Es wurde in Wien ein umfassendes Spektrum an Perspektiven zur Bewältigung der globalen Klimakrise vorgestellt. Vom Rechtswesen über Psychologie bis hin zu gesellschaftlichen Umdenkprozessen wurden Lösungsansätze erörtert. Der Einzelne wurde als Teil einer großen Bewegung bestärkt, die mit verbundenen Aktionen und den eigenen einzigartigen Fähigkeiten einen positiven Beitrag leisten kann.

Special Events
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Eröffnung der Erdgespräche 2025

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Die ERDgespräche 2025 werden vom Neon Green Network präsentiert und beginnen mit einer herzlichen Begrüßung aller Anwesenden. Der Moderator teilt den Ablauf der Veranstaltung mit: Es werden drei inspirierende Persönlichkeiten sprechen, die Inhalte auf einer Couch besprochen, eine Kunstperformance erlebt und anschließend die Möglichkeit zum Netzwerken bei Essen und Trinken gegeben. Anwesend sind prominente Ehrengäste wie First Lady Doris Schmidauer und Bundespräsident Alexander van der Bellen. Es werden auch die Speaker Baro Vicenta Ragabat (Juristin und Greenpeace-Sprecherin), Valerie Huber (Schauspielerin und Aktivistin) und Harald Dunning (Designer und Mitgründer der School for Moral Ambition) vorgestellt. Die Atmosphäre ist inspirierend und optimistisch.

Bundespräsident Alexander van der Bellen als Ehrenschutz

00:07:58

Bundespräsident Alexander van der Bellen übernimmt den Ehrenschutz für die Erdgespräche und betont, dass dies mehr als nur eine symbolische Unterstützung bedeutet. Er spricht über die notwendige gesellschaftliche Veränderung und stellt fest, dass bereits 3,5 bis 4 Prozent aktive Beteiligung ausreichen können, um Regime zu stürzen und gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen. Bei technischen Innovationen reiche bereits 20 Prozent Akzeptanz, um diese durchzusetzen. Van der Bellen zeigt sich zuversichtlich, da bereits ein Fünftel der weltweit verkauften Autos E-Autos sind und erneuerbare Energien in vielen Ländern günstiger als fossile sind. Er betont die Notwendigkeit einer unterstützenden Politik und Wirtschaft, die die Energiewende als Sprungschanze sieht.

Klimagerechtigkeit und globale Perspektiven

00:19:29

Die Erdgespräche thematisieren die bevorstehende UN-Klimakonferenz und die aktuelle weltpolitische Lage, die große Sprünge im Klimaschutz erschwert. Es werden jedoch auch positive Botschaften aus aller Welt geteilt, die Mut machen. Die erste Botschaft kommt vom ehemaligen Greenpeace-Direktor und Amnesty-Generalsekretär Kumi Naidu aus Südafrika, der die unfale Verteilung der Klimakrise hervorhebt: Afrika trifft es am härtesten, obwohl es am wenigsten verursacht hat. Er fordert Klimagerechtigkeit und einen gerechten Ausstieg aus fossilen Energien, da 86% der CO2-Emissionen aus Öl, Kohle und Gas stammen. Naidu betont die Notwendigkeit des Handelns aus Menschlichkeit, Kreativität und Hoffnung.

Baro Vicenta Ragabat über juristische Klimakämpfe

00:23:05

Baro Vicenta Ragabat, Juristin und Greenpeace-Sprecherin für sozial-ökologische Gerechtigkeit, hält einen beeindruckenden Vortrag über den Einsatz juristischer Mittel für Klimaschutz. Sie präsentiert alarmierende Zahlen: 63% der jungen Menschen haben Angst vor dem Klimawandel, nur 19% glauben, dass ihr eigenes Handeln etwas bewirken kann. Sie zeigt jedoch auch Erfolge auf: Gerichte in Deutschland, der Schweiz und international haben Entscheidungen zugunsten des Klimaschutzes gefällt. Besonders bemerkenswert ist die deutsche Urteils des Bundesverfassungsgerichts, das die Freiheitsrechte über Generationen hinweg schützt. Ragabat betont, dass sozial gerechter Klimaschutz notwendig ist und dass wir Zukunft in die Hand nehmen müssen, indem wir uns zusammenschließen, protestieren, gemeinsam klagen und für eine gerechte und ökologische Zukunft kämpfen.

