MixTalk ! Warum schauen wir anderen beim Arbeiten zu? [heute u.a. zu Gast: @verena, @LizaGrimm @MetzgermeisterRoegele]

Coworking-Streams: Gemeinsam produktiv arbeiten

Es wurde über das wachsende Phänomen der Coworking-Streams gesprochen. Dabei wird die Frage untersucht, warum Menschen anderen beim Arbeiten zuschauen. Es wurde gezeigt, wie diese Form der virtuellen Zusammenarbeit sowohl im Homeoffice als auch in traditionellen Berufen wie dem Handwerk eine neue Form der Produktivität und des Gemeinschaftsgefühls schafft.

Just Chatting
00:00:00

Just Chatting

Einführung in das Thema und Vorstellung der Gäste

00:00:00

Der LiveStream beginnt mit der Vorstellung des Themas 'Coworking-Streams' und der Frage, warum Menschen anderen beim Arbeiten zuschauen. Es werden die Gäste Liza Grimm, Johanna und Metzgermeister Rögele angekündigt. Der Moderator erklärt den Chat und die Möglichkeit, für die Zuschauer über die Funktion 'Stream Together' aktiv in den Stream einzusteigen. Auch wird die Möglichkeit, dem ARD-Kanal auf Twitch zu folgen, um die 100.000-Follower-Marke zu erreichen, angesprochen.

Erfahrungen mit Coworking-Streams – Liza Grimm

00:16:44

Liza Grimm, Fantasy-Buchautorin und Twitch-Streamerin, beschreibt ihre Anfänge mit Coworking-Streams während des Lockdowns. Ihr erster Stream war überfordernd, da sie ihren kompletten Schreibprozess teilen wollte, was sich schnell als nicht praktikabel erwies. Sie nutzt heute die Pomodoro-Technik mit 25-Minuten-Arbeits- und 5-Minuten-Pausenblöcken, kombiniert mit Motivationsreden und Erinnerungen für Pausen, wie Trinken oder Aufstehen. Der Stream bietet ihr Struktur und hilft unangenehmen Bürokratieaufgaben nachzugehen.

Gemeinschaftsgefühl und Produktivitätssteigerung durch Coworking

00:25:20

Für viele Zuschauer ist der entscheidende Faktor bei Coworking-Streams das Gemeinschaftsgefühl. Das Gefühl, nicht allein zu arbeiten und virtuelle Kollegen zu haben, motiviert und hilft, Ablenkungen zu minimieren. Die Live-Erlebnis auf Twitch wird im Gegensatz zu vorab aufgezeichneten Videos als deutlich wirksamer empfunden, da es ein real-time Setting schafft. Auch für neurodivergente Menschen und bei der Bewältigung von ungeliebten Aufgaben wie der Steuererklärung oder der Haushaltsführung bietet der Strukturrahmen eine wertvolle Unterstützung.

Anwendung im Studium – Johannas Erfahrung

00:36:00

Johanna berichtet davon, wie Coworking-Streams ihr geholfen haben, sich für eine Klausur zu motivieren. Im Gegensatz zu passiven Lernvideos auf YouTube wirkten die Live-Streams auf Twitch, da sie ein intensiveres Gemeinschaftsgefühl vermittelten. Der Chat und der Anblick der Streamerin, die ebenfalls arbeitete, schufen den Drang, mitzumachen. Die Anwendung der Pomodoro-Technik half ihr, den Lernprozess in überschaubare Blöcke zu unterteilen und so effektiver für die Prüfungen zu lernen.

Coworking-Streams auch für Berufe außerhalb des Homeoffice

00:44:59

Der Stream thematisiert auch die Frage, ob Coworking-Streams für Berufe im Handwerk oder im öffentlichen Dienst relevant sind, wo sie nicht direkt am PC arbeiten können. Der Moderator betont, dass auch diese Berufsgruppen wichtig sind und gesehen werden. Die Relevanz liegt weniger im direkten Mitmachen, sondern im Hören des Streams, um auch außerhalb des Bildschirms eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Liza Grimm ergänzt, dass sie auch spezielle 'Haushalts-Pomodoro' anbietet, die beim Aufräumen oder ähnlichen Tätigkeiten helfen.

