Pressekonferenz: Betroffene berichten von illegaler Haft und Misshandlungen durch Israel
Betroffene berichten über illegale Haft und Misshandlungen durch Israel
Mehrere Betroffene haben bei einer Pressekonferenz detaillierte Berichte über ihre Erfahrungen mit illegaler Inhaftierung und Misshandlungen durch israelische Streitkräfte vorgelegt. Die Aussagen schildern systematische Verletzungen von Haftbedingungen und Rechte. Die Vorwürfe werden von Menschenrechtsorganisationen aufgenommen und untersucht.
Eröffnung der Pressekonferenz und rechtliche Verpflichtung
00:04:4500:04:45 Herzlich willkommen zur Pressekonferenz vom Global Movement to Gaza von der österreichischen Delegation. Wir haben heute zwei Personen als OrganisatorInnen vom Global Movement to Gaza, zwei TeilnehmerInnen von der Global Sumitflotilla und auch eine angehörige Person anwesend. Und ich würde gleich mal starten.
00:05:08 Im Jahr 1958 hat Österreich die UN-Völkermordkonvention das Übereinkommen über die Verhütung und Bestrafung des Völkermords unterzeichnet. Damit hat sich Österreich dazu verpflichtet, einzuschreiten, wenn es auch nur Anzeichen dafür gibt, dass ein Völkermord begangen wird. Seit zwei Jahren massakrieren die israelische Regierung und Armee massenhaft Menschen in Gaza. Bomben treffen Schulen, Krankenhäuser, Wohnhäuser, Zelte in Camps. Israel blockiert dringend benötigte Hilfe.
00:05:37 Kein Wasser, kein Essen, keine Medizin. Menschen verhungern, verdursten, sterben an behandelbaren Wunden. Kinder verlieren ganze Familien unter Trümmern. Sie haben keinen Strom, kein sauberes Wasser, nur Sirenen und Staub. Kein Ort ist sicher, keine Nacht ruhig, kein Tag normal. Und das alles passiert nicht, weil es unvermeidbar wäre.
00:06:00 Das passiert, weil die rechtsextreme Netanyahu-Regierung weder Wert auf geltendes Völkerrecht noch auf Menschenleben legt. Das alles passiert, weil die Regierungen weltweit, unsere Regierungen, es möglich machen. Tag für Tag bricht die israelische Regierung und Armee das Völkerrecht. Tag für Tag nehmen sie brutal die Leben von Menschen, von Kindern und ganzen Familien.
Systematische Menschenrechtsverletzungen und Völkermordvorwürfe
00:06:2400:06:24 Menschen werden kontrolliert, unterdrückt, eingesperrt, gefoltert, systematisch ausgehungert und bombardiert. Solidarität wird brutal niedergeschlagen, humanitäre Hilfe wird blockiert. Kinder werden bewusst von Scharfschützen und Drohnen erschossen. Auch auf Fluchtrouten und in Schutzzonen. Sogar Kleinkinder wird gezielt in den Kopf geschossen.
00:06:47 Medizinisches Personal und Journalistinnen werden auch seit zwei Jahren gezielt getötet. An keinem Ort auf dieser Welt gibt es mehr Kinder mit amputierten Gliedmassen, mehr getötete Journalistinnen oder mehr getötete Zivilistinnen. Realistische Analysen zeigen, dass mindestens 680.000 Menschen in Gaza bereits getötet wurden. Ungefähr 478.000 davon waren Kinder.
00:07:13 Journalistinnen und PolitikerInnen nennen das Ganze immer noch Konflikt oder Krieg. Aber das ist ein Völkermord. UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese hat das schon lange bestätigt und vor kurzem auch die UN-Kommission in einem Bericht. Die UN-Kommission sieht vier von fünf Tatbeständen erfüllt und sieht die Absicht von Israels Regierung und Armee, einen Völkermord an den PalästinenserInnen zu begehen.
00:07:39 Die österreichische Regierung ist damit seit zwei Jahren nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich dazu verpflichtet, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um diesen Völkermord zu stoppen. Die Unterstützung eines Völkermords ist verboten. Und die israelische Regierung wird sich mit der Netanyahu-Regierung die Anklagebank im Internationalen Gerichtshof in Den Haag teilen müssen.
Aufruf zum zivilen Widerstand und Solidaritätsbekundungen
00:08:0300:08:03 Wir Menschen fragen uns immer, was wir getan hätten, hätten wir zu einer anderen Zeit gelebt. Um das zu wissen, müssen wir uns nur anschauen, was wir jetzt gerade tun. Wir müssen uns fragen, was für eine Rolle wir spielen wollen in einer Welt, in der Menschen in Verantwortungs- und Machtpositionen und auf Regierungsbänken Profit und Macht über Menschenleben stellen.
00:08:24 Ein ungerechtes System kann nur existieren, wenn Menschen mitmachen. Solange wir kooperieren, läuft es weiter. Doch sobald wir aufhören, macht das einen Riss ins Fundament der Macht.
00:08:35 Uns wird grundlegend beigebracht, dass wir keine Mittel haben, uns gegen Regierungen und ihre Verbrechen zu stellen. Aber das stimmt nicht. Wir haben unsere Arbeitskraft, unsere Körper, unsere Entscheidungen nicht mehr mitzuspielen. Wir haben die Möglichkeit, das Richtige zu tun. Und das Potenzial auf Veränderung liegt in Menschen, die sich dagegen stellen. Und genau das ist auch unsere Aufgabe. Wir müssen unsere Liebe und unsere Menschlichkeit in uns finden und handeln. Wenn Regierungen versagen,
00:09:02 sei es durch Untätigkeit, Beschwichtigung oder aktive Unterstützung vom Ermorden von Menschen, werden die Menschen weltweit Widerstand leisten. Wir sehen auf der ganzen Welt heute, wie die Menschen nicht hinnehmen, wie sich ihre Regierungen zum Mittäter am Völkermord machen. HafenarbeiterInnen blockieren Häfen, in Italien gibt es Generalstreiks, Menschen blockieren Waffenfabriken und gehen unermüdlich auf die Straße.
00:09:27 Die Global Sumut Flotilla ist Teil dieser internationalen Solidarität. Wir sind eine zivilgesellschaftliche Bewegung, die auf friedlichem und internationalem Weg versucht, einen humanitären Korridor zu schaffen und die illegale Blockade Gazas zu durchbrechen.
00:09:42 Unsere Boote sind ein Akt der humanitären Solidarität. Die Flotilla ist ein Ausdruck davon, dass Menschen nicht tatenlos zusehen dürfen, wenn Menschenrechte, Menschenwürde, Menschenleben und Völkerrecht mit Füßen getreten werden. Und jetzt werde ich das Wort an Sophie weitergeben, die selbst auf einem Boot der Global Summit Flotilla war.
Bericht von Sophie: Verhaftung und misshandlungen auf See
00:10:0400:10:04 Hallo, ich bin die Sophie. Ich hatte die Ehre, mit zu segeln und den Versuch zu starten, diesen humanitären Korridor zu eröffnen. All das in dem Wissen, gegen welche Regierung, gegen welche Armee wir dagegen segeln. All das mit den Informationen und Drohungen, die davor entstanden sind.
00:10:33 mit der Defamierung, die es gab und mit den Attacken, die bereits stattgefunden haben auf Kameraden und Kameradinnen, auf unsere Schiffe. Und wir wussten, dass die Möglichkeit sehr hoch ist, dass wir angehalten werden. Aber was immer viel, viel höher war, war diese Hoffnung, dass wir es endlich schaffen, dass wir genug sind, dass die Welt endlich die Augen geöffnet hat.
00:10:59 dass die ganze Solidarität in den Ländern auf den Straßen dazu beigetragen hat, dass wir endlich die Unterstützung bekommen, um diesen Korridor zu eröffnen und die humanitäre Hilfe zu bringen. Und deswegen haben wir immer weitergemacht. Auch als das Abfangen angefangen hat und unsere größten Schiffe bereits abgefangen wurden, war für uns auf den kleineren Schiffen mitten in der Nacht klar, wir werden so weit es geht.
00:11:26 und so lange wie möglich weiterfahren und das alles aber nicht
00:11:32 um irgendwie gewaltvoll, sondern wirklich einfach nur weiterfahren, versuchen auszuweichen und so weit wie möglich zu kommen. Und dementsprechend war das eine sehr lange Nacht, eine sehr, sehr unsichere Nacht und eigentlich auch zwei Nächte, wo wir nie wirklich wussten, was als nächstes kommt. Schlussendlich waren wir auf diesen Schiffen und durch das, dass wir zwischenzeitlich immer noch...
00:12:01 Kontakt hatten zu anderen Booten, zu uns, haben wir halt auch mitbekommen, was KameradInnen passiert, dass es Schiffe gibt, die mit Wasserwerfern auf uns schießen, mit
00:12:14 Wo ich mir sehr sicher bin, nicht nur Wasser, weil das IOF sehr gern mit Skunkwalter, mit Dreckwasser oder mit Chemikalien auf Protestierende und auf PalästinenserInnen schießt. Dass immer wieder Boote interceptet werden, dass das Militär die Boote übernimmt und ab da weiß man nicht mehr, was passiert diesen Kamerad und Kameradinnen. Für mich persönlich auch. Das Boot, auf dem ich war, ich war die Einzige.
00:12:41 europäisch und weiß gelesene Person und die einzige Frau. Und das spielt auch mit in der Angst, was machen Sie, was machen Sie mit meinen Kameradinnen? Nicht nur, dass Sie uns, dass Sie es wagen, schon wieder unseren Aufwand zu stoppen, humanitäre Hilfe nach Gaza zu bringen, sondern auch, was machen Sie mit uns, wenn Sie uns so klar als TerroristInnen einstufen und uns so klar mit Gewalt drohen und uns schon attackiert haben.
00:13:10 Mein Boot wurde gegen 4.30 Uhr interceptet. Das war das letzte Mal, dass ich auf eine Uhr geschaut habe. Sie kamen aufs Boot, volle Montur, voll bewaffnet, haben uns direkt nach unten ins Boot verfrachtet, uns durchsucht, wollten herausfinden, wer der Käpt'n ist und haben uns dann...
