Obwohl die Olympischen E-Sport-Games 2027 bereits verschoben wurden, bleiben die Vorbereitungen in vollem Gange. Im Fokus steht die Frage nach den geeigneten Disziplinen. E-Fußball im Pro-Clubs-Modus wird als vielversprechender Kandidat für Teamwettbewerbe gesehen. Gleichzeitig müssen organisatorische Hürden und die klare Position des IOC gegen Shooter-Titel überwunden werden.

Talk Shows & Podcasts
00:00:00

Talk Shows & Podcasts

Einleitung zum Thema Olympia im E-Sport

00:01:04

Der Kicker E-Sport Talk begrüßt das Publikum zum Thema, ob der Pro-Clubs-Modus für die Olympischen Spiele reif wäre. Als Einstieg wird erwähnt, dass die Olympischen E-Sport Games 2027 in Riyadh angekündigt, aber bereits verschoben wurden. Die Runde, bestehend aus E-Fußballer Marcel Fitzek, DOSB-Vizepräsident Jens-Peter Nettekoven und ESBD-Präsident Chris Flato, soll diskutieren, welche Gespräche im Hintergrund stattfinden und was Publisher dazu sagen.

Olympische E-Sport Games als Pinnacle und Herausforderung

00:03:49

Die Olympischen E-Sport Games 2027, auch wenn terminlich verschoben, werden als Highlight des internationalen E-Sports bewertet. ESBD-Präsident Chris Flato begrüßt die Initiative als Möglichkeit, den E-Sport international sichtbarer zu machen. Er betont, dass die große Bandbreite an E-Sport-Disziplinen eine komplizierte Frage darstellt, und wünscht sich möglichst viele Spiele, um Breitensportvereine und Amateure eine Perspektive zu geben.

Das olympische Gefühl und die Bedeutung für Sportler

00:07:44

Jens-Peter Nettekoven, selbst erfolgreicher Ringer und olympischer Funktionär, beschreibt das einzigartige Gefühl der Olympischen Spiele. Er hebt die Qualifikation und die Einkleidung als Team D als besondere Momente hervor. Das Olympische Dorf und die Wettkämpfte gelten als das „Champions League des Sports“. Er betont, dass selbst eine Olympiateilnahme ohne Medaille eine große Ehre ist und dass die ersten E-Sport-Games etwas ganz Besonderes sein werden.

Konfliktthema: DOSB's restriktive Haltung und Spielerauswahl

00:12:04

Der DOSB hatte in der Vergangenheit eine restriktive Haltung gegenüber E-Sport und unterstützte zunächst nur virtuelle Sportsimulationen. Mit der Ankündigung der E-Sport Games sieht sich der DOSB nun mit einem breiten Spektrum an Disziplinen konfrontiert, inklusive Shooter. Nettekoven betont, dass das IOC nicht Spiele mit Waffengewalt zulassen wird, und sieht es als Aufgabe des DOSB, die passende Mannschaft zu entsenden und Deutschland zu vertreten.

Der Abstimmungsprozess und Entscheidungsmacht

00:25:19

Der Prozess zur Auswahl der olympischen E-Sport-Disziplinen findet größtenteils auf IOC-Ebene statt und wird an die nationalen Verbände wie den DOSB weitergegeben. Dieser legt dann fest, wie die Qualifikation und Nominierung in Deutschland abläuft. Als ESBD sieht man sich in der Verantwortung, die Spieler zu vertreten, und klärt momentan wichtige Themen wie Finanzierung, Kompensation für Teams und den Ausfall von Spielern.

Organisatorische Hürden: Strukturen und Ansprechpartner

00:35:37

Eine der größten Herausforderungen ist die unklare organisatorische Struktur im E-Sport im Vergleich zum traditionellen Sport. Für Spiele wie FIFA gibt es den DFB, für Titel wie League of Legends fehlen jedoch etablierte Verbände. Die Taskforce eSports mit DOSB und ESBD versucht, dieses Problem zu lösen. Ziel ist es festzulegen, wer für die Entsendung der Nationalmannschaften zuständig ist und wer welche Expertise stellt.

Perspektive des Spielers: Ambition und Professionalität

00:41:28

E-Fußballer Marcel Fitzez wurde bisher noch nicht direkt von Publishern oder Politikern bezüglich Olympia kontaktiert. Er sieht das Pro-Clubs-Team jedoch als bereit und ambitioniert an, da sie bereits Europa- und Weltmeister sind. Die Nominierung muss nicht zwangsläufig nach starren olympischen Mustern erfolgen, sondern könnte flexibler gestaltet werden. Die Ernsthaftigkeit und Professionalität im E-Sport ist oft noch nicht auf dem Niveau des traditionellen Sports.

Warum findet die Premiere in Saudi-Arabien statt?

00:46:59

Die Frage aufkommend, warum die Spiele nicht in Deutschland, z.B. in Verbindung mit der Gamescom, stattfinden, verweist Nettekoven auf den Prozess des IOC. Das IOC hat nach einer Bewerbung entschieden, die Spiele nach Riyadh zu vergeben. Deutschland hätte sich für eine solche Bewerbung positionieren können, was aber nicht geschah. Die politische Ebene und der DOSB müssen sich nun auf die Gegebenheiten einstellen und Deutschland repräsentieren.