Ausblick: Metzgermeister Rögele

00:47:26

Als Nächstes wird Metzgermeister Rögele als Gast angekündigt. Es wird betont, dass seine Arbeitsweise während des Arbeitstages einen spannenden Einblick in die Welt des Coworking-Streams jenseits des Büros bieten wird. Dies unterstreicht die Vielfalt des Themas und zeigt auf, dass das Prinzip des gemeinsamen Arbeitens und des Zuschauens auch in handwerklichen Berufen Anwendung findet und ein wertvolles Erlebnis für die Community darstellt.

Interaktive Elemente und Ablenkung im Arbeitsstream

00:47:55

Die嘉宾 diskutieren den Einsatz von interaktiven Features in Coworking-Streams. Während einige Features wie Timer oder To-Do-Listen als motivierend und hilfreich empfunden werden, können sie auch ablenken, wenn sie unübersichtlich sind oder der Streamer selbst von der Arbeit abweicht. Wichtiger ist es, für sich die richtige Balance zu finden und zu wissen, was einem persönlich produktiv hält. Die Musikwahl wird ebenfalls thematisiert, wobei stimmungsvoll instrumentale Musik bevorzugt wird, um nicht beim Schreiben abgelenkt zu werden.

Zeitmanagement und die Bedeutung der Routine

00:49:51

Die Wichtigkeit des Zeitmanagements wird hervorgehoben, besonders im Hinblick auf die Pomodoro-Technik. Während einige Streamer strikt 25,5 Minuten Arbeit und 4,5 Minuten Pause einhalten, ist es andere, wie ein Freund von Leisa, der 50 Minuten Pause macht. Das Wichtigste ist, einen Rhythmus zu finden, der zur eigenen Arbeitsweise passt. Johanna bestätigt, dass ein gemeinsamer Arbeitsrhythmus, wie zum Beispiel die gemeinsame Erledigung von Buchhaltung am Dienstag, die Community motiviert und ein Gefühl von Zugehörigkeit schafft.

Grenzen des Streamings und Privatsphäre

00:51:55

Ein zentrales Thema ist die Frage, was im Stream gezeigt werden sollte und was nicht. Leisa erklärt, dass sie bewusst nur Dinge teilt, die öffentlich sind oder sein könnten, wie Social-Media-Posts. Sie arbeitet auf einem Tablet, um versehentlich private Inhalte preiszugeben zu vermeiden und zeigt keine privaten E-Mails oder Entwürfe. Dieser bewusste Umgang mit Privatsphäre ist entscheidend, um Professionalität und Vertrauen aufrechtzuerhalten.

Einzigartigkeit und Selbstfindung für Streamer

00:55:12

Leisa gibt ihren wichtigsten Rat für angehende Streamer: Man sollte versuchen, seinen eigenen Stil zu finden und nicht einfach andere zu kopieren. Das größte Lernen war für sie, genau das zu tun und ihren eigenen Arbeitsfluss zu etablieren. Es gibt keine Einheitslösung; jemandem, der Romanautor ist, mag 50 Minuten Schreibzeit benötigen, während andere mit 25 Minuten besser zurechtkommen. Man muss sich selbst kennen lernen und eine Arbeitsatmosphäre schaffen, die zu einem passt.

Wissenschaftliche Perspektive: Warum schauen wir zu?

00:59:14

Mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Martin Zeschke wird eine neue Perspektive eingeführt. Er erklärt Phänomene wie die 'Social Facilitation', nach der Menschen, die beobachtet werden, an bekannten Aufgaben oft besser arbeiten. Das Zusehen bei Arbeitsstreams kann also die Produktivität steigern, da ein Gefühl der Verpflichtung entsteht. Zeschke betont, dass der Wunsch, sich nicht allein zu fühlen, ein zentraler Antrieb ist, warum Menschen solche Streams anschauen.

