Sind Creator die besseren Journalist*innen @aliciajoe @dracon @robbubble live bei MixTalk
Vergleich: Arbeit von Creators und Journalisten
Bei MixTalk wurde erörtert, inwiefern die Arbeit von Influencer:innen mit klassischem Journalismus vergleichbar ist. Es wurde über investigativen Recherchen, die Notwendigkeit der Aufmerksamkeitsökonomie und die enge Verbindung zur Community diskutiert. Zudem wurde die hohe persönliche Verantwortung der Creator im Vergleich zu Redaktionen angesprochen.
Einleitung und Themenvorstellung
00:00:00Der Stream von ARD bei Mixed Talk beginnt mit der Vorstellung des Themas: Sind Creator die besseren Journalist*innen? Der Moderator stellt fest, dass klassische Medien mit sinkenden Absatzzahlen und Vertrauensverlust zu kämpfen haben, während die Creator-Community wächst. Es wird die Frage aufgeworfen, obCreator aufgrund ihrer close Community und neuen Formaten Journalisten möglicherweise überlegen sind. Der Modiator kündigt Gäste wie Drakon, Rob Bubble, Alicia Joe und den Wissenschaftler Marc-Christian Rorbeck an.
Perspektive der Creator auf journalistische Standards
00:10:27Rob Bubble und Alicia Joe geben Einblicke in ihre Arbeitsweise. Rob Bubble, der investigativ in der Creator-Szene recherchiert, betont, dass er zwar journalistische Standards wie Quellenkritik und Faktenchecks anstrebt, sich aber nicht als Journalist bezeichnet, da er auch Meinungsvideos produziert. Alicia Joe beschreibt ihre Arbeit als journalistischen Kommentar, bei dem sie online recherchiert und dann ihre eigene Meinung vertritt. Beide sind sich einig, dass der Begriff Journalist nicht geschützt ist und dass ein Volontariat keine Voraussetzung für journalistische Arbeit ist.
Die "FanBlast"-Recherche von Rob Bubble
00:21:24Als Beispiel für investigativen Journalismus von Creatorn schildert Rob Bubble seine Recherche über die Plattform "FanBlast". Ein Whistleblower hatte ihm berichtet, dass Influencer auf dieser Plattform ihre Handynummern verkaufen und Chatter für sie schreiben, um Fans abzuzocken. Bubble beschreibt den aufwendigen Prozess: Er verifizierte den Whistleblower, kontaktierte über die Plattform zugängliche Personen für Interviews, recherchierte im Handelsregister und ließ sich sogar den Backend-Zugang live zeigen. Die Recherche dauerte mehrere Wochen und wurde aus eigener Tasche finanziert.
Spannung zwischen Aufmerksamkeit und journalistischer Integrität
00:34:48Ein zentrales Thema ist der Konflikt zwischen den Notwendigkeiten der Plattform und journalistischen Prinzipien. Alicia und Rob Bubble erklären, dass sie auf Social Media manchmal polarisierende und "klickbaitige" Thumbnails und Titel nutzen müssen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Sie argumentieren, dass dies eine Notwendigkeit ist, um auch anspruchsvolle Themen einem breiten Publikum zugänglich zu machen, und nicht aus reiner Gier geschieht. Dieser Zwang zur Aufmerksamkeitsökonomie trifft jedoch auch klassische Medien, die auf Plattformen wie YouTube präsent sein müssen.
Vorteile und Herausforderungen von Creator-Journalismus
00:42:06Die Creator sehen ihre Stärke in der Authentizität und der direkten Community-Anbindung. Sie sind oft näher an den Menschen und haben ein größeres Bewusstsein für die Dynamiken der Plattformen, auf denen sie agieren. Sie müssen persönlich für ihre Inhalte einstehen, was zu einer stärkeren Selbstkontrolle führen kann. Gleichzeitig sehen sie eine Gefarde darin, dass die Grenze zwischen Journalismus und Meinung verschwimmt, was beim Publikum für Verwirrung sorgen kann. Die eigentliche Herausforderung ist weniger der Journalismus an sich, sondern der Einfluss der Social-Media-Plattformen auf die gesamte Medienlandschaft.