00:13:38 Da unten sitzen lassen, den ganzen Tag in der Hitze. Persönlich wussten wir halt auch unser Boot, mit dem muss man eher vorsichtig fahren. Auch der Motor und allem haben voll Gas gegeben, um uns abzuschleppen. Die Sicherheit war in keinster Weise gewährleistet. Wir saßen da unten.
00:14:02 mit wirklich Sorge darum, dass sie dieses Boot auch einfach versenken werden. Sie haben unser Boot auch abschleppen lassen von einem unserer größeren Boote. Und dann haben sie uns in den Hafen nach Astot gebracht und auch sich permanent über uns lustig gemacht, auch schon dafür gesorgt, dass wir ja wissen,
00:14:30 dass wir in ihren Staat gehen und es nicht nach Gaza schaffen, uns auch ausgelacht. Und erst dort wurden wir dann nach langer Wartezeit vor diesem Hafen auf den Boden gesetzt.
Haftbedingungen im Gefängnis: Folter und Entmenschlichung
00:14:4600:14:46 Vom Boot dahin direkt mit einer Hand am Genick, Kopf nach unten, mit der anderen Hand beide Hände hinterm Rücken festgehalten, auf dem Boden gedrückt, angeschrien, dass wir uns hinsetzen sollen, dass wir nach unten schauen sollen. Mir wurden sämtliche Armbänder gewaltvoll von der Hand gerissen, gegen die Wand geknallt. Lampen wurden abgenommen. Ich wurde auch gezwungen, dass ich die Jacke zumache, weil ich ein T-Shirt mit arabischer Schrift hatte.
00:15:15 Alle anderen, die ankamen, es wurden Gitarren weggenommen, gegen die Wand geworfen. Es wurde jeglicher Schmuck, Armband, alles gewaltvoll von unseren Kameradinnen entfernt. Und immer wieder kam diese Anordnung, dass wir auf den Boden schauen müssen, dass wir da sitzen bleiben müssen. Wir dürfen nicht so sitzen, wir dürfen nicht...
00:15:41 Jenes Sitzen, wenn jemand die Toilette nutzen musste, wurden wir begleitet und die Tür wurde offen gehalten und wir wurden beobachtet, während wir die benutzt haben. Und das ging schon stundenlang. Und in dieser Zeit haben sie uns auch dauernd umgesetzt und sie haben permanent versucht, sie haben durchgehend nach arabisch gelesenen Menschen gesucht. Sie haben auch dauernd darüber gesprochen, sie haben Menschen angeschrien, wo sie herkommen, wo sie herkommen.
00:16:10 die arabisch gelesen sind. Wir mussten alle unseren Pass vor uns haben. Und wenn diese Personen dann ein europäisches Land gesagt haben, wurden sie nur weiter angeschrien, dass das nicht stimmt, dass sie ja arabisch sind. Sollte eine arabisch gelesene Person entdeckt worden sein, haben sie sie direkt von unserer Gruppe entfernt und mitgenommen. Und das ging so schon stundenlang, nachdem wir eh schon die ganze Nacht
00:16:38 wach waren, dann den ganzen Tag in der Hitze nach Astot entführt wurden und dann wieder die ganze Nacht da wach waren und das Scheinwerferlicht und dann kam auch dieser
00:16:53 ich weiß nicht, wer Herr Minister ist, kam auch, weil er es als persönliche Genugtuung empfand, uns auch nochmal mit einem Lächeln ins Gesicht zu schreien, dass wir Terroristen sind. Er hat das auf Hebräisch gemacht, er hatte einen Übersetzer dabei, ein ganzes Team Kameras, die alle in uns reingefilmt haben, währenddessen die Besatzungsmacht rund um unseren Dumm stand und uns ganz genau beobachtet hat.
00:17:22 Und wir sind dann solidarisch in einen Chant auch verfallen und haben im Gegenzug zu seinen Anschuldigungen und haben wir gemeinsam für ein freies Palästina gerufen. Und auch da wurden direkt bekannte Personen oder sehr laute Personen oder auch wieder rassifizierte Personen entfernt und direkt weggenommen, wo später Erfahrungsberichte uns auch erzählt wurden, dass sie da sehr gewaltvoll behandelt wurden.
00:17:51 Und danach kam auch ein Soldat mit einem riesengroßen Pack an Kabelbindern. Und sie haben uns allen sehr eng die Hände hinter dem Rücken mit den Kabelbindern verbunden. Sie haben auch da weiterhin genau gesagt, wie wir sitzen müssen, das dürfen wir ja nicht bewegen. Und so haben sie uns dann weitere Stunden sitzen lassen, ohne Schlaf. Es gab diverse Rufe von diversen Menschen, auch teilweise älter.
00:18:20 mit Beschwerden, mit Schulterschmerzen, dass das nicht geht, dass es zu eng ist. Unter Tränen haben sie gebeten, dass man diese Kabelbinder lockert. Dafür wurden sie eigentlich nur belächelt. Und da wurden wir stundenlang so sitzen gelassen, bis wir irgendwann nach und nach aufgerufen wurden und dann hinter einem Zaun verschwunden sind, wo dann schlussendlich dieses Immigration Center war.
00:18:47 Auch da war die Klimaanlage voll aufgedreht. Wir wurden direkt abgefangen. Ich wurde direkt mitgenommen. Ich musste meine Hose ausziehen. Sie hatten anscheinend auch ein sehr großes Problem mit meinem Piercing in meiner Lippe, das sie unbedingt weg haben wollten und mir das dann auch weggeschnitten haben, weil man das nicht einfach öffnen kann.
00:19:15 Nicht das Schönste der Welt, wenn dir ein Polizist ein Piercing aus der Lippe schneidet und dementsprechend auch ohne Hose durch diesen Hafen geleitet wurde. Sie haben unsere Rucksäcke auseinandergenommen und demonstrativ alles weggeworfen. Vor allem alles, was irgendwo Solidarität ausdrücken könnte, ob das T-Shirts sind, aber auch sonst alles. Bücher haben sie weggeworfen, es kamen Menschen auf uns zu, die das unglaublich befriedigt hat.
00:19:44 uns auch weiterhin darauf hinzuweisen, dass wir im Staat Israel sind und dass wir, wenn wir sagen, wir wissen, wo wir sind, ja auch diesen Staat anerkennen, dann wurden wir stundenlang in einem höchst schematisierten Raum fotografiert, Fingerabdrücke genommen. Sie haben versucht, uns hebräische Dokumente unterzeichnen zu lassen. Jede einzelne Person von uns hatte einen eigenen Polizist oder eine Polizistin, die uns durchgehend begleitet hat.
00:20:14 Es wurde uns eigentlich alles abgenommen und am Ende wurden wir wieder mit Kabelbindern sehr eng die Hände verbunden. Es wurden uns auch alle Schnürsenkel abgeschnitten und ebenfalls die Augen verbunden. Und so wurden wir in einen Bus verfrachtet, dementsprechend dann auch Geschlechter getrennt ab da. Und in diesem Bus saßen wir erneut, stundenlang, mit einer Klimaanlage.
00:20:43 Und wir hatten keine Chance, uns irgendwie zu wärmen. Wir waren verbunden, mit verbundenen Augen, mit den T-Shirts, die wir nur noch am Körper hatten. Und so saßen wir stundenlang in dieser Kälte. Und es kamen immer wieder...
00:21:00 Irgendwelche Soldatenpolizisten, ich weiß es nicht, ich habe es nicht gesehen rein, die uns gesagt haben, sie werden ganz Palästina verbomben, es wird keine einzige palästinensische Person mehr überleben. Und fuck Palästina und wir sind Terroristen. Auch da wieder stundenlang, schwer zu sagen wie lange, ich habe schon lange keine Uhr mehr gesehen. Irgendwann fuhr dieser Bus los, Richtung Wüste und dann wurde es sehr, sehr heiß in diesem Bus auch.
00:21:29 Dann haben sie uns da zum ersten Mal aussteigen lassen. Wir waren in der Wüste, es war Tag, es war heiß. Sie haben uns in einen Käfig in der Sonne verfrachtet, uns dann da wieder...
00:21:44 Weggenommen. Ich war auch weiterhin mit den Kabelbindern noch verbunden. Dann haben sie uns wieder an einen anderen Ort gefahren, in einen neuen Käfig in der Sonne, wo wir dann zum ersten Mal mal einen Becher Wasser bekommen haben. Und das von Interception, die um vier Uhr in der Früh war, ab da wir nichts mehr konsumieren konnten, bis am nächsten Tag, wo die Sonne schon relativ hoch stand, gab es kein Wasser.
00:22:13 und nichts zu essen und gar nichts.
00:22:16 Und dann wurden wir nach und nach aufgerufen. Unsere muslimischen Kameradinnen waren auch da schon wieder mit Angst verknüpft, weil wir haben mitbekommen, jetzt geht es darum, dass wir uns umziehen. Mit Angst davor, dass sie ihre Hijab abnehmen müssen. Mit Angst davor, wie diese Leute mit ihr umgehen. Und davor auch, dass sie gegen ihren Willen von Männern die Hijab auch abnehmen müssen und schlecht behandelt werden.
Medizinverweigerung und rechtloser Prozess
00:22:4500:22:45 Für mich persönlich war, ich musste da als Letzte eigentlich ausharren, weil wie ich nachher dann mitbekommen habe, haben sie mich ohne meinen Pass irgendwo hingeschickt. Also uns allen wurde der Pass abgenommen, wie wir dokumentiert wurden. Und dann haben sie mich oder meinen Pass einfach mal ein bisschen verloren.
00:23:07 Dann hatten wir einen Doktorcheck, der genau mit dem Blutdruck messen und einmal wiegen und die Größe messen war. Das war unser Doktorcheck. Und dann wurde ich irgendwann, wir waren zu diesem Zeitpunkt nur noch zu zweit, in einem Gefängnis. Ich habe nur Mauern und Stacheldraht gesehen. Und die Sonne wussten überhaupt nicht, wo wir waren. Und wir waren nur noch zwei Frauen, weil wir von der Gruppe getrennt waren.
00:23:35 Wir wurden wieder an einen anderen Ort geschickt, begleitet von unglaublich vielen Polizisten mit einem so großen Kanister Pfefferspray.