Wandel der Arbeitskultur: Homeoffice und Hybridmodelle

01:08:16

Zeschke beleuchtet die Veränderung der Arbeitskultur, hervorgerufen durch die Pandemie. Während Homeoffice früher ein Privileg war, ist es heute weit verbreitet. Wichtig ist dabei nicht nur die technische Ausstattung, sondern auch die Neuordnung der Zusammenarbeit. Firmen stehen vor der Herausforderung, гибридные Modelle zu gestalten, die sowohl Büropräsenz als auch Remote-Arbeit effektiv kombinieren. Die Kündigungsrate steht dabei oft im Zusammenhang mit der wahrgenommenen Flexibilität.

Das Modell des interaktiven Gründungs-Streams

01:15:41

Verena stellt ihr einzigartiges Streaming-Modell vor, bei dem sie ihre Community nicht nur als Zuschauer, sondern als aktive Co-Worker einbindet. Sie nutzt die 'Schwarmintelligenz' des Chats, um gemeinsam an beruflichen Herausforderungen zu arbeiten. Dies schafft eine tiefe Bindung zur Community und führt oft zu besseren Ergebnissen, als sie sie allein erreicht hätte. Ihr Ansatz ist ein digitales, modernes Großraumbüro, in dem jeder zum Team gehört.

Gemeinsame Lösungen aus der Community

01:27:58

Verena erzählt von einem konkreten Erfolg, der durch ihre Community entstanden ist. Sie hatte die Idee für eine Software, die Sponsoren und Streamer automatisch vermittelt. Innerhalb von drei intensiven Streams haben sie und ihre Chatter das komplette Tool gemeinsam entwickelt, wobei auch Programmierer aus dem Community beigetragen haben. Dieses Beispiel zeigt, wie Twitch zu einem leistungsfähigen kollaborativen Arbeitsraum werden kann, der reale Geschäftsprobleme löst.

Erreichbarkeit am Arbeitsplatz und Grenzen

01:33:26

Die Diskussion dreht sich um das Thema der Erreichbarkeit nach der Arbeit. Streamer und Gäste tauschen sich aus, wie sie mit dem Bedürfnis, ständig erreichbar zu sein, umgehen. Die Abstimmung im Chat zeigt eine gemischte Tendenz zwischen denen, die klare Grenzen ziehen (z.B. ab 18 Uhr), und denen, die auch nach Feierabend noch auf Anfragen reagieren. Verena betont, dass sie in ihrer Community mental Gesundheit thematisiert und niemals jemanden zu permanenter Erreichbarkeit rät, da dies langfristig nicht gesund sei.

Verenas Geschäftsmodell und der iPhone-Case Rotenburg

01:36:26

Verena berichtet über ihr neues Geschäftsfeld: Sie berät Agenturen und Marken im Bereich Twitch-Marketing, da sie einen Informationsbedarf in dieser Nische erkannt hat. Zudem erzählt sie vom interaktiven Projekt "iPhone Rotenburg" der Süddeutschen Zeitung. Dabei handelte es sich um ein komplexes Osterrätsel, bei dem sie und ihre Community online und vor Ort gemeinsam Lösungen fanden, was zu einem Durchschnitt von 1500 Zuschauern führte und eine coole Kombination aus IRL und digitaler Kooperation darstellte.

Metzgermeister Timo Rögele: Einblick in das Handwerk

01:42:29

Der Gast Metzgermeister Timo Rögele kommt zu Wort und erklärt, warum er für seinen Beruf ins Livestreaming geht. Sein Hauptantrieb ist es, Transparenz zu schaffen und negative Vorurteile gegenüber dem Metzgerhandwerk abzubauen. Er sieht in Livestreams den Vorteil der direkten Live-Interaktion im Vergleich zu anderen Plattformen. Der Stream ermöglicht es der Community, direkt in die Produktionsprozesse einzugreifen, indem sie Umfragen entscheidet, welche Zutaten in Spezialwurstsorten kommen. Dies schafft eine einzigartige Form der Marktforschung und Community-Beteiligung.