Diskussion über rechtliche Klimaschutzinstrumente

00:44:07

Nachdem Baro Vicenta Ragabat ihre Perspektiven geteilt hat, diskutiert die Runde mit Professorin Birgit Hollaus vom Institut für Recht und Governance der WU Wien über die Wirksamkeit von rechtlichen Instrumenten im Klimaschutz. Hollaus bestätigt, dass Klimaklagen bereits allein durch die öffentliche Aufmerksamkeit Wirkung entfalten. Sie betont, dass Klimaschutz als rechtliche Aufgabe immer salonfähiger wird, auch in Österreich, wo jedoch der Zugang zu Gerichten noch schwieriger ist und politische Untätigkeit kaum geltend gemacht werden kann. Ragabat ergänzt, dass in Ecuador bereits die Natur in der Verfassung Rechte hat und betont, dass das Recht ein Instrument ist, das unsere Gesellschaft gestaltet. Die Diskussion zeigt, dass rechtliche Ansätze zwar nicht die einzige Lösung sind, aber einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können.

Persönlicher Werdegang im Klimaschutz

00:49:53

Als junges Mitglied einer indigenen Gemeinsenschaft für Amazonaschutz begann der Weg in den Klimaschutz. Trotz Zweifeln und Kritik entschied sich die Sprecherin für ein Jura-Studium, um die Klimakrise rechtlich anzugehen. Die Zeit von Fridays for Future fällt mit anstrengenden Examensvorbereitungen zusammen. Trotz Warnungen setzte sie sich für Demonstrationen ein statt Klausuren zu schreiben. Diese Proteste erwiesen sich später als beste Vorbereitung für das juristische Staatsexamen mit Fokus auf Klimaschutz.

Klimajustiz als Berufung

00:52:15

Die Klimakrise hat längst Einzug in das Rechtssystem gehalten. Schwerpunktbereiche und Dissertationen befassen sich intensiv mit dem Thema. Die Sprecherin betont, dass Juristinnen durch die Lösung von Interessenkonflikten und Gesellschaftsgestaltung perfekt für diese Aufgabe geeignet sind. Sie fordert nicht dazu auf, alle zu klagen, sondern sich über Disziplingrenzen hinweg auszutauschen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Kreativität, Zuhorchen und das Einbeziehen verschiedener Perspektiven sind dabei entscheidende Fähigkeiten.

Zeugnisse aus dem globalen Süden

00:57:47

Joanna Sustanta berichtet aus den Philippinen, wo der Klimawandel mit voller Wucht zuschlägt. Der Verlust der gesamten Familie durch den Taifoon Hayan 2013 verdeutlicht die existenzielle Bedrohung. Stärkere Stürme jährlich machen einen Neuanfang unmöglich. Sie betont, dass Resilienz ohne Gerechtigkeit nur reines Überleben bedeutet. In vielen Regionen der Welt werden Menschen wegen Klimakrise und systemischer Unterdrückung vertrieben, ausgehungert und getötet. Menschliche Rechte und Klimagerechtigkeit sind untrennbar verbunden.

Konsumkritik und Systemwandel

01:01:15

Valerie Huber skizziert die Entwicklung vom Homo sapiens zum Homo economicus und schließlich zum Fomo sapiens – einem ängstlichen, digital veränderten Menschen. Unsere Psyche ist durch ständige Krisensituationen stark belastet. Das gegenwärtige System strebt grenzloses Wachstum auf einem begrenzten Planeten an – ein unmögliches Unterfangen. Die Klimakrise trifft vor allem die Menschen im globalen Süden, während der Westen seinen Luxus aufrechterhält. Ein Prozent der Weltbevölkerung verursacht so viele Emissionen wie das ärmere zwei Drittel. Die notwendige Transformation erfordert radikale Systemänderung hin zu Kreislaufwirtschaft.