00:23:48 Und dann tatsächlich, als wir in dem nächsten Hof ankamen, wurde ich herausgerufen mit meinem Namen und es hieß dann, dass ich mein konsularisches Gespräch haben kann, dass der Botschafter da ist. Und dann ging es in den Hof, da waren ganz viele Botschafter und das war dann der erste Kontakt.
00:24:12 wo wir auch jemandem mitteilen konnten, wie es uns geht, wo für uns auch klar war, okay, es weiß jemand, wo wir sind, was auch wichtig ist, weil wir selber wussten nicht mehr, wo wir sind. Es gibt jemanden, der uns sieht und es nimmt ein bisschen was von diesem Gefühl weg, diese Regierung, dieses Militär kann tun und lassen, was es möchte mit uns, weil wir sind ja ungesehen, ungehört, einfach verschwunden, wir wurden entführt.
00:24:42 Danach ging es weiter in diese Zellen. In den Zellen, die waren mit fünf Betten ausgestattet. Wir waren 14, 15 Frauen in diesen Zellen. Es gab ein Klo und ein Waschbecken. Das war es. Am Anfang gab es auch definitiv nicht genug Matratzen für alle Frauen. Es gab auch nicht genug Periodenprodukte für alle Frauen. Wasser und Essen weiterhin noch nichts für alle anderen.
00:25:12 und einfach weiterhin warten, immer noch mehr Frauen reingebracht und so waren wir dann in diesen Zellen.
00:25:23 und haben so die nächsten Tage verbracht. Am nächsten Tag wurden wir wieder aufgerufen. Es wurde uns nie gesagt, wo wir sind, was wir machen, was als nächstes kommt. Irgendwann kam einfach jemand, der uns angeschrien hat, oft einfach auf Hebräisch, auch die ganze Nacht. Nichts von wegen uns schlafen lassen. Abends kam eine ganze Staffel mit Hunden.
00:25:49 mit Schildern, mit Gaskanistern, um uns zu zählen. 15 Frauen, die sich eh nicht bewegen können, die nichts besitzen, die stundenlang wach waren, nichts zu essen, nichts zu trinken hatten. Und um uns zu zählen, muss man zu siebt mit Hunden in eine Zelle kommen.
00:26:11 Und am nächsten Tag wurden wir wieder in einen Käfig gebracht. Da waren wir tatsächlich 57 Frauen in einem Käfig, der nach meiner Schätzung 15 Quadratmeter hatte.
00:26:20 In der Sonne. Und auch da wusste wieder niemand, was ist. Wenn wir verlangt haben, nach Sachen wie einer Toilette, wurden fünf Frauen mitgenommen und einfach in einen anderen Raum gesperrt, Tür abgesperrt, fertig. Das war dann eine andere Zelle, da war wohl eine Toilette drin, war aber immer auf unbestimmte Zeit einfach abgesperrt. So haben wir den ganzen Tag verharrt, bis wir irgendwann...
00:26:47 vor eine Richterin gesetzt wurden, von der ich nicht sagen kann, inwiefern diese Person eine Richterin war. Es wurde uns weiterhin verweigert, AnwältInnen zu sehen. Wir haben sehr oft danach gefragt. Weiterhin wurde allen Menschen, allen Frauen von uns, die nach Medikamenten gefragt haben, jegliche Medikamente verweigert. In diesem Käfig kam es auch zu dieser Situation, dass zwei, die unbedingt Medikamente gebraucht haben,
00:27:16 Dann mitgenommen wurden unter dem Vorwand, dass sie eine Ärztin oder einen Arzt sehen werden. Und dann irgendwann haben wir in diesem Käfig nur Schreie gehört. Einfach nur Schreie von unseren Kameradinnen, dass wir bitte leise sein sollen, dass sie gerade mies behandelt werden und dass sie gehört werden wollen. Wir sollen sie einfach nur hören, weil es ist das Einzige, was wir gerade machen können.
00:27:42 Und diese Schreie waren mehr als herzzerreißend. Und diese Kameradinnen kamen auch zurück, alle beide unter Tränen, weil ihnen gesagt wurde, sie werden jetzt eine Ärztin oder einen Arzt sehen und sie wurden eigentlich nur angeschrien. Ihnen wurde gesagt, sie verdienen diese Medikamente nicht und es geht ihnen eh gut. Und sie kamen zurück und es war danach alles sehr viel schlimmer als davor, geschweige denn medizinische Unterstützung.
00:28:11 Und wir mussten weiter so verharren in diesen Käfigen und wurden immer wieder abgezogen für diese Gerichtsverhandlungen, ohne Anwältinnen, ohne alles. Und danach ging es zurück in den Zellen. Weiterhin von uns in jeder Zelle war, glaube ich, jemand, der versucht hat, Medikamente für Kameradinnen zu bekommen, die uns weiterhin verweigert wurden. Entschuldigung.
00:28:47 Ich war auch persönlich im Hungerstreik, weil durch meine Erfahrung und durch jahrelanges Zuhören und mich damit auseinandersetzen, wie es PalästinenserInnen geht, ich überhaupt kein Vertrauen habe in irgendwas, was von diesem Militär kommt und ich da garantiert nichts essen möchte und auch ich kein Essen und kein Wasser annehmen möchte von denselben Menschen, die eine ganze Population absichtlich verhungern lassen.
00:29:17 Und wir waren sehr viele, die das gemacht haben.
00:29:22 Und so ging es dann weiter mit permanentem Lärm. Irgendwann haben sie den ganzen Tag einen Film abspielen lassen. Wir haben keine Dusche gehabt, wir hatten keinen Ausgang. Für unsere KameradInnen, die nicht mitkamen in diesen Käfig, gab es auch den ganzen Tag keinen Ausgang. Am nächsten Tag haben wir dann mitbekommen, wie manche Zellen einen Ausgang bekommen.
00:29:51 Aber es war auch permanent dieses Spiel mit jeglicher Bestrafung. Egal was war, es wurde uns quasi... Wir haben teilweise durch unser Gitter gesehen, dass die Medikamente, für die wir tagelang, nach denen wir tagelang gefragt haben, dastanden. Und es kamen WärterInnen zu uns herein und haben gesagt, sie waren jetzt bereit, uns das zu geben. Aber, und ich zitiere es, er saß da, er kam rein in unsere Zelle.
00:30:20 wo wir teilweise in Unterwäsche saßen, weil wir waren in der Wüste, es war heiß. Er hat gesagt, woman naked shame, like this you will not get what you ask for. Dafür, dass wir in unserer Zelle einen Pullover oder eine Hose ausgezogen haben, wurden uns wieder Medikamente verweigert als Bestrafung. Und so ging das weiter, ein weiterer Tag.
00:30:50 Permanent wurde uns irgendjemand angeschrien, wir haben unsere KameradInnen schreien gehört, Hilferufe weiterhin nach Medikamente, wie es ihnen schlecht geht, auch nach Periodenprodukten, weil Frauen bluten und Frauen haben ein Recht darauf, dass wir auch während unserer Periode unsere hygienischen Produkte bekommen.
00:31:13 Alles wurde uns eigentlich verweigert, es wurde sehr viel mit uns gespielt in diesem Sinne. Wir wussten nie, wo gehen unsere Kameradinnen hin, sie wurden rausgeholt, werden sie in Einzelhaft verfrachtet, werden sie verhört, haben sie das Recht auf eine Anwältin, haben sie das Recht auf ihr konsularisches Gespräch.
00:31:39 Ebenfalls Kameradinnen, gerade aus nicht-europäischen Ländern und Musliminnen, haben noch sehr, sehr viel weniger Kontakt zur Außenwelt erhalten und waren noch viel, viel besorgter darum, was mit ihnen passiert und ob sie für immer hier verharren müssen. Und so ging das weiter in dieser Unsicherheit bis zum letzten Tag, wo wir auch alle nochmal aufgerufen wurden für einen Doktorcheck. Es ging eigentlich...
00:32:09 Von Zelle zu Zelle mit Doktorcheck, mit einer Kameradin bei mir, die nicht ein einziges Mal ihre Medikamente für ihre Schilddrüse bekommen hat, einfach nur darauf gehofft hat, dass sie endlich ihre Medikamente bekommt und sie machen unsere Zelle auf und rufen fünf Kameradinnen raus und sagen zum Doktor und sie steht da in Tränen vor diesen Wächtern.
00:32:32 Und sagt, bitte, bitte, bitte, darf ich endlich einen Doktor sehen? Ich brauche diese Medikamente. Und sie hat genau gesagt, welches Medikament. Und sie hat es auch schon gesehen. Und sie hat es weiterhin nicht bekommen. Stattdessen hat man uns rausgezogen für einen Gesundheitscheck, der dann schlussendlich war, dass wir in einem Container gebracht wurden. Und es wurde ein Foto von uns gemacht und wir wurden wieder in eine Zelle abgeschoben. Und unsere Kameradin...
00:32:58 Die diverse Kameradinnen, aber meine in meiner Zelle, die weiterhin auf ihre Medikamente gewartet hat, wurde nicht beachtet.
00:33:08 Und am nächsten Tag wurden wir dann sehr früh geweckt, wieder in den Bus verfrachtet, Klimaanlage an, stundenlang, keine Toilette, gar nichts, bis wir dann an diesen Flughafen gebracht wurden und dann ging es nach Hause.
Zusammenfassung und Einordnung als Piraterie und Folter
00:33:4000:33:40 Nachdem Sophie jetzt viele dieser Erfahrungen, die mit ihr Teil schon so detailreich geschildert hat, wollte ich nochmal zusammenfassen und festhalten, diese illegale Entführung hat ungefähr 80 Seemeilen außerhalb der Küste Gazas stattgefunden, also weit draußen in internationalen Gewässern.
00:34:04 Wir waren und sind gewaltfrei, unbewaffnete Freiwillige, die nur humanitäre Hilfsmittel liefern wollten. Und eine solche gewaltvolle, bewaffnete, unter Gewaltandrohung durchgeführte Entführung entspricht eigentlich klassischer Piraterie.
00:34:28 Auch ich teile diese Erfahrung, dass wir, sobald wir dort, nachdem wir entführt wurden, verschleppt wurden, in das besetzte Palästina, wurden wir als Terroristen bezeichnet und auch so behandelt. Wir wurden stundenlange in Stresspositionen gezwungen.
