Es wurde ein Gespräch mit einer Extremsportlerin geführt. Sie berichtete von ihrem Leben, das sie zwischen Doktorarbeit und Extremsport wie Big Wave Surfen, Freediving und Motorradfahren teilt. Dabei ging es um die Synergien der Sportarten und die besonderen Herausforderungen für Frauen im Surfsport.
Vorstellung der Gastgeberin und Beginn des Gesprächs
00:09:37Die Streamerin begrüßt das Publikum und stellt ihre erste deutsche Big Wave Surferin Lena Kemmner vor, die extra aus Portugal für den Stream ins Studio gekommen ist. Kemmner erzählt, dass sie aus Portugal angereist ist, um ihren Traum vom Surfen zu leben. Sie hat auch einen akademischen Hintergrund mit einem abgeschlossenen Master in Marketing und arbeitet derzeit an ihrer Doktorarbeit. Um ihren Traum zu verwirklichen, hat sie einen sehr zweigleisigen Alltag mit Uni, Nebenjobs und intensivem Surfen geführt, den sie auch heute noch lebt.
Leidenschaft für Extremsportarten und persönliche Motivation
00:14:51Lena Kemmner spricht über ihre drei großen Leidenschaften: Big Wave Surfen, Freediving und Offroad Motorradfahren. Sie betont, dass sie zwar Spaß an diesen Adrenalinsportarten hat, aber nicht unbedacht handelt. Sie geht mit viel Organisation und Vorbereitung an die Grenzen, um das Risiko zu minimieren. Ihre persönliche Motivation ist weniger das reine Adrenalin, sondern der Reiz, sich immer weiterzuentwickeln und an ihre Grenzen zu gehen, sei es beim Surfen von über 10 Meter hohen Wellen, beim Tauchen in 50 Meter Tiefe oder bei Touren mit dem Motorrad durch die Landschaft.
Synergien und Verbindungen zwischen den Sportarten
00:36:30Im Interview werden die synergistischen Effekte ihrer verschiedenen Sportarten beleuchtet. Kemmner erklärt, wie das Fahren von Jetskis und Motorrädern ihre Fähigkeiten für das Big Wave Surfen verbessert, insbesondere was Konzentration und das schnelle Reagieren auf sich ändernde Umgebungen betrifft. Ihre Erfahrung im Freediving, insbesondere im Luftanhalten und der Fähigkeit, in Stresssituationen ruhig zu bleiben, ist beim Surfen von großen Wellen extrem wichtig, um nach einem Wipeout ruhig und kontrolliert wieder an die Oberfläche zu gelangen. Auch die richtige Atemtechnik, wie die Bauchatmung, sei ein Schlüsselfaktor für die Leistungsfähigkeit in allen drei Sportarten.
Die Bedeutung von Jetski-Fahren und die Logistik des Big Wave Surfens
00:40:25Als Lena Kemmner gefragt wird, warum Jetski-Fahren für sie so wichtig ist, antwortet sie, dass sie ihr eigenes Ding machen und nicht von anderen abhängig sein möchte. Jetskis sind für sie nicht nur ein Transportmittel in die Welle, sondern vor allem für die Sicherheit unerlässlich. Sie erklärt, dass professionelles Big Wave Surfen extrem teuer ist, mit Kosten von über 1.000 Euro pro Session. Zusätzlich zu den Maschinenkosten müssen Teams aus Jetski-Fahrern, Spottern und Filmer bezahlt werden, was den Sport für die meisten unerreichbar macht. Sie betont, dass bei dieser Disziplin neben dem Können auch ein Standing und eine vorgeschriebene Vorbereitung nötig sind.
Female Surfpower: Herausforderungen im männlich geprägten Surfsport
00:47:17Das Gespräch wendet sich dem Thema Female Surfpower zu. Lena Kemmner spricht offen über die Schwierigkeiten, die sie im Surfsport als Frau erlebt hat. Sie schildert konkrete Fälle von Einschüchterung und körperlichen Angriffen durch lokale Surfer, weil sie Wellen nehmen wollte oder sich öffentlich für bestimmte Themen stark machte. Sie erklärt, dass solche Handlungen im Wasser, besonders bei großen Wellen, extrem gefährlich sind und versuchter Mord sein können. Sie betont den starken Einfluss von Social Media, das einerseits für Hass und Anfeindungen, andererseits aber auch für die Bildung einer unterstützenden Community sorgen kann.
Umgang mit Einschüchterung und Wege zur Stärkung der weiblichen Community
00:52:26Auf die Frage, wie man sich als Frau im Line-Up gegenüber männlichen Locals behaupten kann, gibt Kemmner einen pragmatischen Tipp: Durch Konsequenz und Können. Wenn man sich regelmäßig an einem Spot aufhält und letztendlich besser surft als die Locals, lässt man sich nicht mehr einschüchtern. Sie rät auch, sich mit Locals zu verbünden, anstatt allein als Außenseiterin zu erscheinen. Kemmner sieht eine starke weibliche Surf-Community als Schlüssel, um Machstrukturen aufzubrechen und für mehr Sicherheit und Akzeptanz zu sorgen. Sie stellt klar, dass es legitim ist, wenn sich Frauen nicht zusätzlich für den Kampf gegen Sexismus im Surfsport stark machen wollen, da sie bereits als Minderheit eine herausfordernde Position haben.
