In einem ausführlichen Gespräch wird die beeindruckende Geschichte des Para-Surfers Ben Neumann beleuchtet. Nach seiner Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft berichtet er über seine persönlichen Herausforderungen, wie er sich auf andere Sinne verlässt und wie Teamsport und Inklusion für ihn eine zentrale Rolle spielen.

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Neubeginn und Begrüßung des Para-Surfers

00:09:27

Der Stream begrüßt die Zuschauer und kündigt den Umzug des Studios an. Die Sendung ist die letzte aus dem alten Studio in Düsseldorf. Als Hauptgast wird Para-Surfer Ben Neumann vorgestellt, der kürzlich von der Parasurf-Weltmeisterschaft in Kalifornien mit WM-Bronze zurückgekehrt ist. Er erzählt von seiner direkten Anreise und seinem kurzen Zwischenstopp in seiner Heimat Garmisch-Partenkirchen, wo er die heimische Bergluft genießt. Der Stream startet mit einem interaktiven Spielchen für die Zuschauer.

Ben Neumanns Persönliche Geschichte

00:15:28

Ben Neumann erzählt von seiner Erblindung im Alter von sechs Jahren und wie sich seine Familie dazu entschieden hat, „die Flucht nach vorne“ zu wählen. Sport, darunter zunächst Skifahren, spielte eine große Rolle, um sein Selbstbewusstsein aufzubauen. Die Faszination für das Surfen entdeckte er über die stehenden Wellen des Eisbachs in München. Sein erster Stand auf dem Surfbett war der Moment, der ihm klar machte, dass Surfen sein Sport sein würde. Eine inspirierende Geschichte, die hoffentlich auch andere motiviert.

Herausforderungen und Sinneserfahrung im Surfen

00:18:57

Auf die Frage nach den besonderen Hürden des Surfen ohne Sehfähigkeit erklärt Ben Neumann, dass er sich auf seine anderen Sinne verlässt. Sein Gehör und sein Gespür sind entscheidend, um Wellen zu lesen. Das Geräusch der Welle gibt ihm Aufschluss über deren Entwicklung. Die Rückmeldung des Brettes und die Sonne auf der Haut unterstützen seine Orientierung. Zentral für ihn ist das Kommandosystem mit seiner Guide Rosina, die ihn im Wasser positioniert, und das als Teamsport beschrieben wird.

Studium, Coaching und Lebensphilosophie

00:30:45

Ben Neumann berichtet über sein Psychologiestudium an einer Fernuniversität, das es ihm ermöglicht, Sport und Ausbildung zu verbinden. Er strebt eine Karriere als Coach an, um Mehrwert zu schaffen und seine Geschichte einzubringen. Seine zentrale Botschaft ist, dass es wichtig ist, sich einen Sinn im Leben zu definieren, anstatt nur nach Glück zu jagen. Der Ritt zwischen Wellentälern und Wellenbergen, also Hochs und Tiefs, mache das Leben lebenswert. Trauer und Freude seien Teil dieses Gleichgewichts.

Parasurfen: Besonderheiten und Wettkämpfe

00:41:58

Ben Neumann erklärt die Hauptunterschiede des Parasurfens: Es gibt verschiedene Klassen für unterschiedliche Behinderungen, um faire Wettkämpfe zu gewährleisten. Die Wettkampfformatierung ist ähnlich wie im klassischen Surfen, mit Heats und Juroren. Der Sport verleihe dem Surfen eine andere Dimension, da es ein Teamsport sei. Die Afterpartys nach den Events sind besonders, da alle, trotz Einschränkungen, gemeinsam feiern und eine einzigartige Energie ausstrahlen.

Weg ins Paralympia und Finanzierungshürden

00:45:56

Die Chancen, dass Parasurfen Teil der Paralympics 2032 in Brisbane ist, stehen sehr gut, nachdem der Versuch für Los Angeles scheiterte. Ben Neumann kritisiert, dass angebliche Kostenprobleme oft als vorgeschobener Grund dienen. Tatsächlich gebe es für Parasurfen in Deutschland keine staatliche Förderung, was die Finanzierung zu einer großen Herausforderung darstellt. Athleten sind auf Eigeninitiative und die Suche nach Sponsoren angewiesen, um an Wettkämpfe teilnehmen zu können.

Die Zusammenarbeit mit Guide Rosina

00:53:23

Die Zusammenarbeit mit seiner Guide Rosina, eine professionelle Surferin und Coach, entwickelte sich organisch. Vier Monate vor der Weltmeisterschaft kontaktierte er sie, und sie surften seitdem erfolgreich zusammen. Für Ben Neumann ist Vertrauen und gegenseitiger Respekt die Basis ihrer Zusammenarbeit. Sie nutzen ein präzises Kommandosystem, um Wellen-Details wie Neigung und Brechrichtung auszutauschen. Das Surfen wird dadurch zu einem echten Teamsport.

Inklusion als Geisteshaltung und Zukunftsausblick

00:55:58

Für Ben Neumann ist Inklusion keine leere Hülse, sondern der Geisteshaltung, dass jeder seinen eigenen Weg gehen kann. Es beginnt dort, wo Unterschiede als normal angesehen werden. Positive Erfahrungen macht er im Alltag, während der Inklusion oft in starren Strukturen verloren geht. Der Traum ist die Teilnahme an den Paralympics, was den Sport attraktiver für Sponsoren und bei der Öffentlichkeit machen würde und zu einer neuen Wachstumsphase führen könnte.