00:34:51 Sogenannte Stresspositionen, das heißt schmerzhaft mit den Armen hinter dem Rücken gefesselt, sitzend, kniend. Teilweise wurden Menschen aufgefordert aufzustehen, nur damit sie dann wieder gewaltvoll auf den Boden gestoßen werden konnten. Es wurden offensichtlich rassifizierte Personen gezielt noch schlechter behandelt.
00:35:17 In diesem Immigration Center wurde unser ganzes Zeug weggenommen. Und in diesem Immigration Center hat auch ein Gespräch stattgefunden, das unser Freund Aschraf erleben musste. Er wurde von einer zivil gekleideten Person dort angesprochen. Es waren auch uniformierte Personen daneben.
00:35:43 Die zivilgekleidete Person hat Aschraf gefragt, woher er kommt. Er hat geantwortet, dass er aus Österreich kommt. Danach hat diese Person gefragt, nein, woher kommst du ursprünglich, weil Aschraf auch eine rassifizierte Person ist. Er wurde in Ägypten geboren und jedoch seine Heimat ist jetzt eindeutig Österreich. Er hat geantwortet, dass er in Ägypten geboren wurde.
00:36:13 Danach hat ihn diese Person gefragt, ob er gesehen hat, wie sie die Araber geschlachtet haben im Libanon, im Jemen und dass sie die Araber jetzt auch wieder schlachten werden und sie werden alle Araber schlachten. Danach hat diese Person Ashraf gefragt, ob er Kinder hat. Er hat geantwortet, ja, drei. Und die Person hat nur gesagt, pass auf sie auf.
00:36:40 Nach dieser Geschichte wurden wir alle wieder gefesselt, die Augen verbunden und in diese Gefangenentransporte gesetzt, wo wir stundenlang in Eiseskälte ausharren mussten, gefroren haben. Und als wir gerufen haben, um den PolizistInnen, WärterInnen zu sagen, dass es viel zu kalt ist, war die einzige Antwort Fuck Palästina.
00:37:11 Dieses Vorgehen erfüllt eindeutig den Tatbestand von Folter und die Definition von Folter. Ich war in einem Männertrakt untergebracht.
00:37:31 Auch uns wurden grundlegende Menschenrechte verweigert. Wir hatten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, obwohl es akute Notfälle gab. Es gab eine Person, die hatte einen asthmatischen Anfall, der nicht behandelt wurde. Wir hatten mehrere Personen, die Diabetiker waren, die keinen Zugang zu Insulin bekamen.
00:37:59 was lebensgefährlich ist?
00:38:03 Erst am dritten Tag, nachdem alle Männer in einen kollektiven Hungerstrag getreten sind, wurde eine medizinische Person zu uns gelassen und hat die akutesten Fälle behandelt. Jedoch gab es weiterhin viele Fälle, die Menschen, die sehr große Schmerzen hatten, die keinen Zugang hatten zu Medikamenten.
00:38:33 Wir hatten keinen Zugang zu einem täglichen Telefonanruf, das eigentlich unser Menschenrecht wäre. Wir durften nicht unsere Zellen verlassen. Unser Menschenrecht wäre, dass wir jeden Tag eine Stunde Ausgang haben in der frischen Luft.
00:38:54 Als wir am zweiten Tag lautstark nach Insulin gerufen haben und dass wir einen Doktor brauchen, war die Antwort eines Wärters, wir haben keinen Doktor für Tiere. Es wurde teilweise durch die Gefängnisgitter mit Maschinenpistolen und Shotguns auf uns gezielt, random, zum Spaß.
00:39:22 Die Zellen waren auch ständig überfüllt. Somit wurde auch unser Menschenrecht missachtet, nachdem festgeschrieben ist, wie viel Platz einer Person in Gefangenschaft zusteht.
00:39:38 Doch alles das, was uns passiert ist, ist lange, lange nicht so schlimm, als das, was PalästinenserInnen jeden Tag angetan wird. In diesen israelischen Folterknesten sind derzeit 10.000 PalästinenserInnen eingesperrt, davon 400 Kinder. Es gibt Berichte, dass die dort schwerer Folter ausgesetzt sind,
00:40:08 Vergewaltigungen ausgesetzt sind und ich kann mir ehrlich gesagt gar nicht ausmalen, wie schlimm es für die dort sein muss, wenn wir
00:40:19 Viele von uns haben weiße Privilegien, viele von uns haben sehr starke internationale Reisepässe und wir wurden trotzdem so schlecht behandelt. Da kann ich mir schwer ausmalen, wie brutal die PalästinenserInnen dort behandelt werden, die so entmenschlicht werden von dieser zionistischen Propaganda.
00:40:47 fast 80 Jahren als indigene Bevölkerung aus diesem Land vertrieben und ermordet werden. Für die österreichische Regierung hat Israel anscheinend einen Freifahrtschein. Jedes Verbrechen kann Israel ohne jegliche Konsequenzen begehen.
Kritik an Österreichs Politik und Forderungen
00:41:1600:41:16 Egal ob es anscheinend, egal ob es Verbrechen an den PalästinenserInnen oder an den eigenen StaatsbürgerInnen, den ÖsterreichInnen oder Verbrechen an der Menschheit allgemein sind. Österreich schweigt weiter und gibt der israelischen Regierung weiterhin Rückendeckung.
00:41:34 Beate Meinl-Reisinger bezeichnet die israelische Regierung weiter als Freund und spricht einfach nur von besorgniserregenden humanitären Lage in Gaza. Damit macht sie sich eindeutig mitschuldig an diesem Genozid. Österreich nennt sich ja bekanntlich eine Demokratie, aber die Menschen in Österreich wollen keinen Völkermord unterstützen.
00:42:01 Die Regierung stellt sich somit eindeutig gegen den Willen der Bevölkerung. Die österreichische Regierung vertritt nicht die Bevölkerung in dieser Frage und zeigt ganz klar, dass ihr Geld und Macht deutlich wichtiger sind als Demokratie, Menschenrechte und das Völkerrecht. Das muss sofort enden.
00:42:25 Was es jetzt braucht, ist Verantwortungsübernahme. Das bedeutet ein sofortiges Ende von Handels-, akademischen und diplomatischen Beziehungen mit diesem Terrorstaat. Das bedeutet, endlich Sanktionen gegen Israel einzuführen, von nationaler Ebene, aber auch endlich für Sanktionen auf EU und UN und anderen internationalen Ebenen zu stimmen.
00:42:55 Und es braucht rechtliche Konsequenzen für alle Regierungen und alle Firmen, die diesen Völkermord unterstützen. Wir Menschen müssen auch weiter Verantwortung übernehmen. Wir müssen zeigen, dass unsere Regierung nicht in unserem Namen handelt, wenn sie sich zu Mittätern in diesem Genozid machen. Wir müssen dort handeln, wo unsere Regierungen versagen.
00:43:23 Die zionistische Besatzungsmacht hat versucht, uns als Terroristinnen darzustellen. Aber die Menschen wissen, wer die wahren Kriminellen sind. Es sind nicht die indigene Bevölkerung in Palästina, nicht die Menschen in Gaza und auch nicht die Menschen im Westjordanland. Es sind nicht die Menschen, die friedlich mit Nahrung oder Medizin siegeln. Die wahren Kriminellen sitzen in Vorstandspositionen, in Villen und Palästen und auf Regierungsbänken.
00:43:52 Die wahren Kriminellen sind Menschen wie der Kriegsverbrecher Netanyahu, seine Regierung und sein Militär, Donald Trump, Friedrich Merz, Christian Stocker und Beate Meinl-Reisinger. Und die Überreichen, dessen Interessen sie vertreten. Und ich hoffe, dass alle diese Menschen sich einmal dafür verantworten müssen. Eins steht fest, die Menschen weltweit werden nicht aufhören, für Gerechtigkeit zu kämpfen.
00:44:22 Denn wir haben noch Mitgefühl, wir haben noch Menschlichkeit. Und das ist alles, was es braucht, um zu verstehen, dass wir alles tun müssen, um für Befreiung und Gerechtigkeit zu kämpfen. Denn keiner ist frei, solange nicht alle frei sind. Als Angehörige von Julie Schütter darf ich hier heute in Vertretung aller anderen Angehörigen sprechen. Und kurz gesagt, wir sind sehr wütend und enttäuscht.
Perspektive der Angehörigen: Versagen der österreichischen Regierung
00:44:5900:45:00 Wenn man hilflos mitverfolgen muss, wie geliebte Menschen von der israelischen Armee überfallen und entführt werden, dann kann man das, glaube ich, zu Recht als Albtraum bezeichnen. Nach der Entführung hatten wir stundenlang keine Ahnung, was mit ihnen passiert war und wir wussten auch nicht, ob sie überhaupt noch am Leben waren.
00:45:21 Tagelang gab es keinerlei direkten Kontakt, kein Anruf, keine Info, wie es den vier Österreicherinnen überhaupt geht und vor allem kein Schutz und keinerlei Unterstützung von der eigenen Regierung. Wir haben das Außenministerium kontaktiert, bei der Botschaft angerufen, E-Mails geschrieben und Presseerklärungen veröffentlicht. Und was hatten wir davon? Wir wurden ignoriert, vertröstet oder verhöhnt.
00:45:45 In den ersten Tagen haben wir nur durch die Anwältinnen, die auch erst sehr spät Zugang zu den verschleppten Aktivistinnen erhalten haben, irgendwelche allgemeinen Informationen bekommen. Und die waren zum Teil wirklich schrecklich. Es wurde von Folter berichtet, von Essens- und Wasserentzug, von Demütigung und Entmenschlichung. Gleichzeitig mussten wir uns israelische Propagandavideos anschauen, in denen ein israelischer Minister die entführten Menschen, darunter unsere Freundinnen und Familienmitglieder, als Terroristinnen beschimpfte.
00:46:16 Und was hat unsere Außenministerin gemacht? Sie hat ein Video aufgenommen, in dem sie sich zuerst minutenlang darüber beschwert, dass wir die Notfall-Hotline bewusst lahmgelegt hätten, um danach noch zu behaupten, dass die österreichischen Aktivistinnen mittlerweile sicher in Israel an Land seien. Währenddessen wurden Julie, Sophie, Aschraf und Erol im israelischen Gefängnis gefoltert.