Verantwortung und persönliche Haftung der Creator
00:45:58Im Gegensatz zu großen Redaktionen, die sich hinter dem Namen der Institution verstecken können, stehen persönliche Creator wie Rob Bubble und Alicia Joe mit ihrem Gesicht für ihre Inhalte ein. Dies bedeutet, dass sie Fehler teuer bezahlen müssen und möglicherweise doppelt so gründlich recherchieren, um ihr Renomee zu schützen. Diese persönliche Haftung kann sowohl eine starke motivierende Kraft als auch ein erheblicher Stressfaktor sein. Sie zwingt zu einem hohen Grad an Verantwortungsbewusstsein, den es in der Anonymität großer Medienhäuser nicht in gleichem Maße gibt.
Finanzierung und thematische Unabhängigkeit von Creators
00:51:27Es wird diskutiert, dass viele Creator für Funk arbeiten und dort feste Gehälter oder Projekttarife erhalten, unabhängig von der Reichweite oder dem Viralerfolg ihrer Videos. Dies garantiert ihnen eine finanzielle Sicherheit und erlaubt es ihnen, sich auf investigative und thematisch sensible Themen zu konzentrieren, die sich nicht mit Sponsoren vereinen lassen, da die Finanzierungsquelle von staatlichen Projektverträgen stammt und nicht von Unternehmen.
Gefahr der Meinungsbildung durch Meinungsblöcke
00:52:32Ein Teilnehmer äußert Sorge darüber, dass sich die Grenze zwischen Meinung und Journalismus verschwimmt und dass Zuschauer zunehmend auf Meinungsblöcke angewiesen sind, um ihre Meinung zu bilden. Dies birgt die Gefahr, dass Menschen durch die ständige Konsumation von Meinungen statt Fakten beeinflusst werden und ihre eigene kritische Fähigkeit verlieren.
Abgrenzung und Rolle von Journalismus und Meinung
00:56:34Es wird erörtert, ob Journalismus Meinung enthalten darf und wie dies aussehen kann. Während im klassischen Nachrichtenjournalismus eine neutrale Berichterstattung angestrebt wird, kann eine thematische Auswahl oder der Darstellungsrahmen bereits eine gewisse Meinung beinhalten. Wichtig ist dabei eine klare Kennzeichnung von Meinungsbeiträgen, um eine Transparenz gegenüber dem Zuschauer zu wahren.
Glaubwürdigkeit von Creators und Medienkompetenz
01:00:16Die Diskussion thematisiert die Frage, ob Creator im Allgemeinen als glaubwürdig wahrgenommen werden. Während Vertrauen von individuellen Creators und deren Arbeit abhängt und sich oft erst nach längerer Beobachtung aufbaut, schneidet der öffentlich-rechtliche Rundfunk bei der Glaubwürdigkeit der Gesamtplattform besser ab als private Online-Plattformen wie YouTube. Der Ruf nach mehr Medienkompetenz ist hier zentral.
Zukunft des klassischen Journalismus und Rolle von KI
01:07:55Ein Experte analysiert, dass klassische Medien, insbesondere die regionalen Zeitungen, große Teile der Gesellschaft, insbesondere jüngere Zielgruppen, kaum noch erreichen. Während sie durch ihr etabliertes Vertrauen punkten können, sehen sie sich mit dem Problem der Langsamkeit bei der Produktion im Vergleich zu Creatern konfrontiert. Gleichzeitig eröffnet die KI neue Chancen, etwa durch schnellere Recherchen und die Generierung von Inhalten.
Interaktion und Quellenarbeit auf Plattformen wie Twitch
01:17:35Ein spezialisierter Creator sieht den größten Vorteil von Plattformen wie Twitch nicht in der Plattform selbst, sondern in der direkten Interaktion mit dem Publikum. Diese ermöglicht es, live auf Fragen einzugehen und 专家en einzuladen, was für klassische Medien schwieriger ist. Eine zentrale Rolle spielt dabei eine transparente Quellenarbeit, bei der Creator Primärquellen angeben und zum Nachprüfen einladen, auch wenn dies nicht immer ausgeschöpft wird.
Personenmarke und Autorität im Creator-Journalismus
01:22:38Ein Teilnehmer beschreibt sich selbst nicht als neutralen Journalisten, sondern eher als Publizisten oder Aktivisten, der sich thematisch stark positioniert und eine klare Meinung vertritt. Die Einheit von Person und Marke schafft eine hohe thematische Autorität und Communitybindung, die klassische Medien oft nicht besitzen. Dieser Spagat zwischen journalistischer Recherche und klarer Positionierung ist ein zentrales Merkmal moderner Creator.
