Viele Lernspiele wirken wie 'sugar-coated pills', bei denen trockenes Lernen nur überdeckt wird. Ein zentrales Element guter Lernspiele ist der 'graceful failure', also der spielerische Umgang mit Fehlern in einem geschützten Rahmen, der ohne Konsequenzen zum Lernen beiträgt.
Schwierigkeitsgrad und Spielerbedürfnisse
01:55:08Es wird diskutiert, wie moderne Spiele mit dem Schwierigkeitsgrad umgehen. Während einstige Hürden wie in 'Zelda: Ocarina of Time' durch Lösungsanleitungen abgeschwächt wurden, gibt es mit Titeln wie 'Elden Ring' eine Gegenbewegung, die wieder zu fordernderem Gameplay ermutigt. Der Konsens ist, dass Spiele verschiedene Genres und Modi anbieten sollten, um die unterschiedlichen Bedürfnisse der Spieler zu erfüllen – sei es für eine lockere Runde, eine kompetenzfordernde Herausforderung oder eine storylastige Erfahrung. Die Personalisierung des Spielerlebnisses ist ein wichtiger Aspekt des modernen Game Designs.
Spielempfehlungen und Ausblick
02:00:44Im Gespräch über aktuelle Spiele wird 'Claro Obscure' als Beispiel für eine flexible Gestaltung der Spielmechanik gelobt, bei der Spieler den Fokus auf Story oder Kämpfe legen können. Als persönliche Empfehlung wird das Survival-Spiel 'In Stars and Time' hervorgehoben, das mit seinem Zeitreise-Konzept und der Interaktion mit eigenen Klonen punktet. Zum Schluss werden Buchtipps ausgesprochen, darunter Jason Schreiers 'Blood, Sweat & Pixels' und 'Der Anfang aller Köstlichkeiten' von Markus Bennewitz. Die Gäste kündigen an, für zukünftige Inhalte als YouTube-Format zusammenzuarbeiten und rufen zum Folgen des Podcasts auf.