00:46:42 Wie sicher waren sie denn, als sie stundenlang mit zusammengebundenen Händen am Boden knien mussten? Wie sicher waren sie denn, als man ihnen Wasser verweigert und kein Essen gegeben hat? Wie sicher waren sie denn, als Israel sie tagelang wie TerroristInnen behandelt und misshandelt hat?
00:46:59 Ich habe in den letzten Tagen ehrlicherweise meinen Glauben an die österreichischen Behörden verloren. Sie wären mehr als in der Lage gewesen, sich auf den Überfall Israels vorzubereiten. Sie wussten, dass die Möglichkeit besteht, dass so etwas passiert. Und sie wurden auch sofort informiert, als es passiert ist.
00:47:16 Dass sich das Außenministerium nicht auf diesen ernstvoll vorbereitet hat und dass danach nur reagiert wurde, weil wir Angehörigen und das Organisationsteam so viel Druck ausgeübt haben, zeigt mir, dass der Schutz der vier Österreicherinnen nicht nur keine Priorität hatte, sondern der österreichischen Regierung anscheinend einfach egal war.
00:47:37 Wenn österreichische StaatsbürgerInnen im Ausland entführt und illegal festgehalten werden, dann ist das eine Frage des Schutzes unserer Grundrechte. Wir fordern deswegen eine lückenlose Aufklärung, diplomatische Konsequenzen und den Schutz aller Menschen, nicht nur jener, die Beate Meinl-Reisinger als würdig ansieht. Das erste Lebenszeichen, das ich von Juli bekommen habe, war übrigens, als er mich am Montagabend angerufen hat. Da war er allerdings schon wieder in Athen und in Sicherheit.
00:48:08 Dass Julie, Sophie, Aschloff und Erol jetzt wieder sicher und in Freiheit sind, ist nicht wegen der österreichischen Regierung passiert, sondern trotz der österreichischen Regierung. Und dafür sollten sich unsere politischen VertreterInnen wirklich schämen. Was wir in den letzten Minuten gehört haben, waren Geschichten von Zivilcourage und Geschichten von Totalversagen von Regierungen Österreichs wie auch weltweit.
Appell zur Erinnerungskultur und sofortiges Handeln
00:48:4200:48:42 Mir ist unbegreiflich, wie Österreich ein Land, welches selber an einem brutalen Völkermord nicht nur maßgeblich beteiligt war, sondern auch noch sich selbst daran bereichert hat. Ein Land, welches sich immer wieder schwört, nie wieder, weiterhin praktisch geschlossen auf der Seite von Völkermord steht.
00:49:01 Ich will mit niemandem darüber diskutieren, ob es ein Völkermord, eine ethnische Säuberung, ein Krieg voller Menschenrechts- und Völkerrechtsmissachtungen und Verletzungen oder gar nur Selbstverteidigung Israels ist. Es geht nicht darum, wie wir es nennen, auch wenn sich führende Expertinnen und auch mittlerweile die UN, wie wir gehört haben, einig sind, dass es sich um einen Völkermord handelt, die Tatbestände und die Absicht erfüllt sind, sondern dass wir endlich etwas dagegen tun.
00:49:33 Österreich hat eine Pflicht, wie wir vorhin auch schon gehört haben. Wir haben die Genozidkonvention 1948 unterzeichnet und uns damit verpflichtet, dass so ein schreckliches Verbrechen an der Menschheit nie wieder passieren wird. Auch nur beim Verdacht auf einen Völkermord – und ich würde behaupten, mit all den Tatbeständen, die wir gehört haben, ist dieser mehr als erfüllt – sind wir verpflichtet, sofort zu handeln und alles Mögliche zu tun, um diesen oder Schlimmeres zu verhindern.
00:50:01 Die EU hat ebenfalls eine Pflicht, und zwar zum Beispiel EU-Assoziierungsabkommen mit Ländern auszusetzen, welche Menschenrechte missachten. Und trotzdem setzt sich der außenpolitische Sprecher der NEOS, Veit Dengler, in die Talkshow Pro und Contra und sagt praktisch, es wäre gerade wichtiger, politische Entscheidungen zu treffen, als geltendes Recht zu beachten.
00:50:23 Jeden Tag leiden die Palästinenserinnen unter Hunger, Raketenangriffen, ständigem Beschuss, Annexion. Mal abgesehen davon, dass sie praktisch keine Heimat mehr besitzen, alles was nicht zerbombt wird, wird ihnen durch brutale Siedlerbewegungen genommen und unsere Politik und Medienlandschaft, welche sich zu Niewida verpflichtet hat, verspottet, leugnet und verdreht diesen Völkermord an dem palästinensischen Volk. Haben wir gar nichts an unserer eigenen Geschichte gelernt?
00:50:53 Haben wir keinen Funken Menschlichkeit und helfen Zivilistinnen, besonders Kindern, Kleinkindern, welche jeden Tag durch Scharfschützen, durch gezielte Kopfschüsse ermordet werden?
00:51:06 Nach Schätzungen Israels sind 84 Prozent der getöteten Palästinenserinnen im Gazastreifen seit dem Oktober 2023 Zivilbevölkerung. Um diese Zahl mal in Relation zu stellen, die alliierten Kräfte haben im gesamten Zweiten Weltkrieg inklusive zwei Atombomben in Japan, die auf Zivilbevölkerung abgeworfen wurden, maximal 30 Prozent Zivilopfer. Die Nazi-Kräfte während dem gesamten Zweiten Weltkrieg inklusive 11 Millionen Holocaust-Opfern nur...
00:51:35 Nur. 65 Prozent. Und trotzdem behaupten ranghohe Politikerinnen und sämtliche Medien in Österreich, nach wie vor, Israel würde sich ja nur selbst verteidigen. Schämt ihr euch nicht? Habt ihr kein bisschen Empathie in euch? Keine Menschlichkeit?
00:51:56 Ich habe seit ich Teil dieser Bewegung werden durfte, so unfassbar viel Menschlichkeit erfahren und Menschen kennengelernt, welche ihr Leben pausiert haben, um sich auf ein Schiff zu setzen, mit keinem Gewissen darüber, was sie erwarten wird. Nur um potenziell helfen zu können. Das, was unsere Regierung nicht schafft, nein, was sie nicht will. Wir blockieren lieber alles, was möglich ist. Egal ob einen Waffenstillstand mit unserem Veto, bereits zweimal.
00:52:23 Oder die Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens. Oder die Hilfe, welche die rechtliche Pflicht unseres Außenministeriums unter Beate Meinl-Reisiger ist, für vier österreichische Staatsbürgerinnen, welche von Israel illegal auf internationalen Gewässern gestoppt, gewaltsam entführt, schikaniert, für Ben Quirs persönliche Befriedigung als Terroristen bezeichnet und verspottet und dann auch so behandelt wurden.
00:52:47 In einem Foltergefängnis, wo so gut wie jedes Jahr Berichte erscheinen, welche von Menschenrechtsverletzungen nur so triefen. Folter, Misshandlung, schwere Gewalt, Vergewaltigung und Mord. Alles durch Gefängniswerte Israels, welche damit einfach davon kommen, obwohl es sowohl durch Überwachungskameras und Zeugenaussagen dokumentiert wurde. Werden diese nicht bestraft. Sie werden für fünf Tage misshandelt, haben keinen Zugang zu Medikamenten, Nahrung, Hygiene und kriegen nur wenige Milliliter Wasser am Tag.
00:53:20 Währenddessen haben Länder wie die Türkei, Irland und Belgien unmittelbar, als die Schiffe illegalerweise in internationalen Gewässern gestoppt und entführt wurden, sofort ihre israelischen Botschafter zu sich zitiert. Den israelischen Botschafter ins Außenministerium, sie stellen Strafanzeigen an Israel, üben öffentlichen Druck aus, egal ob in Medien- oder Pressekonferenzen. Und was hat Österreich währenddessen gemacht?
00:53:44 Über 14 Stunden hat es gedauert, bis überhaupt die Bestätigung geben konnte. Aber das, wie wir vorhin gehört haben, auch nur wegen uns. Weil wir angerufen haben, weil wir mobilisiert haben, weil die Angehörigen sich die ganze Nacht lang bei der Notfallnummer des Callcenters des Außenministeriums gemeldet haben. Dann haben wir erst erfahren, sie sind ja auch am Leben. Über 24 Stunden gab es keinen Kontakt zu den Angehörigen und auch nicht zu den Entführten vor Ort.
00:54:17 Dann hieß es, es geht allen gut. Wie wir gerade gehört haben, war das nicht der Fall. Es war gelogen. Wie geht es jemandem gut, dem über 25 Stunden Wasser verwehrt wird, der 14 Stunden lang mit Händen hinter dem Rücken gefesselt, mit Kabelbindern, mitten in der Nacht auf dem Boden im Freinknie muss, nur damit Ben Quir vorbeikommen kann und sie verspotten kann.
00:54:42 der kaum bekleidet mehrere Stunden in einem unter 10 Grad gekühlten Gefangenentransporter eingesperrt wird, der fünf Tage lang kaum Zugang zu Wasser, keinen zu Hygiene, Nahrung und Medikamenten hat, der in einem Foltergefängnis für Terroristen rechtswidrig festgehalten wird. Und das alles ist übrigens vielleicht ein Zehntel des Leides, welches die palästinensische Bevölkerung nicht erst seit 2023, sondern seit über 77 Jahren erträgt. In diesen Gefängnissen sind, wie wir vorhin schon gehört haben,
00:55:10 zu diesem Zeitpunkt ca. 10.000 Palästinenserinnen und darunter 400 Kinder eingesperrt.
Rassismus in Politik und Gesellschaft
00:55:1700:55:17 Der Witz daran ist aber, dass es selbst unter all diesen Umständen weder eine Reaktion unserer Medien noch unserer Politik keinem einzigen Nationalratsabgeordneten gibt. Nicht einmal in einer Talkshow im ORF 2, das Gespräch, wo es um Gaza geht, findet dieses Thema Raum. Stattdessen kann dort Sobotka auf seinem Tablet Fotos herzeigen und wird nicht einmal interveniert von der Moderatorin. Ich glaube, ich spreche für...