Funkgerät vs. Zuruf: Sicherheitsaspekte im Parasurfen

01:03:32

Die Kommunikation zwischen Para-Surfer Ben Neumann und seiner Rosina ist entscheidend. Bei Wettkämpfen ist Funkgerät verboten, sodass die Kommunikation auf Zuruf erfolgt. Dies stellt eine zusätzliche Herausforderung dar, da sie in Rufdistanz bleiben müssen, besonders bei großen Wellen und voller Szene. Beim Freesurfen dient das Funkgerät als wichtige Sicherheitsmaßnahme, um potenzielle Kollisionen im Wasser zu vermeiden und sicherheitsrelevante Informationen aus der Ferne zu erhalten. Je nach Situation bevorzugt Neumann das Fahren ohne Funk, um sich voll auf das Surfen konzentrieren zu können, besonders wenn wenig los ist.

Vorschläge für Regeländerungen und Fairness im Wettkampf

01:06:41

Ben Neumann äußert den Wunsch nach einer früheren Ankündigung von Wettkämpfen, um die Planung zu verbessern. Eine seiner zentralen Ideen für die Zukunft, insbesondere wenn Parasurfen paralympisch wird, ist die Einführung von Blackout-Brillen in der V1-Klasse. Dies würde sicherstellen, dass alle Athleten keinerlei visuelle Vorteile haben und unter 100% fairen Bedingungen antreten. Eine solche Regelung, so Neumann, wäre ein großer Schritt für die Integrität des Sports und wird bereits in vielen anderen paralympischen Disziplinen praktiziert.

Emotionen, Herausforderungen und Anekdoten von der Weltmeisterschaft

01:08:47

Nachdem Ben Neumann bei der Weltmeisterschaft die Bronzemedaille gewonnen hatte, teilte er eine persönliche und humorvolle Anekdote. Sein erster Gedanke war, dass er sich während des Heats in seinem Surfanzug gechtet hatte, was ihm extrem unangenehm war, besonders angesichts des bevorstehenden Interviews. Dieser unterhaltsame Moment zeigt die menschliche Seite des Hochleistungssports. Daneke beschreibt das Gefühl, eine Medaille zu gewinnen, als besonderen Erfolg, der trotz der Nicht-Goldmedaille als große Ehre und Bestätigung seiner hard work empfunden wird.

Finanzielle Hürden und die Suche nach Sponsoren im Parasurfen

01:17:00

Die Finanzierung seiner Karriere stellt eine der größten Herausforderungen für Ben Neumann dar. Die größten Kosten sind die Reisekosten, da er stets mit einem Guide reisen muss. Während er bei der Ausrüstung gut versorgt ist, ist das Finden von Sponsoren für Reisen und Teilnahmen zeitaufwendig und schwierig, da der Sport noch relativ klein ist und weniger Medieninteresse auf sich zieht. Trotzdem schätzt Neumann die Unterstützung, die er erhält, und hofft, dass die anstehende Paralympics-Teilnahme den Sport weiter voranbringt und neue Möglichkeiten schafft.

Vorbereitung auf die WM und Training im O2 Surftown

01:23:42

Die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft hat sich durch zwei Faktoren signifikant verbessert. Die O2 Surftown ermöglichte ihm, 12 Wellen in einer Stunde zu trainieren, was ideal für das reine Technik- und Manövertraining ist. Obwohl das Wellenlesen und die Positionierung im Meer unerlässlich bleiben, hat das intensive Pool-Training seine boardtechnischen Fähigkeiten deutlich weiterentwickelt. Zusätzlich hat er zu leistungsstärkeren Boards gewechselt, was ebenfalls einen erheblichen Sprung in seiner Leistungsfähigkeit auslöste.

Preisgelder und Unterstützung durch Sportverbände

01:26:32

Die finanzielle Unterstützung durch sportliche Erfolge ist überschaubar. Ben Neumann erklärt, dass für einen Sieg in der PSL-Surf-Liga nur 500 Euro und in der ASSP-Liga 1000 Euro ausgeschüttet werden. Dies deckt bei Weitem nicht die anfallenden Kosten für Flüge und Begleitung. Auch die Unterstützung durch Sportverbände wie den DWV und den BVS Bayern ist aufgrund begrenzter Budgets sehr limitiert und dient hauptsächlich zur Deckung der Startgelder. Unterstreicht die Notwendigkeit weiterer Sponsorengelder für den Spitzensport.

Motivation zur Ausbildung zum Coach und Botschafter

01:32:43

Ben Neumann plant, in Zukunft als Coach tätig zu werden und möchte insbesondere jüngeren Surfern eine wichtige Botschaft mit auf den Weg geben: Man sollte alles ausprobieren, was sein Herz begehrt, und sich nicht von den Erwartungen anderer einschränken lassen. Er findet es wichtig, Gedankenfesseln zu sprengen und Menschen zu inspirieren, ihre eigenen Möglichkeiten zu entdecken. Seine persönliche Geschichte, insbesondere die Anekdote mit dem Longboarder, der seine Blindheit nicht bemerkte, unterstreicht seinen Erfolg und seine Fähigkeit, Barrieren zu überwinden.

Persönlicher Slogan und Vision für die Zukunft des Parasurfens

01:37:48

Wenn Ben Neumann potenzielle Sponsoren mit einem Satz überzeugen soll, lautet dieser: "Greatness is a choice". Er betont, dass außergewöhnliche Leistungen keine angeborenen Gaben sind, sondern das Ergebnis bewusster Entscheidungen und Anstrengungen, auch unter Berücksichtigung von Einschränkungen. Diese Philosophie spiegelt seine Herangehensweise wider und gleichzeitig seine Hoffnung, dass mehr Unternehmen Parasponsoring als Chance zur Unterstützung inspirierender Geschichten betrachten. Sein langfristiges Ziel ist es, der erste vollblinde Surfer zu sein, der einen Air Reverse vollzieht.