Vision und politische Hürden für Olympische E-Spiele

00:49:21

Diskutiert wird die immense Anstrengung und die notwendige Vision, um Olympische Spiele zu veranstalten. Es wird die Frage gestellt, wer sich diese Aufgabe antun will und ob es den notwendigen politischen Rückhalt gibt. Deutschland wird als guter Standort für E-Sport angesehen, doch kritisiert, dass frühere Initiativen zum Thema Olympia in Deutschland aufgrund mangelnden Interesses beim DOSB und IOC scheiterten. Die Einordnung von E-Sport als Sport und die damit verbundenen Strukturen werden als entscheidender Faktor für eine zukünftige Bewerbung gesehen.

Teamdisziplinen und die Rolle des E-Fußballs

00:52:28

Der Fokus liegt auf der Analogie zu klassischen Teamsportarten wie Fußball und Handball, die bei Olympia vertreten sind. Im virtuellen Sport fehlt es jedoch an etablierten Teamspielen auf Verbandsebene. Der E-Fußball im Modus Pro Clubs wird als vielversprechender Kandidat für eine olympische Teamdisziplin identifiziert. Eine Notwendigkeit gesehen wird es, sowohl Einzelspieler- als auch Team-Formate in die Olympischen Spiele zu integrieren, um dem breiten Spektrum von E-Sport gerecht zu werden. Dies erfordert gezielte Lobbyarbeit und eine Weiterentwicklung der Spiele.

Inklusion und globale Verbindlichkeit des E-Sports

00:54:26

Ein zentraler Mehrwert des E-Sports ist seine inklusive und globale Natur. Im Gegensatz zum analogen Sport, wo der Weg zu den Paralympischen Spielen oft separat ist, bietet E-Sport das Potenzial, Athleten mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen direkt in den Olympischen Rahmen zu integrieren. Da die physischen Voraussetzungen anders sind, könnte die Trennung zwischen Olympischen und Paralympischen E-Spielen obsolet werden. Die globale Verbindlichkeit unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Behinderung wird als der größte Charme des Sports gefeiert.

Community-getriebene Strukturen in Pro Clubs

00:57:09

Im Bereich des E-Fußballs im 11-gegen-11-Modus existiert ein Beziehungsgeflecht, das nicht auf klassischen Sportstrukturen beruht. Publisher halten zwar das Spiel, doch die Community hat eigene Strukturen mit internationalen Meisterschaften, Europapokalen und Nations Leagues aufgebaut. Dies geschah, weil Publisher in den Wettbewerben nicht vorne mit dabei waren. Strukturen wurden aus der Leidenschaft heraus organisiert, wie das Beispiel des Weltmeisterschaftsfinales gegen Italien zeigt, das auch ohne feierliche Rahmenbedingungen digital zelebriert wurde.

Organisatorische Herausforderungen und Ansprechpartner

01:03:20

Die große Komplexität der internationalen Pro-Clubs-Community wirft die Frage nach dem richtigen Ansprechpartner für eine olympische Integration auf. Die Experten diskutieren, ob man sich an den DFB, den ESB, den DOSB oder direkt an den Publisher FIFA wenden müsste. Empfohlen wird, den Weg über den DOSB oder den ESB zu gehen, um das Thema auf internationaler Ebene zu platzieren. Gleichzeitig wird die Herausforderung angesprochen, durch die mangelnde Gemeinnützigkeit von Sportvereinen die Integration von E-Sport-Abteilungen zu erschweren.

Die Renaissance der LAN-Partys und Gemeinschaftserlebnis

01:13:59

Obwohl E-Sport digital ist, wird die Notwendigkeit physischer Treffen und Orte der Gemeinschaft betont. Die Renaissance der LAN-Partys wird als essentiell angesehen, um das soziale Miteinander zu stärken. Events wie die Gamescom oder die IEM in Köln werden als Beispiele dafür genannt, dass Menschen ins Stadion gehen, um E-Sport live zu erleben. Diese Präsenz verleiht dem Sport Bedeutung und hilft, gesellschaftlich überkommene Klischees zu überwinden, die E-Sport als isoliertes Hobby im Kinderzimmer darstellen.

Zuständigkeit der Bundesregierung und Zeitplan

01:21:05

Die politische Verantwortung für das Thema E-Sport und Olympia ist im Wandel. Zuletzt war es im Wirtschaftsministerium, wird nun aber eher dem Innenministerium und dem Digitalministerium zugeordnet, während das Kanzleramt Sport und Ehrenamt stärker integriert. Die Taskforce, bestehend aus DOSB, ESB, Verbänden und Politik, trifft sich monatlich, um das Thema voranzutreiben. Ein wichtiger Punkt ist die internationale Entscheidung über die teilnehmenden Spiele, die für das dritte Quartal des aktuellen Jahres erwartet wird.

Perspektive und Abschied

01:25:53

Als zentrale Motivation wird betont, dass das Team Deutschland stark, united und mit Spaß bei Olympia sein sollte. Die Repräsentation mit dem Adler auf der Brust wird als symbolträchtiges olympisches Gefühl hervorgehoben. Der Gastgeber würdigt die vielfältigen Perspektiven der Gäste und betont die hohe Komplexität des Themas. Mit einer motivierenden Aufforderung an den Spieler Marcel, eines Tages im Trikot zu glänken, endet der Stream. Ein Ausblick auf die nächste Sendung rundet den Abend ab.