00:55:48 Viele, und damit meine ich nicht nur junge, sondern hauptsächlich eine Gruppe Menschen, und zwar menschliche. Wenn ich sage, ich glaube, die Welt steht Kopf, wir leben in einer Simulation, das kann alles nicht echt sein. Wie kann das, was wir gerade gehört haben, unsere Normalität sein? Wie können wir so tun, als wäre das alles vollkommen okay und nicht unfassbar beängstigend? Spürt ihr euch überhaupt noch?
00:56:16 Aber das wirklich Ekelhafteste an der ganzen Geschichte kommt erst noch. Nämlich die tatsächliche Reaktion unserer Außenministerin. Ein Instagram-Video, auf dem Handy aufgenommen, ungeschnitten, als Statement. Man solle nicht die Notfaleitungen lahmlegen, falls es echte Notfälle gibt. Und es gibt ja eine Reisewarnung nach Gaza. Den Rest von dieser Provokation erspare ich Ihnen allen.
00:56:41 Nicht ein Andreas Babler, kein Christian Stocker, keine Leonore Gewessler und von der FPÖ brauche ich ja wohl gar nicht erst anfangen, hat überhaupt ein Wort zu irgendetwas, was in den letzten Tagen passiert ist, gefunden. Dass man pensionierte Korruptionsexperten der ÖVP in Talkshows schickt, aber gleichzeitig selbst kein einziges Wort verlieren kann, ist eine Farce.
00:57:01 Ständig sind wir in rassistischen Debatten verstrickt, welche in unserer Politik und Medienwelt ebenfalls völlig normalisiert sind. Setzen asylwidrige Strafen für Geflüchtete durch. Ein Kopftuchverbot für Mädchen mit dem Argument, ihnen Freiheit zu geben von den Vorschriften, was sie tragen sollen. Habt ihr das gerade richtig gehört? Wir schreiben Mädchen vor, was sie tragen sollen, um sie von der Vorschrift zu befreien, was sie tragen sollen. Merkt ihr eigentlich nicht, wie rassistisch und diskriminierend und widersprüchlich ihr damit seid? Erst vorgestern
00:57:35 haben einige Leute des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten getagt, darunter auch Bildungsminister Christoph Wiederkehr. Ich zitiere, Antisemitismus hat weder in unseren Schulen noch sonst irgendwo in Österreich Platz. Wenn jüdische Schülerinnen und Schüler gemobbt werden, müssen Lehrkräfte sofort reagieren und sich schützend an ihrer Seite stellen. Dafür stellen wir konkrete Unterstützungsmaßnahmen wie Fortbildung und Lehrmaterial bereit. Unser Ziel ist klar, alle Schülerinnen und Schüler müssen sich in unseren Schulen sicher fühlen, ohne Diskriminierung.
00:58:04 ohne Antisemitismus. Merken Sie den Widerspruch, Herr Wiederkehr? Ohne Diskriminierung? Wovon haben wir gerade gesprochen?
00:58:15 Dieser Rassismus geht sogar so weit, dass man als konservative, patriotische Partei nicht mal darüber sprechen will, dass vier österreichische Staatsbürgerinnen gekidnappt wurden, wie zum Beispiel ÖVP-Abgeordneter Andreas Minnig, der das Thema gestern im Außenpolitischen Ausschuss mit, dass es ja eine Reiserarnung gibt und die Hotline vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten nur für Notfälle geeignet ist und damit abgewunken hat und keine Antwort stellen wollte zu den vier österreichischen Staatsbürgerinnen.
Kritik an Politikern und Great Replacement Theory
00:58:4400:58:44 welche von Israel illegal entführt wurden. Das haben wir ja vorhin schon mal von Beate Meinl-Reisinger gehört. Diese Aussage zeugt davon, dass sie entweder keine Ahnung davon haben, dass die illegale Entführung nicht in Gaza, sondern in internationalen Gewässern stattgefunden hat, womit Israel mehrere internationale Gesetze, Protokolle und das Völkerrecht selbst gebrochen hat. Und es sich bei einem Foltergefängnis tatsächlich um einen Notfall handelt. Oder sie lügen einfach vollkommen bewusst und ungeniert.
00:59:13 Eigentlich würde ich sagen, ist beides typisch für die ÖVP, aber jede andere Partei in Österreich handelt genauso. Ihr seid alle gleich. Merz sagt in Deutschland, Israel macht die Drecksarbeit für uns und es ist offensichtlich, was er damit meint. Die Auslöschung der palästinensischen und wer weiß, vielleicht sogar der gesamten arabischen Bevölkerung im Nahen Osten.
00:59:33 Philipp Hermann Engel, Chefredakteur der jüdischen Allgemeinen, schreibt in seiner eigenen Zeitung völlig überzeugt von der populären Verschwörungstheorie, welche aus dem rechtsextremen Lager stammt. The Great Replacement Theory, welche besagt, dass die arabische Bevölkerung bis 2050 die ganze Welt aufgrund höherer Geburtenraten einnehmen wird und den Westen stürzt.
00:59:54 Wie können wir in einer Welt leben, wo solche rassistischen Verschwörungstheorien nicht nur staatlich gefördert werden, sondern einfach hingenommen und in der Allgemeinheit salonfähig gemacht werden? Hauptsache man spricht nicht über das Leid der Palästinenserinnen, denn sonst wird man im ORF als Hamas, Antisemit, Terrorist, Extremist oder Judenhasser bezeichnet.
01:00:16 Der Diskurs in unserer Gesellschaft ist so kaputt wie nie zuvor. Die Faschisten sind an der Macht und kriegen immer mehr Zuspruch. Die Armut wird auch hierzulande immer größer und selbst eine soziale Partei, wie sie sich selbst nennt, bricht alle ihre Wahlversprechen. Macht das Leben der Menschen noch teurer und zieht den Reichsten der Reichsten, die sowieso immer reicher werden, ohne dafür auch nur einen Finger rühren zu müssen, keinen einzigen Cent steuern ab. Die Schere von Arm zu Reich wird immer weiter geöffnet.
Finanzielle Interessen und globale Ausbeutung
01:00:4401:00:44 und gleichzeitig öffnet sich auch die Schere zwischen Menschen und Unmenschen. Israel, die USA, Deutschland und vermutlich auch Österreich haben ein finanzielles Interesse an einem Völkermord und prahlen damit auch öffentlich.
01:00:59 Ich zitiere, es gibt einen Geschäftsplan, der von den professionellsten Leuten ausgearbeitet wurde, der auf dem Tisch von US-Präsident Donald Trump liegt. Wir haben die Abrissphase abgeschlossen, jetzt müssen wir bauen. Es ist viel billiger. Der Gazastreifen ist eine Immobiliengruppe. Smotrich, Finanzminister Israels, September 2025. Wenn wir von Terroristen sprechen, warum dann nicht von so einem Menschen wie ihm oder Ben Guir?
01:01:27 Netanyahu von Israels Regierung oder auch der ganzen USA. Weil wir uns aussuchen, wer ein Terrorist ist in unserem rassistischen Weltbild. Sonst würde Innenminister Kana ja auch nicht vor wenigen Wochen erst in Wien die Taliban empfangen und mit ihnen am Verhandlungstisch sitzen. Alles, was uns nützt, ist okay. Vor allem, wenn es um Geld und Macht geht. Aber alles, was das nicht tut oder dieses gefährdet, wird als Terrorist abgestempelt.
01:01:54 Wir unterstützen das alles nicht nur, wir sind ein Teil davon. Wir profitieren tagtäglich, genießen unseren Luxus tagtäglich und schlafen tagtäglich ruhig ein, weil dafür andere Menschen auf der Welt das alles nie erleben werden, was wir als Alltag bezeichnen. Sie kennen nur Krieg, Zerstörung und Verlust. Unser Wohlstand basiert auf dem unerklärbaren Leid von Menschen wie denen im Gazastreifen. Egal ob auch in Afghanistan, im Iran, Sudan, Somalia, Kongo und so weiter.
01:02:25 Das zumindest zu erkennen und alles in seiner Macht Stehende zu tun, um dagegen vorzugehen, das ist alles, was Aschraf, Erol, Sophie und Julie, wir alle, alle Menschen an Bord der Global Sumut Flutilla und so viele mehr wollen. Und es ist für mich nicht verständlich, wie wir dafür nicht nur verurteilt und angefeindet werden, sondern die Gegenseite denkt, sie hätte dabei den moralischen Triumph.
Appell an globale Vernetzung und Menschlichkeit
01:02:5201:02:52 Menschlichkeit wird siegen, weil Menschen anfangen werden zu verstehen, was unser Lifestyle der Welt eigentlich kostet. Daran glaube ich ganz fest. Die Welt schaut zu, wir alle haben Smartphones, wir sind alle vernetzt, wir haben das Internet und können in Sekunden die gesamte Welt beobachten und sehen, was dort vor sich geht. Die Welt wird sich merken, wer nicht gehandelt hat, wer davon profitiert hat, wer auf der richtigen Seite der Geschichte stand und wer nicht. Mal wieder. Bitte seid Menschen.
01:03:23 Ich möchte jetzt noch kurz einwerfen, dass gerade in dieser Nacht von gestern auf heute weitere elf Boote von anderen Missionen, der Freedom Flotilla Coalition und den 1,000 mit links zu Gaza, ebenfalls in internationalen Gewässern auf dieselbe Art und Weise von israelischen Streitkräften gewaltsam, völkerrechtswidrig, illegal und ohne rechtliche Grundlage überfallen und entführt wurden und ihnen wahrscheinlich dasselbe Schicksal bevorsteht wie den bereits rückgekehrten Personen der Global Summa Flotilla.
Weitere Angriffe auf Hilfsmissionen und Medienversagen
01:03:5301:03:53 Weiterhin sind auch noch Leute, die auf dieser Mission waren, heute noch im selben Folterknast, wo Julie, Ashraf, Sophie und Erol auch gefangen gehalten wurden. Alles, was Israel in diesem Zusammenhang tut, ist illegal und wird ihnen aber einfach so gewährt. Unter anderem auch von Österreich.