Gesellschaftliche Barrieren im Surfsport
00:55:36Das Gespräch konzentriert sich auf die Herausforderungen, mit denen jüngere Surferinnen konfrontiert sind, insbesondere im Kontext von Feminismus und Sexualisierung. Es wird betont, dass die wahre Essenz des Feminismus die freie Wahl ist, ob und wie man sich kleidet, und dass eine klare Aufklärung in diesem Bereich fehlt. Der Fokus liegt darauf, den Spaß an der Sportart in den Vordergrund zu stellen und sich nicht von externen Meinungen oder Angstzuständen ablenken zu lassen, um sich mental freizumachen.
Bodypositivität und mentale Freiheit
00:57:31Die Rednerin beschreibt das Gefühl, das Surfen auf einer großen Welle als Moment der reinen Konzentration und persönlichen Befreiung zu erleben. In diesem Moment geht es nur noch um den Sport und nicht um die Wahrnehmung durch andere. Dieser mentale Zustand ist ideal und soll als Vorbild dienen. Sie betont, dass man sich von dem Gedanken befreien muss, was andere denken könnten, um die wahre Freude am Surfen zu finden und diesen zu genießen.
Physische Unterschiede im Big Wave Surfen
00:58:27Es wird diskutiert, ob es eine körperliche Grenze bei der Wellengröße gibt, ab der Frauen im Nachteil sind. Beim eigentlichen Surfen wird dies verneint, da technische Fähigkeiten und das Kraft-Körper-Verhältnis ausschlaggebend sind. Bei der Sicherheitsrettung per Jetski kann jedoch eine physische Überlegenheit der Rettungskräfte ein Faktor sein, besonders in Extremsituationen, in denen mehr Körperkraft erforderlich ist. Der Prozess selbst wird aber durch die Maschine dominiert.
Die Bedeutung männlicher Allianzen
01:00:30Die Diskussion verschiebt sich auf die Bedeutung von männlichen Verbündeten, die sich aktiv für eine gleichberechtigte Surfgemeinschaft einsetzen. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, dass mehr Männer offen gegen Sexismus im Line-up auftreten und sich wehren. Es wird anerkannt, dass es solche Unterstützer gibt, aber ihr Engagement muss noch deutlich wachsen. Die Parallele zum Alltag gezogen, wo es auch dort eine Ausnahme ist, wenn Freunde sich gegen dumme Sexismus-Sprache wehren.
Zwischen den Disziplinen: Surfkultur vs. Freediven
01:03:42Es wird ein Vergleich zwischen den Kulturen des Big Wave Surfens und des Freedivens angestellt. Während die Freediving-Kultur oft als positiver und solidarischer beschrieben wird, gibt es auch dort idiosynkratische Elemente. Die Rednerin nutzt das Freediven gelegentlich als Fluchtweg, um Energie zu sammeln, da der Druck durch Themen der Gleichberechtigung den Spaß am Surfen manchmal überschatten kann. Sie betont, ihre Haltung im Line-up habe sich durch die Erfahrungen verändert: Sie bleibt respektvoll, ist aber weniger freundlich und gesprächig, um sich vor Angriffen zu schützen.
Der Kern der Leidenschaft: Surfen
01:07:41Die Rednerin stellt unmissverständlich klar, dass die Liebe zum Surfen und der Drang, Träume zu verfolgen, alles andere überwiegen. Auch wenn im Line-up manchmal negative Gedanken an auftretende Probleme auftauchen, ist die Freude an der Welle und der Sport an sich überlebensgroß. Sie appelliert an alle, ihre Leidenschaft zu leben und sich nicht einschüchtern zu lassen. Die Kernbotschaft ist, die Liebe zur Sache sollte im Vordergrund stehen, nicht die externen Umstände.
Vorstellung des eigenen Dokumentarfilms
01:08:35Ein zentrales Thema der Sendung ist der eigene Dokumentarfilm der Rednerin. Der Film, der dieses Jahr Premiere hatte und international auf Festivals lief, beschreibt ihre persönliche Reise und die Anfänge im Big Wave Surfen in Nazaré. Er ist kein klassisches Interviewformat, sondern begleitet sie intensiv bei ihren Versuchen, Rückschlägen und schließlich dem Erfolg, um authentisch die Faszination und die Anstrengung des Sports einzufangen. Finanziell wurde das Projekt durch Sponsoring realisiert.
Die Faszination Nazaré: Einzigartiger Ort
01:18:37Nazaré wird als ein besonderer und faszinierender Ort vorgestellt, nicht nur wegen der großen Wellen, sondern auch wegen seiner einzigartigen Kultur und des ambivalenten Verhältnisses der Menschen zum Meer. Die Wellen werden durch einen unterseeischen Canyon erzeugt, was eine geografische Besonderheit ist. Die persönliche Verbindung wird durch Erlebnisse wie das Freediving im Canyon und das Treffen von Delfinen gestärkt, was den Ort noch mystischer und einzigartiger macht.