Herausforderungen und Belastung für Handwerker

01:44:13

Die Beantwortung von Chatanfragen während der Arbeit stellt Timo Rögele vor erhebliche Herausforderungen. Er beschreibt die anfängliche mentale und physische Anstrengung, zusätzlich zu seiner handwerklichen Tätigkeit moderieren zu müssen. Sein Kopf war nach den ersten Streams oft komplett überfordert. Auch die zeitliche Ausdehnung des Arbeitsablaufs ist ein Faktor; er schätzt, dass er durch den Stream etwa eineinhalb Stunden länger für Aufgaben benötigt als ohne. Trotz der Belastung hat sich Timo jedoch an den zusätzlichen Aufwand gewöhnt.

Hate-Kommentare und Community-Management

01:46:58

Beide Gäste, Verena und Timo, sprechen über den Umgang mit negativem Feedback und Hate-Kommentaren in ihren Communities. Timo berichtet von extremen Positionen, sowohl von militanten Veganern als auch von Fleischanhängern. Er geht respektvoll auf Kritik ein, zieht aber eine klare Grenze bei Beleidigungen. Verena schildert, dass sie als Frau im Streamingbereich oft mit Kommentaren konfrontiert wird, die ihre Kompetenz in Frage stellen oder sie nur als Unterhaltungswert sehen. Sie hat gelernt, solche Kommentare zu ignorieren und eine klare Kanze zu zeigen, wenn sie die Grenzen respektvoller Kommunikation überschreiten.

Vorbildwirkung und Aufklärung durch die Streams

01:51:59

Die Gäste reflektieren über ihre Rolle als Vorbilder und Motivatoren. Verena sieht sich als stilles Vorbild und ermutigt ihre Zuschauer, ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Sie berichtet, dass ihr Privatnachrichten erreichen, in denen sich Menschen bedanken und sich dank ihrer Motivation getraut haben, neue Dinge zu wagen. Timo bestätigt diese Wirkung für sein Handwerk und berichtet von Azubis, die sich durch seine Streams für den Metzberuf begeistert haben und in sein Praktikum oder eine Ausbildung gestartet sind.

Einblicke in die technische Umsetzung und Arbeitsabläufe

02:10:52

Es wird technisch beleuchtet, wie Timo Rögele seinen Metzgereialtag streamt. Oft wird von einem festen Stativ aus gefilmt, aber es gibt auch Versuche mit Kopfkameras und Bodycams, um dem Publikum ein "POV"-Gefühl zu geben. Das Synchronisieren der Kameras und die Vermeidung von Zeitverzögerungen sind jedoch technische Herausforderungen. Bei seiner Arbeit vertraut Timo stark auf Muskelgedächtnis und Automatismen, was es ihm ermöglicht, komplexe Trennschnitte am Fleisch zu erledigen, ohne permanent auf die Säge blicken zu müssen.

Zusammenfassung und Ausblick der Sendung

02:14:27

Am Ende des Streams werden die Kernthesen zusammengefasst: das Phänomen des Coworking-Streams, das auf verschiedene Berufsgruppen angewendet werden kann, und die unterschiedlichen Perspektiven, die beleuchtet wurden. Der Host bedankt sich bei den Gästen, insbesondere bei Timo Rögele, und kündigt zukünftige Inhalte an. Am darauffolgenden Tag läuft "TagesschauTogether" und nächste Woche Mittwoch wird es eine neue Ausgabe von "MixTalk" zum Thema Gaming und "Einsamkeit" geben, die der Streamer als Zusage für die treue Community sieht.