01:04:13 Sprecht darüber. Besonders die Medien. Es ist ein Zeichen dafür, wie wenige von Ihnen heute hier sind in dieser Pressekonferenz. Wir danken trotzdem fürs Erscheinen. Aber die österreichische Medienlandschaft ist auch ganz klar ein Komplize in dieser Sache. Es fehlt an Menschlichkeit und es fehlt an Initiative. Es werden Pressemitteilungen von der APA abgeschrieben, die den israelischen X-Account des Foreign Ministeries zitieren, welcher Lügen über britische Politiker nur für potenzielle Erzählstränge
01:04:40 dass die Global Summit von Hamas finanziert oder Zusammenhang hätte, erstellt werden. Diese werden einfach ohne Recherche, Faktencheck oder Gegenargumente übernommen und in allen großen Medien in Österreich kommentarlos verbreitet. Und selbst wenn man diese darauf mehrfach hinweist, was wir getan haben, wird es nicht geändert. Und eine Sache noch zum Schluss. Vergesst nie, das Volk hat die Macht.
01:05:05 Wir haben diese Menschen, die uns vertreten sollen, gewählt. Wenn sie nicht in unserem Interesse handeln, sind sie keine Vertreterin von uns, sondern nur Machthunger. Steht endlich auf. Italien hat gezeigt, wie es funktioniert. Geht auf die Straße, steht für euer Recht einzudemonstrieren und zu protestieren. Denn das sind unsere Rechte. Und wir sind keine Komplizen der Politik, die einen Völkermord unterstützt, finanziert, leugnet und einfach passieren lässt.
01:05:32 Wir arbeiten nicht für die Politik, sondern die Politik für uns, für das Volk. Danke für Ihre Aufmerksamkeit. Wir werden für Fragen noch offen sein und einzelne Teilnehmer und Teilnehmerinnen stehen noch für Interviews zur Frage.
Fragen zur Haftdauer und Hilfslieferungen
01:05:5601:05:56 Martin Hansa, Austria Presseagentur. Eine Frage an die zwei Personen, die festgehalten wurden in Israel. Wie lang wurden sie dort festgehalten, also wie viele Tage genau? Und die zweite Frage gleich, was passiert, was ist mit den Hilfslieferungen passiert? Wie viele haben sie da mitgehabt, alle Schiffe zusammen und wissen Sie, was daraus wurde? Danke für die Frage.
01:06:31 Wir wurden über 100 Stunden im besetzten Palästina festgenommen und festgehalten. Das entspricht auch, das ist sogar gegen israelisches Recht. Laut israelischem Recht dürften wir nur 72 Stunden festgehalten werden mit den Vorwürfen, die gegen uns gemacht werden, die nicht haltbar sind. Trotzdem wurden wir auch länger als das festgehalten.
01:07:01 etwas mehr als 100 Stunden, also knapp fünf Tage. Und die Hilfslieferungen, die sich auf den Booten befanden, wurden genauso wie die Boote gestohlen von der zionistischen Entität und wir wissen nicht, was damit passiert.
01:07:34 Israel, das wir als zionistischer Entität hier bezeichnen, hat gesagt, dass sich gerade einmal zwei Tonnen an Hilfsgütern befunden hätten auf diesen circa 50 Booten. Das ist circa ein Bruchteil dessen, nämlich ein Zehntel von dem, was ein einziger Hilfstrakt täglich liefert, nämlich 20 Tonnen. Und es gehen täglich 300 solcher Hilfstrakt in den Gazastreifen. Das heißt, die Frage ist, hatte das überhaupt eine entscheidende humanitäre Absicht, die ganze Aktion, wenn täglich ein Vielfaches von dem in den Gazastreifen kommt?
Kritik an Israels Blockade und der Rolle der USA
01:08:0301:08:03 Und warum haben Sie nicht die Möglichkeit genutzt, das vorher schon auf legalem Weg in den Gazastreifen zu bringen? Das Angebot hat ja bestanden. Das heißt, das war von Anfang an ohnehin nur eine Propagandaaktion.
01:08:21 Ich weiß nicht auswendig genau, wie viele Tonnen Hilfsmitteln auf den Booten sich befunden haben. Ich weiß auch nicht, woher Sie diese Zahl haben. Es ist richtig, dass die Hilfslieferungen auf unseren Booten nicht genug sind, um alle Menschen, alle hungernden Menschen in Gaza zu versorgen. Der Plan unserer Mission war auch mit dieser ersten Mission.
01:08:50 die Blockade zu brechen, einen humanitären Korridor zu öffnen, damit mehr Hilfslieferungen in den Gazastreifen kommen können. Es ist falsch, dass Hilfslieferungen in den Gazastreifen gelassen werden. Es ist richtig, dass die Grenzübergänge geschlossen sind, blockiert werden und kilometerlang
01:09:14 LKWs mit Hilfslieferungen, zum Beispiel vor dem Grenzübergang Rafa in der Wüste Sinai verrotten.
01:09:38 Das, was die eigentliche Propaganda hier ist, ist, dass Israel sich selbst verteidigt, wenn sie eigentlich ein ganzes Volk versuchen auszulöschen, systematisch. Das ist die Propaganda. Das, was bei der Global Summit Flotilla passiert ist, das waren Menschen, die aufstehen, die nicht wegschauen, wenn ein Völkermord passiert. Und die Aufgabe von Regierungen und auch von der österreichischen Regierung wäre ja, diesen humanitären Korridor zu öffnen, Hilfslieferungen nach Gaza zu bringen.
01:10:05 Und jetzt, weil sie ihrer Verantwortung nicht nachkommen, springen Menschen ein. Das ist nichts, was man den Menschen der Globus Humboldt vorwerfen kann, das ist etwas, was man der österreichischen Regierung vorwerfen muss.
01:10:20 Zu diesem Angebot Israel, sie würden unsere Hilfsmittel aufnehmen und in Gaza verteilen. Das ist halt komplett hiernrissig, weil Israel der Grund ist, wieso keine Hilfslieferungen nach Gaza kommen. Wieso sollten wir ihnen vertrauen, dass sie unsere Hilfsmittel dann auf einmal liefern? Außerdem sind die Verteilstellen in Gaza, an denen anscheinend ein paar Hilfslieferungen verteilt werden, Tötungsfallen, an denen auf hungernden Menschen geschossen.
01:10:50 wird und wir liefern sicher nicht dieser brutale Entität weiteres Futter für ihre Tötungsfallen.
01:11:01 Ich würde ebenfalls noch kurz ergänzen, um die Umstände zu erläutern, weil Israel nicht diese Hilfslieferungen selbst ausliefert, sondern das macht eine US-amerikanische Söldnereinheit, die Gaza Humanitarian Foundation, welche das an verschiedenen Verteilpunkten und Verteilstellen regelt. Die sind bekannt dafür und das haben sogar österreichische Medien mittlerweile bestätigt, aber auch international natürlich.
01:11:25 dass sie bei diesen Ausgabestellen, nachdem sie die Leute absichtlich Wochen bis Monate lang hungern lassen haben und sich die dann dort sammeln, gezielter schießen. Dafür gibt es mehrere Berichte.
01:11:37 Ebenfalls mag sein, dass es vielleicht in Wellen immer mal wieder mehr Hilfsmittel reingelassen werden, aber generell ist es einfach unzureichend. Die UN schreibt davon, dass über 60.000 Tonnen pro Woche notwendig sind. Und das umfasst nicht nur Nahrung, sondern das umfasst auch medizinische Versorgung, natürlich auch Wasser, was ja in dem Fall auch zur Nahrung dazu fällt. Und ich persönlich möchte dazu sagen, weil es für mich nach Pro und Contra, wo ich ja gegen unter anderem Veit Dengler angetreten bin, mit ihm noch ein...
01:12:06 Gespräch darüber war, wo er meinte, er kenne den Chef von der Gaza Humanitarian Foundation und die liefern jetzt gerade 150 Millionen Nahrungspakete. Dann habe ich ihn gefragt, was sind diese Nahrungspakete? Also was definiert das? Ja, es ist eine Mahlzeit, eine Tagesration. Das umfasst ja dann nur Nahrung.
01:12:22 Wenn man von einer Tagesration ausgeht, kann man sich das auch gut ausrechnen, wenn es 150 Millionen sind. Das entspricht, sagen wir mal, 600, 700 Gramm pro Portion. Wenn man das dann runterrechnet, wie viel das in Tonnen wäre, dann kommen wir knapp über 60.000 Tonnen. Ich habe ihn, nachdem ich das durchgerechnet habe, vor seinen Augen gefragt, für was für einen Zeitraum ist das gedacht? Die Antwort war vier Monate.
Zum Angriff auf Israel am 7. Oktober und systemischer Kritik
01:12:5401:12:54 Nachdem ja gestern der Jahrestag des Angriffs und des Startes des Krieges war, würde mich interessieren, wie Sie diesen Angriff von radikal-islamistischen Gruppen auf Israel auf einem Festival beurteilen. Sie sprechen immer vom Völkermord seitens Israel. Würden Sie sagen, auch die Hamas und ähnliche Gruppen haben das damals zumindest auf jeden Fall begangen? Oder sehen Sie das nicht so? Danke.
01:13:25 Dass die Hamas vor zwei Jahren ZivilistInnen getötet hat, verschleppt hat, vergewaltigt hat, ist auf jeden Fall falsch, weil es ist immer falsch, ZivilistInnen zu töten. Aber wenn wir das verurteilen, wieso schafft es die österreichische Regierung und die österreichische Medienlandschaft nicht, einen aktiv begangenen Völkermord zu verurteilen? Wieso?
01:13:51 wird ein einzelnes Event verurteilt, aber nicht der Völkermord, der seit zwei Jahren vonstatten geht und die Belagerung und Besatzung Gazas, die schon seit 77 Jahren steht. Julie hat gestern, finde ich ganz passend gesagt, in Gaza ist jeden Tag der 7. Oktober. Ich würde das auch gerne noch mal kurz ausführen.
01:14:25 Laut aktuellen Schätzungen sind mittlerweile über 650.000 Menschen in Gaza ermordet worden. Bricht man das auf einen Tag herunter, sind es ungefähr 1.000 Menschen pro Tag. Das sind ungefähr gleich viele Menschen, wie am 7. Oktober getötet wurden.
01:14:47 Was ich auch noch bezeichnet finde, ist die Liste an Massakern, die von zionistischer Seite an der Zivilbevölkerung Palästinas verübt wurde, seit 1948 und davor schon, ist so lang, dass so ziemlich jeder Tag ein Gedenktag eines Massakers für PalästinenserInnen ist. Aber das erwähnen wir nie.