Individuelle Verantwortung und kollektive Hoffnung

01:13:03

Als privilegierte Menschen im Westen tragen wir eine besondere Verantwortung für den globalen Klimaschutz. Es geht nicht um Perfektionismus, sondern um sinnvolle Beiträge in unserem jeweiligen Fachgebiet. Der CO2-Handabdruck ist wichtiger als der Fußabdruck, da er auf den tatsächlichen Einfluss zeigt. Schulbesuche geben der Sprecherin Hoffnung, da eine jüngere Generation heranwächst, die bewusster und achtsamer agiert. Sie ermutigt zur Vernetzung und Kooperation statt Konkurrenz. Die wahre Veränderungskraft liegt im zwischenmenschlichen Miteinander.

Psychologische Herausforderungen im Klimaschutz

01:16:40

Isabella Ohl-Hedicke befasst sich mit den psychischen Belastungen durch Klimakrise für Aktivistinnen und die allgemeine Bevölkerung. Viele fühlen sich ohnmächtig und frustriert, was zu Vermeidungsstrategien führen kann. Wichtig ist die Balance zwischen Engagement und Selbstfürsorge, um nicht auszubrennen. Die kollektive Wirksamkeit – das Bewusstsein, viele zu sein, die etwas verändern wollen – ist ein starker Motivationsfaktor. Perfektionismus sollte abgelegt werden, da er abschreckt. Ambiguitätstoleranz hilft, unterschiedliche Realitäten auszuhalten.

Antarktis als Kipppunkt

01:27:58

Heidi Sylvester berichtet aus der Antarktis, wo der Klimawandel mit voller Wucht zuschlägt. Der Eisschmelz ist enorm und hat massive globale Folgen. Die Hitzewelle im vergangenen Sommer kostete Europa 43 Milliarden Euro an direkten Folgekosten. Der Kampf gegen den Klimawandel ist ein Kampf für Gesundheit, Wohlstand, Frieden und Sicherheit. Die Wissenschaftler allein können die Lösung nicht bringen – es bedarf des gemeinsamen Engagements aller.

Kunst als Aktivismusform

01:30:26

Freya Refning-Hansen nutzt Film und Poesie, um für Natur und soziale Gerechtigkeit einzustehen. Sie hinterfragt die traditionelle Superheldenerzählung, in der der Bösewicht eigentlich den Wandel will und der Superheld den Status quo erhält. Jeder Mensch habe einzigartige Superkräfte, die er für Gutes oder Egoismus nutzen kann. Sie ermutigt dazu, diese Kräfte zu vereinen, um die Dunkelheit zu überwinden. Wichtige Elemente sind Empathie, Gleichheit und grundlegende Rechte für alle Lebewesen.

Klimaaktivismus und Burnout

01:39:35

Der Stream thematisiert die hohe Burnout-Rate im Klimaaktivismus und die damit verbundene Hoffnungslosigkeit. Viele Menschen fühlen sich überfordert durch die schrecklichen Entwicklungen im Klimawandel und die Notwendigkeit, ihre Energie zu verteilen. Gleichzeitig wird betont, dass jeder Mensch eine einzigartige Superkraft mitbringen kann, die genutzt werden sollte - nicht jeder muss auf der Straße protestieren. Gemeinsam im Kollektiv können Klimaschutz und andere Aktionsfelder besser bearbeitet werden.

Netzwerk-Aufgabe und persönliche Geschichten

01:41:43

Die Moderatorin ruft die Zuschauer auf, sich als Superhelden zu fühlen und mit mindestens drei unbekannten Personen ins Gespräch zu kommen. Dafür gibt es Sticker mit Namen und individuellen Superkräften. Anschließend erzählt Freya Refning-Hansen von ihrem Kriminologie-Studium und wie sie durch erschütternde Videos über Tierquälerei und den Film 'Before the Flood' von Leonardo DiCaprio zur Umweltbewegung kam. Sie entdeckte das Feld der Umweltkriminologie, das damals noch wenig in Fokus stand.