Parasoziale Beziehung und Nähe zum Publikum
01:32:13Die parasoziale Beziehung zwischen Creator und Zuschauer, die einer Freundschaft ähnelt, wird als entscheidender Faktor für den Erfolg von Creator-Journalismus genannt. Diese Nähe und Vertrautheit führt dazu, dass ZuschauerCreators wie Freundschaftspersonen wahrnehmen, ihnen Fragen stellen und ihre Inhalte als authentischer und glaubwürdiger empfinden, was eine klassische Redaktion nicht replizieren kann.
Symbiose statt Konkurrenz
01:33:50Diskussion über die Unterschiede und Parallelen zwischen Creatorn und klassischen Journalisten. Creator haben andere Limitationen, wie den mangelnden Zugang zu vertraulichen Dokumenten, während Journalisten mit deren Veröffentlichung kämpfen. Es wird der Begriff der „Mediamorphose“ eingeführt, der beschreibt, dass neue Medien nicht zwangsläufig alte verdrängen, sondern symbiotisch zusammenwirken können. Die Arbeit von Journalisten bildet oft die Grundlage für Creator-Reaktionen.
Qualität und Struktur im Wandel
01:38:18Die erfolgreichsten Creator entwickeln journalistische Arbeitsweisen und nähern sich den Strukturen klassischer Medien an. Sie übernehmen Quellenlisten und arbeiten zunehmend in Teams, um Qualität und Frequenz zu gewährleisten. Gleichzeitig werden klassische Medien durch den Erlösverlust auf Plattformen gezwungen, ihre Strategien anzupassen. Es entsteht eine Annäherung, bei der beide Seiten von den Stärken des jeweils anderen profitieren.
Die Debatte um Faktenchecks
01:41:58Ein zentrales Thema ist der Fakt-check in Live-Formaten und Talkshows. Während einige Creator diese durchführen können, ist es für klassische Medien aufgrund des Zeitdrucks oft unmöglich, alle Aussagen live zu überprüfen. Es wird betont, dass die Forderung nach unmittelbarer Korrektheit eine „Quadratur des Kreises“ darstellt. Gleichzeitig fehlt es in vielen Formaten an Faktenchecks, was das Vertrauen untergräbt und Falschaussagen perpetuiert.
Hohe Standards und Vertrauensverlust
01:50:58Es wird eine höhere Sorgfaltspflicht für alle Medien, insbesondere den öffentlich-rechtlichen, gefordert. Live-Formate sollten nicht um jeden Preis auf Kosten der Genauigkeit produziert werden. Der Fakt-check wird als wichtiges Instrument zur Wiederherstellung von Vertrauen angesehen, dessen Level seit 2020 gesunken ist. Die Diskussion beleuchtet, dass Faktenchecks zwar eine Grundfertigkeit sind, aber nicht zwangsläufig zu mehr Vertrauen führen, wenn sie nicht sorgfältig umgesetzt werden.
Verantwortung und Fehler in der Creator-Landschaft
01:54:29Die Verantwortung für korrekte Informationen betrifft auch die Creator-Szene. Auch hier gibt es Qualitätsunterschiede, und Fehlinformationen können verbreitet werden. Es wird eingeräumt, dass selbst sorgfältig arbeitende Creator Fehler machen können, wie am Beispiel des Tankrabatts gezeigt wird. Die Creator-Landschaft ist nicht monolithisch, und Zuschauer sollten kritisch bleiben. Die Zusammenarbeit zwischen Plattformen und Medien ist ein deutsches Spezifikum.
Zeitreise und Ausblick
01:56:55Ein historischer Video-Einspieler von Felix Dena (2016) zeigt die frühe Zusammenarbeit zwischen Creators und Medien. Dies wird als Meilenstein gesehen, die Vorreiterrolle Deutschlobs in diesem Bereich unterstreicht. Der Stream endet mit einer Zusammenfassung der Gäste und Th sowie einem Ausblick auf die nächste Sendung. Ein Raid auf den Kanal „Kirikora“ bildet den abschließenden Übergang.