01:15:31 Herr Eisler, Sie haben gemeint, wir verdanken unseren Wohlstand dem Leiden der Menschen im Gazastreifen. Es sind in den letzten 30 Jahren mehr als 40 Milliarden Euro mindestens an Hilfe in die Palästinensergebiete geflossen. Das ist mehr als jemals in Friedenszeiten irgendein Staat bekommen hat. Und wenn man das pro Person rechnet, ist es ein Vielfaches von dem, etwa was wir nach dem Zweiten Weltkrieg bekommen haben.
Antwort zu Wohlstand und Zukunft der Flotilla
01:15:5701:15:57 Also wie kommen Sie da auf die Idee, dass wir reich werden an dem, was im Gasausstreifen passiert? Es gibt andere Länder außerhalb des Westens, die sind auch im Wohlstand, in Südkurier, Singapur, andere. Und die haben das auch geschafft ohne Ausbeutung, ganz einfach durch freier Handel und freie Marktwirtschaft. Danke. Also ich möchte einmal kurz auf einen Punkt dieser Frage eingehen.
01:16:24 Wir haben nicht diese Hilfe erhalten, die die Palästinenserinnen und Gaza bekommen hat nach dem Zweiten Weltkrieg. Das liegt aber sicher nicht daran, weil wir Opfer waren, sondern wir waren Täter. Österreich war Täter des Holocausts, des Zweiten Weltkriegs, eines Völkermords. Und wir waren keine Opfer. Das möchte ich einmal klarstellen an der Stelle.
01:16:42 dann will ich nicht sagen, und das habe ich auch nicht gesagt, dass wir unserem Wohlstand nur den Menschen, die im Gazastreifen leiden oder dem palästinensischen Volk bedanken. Wir verdanken unserem Wohlstand dem Kapitalismus, genauso wie jeder andere Staat, der in der ersten Welt davon massiv profitiert, Länder in der dritten Welt auszubeuten. Egal ob das jetzt in Afrika, in Südostasien, in Südamerika oder eben im Nahen Osten passiert.
01:17:11 Viele dieser Länder haben wertvolle Ressourcen. Dort sind keine Menschenrechtsbedingungen für Arbeit gegeben und es wird maximal ausgebeutet. Selbst mit Protokollen wie Fairtrade oder anderen Sachen kann man überhaupt nicht dafür garantieren. Jedes einzelne Smartphone, was jeder von uns besitzt, wird zum Beispiel unter menschenunwürdigen Bedingungen und Menschenrechtsverletzungen hergestellt. Man kann gar nicht anders als das zu konsumieren. Wir alle sind Mittäter dessen. Man kann sich dessen bewusst sein, aber man kann aus diesem System nicht wirklich ausbrechen. Und das ist genauso...
01:17:40 eine Farce zu sagen, andere Länder hätten das mit freier Marktwirtschaft geschafft wie Südkorea, weil die profitieren genauso davon. Alle Länder im Kapitalismus, die einen Wohlstand haben, profitieren davon, dass andere Länder, die diesen nicht haben, ausgebeutet werden. Und zum Thema Geld oder was die Reichen damit machen. Es gibt einen Plan, den habe ich vorhin zitiert vom Finanzminister Smutrich, was mit dem Gazastreifen passieren soll. Der 20-Punkte-Plan von Trump und Netanyahu, der letzte Woche vorgestellt wurde.
01:18:08 ist ein bisschen eine Bestätigung für das geliebte Dokument vom Great Trust in der Washington Post im August, was anlehnend dazu ist, nachdem Trump Präsident wurde im Februar, dieses AI-Video von der Gaza Rivera gepostet hat. Der Plan von der USA...
01:18:23 Von Israel und von verschiedenen anderen Mächten, vermutlich auch Deutschland und Österreich, ist davon zu profitieren, im komplett zerstörten Gazastreifen eine neue Nahost-Rivera aufzubauen, welche ein Handelsstützpunkt, Militärstützpunkt und eine technische Hochentwicklungszone für die USA, für Israel, für westliche Mächte sein soll. Das Ziel dahinter, oder beziehungsweise was in dem Businessplan drinnen steht, ist, dass man mit privaten Investitionsgeldern, deren Risiko man reduziert,
01:18:52 in dem man humanitäre Hilfe zur Finanzierung von dem Bau dieser Sachen verwendet. Genauso wie die Menschen, welche sich nicht damit zufrieden geben, ihr Land zu verlassen, den Gazastreifen, die bekommen dann nämlich eine Entschädigung von 5.000 US-Dollar Einmalzahlung, 4 Jahre Mietsubvention und werden in ein Land wie Somalia, Südsudan, Äthiopien oder Libanon abgeschoben. Das sind alles Länder, wo ähnliche Bedingungen herrschen, wie humanitäre Krisen in den Ländern, die ich vorhin aufgezählt habe. Es ist kein Zufall, dass die dort hinkommen.
01:19:19 Alle, die dort bleiben, werden ähnlich, wie wir es zum Beispiel auch in Katar gesehen haben, beim Bau der Fußballstadien, dafür versklavt und eingesetzt oder getötet. Und das alles nur damit am Ende des Tages möglichst wenig Risiko und Einsatz in der sogenannten freien Marktwirtschaft für die privaten Investoren, die das finanzieren, entsteht, damit sie danach deutlich mehr Geld daraus machen können. In dem Plan ist alleine für die ersten zehn Jahre vorgesehen, dass über 300 Milliarden US-Dollar Profit daraus gemacht werden.
01:19:48 Und langfristig soll damit ein Zugriff auf die Bodenressourcen von West-Saudi Arabien ermöglicht werden, wo 1,3 Billionen US-Dollar an seltenen Erden liegen. Das ist die Interesse des Kapitalismus und der von Ihnen sogenannten freien Marktwirtschaft. Mich würde interessieren, wie es mit der Zukunft der Global Summelflutile ausschaut und warum es, eurer Meinung nach, die Notwendigkeit für weitere Flutilen gibt oder ob es die Notwendigkeit braucht. Danke.
01:20:43 Also da muss man erst mal sagen, es ist ja nicht das erste Mal, dass so eine Mission stattgefunden hat mit der Global Somut Flotilla. Allein in dem Jahr haben wir zwei medial Populäre gesehen. Die Madeleine, die mit Greta Thunberg das erste Mal dort hin unterwegs war. Die Handela, die kurz darauf auf dem Weg war, die auch nochmal bestätigt hat, was wir gerade gehört haben von Rassifizierung, weil der einzige Aktivist an Bord, der schwarze Hautfarbe hatte, Chris Smalls, dort exzessiv gefoltert und gewalt ausgesetzt war, während die anderen das nicht so erlebt haben.
01:21:13 Die illegale Sehblockade Israels dort, die als Kollektivbestrafung der Bevölkerung angesehen wird von der UN, existiert auch schon seit mehr als einem Jahrzehnt. Und seitdem werden auch immer wieder Schiffe dorthin gesandt, um versuchen, diese zu durchbrechen und einen humanitären Korridor zu öffnen. Also dasselbe Ziel, was eine Global Summon Flotilla hatte und nach wie vor hat. Und auch andere Missionen wie die Freedom Flotilla Coalition oder auch die 1.100 Lanes to Gaza, welche eben zum Beispiel heute Nacht erst von Israel dort auf dieselbe Art und Weise illegal gestoppt und entführt wurden.
01:21:43 Was wir gemerkt oder gesehen haben, oder beziehungsweise warum es diese Mission überhaupt so in der Form gibt, möchte ich kurz ausfüllen. Es gab nämlich auch andere Versuche, wie zum Beispiel den Global March to Gaza, wo versucht wurde, auf Fußweg von Ägypten an die Grenze zu kommen und Hilfsgüter reinzubringen. Es gab den Somutkonvoi, wo versucht wurde, in einem Autokonvoi diese Grenze zu durchbrechen. Die sind alle gescheitert und das Resultat davon war, dass die Menschen sich noch größer organisiert haben, weil sie gesehen haben,
01:22:12 Es gibt den Willen, Hilfe zu leisten und etwas zu tun. Und dadurch ist eigentlich die Bewegung der Global Summa Flotilla erst dieses Jahr entstanden. Innerhalb von kürzester Zeit hat die ganze Welt ihre Augen darauf gerichtet. Manche auch nur mit einem Auge, sage ich jetzt mal, wie es Österreich zum Beispiel getan hat. Aber ich glaube, die Bestätigung steht da, dass die Menschheit diese Hilfsmissionen gutheißen, unterstützt, wenn man sieht, dass in Italien zum Beispiel zwei Millionen Menschen auf die Straße gehen und protestieren dafür, dass die Rechte dieser Personen nicht eingehalten werden.
01:22:41 Wir als österreichische Delegation des Global Movement to Gaza haben uns auch erst eigentlich spontan aus verschiedenen Hintergründen und Aktivismusbewegungen oder was auch immer es war, zusammengefunden, um das möglichst gut zu unterstützen aus Österreich hinaus. Das war ein harter Kampf, viele schlaflose Nächte und jede Person ist hier an ihr Limit gegangen. Und dafür sind wir alle sehr dankbar, auch die, die heute nicht hier sein können.
01:23:03 Und ich glaube nicht, dass das das Ende davon sein wird, sondern dass das gerade jetzt der Welt zeigt, dass es durchaus die Hoffnung gibt. Wir haben keine genauen Zahlen, aber es gab Schätzungen, dass aufgrund von der Global Summit Flotilla und den über 40 Booten, die in der Nacht interceptet wurden und wie lange dieser Prozess gedauert hat im Vergleich zu Madeleine und Handela, dass die israelische Navy damit durchaus schwerwiegende Probleme hatte. Und wenn es zum Beispiel doppelt so viele Boote gewesen wären, ist es wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen, alle zu stoppen. Das zeigt eigentlich nur, dass...
01:23:32 es durchaus möglich ist, dass es vielleicht sogar der richtige Weg ist, die Menschheit weiterhin dahinter steht und solange Regierungen nicht handeln, werden Menschen das für sie tun. Wenn es keine weiteren Fragen gibt, dann würden wir die Pressekonferenz beenden. Gibt es noch eine Frage? Nein? Okay. Gut. Dann danke vielmals fürs Erscheinen, fürs Zuschauen. Bitte seid menschlich.