US-Klimabewegung und globale Energiewende

01:44:44

Bill McKibben berichtet über die Klimabewegung in den USA, die trotz blockierender Bundesregierung stark wächst. Er erwähnt 500 Aktionen und Demonstrationen in allen Bundesstaaten. McKibben betont, dass die Dynamik bei der sauberen Energie weltweit stark ist - die Welt erhält im November ein Drittel mehr Sonnenkraft als im Vorjahr. Es wird die Frage aufgeworfen, ob die fossile Industrie den Übergang zu sauberer Energie stoppen kann, was jedoch nicht gelingen sollte.

Harald Dunning und die School for Moral Ambition

01:47:22

Harald Dunning stellt sich als Designer und Serial Co-Founder vor, der moralischen Anspruch und Zugehörigkeit verfolgt. Er gründete die Designagentur Momkai, war Mitinitiator von The Correspondent und ruf zusammen mit Rutger Bregmann die School for Moral Ambition ins Leben. Seine Philosophie ist, Ruhe zu kultivieren, damit Ideen wachsen können. Die School soll talentierte Menschen aus prestigeträhtigen Jobs zu den größten Problemen der Menschheit leiten.

Vom Buch zur Bewegung

01:52:27

Harald Dunning erzählt, wie aus dem Buch 'Moral Ambition' eine Bewegung wurde. Rutger Bregmann brachte ihm das Manuskript, das für ganz Europa relevant schien. Zusammen starteten sie bei Designagentur Momkai und nutzten ihre Erfahrungen mit The Correspondent, das heute eine der größten mitgliederfinanzierten Journalismus-Plattformen ist. Sie wollten nicht nur über Probleme berichten, sondern auch Lösungen aufzeigen und Menschen zum Handeln motivieren.

Problemverteilung und Talentbindung

01:55:22

Dunning beschreibt das Phänomen, dass die besten Talente an führenden Universitäten schnell von Banken, Big Tech und Finance abgeworben werden - das Bermuda Triangle. Dies ist die größte Verschwendung von Talent. Die School for Moral Ambition versucht, den Antrieb von Unternehmern mit dem Idealismus von Aktivisten zu verbinden. Sie suchen nach lösbaren und unterschätzten Problemen, wo ein überproportionaler Impact erzielt werden kann.

Globale Bewegung und Aktionsformen

01:59:11

Die School hat innerhalb kurzer Zeit über 20.000 Mitglieder in über 140 Länder gesammelt. Dunning betont, dass von 'Awareness zu Action' gegangen werden muss. Oft wird dies durch große TV-Shows erreicht, aber auch kreative Aktionen wie ein umfunktioniierter Schulbus, der Hoffnung verbreitet. Die School hat drei Säulen: Firestarter (Ideale in Action umsetzen), Fellows (bezahlt von Jobs wechseln) und Funder (Erfolgreiche Unternehmer für gute Zwecke gewinnen).

Organisatorische Herausforderungen und Teamgeist

02:15:44

Die Veranstalter Angie Rathay und ihr Team beschreiben die immense organisatorische Herausforderung des Events in Krisenzeiten. Gleichzeitig zeigen sie sich beeindruckt vom Engagement vieler Freiwilliger quer durch alle Gesellschaftsschichten, besonders auch von Frauen. Dies war der Schlüssel zum Erfolg trotz Krisen und Kriege. Rathay appelliert an das Publikum, in jeder Form freiwillig für Klimaschutz, Naturschutz oder Tierschutz tätig zu werden - egal wie groß oder klein der Einsatz.

Abschlusspanel und Schlussbotschaft

02:20:48

Im abschließenden Panel fragt die Moderatorin die Sprecher, welche Gedanken und Gefühle sie mitnehmen. Refning-Hansen sieht zwei zentrale Fragen: 'Was kann ich?' und 'Was braucht die Welt?'. Sie ist beseelt und freut sich auf die Teilnahme an der Indigenen COP in Brasilien. Rathay bestärkt die Hoffnung angesichts vieler engagierter Menschen. McKibben bekräftigt, dass man nicht allein ist und dass durch bewusste Design-Entscheidungen bereits 80-90% des Klimaeffekts beeinflusst werden können.